Globuli von G bis I

Graphites Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Graphites ist eine homöopathische Arznei aus dem Mineral Graphit. Dabei handelt es sich um ein natürliches Mineral und um eine der Erscheinungsformen des chemischen Elements Kohlenstoff in Rohform. Der Name leitet sich aus dem Griechischen „graphein“ ab, was „schreiben“ bedeutet und an die Tatsache erinnert, dass die gewöhnlichen Bleistiftminen hauptsächlich aus Graphit bestehen.[1] Graphites wird hauptsächlich bei Hautproblemen verordnet, bei Schnupfen, Magenentzündungen, seltener auch bei psychischen Problemen. Sie werden angewendet bei zu übergewichtigen, energielosen Menschen, die oft frieren und nicht selten unter Verstopfung leiden.[2]

Die eigenen Beschwerden sollten mit den unten aufgeführten Symptomen übereinstimmen. Bei Unsicherheiten sollte man zur Sicherheit der richtigen Arzneimittelwahl unbedingt einen Arzt zu Rate ziehen. Liegt eine chronische Krankheit vor, brauch es immer eine fachärztliche Untersuchung und Diagnose, bevor eine Selbstbehandlung in Erwägung gezogen wird. Auch bei Stoffwechselproblemen aufgrund einer Erkrankung der Schilddrüse sollte ein Arzt konsultiert werden, der mit dem Patienten alle Fakten analysiert und dadurch das geeignete Präparat auswählen kann.[3] Neurodermitis gehört ebenfalls in die Hände eines Fachmanns, um erfolgreich behandelt zu werden.[4]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung


Bei wem?:
Der Graphites Kranke wirkt sehr bescheiden, hilfsbereit und fürsorglich. Oft leidet er unter Minderwertigkeitsgefühlen, ist unsicher und kaum imstande Entscheidungen zu treffen. Der Kranke ist vom Wesen her sehr unentschlossen, furchtsam und traurig. Gleichzeitig ist er eher fettleibig (adipös), was eventuell im Trost durch geschmackvolles Essen Begründung findet. Er verhält sich eher ruhig und schüchtern, kann aber sehr sentimental werden und besitzt eine große Sensibilität für Musik, die ihn zum Weinen bringen kann. Kleine Alltagsprobleme empfinden Graphites-Typen als unüberwindbare Berge, die zur schnellen Entmutigung führen.
Das Kind ist übergewichtig sowie kälteempfindlich und wird so beschrieben: Es hat einen großen Kopf mit fleischigem Gesicht, besitzt wenig Selbstvertrauen und erscheint daher oft verlegen. Da es entschlussunfähig ist, kann es wenig auf die Beine stellen. Aufgrund der immensen Vorsicht kann es kaum spontane Handlungen ausführen und wird schnell für bequem und dumm gehalten. Das Kind sieht meist nur die Schwierigkeiten, denkt unglaublich pessimistisch, als sei alles hoffnungslos. Es weint schnell und auch scheinbar ohne Grund, da es sich ständig über irgendetwas unbegründete Sorgen macht. Trotzdem kann es ebenso fröhlich und spaßig sein, wobei häufig versucht wird, Unangenehmes mit Humor abzuwenden. Fallweise lacht er in unpassenden Momenten oder aus Verlegenheit.[5][6]

Wo wirkt es?: Die Wirkung äußert sich vor allem an der Haut, die fast alle Variationen von Hautausschlägen aufweist und im Regelfall „nässt“. Darmprobleme wie Verstopfung (Obstipation), die durch Stauungen im Pfortadersystem entstehen (venöse Stase). Langdauernde Schwellung verschiedener Lymphdrüsen des Körpers. Die Augen sind oft betroffen: Bindehautentzündung, Geschwüre aucf der Hornhaut oder der Bindehaut. Entzündung der Schleimhaut (Nasenkatarrh), spezielle Kopfschmerzen und viel Schwindelgefühle. Geschlechtsorgane: Dort wirkt es vorrangig auf die Eierstöcke der Frau und auf die Hoden des Mannes sowie bei einer verzögerten Menstruation oder Impotenz.[8]

In welchem Alter?: Die mögliche Anwendung reicht vom Säugling über übergewichtige Kinder bis hin zu fettleibigen Erwachsenen, die innerlich unruhig und oft gereizt auftreten. Dabei ist zu beachten, dass bei Schwangeren beziehungsweise Stillenden, bei Babys und bei Menschen mit Vorerkrankungen vor einer Behandlung eine Abklärung mit dem Arzt stattfinden sollte.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Kombination aus Fettleibigkeit, Frost und Verstopfung weißt sofort auf Graphites als möglich heilende Arznei hin, da es die typischsten Symptome sind.Graphites-Patienten sind sehr kälteempfindlich und besitzen eine ausgeprägte Neigung zu trockenen, rissigen Hautausschlägen, welche auch am Übergang von der Haut zur Schleimhaut auftreten können. Hierbei kommen übelriechende Absonderungen mit dickem honiggelbem und vor allem klebrigen Sekret vor, die die Haut wund machen können.
Trotz Magenkrämpfen haben sie Heißhunger und gleichzeitig hartnäckige Verstopfungen bei fehlendem Stuhldrang.
Bei Frauen zeigt sich die Regel nur schwach sowie verzögert. Die beschriebene Fettleibigkeit kann auch erst im Klimakterium auftreten.

Verbesserung: Die Magenschmerzen verbessern sich kurzfristig durch Nahrungsaufnahme und durch warme Getränke. Durch die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Wärmezufuhr, wie zum Beispiel durch Einhüllen in eine Decke oder Auflegen einer Wärmflasche kann man eine Besserung erzielen. Ebenso hilfreich ist Bewegung an der frischen Luft. Ruhe beziehungsweise Liegen, aber genauso Schwitzen verbessert die Situation des Kranken.

Verschlechterung: Nachts, morgens nach dem Erwachen und nach dem Mittagsschlaf hat sich der Zustand verschlechtert. Auch Kälteeinflüsse sowie die Menstruation bei der Frau verstärken die Symptome.[9]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Graphites-Mensch neigt dazu, oft traurig, niedergeschlagen und weinerlich zu sein. Beispielsweise weint er bei Musik, die ihn rührt, oder scheinbar grundlos. Er hat starken Kummer und handelt meist zögerlich, beziehungsweise ist aufgrund seiner Ängstlichkeit und seinen ängstlichen Vorahnungen von Unglück und schlimmen Ereignissen unfähig, Entscheidungen zu treffen. Er erscheint ungemein zerstreut und vergisst Dinge des Alltags schnell.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schon morgens beim Aufstehen klagen Patienten über starke Kopfschmerzen, welche häufig von Übelkeit und einer Brechneigung begleitet sind. Schwindel tritt während und nach dem Bücken auf. Die Kopfhaut neigt zu Ekzemen (Ausschlägen), die zu Krustenbildung führen und die Haare verkleben. Die Kopfhaut juckt nicht nur, sondern reagiert in Fällen der Wundheit auch schmerzempfindlich auf Berührungen. Das wohl charakteristischste Symptom für Graphites-Kranke ist ein starkes Brennen auf dem Scheitel. Die dicken Haare brechen und fallen aus.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Stark juckende Pickel stören im Gesicht. Besonders am Kinn und um den Mund treten feuchte Ekzeme auf. Die Augen sind sehrlichtempfindlich. Es können Pusteln oder Ulzera(Geschwüre) auf der Hornhaut auftreten, gegebenenfalls sondert sich Eiter ab. Auch Gerstenkörner sind ein häufiges Symptom für Graphites-Patienten und kommen meist an den Lidrändern vor. Die Augenlider sind von klebrigen Ausschlägen (Ekzeme) betroffen, die blassen sowie verdickten Lidränder vor allem von Schuppen und Schorfen bedeckt. Bei Betroffenen können sich Hagelkörner und rissige Augenwinkel entwickeln, außerdem kommen eingewachsene Wimpern (Entropium) vor. Nicht selten herrscht ein Hörverlust, der durch Geräusche und Lärm nachlässt. Hinter den Ohren entstehen Risse sowie Schorfe und auch der Gehörgang ist extrem ausgetrocknet. Beim Bewegen der Kiefer, beim Schlucken oder Niesen empfinden Graphites-Kranke ein Knacken im Ohr. Weiterhin charakteristisch ist das Widerhallen der eigenen Stimme und Schritte im Ohr.
Der Geruchssinn hingegen ist geschärft, obwohl die Nasenlöcher wund sind und ebenfalls Absonderungen enthalten. Der Geruch von Blumen kann nicht ertragen werden, die Nase ist umgeben von Krusten.
An der Unterseite der Zunge sowie an der Zungenspitze treten brennende Blasen auf und die Mundwinkel können von Ausschlägen betroffen sein. Übler Mundgeruch, der mit dem Geruch von Urin verglichen wird, ist ein häufiges Symptom für Graphites-Kranke.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im Hals herrscht ein stetiges Kratzen und im Bereich des Kehlkopfes kitzelt es. Abends im Bett nehmen die Beschwerden zu, was sich in Heiserkeit und Husten äußert. Asthma bronchiale ist ebenfalls ein Symptom für Graphite-Persönlichkeiten.Das Herz pulsiert heftig und auf der Brust können große Ekzeme vorkommen, welche „nässen“ und jucken.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Graphites-Patienten müssen andauernd aufstoßen, was bis hin zu Erbrechen von Galle reicht. Sie klagen über Übelkeit und einem Kälte- sowie Völlegefühl im Magen. Nach den Mahlzeiten kommt es zu starken Auftreibungen (Meteorismus) und zu einem Druckgefühl, als säße ein Stein in der Magengrube. Eine allgemeine Unbehaglichkeit, kneifende Schmerzen sowie viel Rumpeln und Gurgeln im Bauch sind üblich.Graphites-Menschen werden von Durchfall geplagt, bestehend aus gelb-grünlicher schaumiger Flüssigkeit, gefolgt von Brennen und Wundheit im Anus (Austrittöffnung des Darms).

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Während und nach dem Wasserlassen entsteht ein Brennen in der Harnröhre. Der Urin ist spärlich, rötlich und wird trübe durch längeres Stehen.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden


Weibliche Genitalien:
Vornehmlich beim Gehen aber auch nachts kommt es zu reichlich dünnflüssigem Leukorrhoe(weißlicher Ausfluss) in Schwällen. Die Menstruation tritt oft verzögert ein und dann mit zerreißenden Unterleibsschmerzen sowie starker Übelkeit. Vor der Menstruation juckt das Schambein vermehrt. Die Eierstöcke verhärten und können beim Atmen oder Räuspern stichartig schmerzen.Die Brustwarzen sind wund und können harte Narben aufweisen, die von einem vergangenen Brustdrüsenabszess stammen.


Männliche Genitalien:
Die Vorhaut und das Skrotum (Hodensack) können von ödematösen (durch Wassereinlagerungen)Schwellungen oder Bläschen betroffen sein. Sexuelle Erregung tritt nur unregelmäßig auf, die Erektion fällt dann sehr heftig aus, während die Ejakulation (Samenerguss) nach dem Geschlechtsverkehr ausbleibt. Auch am Skrotum ist ein juckender feuchter Ausschlag möglich. Eine Hydrozele sowie Impotenz sind ebenfalls Indikationen für eine Behandlung mit Graphites.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Nacken ist meist steif und beim Beugen des Halses oder im Liegen wie gespannt. Es liegt ein schneidender reißender Schmerz vor, während im Lendenbereich das Gefühl einer Prellung dargeboten ist. Die Glieder schlafen des Öfteren ein oder fühlen sich wie gelähmt an. In der linken Schulter kann ein heftiges Bohren sowie Reißen aufkommen, die Haut der Hände ist hart und rissig.[10] Die Gelenke fühlen sich wie zusammengeschnürt an und die Muskeln sind verkürzt.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Hautfarbe erscheint rot, es liegen oft Erysipele (Wundrose), Dekubitus (Druckgeschwür) und Verdickungen vor. Der Hautausschlag bildet Krusten, nässt und heilt nicht ab. Besonders die Haut in den Gelenkbeugen, den Hautfalten sowie an den Übergangen von Haut zu Schleimhaut ist verhärtet, verdickt, trocken und daher rissig. Hühneraugen, offene Beine und Warzen kommen ebenfalls vor.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Abends friert der Patient, auch kommt es täglich zu einem Kälteanfall. Dieser beginnt mit Schüttelfrost, gefolgt von Hitze im Gesicht und kalten Füßen. Morgens erwachen die Patienten oft schweißgebadet. Im Allgemeinen führt schon eine gelinde Anstrengung zum Schwitzen.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kranke geht zwar früh am Abend schlafen, doch kommt es in der Nacht zu Schlaflosigkeit, Unruhe im Schlaf und Hitze. Die Träume sind ängstlich und beunruhigend. Zuletzt fällt der Patient in einen tiefen und dumpfen Morgenschlaf ist aber über den Tag hinweg insgesamt auffallend schläfrig.[11]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Petroleum rectificatum

Die Hautausschläge und die Gewebsverhärtungen von Petroleum-Patienten sind mit denen von Graphites vergleichbar. Jedoch ist die heraussickernde Feuchtigkeit bei Petroleum meist dünnflüssiger. Die Absonderungen von Graphites-Patienten sind eher dickflüssig, honigartig, zäh und klebrig. Beide Mittel behandeln Rhagaden (Einrisse in der Haut), insbesondere rissige Fingerspitzen, aber die hornartigen, warzigen Wucherungen, die die Nagelwurzeln auftreiben können, finden wir nur bei Graphites.[12] Psychisch findet man die Unentschlossenheit, die Gedächtnis-schwäche und Konzentrationsprobleme als Gemeinsamkeiten beider Arznei Heilwirkungen.

Psorinum

Der Psorinum-Kranke neigt von seinem Gemüt her zu großer Depressivität, auch der Graphites-Typ ist oft traurig und hoffnungslos gestimmt. Die Stühle beider Patienten ähneln sich sowohl in ihrer dünnflüssigen Konsistenz, in ihrer dunkelbraunen Farbe als auch in ihrem unerträglichen Gestank. Auch Psorinum-Patienten leiden unter rezidivierenden Hautausschlägen, die vor allem trocken und schuppig ausfallen.

Hepar sulfuris

Hepar sulfuris-Patienten neigen ebenso wie Graphites zustinkenden Stühlen und entwickeln teilweise eitrigen Nagelbetterkrankungen (Panaritien). In den Hautfalten kommen ebenso übel riechende feuchte Hautausschläge vor. Die seelischen Symptome sind bei beiden Arzneien sehr verschieden: Hepar sulfuris-Patienten sind leicht reizbar, hastig und unzufrieden, zudem lieben sie die Hitze, während Graphites eher unentschlossen, träge und niedergeschlagen ist.

Hintergrundinformationen

In der Natur findet man Graphit in vereinzelten Flocken oder Körnern vorliegen. Diese Gesteinsflocken mit metallischem Glanz sind kohlenstoffreich und unter hohem Druck und Temperatur entstanden (metamorphes Gestein).[13] Graphit besteht vornehmlich aus Kohlenstoff, Kieselsäure, Eisen sowie Mangan und ist ein sehr weiches graues Mineral.[14]

Jährlich werden ca. 600.000 Tonnen abgebaut, vor allem in der Volksrepublik China, Korea, Madagaskar, Simbabwe, Brasilien und Indien. Künstlich erzeugt wird es mithilfe der Graphitierung aus zum Beispiel Braunkohle, Steinkohle, Peche und Erdöl, aber genauso aus Kunststoffen.[15]
Für Bleistiftminen wird die Eigenschaft, dass Graphit aufgrund seiner geringen Härte leicht in winzige Stückchen splittert, verwendet. Aber auch die elektrische Leitfähigkeit von Graphit wird für Elektroden unterschiedlichster Art genutzt. Da Graphit im Gegensatz zu Fetten oder Ölen mit der Zeit nicht aushärtet (verharzt), ist es ein zum Beispiel vorteilhaftes Hilfsmittel zum Schmieren von Türschlössern. Schutzanstriche und einige feuerfeste Produkte werden aus Graphit angefertigt, da dieses relativ reaktionsträge ist und somit hohen Temperaturen standhält.[16]