Globuli von C bis C

Carbo vegetabilis Globuli

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Carbo vegetabilis ist ein homöopathisches Arzneimittel, das aus der Holzkohle gewonnen wird. Zur Herstellung der Holzkohle wird meist das Holz von Rotbuchen oder Birken verwendet.[1] Um aus Holzkohle eine homöopathische Arznei zu gewinnen, wird die Holzkohle zunächst in luftdichten Steingutgefäßen gelagert.[3] Anschließend wird die Asche verrieben, immer wieder im Verhältnis 1:10 verdünnt und mit einer bestimmten Anzahl von Schlägen geschüttelt, bis die gewünschte Potenz erreich ist.

Carbo vegetabilis findet vorwiegend Verwendung bei älteren Patienten mit geringer Lebenskraft, die sowohl körperlich als auch seelisch erschöpft sind. Das Mittel wird darüber hinaus bei Blähungen, Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden eingesetzt.[1][3] Carbo vegetabilis gehört zu den sogenannten Reaktionsmitteln, die angewendet werden können, wenn trotz der richtigen Auswahl eines anderen Arzneimittels eine Reaktion ausbleibt, obwohl keine Heilungshindernisse vorliegen.[4] Eine Selbstbehandlung ist möglich, jedoch sollte bei einer gravierenden Symptomatik oder ausbleibender Besserung immer ein Arzt konsultiert werden.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Carbo vegetabilis wird vorwiegend bei Patienten eingesetzt, die unter starker Erschöpfung und großer Schwäche leiden. Sie frösteln, sind träge, schwerfällig und neigen zur Ohnmacht. Diese Symptome können die Folgen einer Erkrankung oder eines großen Flüssigkeitsverlustes sein, von dem sich die Patienten nicht mehr richtig erholt haben. Die Erkrankung ist eher schleichend entstanden und dauerte nicht lange an, trotzdem neigt sie dazu, häufiger wiederzukehren. Den Patienten ist alles gleichgültig. Ihre körperliche und seelische Erschöpfung lässt weder körperliche noch geistige Arbeit zu, deswegen sind die Patienten auch nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Besonders in den Abendstunden können Stimmungsschwankungen einsetzen, die von völliger Gleichgültigkeit bis hin zu äußerster Gereiztheit reichen. Typisch ist, dass die Patienten sich überwinden müssen, abends in das Bett zu gehen, denn trotz ihrer Gleichgültigkeit haben sie Angst vor der Dunkelheit und vor Geistern.[1][5]

Wo wirkt es?: Neben der Verwendung bei körperlicher und seelischer Erschöpfung kommt Carbo vegetabilis größtenteils bei Beschwerden des Magen- Darm-Traktes zum Einsatz. Eines der Hauptbeschwerden ist hierbei Sodbrennen, das mit häufigem faulig-saurem Aufstoßen und krampfartigen Schmerzen sowie einer Abneigung gegen Fleisch, Milch, Alkohol und fettigem Essen einhergeht. Weiterhin wird Carbo vegetabilis bei einer trägen Verdauung eingesetzt, die durch extremes Völlegefühl, Druck auf dem Magen und dünnem stinkenden Stuhl gekennzeichnet ist. Nicht selten kommt es bei den Carbo vegetabilis-Patienten auch zu starken übelriechenden Blähungen, die von einem komplett druckempfindlichen Bauch begleitet werden. Ein weiteres Einsatzgebiet für Carbo vegetabilis ist durch feuchtes Wetter ausgelöste Heiserkeit.[3]

In welchem Alter?: Die Hauptcharakteristika der körperlichen und seelischen Schwäche finden sich hauptsächlich bei älteren Patienten, weswegen Carbo vegetabilis gehäuft bei diesen eingesetzt wird. Gerade nach Operationen oder längeren Krankheiten, die zu einem Verlust des Lebensmutes geführt haben, kann Carbo vegetabilis gut angewendet werden.[1][5] Dennoch ist eine Verwendung bei jüngeren Patienten nicht ausgeschlossen, da auch sie auch beispielweise von Verdauungsstörungen, Blähungen oder Schwäche geplagt sein können. Eine weitere mögliche Verwendung findet sich bei Schwangeren, die unter Verdauungsstörungen leiden, zu denen auch Kreislaufbeschwerden und allgemeine Schwäche hinzutreten.[3] Dabei ist eine vorherige Arztkonsultation unerlässlich!

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hauptsymptome des Carbo vegetabilis-Patienten sind allgemeine Schwäche, Kälte und ein Zusammenbruch des Kreislaufes mit der Neigung zur Ohnmacht. Ein Leitsymptom ist das Verlangen nach Luft, selbst bei kalter Umgebungsluft. Typischerweise möchte der Carbo vegetabilis-Patient noch zusätzlich Luft zugefächelt bekommen oder nach draußen an die frische Luft gehen, denn innerlich verspürt er Hitze und Brennen. Trotzdem sind die Hände, Füße und die Haut als solche kalt und bläulich. Er leidet unter Verdauungsproblemen mit Aufstoßen, Völlegefühl und Blähungen.[1]

Verbesserung: Der Carbo vegetabilis-Patient verspürt eine Linderung seiner Beschwerden durch den Abgang der Winde, infolge des Aufstoßens und durch das Zufächeln von Luft. Gelegentlich auftretender Husten und asthmatische Beschwerden werden besser durch Aufsetzen.[1][3][5]

Verschlechterung: Eine Verschlimmerung der Beschwerden tritt vor allem am Abend, in der Nacht und im Liegen ein. Verschlechtert wird das Wohlempfinden des Patienten zudem durch feuchtwarmes Wetter oder eine überwärmte Umgebung. Fettige Speisen verträgt der Carbo vegetabilis-Patient genauso wenig wie Milch, Butter, Kaffee oder Alkohol.[1][3][5]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Neben einer starken körperlichen Erschöpfung ist auch eine starke emotionale Gleichgültigkeit bei den Carbo vegetabilis-Patienten typisch. Sie wirken insgesamt eher träge und verlangsamt, allerdings kann diese Trägheit schnell in Gereiztheit umschlagen, was manchmal zu Beschimpfungen der eigenen Familienmitglieder führt. Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwierigkeiten sind keine Seltenheit, wodurch Arbeiten, die früher leicht von der Hand gingen, nicht mehr ausgeführt werden können. Weiterhin verspüren viele Carbo vegetabilis-Patienten Angst im Dunkeln, was das Einschlafen erschwert. Hinzu kommt die Angst vor Geistern, die zusätzlich vor dem Schlafengehen überwunden werden muss.[1][5]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kopf des Carbo vegetabilis-Patienten ist sehr empfindlich. Nicht nur Anstrengungen verursachen dumpfe Kopfschmerzen, sondern auch das Unterdrücken der Blähungen, zu vieles Essen oder das Tragen eines Hutes. Die Kopfschmerzen verstärken sich durch Hinlegen oder durch Wärme. Im Gegensatz zum restlichen Körper ist der Kopf erhitzt, die Wangen gerötet. Es sammelt sich kalter Schweiß auf der Stirn an. Strähnenweiser Haarausfall kann vorkommen.[1][5]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig ist das Gesicht des Carbo vegetabilis-Patienten entweder hager oder aufgedunsen. Die Ohren sind kalt und sondern gelegentlich übelriechendes Sekret ab. Die Nase ist ebenso kalt wie die Ohren, allerdings von rötlicher Färbung. Ist das Wetter eher feucht, kann es zu wässrigem Schnupfen und Husten kommen. Nasenbluten ist keine Seltenheit und tritt oft nach Anstrengung auf. Das Zahnfleisch ist ähnlich empfindlich wie die Kopfhaut und der Atem ist eher übelriechend.[1]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Carbo vegetabilis-Patienten neigen zu Erkältungen und daraus resultierender Heiserkeit, die sich abends und bei feuchter Luft noch verstärkt. Nach dem Essen kann die Luft knapp werden, ebenso nach Anstrengung oder bei Blähungen. Typischerweise verlangen die Patienten, dass man ihnen kühle Luft zufächelt. Carbo vegetabilis ist eine wichtige homöopathische Arznei bei einer Lungenentzündung, wenn der Patient frische Luft wünscht, obwohl die Umgebungsluft eher kühl ist. Nicht selten kommt es bei Carbo vegetabilis-Patienten zu Herzklopfen bei gleichzeitig vorhandenem schwachen und unregelmäßigen Puls. Blähungen können neben dem Gefühl der Luftnot auch mit Beklemmungen in der Brust oder Kreislaufschwierigkeiten einhergehen.[1]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Vor allem das Essen von fettigen Speisen und Fleisch, aber auch das Trinken von Milch verursacht ein starkes Völlegefühl, die Entwicklung oder Verstärkung von Blähungen und Sodbrennen, weshalb gegenüber diesen Speisen eine Abneigung besteht. Die Carbo vegetabilis-Patienten verlangen eher nach kaltem Wasser. Ständige Druckempfindlichkeit des Bauches ist keine Seltenheit, weswegen die Patienten auch das Tragen von enger Kleidung vermeiden. Der Stuhl ist oft übel riechend, wässrig und schleimig.[1][5]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei den weiblichen Carbo vegetabilis-Patienten kann es vor der Menstruation zu einem dicken, grünlich-milchigem Ausfluss kommen, der den Intimbereich reizt.  Daraus resultiert ein Jucken und Brennen im Genitalbereich.[1][5]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typischerweise sind die Hände und Füße der Carbo vegetabilis-Patienten kalt und bläulich-blass gefärbt. Die Füße können zudem geschwollen sein. Die Muskeln sind schwach und die Glieder fühlen sich manchmal wie eingeschlafen oder gar gelähmt an.[1][5]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die übrige Haut ist meist ebenso kalt und bläulich-blass. Sie fühlt sich rau an und juckt oder brennt sehr häufig, was durch Bettwärme noch verstärkt wird. Oftmals finden sich bei Carbo vegetabilis-Patienten wunde Hautareale, die zur Ausbildung von Geschwüren neigen. Diese Geschwüre heilen nur schwer und sondern häufig ein dünnes, blutiges, scharf riechendes Sekret ab.[1][5]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In der Regel findet sich kalter Schweiß an den Extremitäten der Carbo vegetabilis-Patienten. Sie empfinden oftmals abwechselnd Kälte oder Wärme. Wenn es heiß ist, verspüren sie keinen Durst, wenn es kalt ist, haben sie das Verlangen nach kaltem Wasser. Tritt Fieber auf, so wird es begleitet von starker Erschöpfung und Schweißbildung.[1]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Da schon das Einschlafen für die Patienten schwer ist, überrascht es nicht, dass ihr Schlaf eher unruhig und voller ängstigender Träume ist. Wenn die Carbo vegetabilis-Patienten erwachen, sind sie ängstlich, haben kalte Glieder und es bricht ihnen kalter Schweiß aus.[1]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Ammonium carbonicum

Bei Ammonium carbonicum handelt es sich chemisch gesehen um Ammoniumhydrogencarbonat, ein Salz, das einer der Hauptbestandteil in Hirschgeweihen ist. Als homöopathische Arznei findet es hauptsächlich Anwendung bei übergewichtigen Frauen, die trotz ihrer kräftigen Konstitution zur Ohnmacht neigen. Durchfall kommt bei Ammonium carbonicum-Patientinnen eher nur am ersten Tag der Menstruation vor. Im Gegensatz zu den Carbo vegetabilis-Patienten hilft es den Ammonium carbonicum-Patienten Druck auf die schmerzhafte Stelle auszuüben, zum Beispiel bei Kopfschmerzen.[5]

Arsenicum album

Arsenicum album ist ein Gift, das eine Sauerstoffnot innerhalb der Zellen auslöst indem es spezielle Enzyme der Atmungskette blockiert. In der Homöopathie kommt es in der Regel nur stark potenziert zum Einsatz.Arsenicum album-Patienten sind ebenso blass und ähnlich entkräftet mit der Neigung zur Ohnmacht wie Carbo vegetabilis-Patienten. Arsenicum album kann ebenfalls bei starker Erschöpfung und Verdauungsproblemen eingesetzt werden, darüber hinaus findet es Anwendung bei Vergiftungen aller Art, besonders aber bei Fisch- und Fleischvergiftungen. Im Gegensatz zu Carbo vegetabilis-Patienten verspüren Arsenicum album-Patienten bei Wärme und Hitze eine Linderung ihrer Beschwerden.[1][3]

Colchicum

Diese homöopathische Arznei wird aus den zerkleinerten und in Alkohol eingelegten Knollen der Herbstzeitlose gewonnen. Sie kann genau wie Carbo vegetabilis bei Verdauungsbeschwerden angewendet werden, die mit Krämpfen und Blähungen einhergehen. Hauptsächlich findet sie Anwendung bei schmerzhaften, geschwollenen und heißen Gelenken, also gichtähnlichen Beschwerden. Im Gegensatz zu Carbo vegetabilis-Patienten fürchten sich Colchicum autumnale-Patienten vor nichts.[3]

Graphites

Als homöopathische Arznei wird Graphit gegen Schnupfen und Hautausschläge bei Patienten mit gereizter Grundstimmung eingesetzt. Die Graphites-Patienten sind eher übergewichtig und leiden vermehrt unter Verstopfung ganz im Gegensatz zu den Carbo vegetabilis-Patienten, die eher zu wässrigem Stuhl neigen. Essen führt außerdem bei den Graphites-Patienten zu einer Besserung der Beschwerden.[3]

Lycopodium

Lycopodium clavatum wird als den Pollen des Bärlappmooses, einer Moosart, die in Mittel- und Nordeuropa beheimatet ist, aber auch in anderen Teilen der Welt vorkommen kann, gewonnen. Es kommt wie Carbo vegetabilis ebenfalls zum Einsatz bei Völlegefühl, Blähungen und Sodbrennen. Im Gegensatz zu Carbo vegetabilis wird es nicht nur vorwiegend bei älteren Patienten verwendet, sondern auch schon bei Säuglingen, die unter Krämpfen des Verdauungstraktes leiden.[3]

Hintergrundinformationen

Um aus einem Laubbaumholz Holzkohle zu gewinnen, wird das Holz unter Luftabschluss stark erhitzt, wobei je nach Temperatur und Ausgangsmaterial unterschiedliche chemische Prozesse ablaufen. Insgesamt wird dieser Prozess Pyrolyse genannt. Dabei werden große Moleküle in kleinere Gespalten. Die bei der Holzkohleherstellung entstehenden kleineren Moleküle wie zum Beispiel Kohlenmonoxid, Methan und Formaldehyd [2] sind alle gasförmig und brennbar, weswegen sie in der späteren Holzkohle nicht mehr enthalten sind. Durch diesen Entzug von Gasen und Temperaturen um 400°C wandelt sich die faserige Holzstruktur in eine kristalline Holzkohlestruktur.

Auch in der Schulmedizin findet Holzkohle in Form der Aktivkohle Anwendung bei Durchfallerkrankungen. Die Holzkohle wurde dabei durch verschiedene Verfahren noch poröser gemacht, wodurch sie eine noch größere Oberfläche erhielt. Auch zur Entfernung von Giftstoffen, die oral aufgenommen wurden, findet Aktivkohle Verwendung.