Globuli von G bis I

Ichthyolum Globuli

© panthermedia.net / Vinod Kumar Pillai

Ichthyolum ist auch als Ammonium bituminosulfonicum bekannt und stellt eine Kombination aus sulphonierten Kohlenwasserstoffen dar. Die Lösung, eine klare, rot-braune und zähe Flüssigkeit, wird durch Destillation eines bituminösen Gesteins gewonnen. Dieses Mineral kommt in Tirol vor und beinhaltet einen fossilen Stoff, der vermutlich aus fossilen Ablagerungen von Fischen entstanden ist. Das Gestein enthält etwa zehn Prozent Schwefel.[1][2][3][4]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Ichthyolum-Patienten neigen zu parasitären Beschwerden und Nierenproblemen. Die Betroffenen klagen zudem über Haut- undSchleimhautproblemen und rheumatischeBeschwerden.[1][2]

Wo wirkt es?: Ichthyolum kann auf Haut und Schleimhäutewirken, zudem kann es bei Nierenproblemen, parasitären Beschwerden und Tuberkulosehilfreich sein. Gelenksbeschwerden, die bei Polyarthritis oder chronischem Rheuma auftreten, werden dadurch oft gelindert.[2]

In welchem Alter?: Ichthyolum Globuli können prinzipiell in jedem Lebensalter verabreicht werden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei den folgenden Symptomen kann die Einnahme von Ichthyolum indiziert sein:

  • Haut und Schleimhäute sind trocken, es kommt zu heftigen Juckreiz und Hautausschlägen (Ekzem). Die Schleimhäute können entzündet und gerötet sein und heftig brennen. Ichthyolum-Patienten klagen über Akne, Nesselsucht (Urtikaria), Furunkel, Schuppenflechte (Psoriasis) und Rotlauf (Erysipel).
  • Ichthyolum kann antiparasitisch und daher bei Rötungen, Schmerzen und Entzündungen wirken.
  • Die Betroffenen weisen Nierenprobleme auf. Die Filterfunktion der Niere ist oft beeinträchtig und im Urin wird ein harnsäurehaltiges Sediment gefunden. Die Patienten verspüren einen brennenden Schmerz in der Harnrhöhrenmündung.
  • Die Patienten leiden an Übelkeit mit einem brennenden Gefühl in der Magengegend, dennoch haben sie vermehrten Appetit.
  • Insbesondere im Winter kann es bei älteren Patienten zu einem trockenen und quälenden Husten kommen.Die Betroffenen neigen zu Tuberkulose.[1][2][5]

Verbesserung: Sowohl Wärme, als auch kühle Anwendungen und Druck können Kopfschmerzen lindern.

Verschlechterung: Die Beschwerden können durch Temperaturwechsel, kalte Luftzüge und bei zu viel Bewegung verschlimmert werden.[1]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ichthyolum-Patienten können schnell reizbar und niedergeschlagen sein. In der Krankheit neigen sie zu Vergesslichkeit und können sich nur mehr schlecht konzentrieren.[1][2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die dumpfen Kopfschmerzen treten vorwiegend in der Stirnregion auf und können durch einen Luftzug oder einer plötzlichen Bewegung, beispielsweise eine Augenbewegung, ausgelöst werden.[1][13]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Schleimhäute sind trocken, entzündlich gerötet und brennen, weshalb sich die Patienten öfters räuspern müssen. Im Hals kann es zu einemKratzen kommen, das bis zu den Ohren hin ausstrahlt. Auch die Nasenschleimhäute sind entzündet und jucken, sodass es häufig zu einem Niesanfall kommt. Die Patienten neigen zu Heuschnupfen. Am Kinn kann Akne auftreten.[1][2][6]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Husten ist trocken, quälend und krampfend.Häufig treten Hustenanfälle auf. Insbesondere bei älteren Patienten kann es zu einer Bronchitis kommen.[1][2]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten sind sehr durstig und habenvermehrten Appetit. Sie verspüren häufig einen unangenehmen Geschmack im Mund und eineÜbelkeit mit einem brennenden Gefühl in der Magengegend. Der Stuhl ist weich und unförmig, am frühen Morgen kann es zu Durchfall kommen. Häufig kommt es zu kolikartigen Schmerzen in Nabel- oder Unterbauchgegend.[2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ichthyolum-Patienten müssen vermehrt und reichlich Harn abgeben.Die Harnröhrenmündung brennt und durch eine gestörte Filterfunktion der Niere kann sich ein harnsäurehaltiges Sediment absetzen.[2]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ichthyolum-Patientinnen verspüren ein Völlegefühl im Unterbauch und eine Übelkeit während der Regelblutung.[4]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In der rechten Schulter und im rechten Bein kann es zu einem Schwächegefühl kommen. Die Patienten klagen häufig über rheumatische Gelenksbeschwerden.[2]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist trocken, gereizt und juckt. Sie fühlt sich sehr hitzig an. Zudem klagen die Patienten über schuppige Ausschläge, Akne, eitrige Pickel, Furunkel, Schuppenflechte (Psoriasis) und Rotlauf.[1][2]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Arsenicum album

Unter anderem wird Arsen bei Angstzuständen, großer Furcht und Ruhelosigkeit verabreicht. Wie Ichthyolum-Patienten neigen Arsenicum album-Patienten zu starken brennenden Schmerzen. Die Schleimhäute brennen und sind gerötet. Auf der Haut können sich brennende, schuppige Ausschläge bilden. Insbesondere auf der Kopfhaut tretenschuppige und trockene Hautausschläge mit einem brennenden Juckreiz auf. Die Hautausschläge können mit Haarausfall einhergehen. Die Mundschleimhaut ist sehr trocken, weshalb die Patienten ständig in kleinen Schlucken trinken. Zudem haben Arsenicum-Patienten wie Ichthyolum-Patientenguten Appetit, leiden aber unter Übelkeit und Erbrechen. Außerdem verspüren sie brennende Schmerzen im Magen und magern deshalb ab. Die Absonderungen von Arsenicum-Patienten sind weitgehend wundmachend, übelriechend, faulig oder blutig. Sie klagen über einen trockenen Husten mit stechenden und brennenden Schmerzen in der Brust.[7]

Hepar sufuris

Kalziumsulfid oder Kalkschwefelleber kann bei sehr sensiblen, reizbaren und verwundbaren Patienten indiziert sein. Auch Hepar-Patienten neigen zu Hautproblemen, wie Furunkel, Akne und Geschwüre, und sind an diesen Stellen besonders berührungsempfindlich. Kleinste Verletzungen neigen zu Eiterungen. Die Halsschmerzen erstrecken sich wie bei Ichthyolum-Patienten bis zu den Ohren, sind aber splitterartig und nicht brennend. Hepar Globuli können zudem bei Nasennebenhöhlenentzündungen mit gelbem, übelriechendem Sekret hilfreich sein. Die Beschwerden werden wie bei Ichthyolum-Patienten durch Luftzug oder durch kalte Luft und Winde verschlechtert. Wärme und warmes Zudecken kann zu einer Besserung führen.[8]

Petroleum rectificatum

Petroleum oder rohes Steinöl kann bei Übelkeit, Erbrechen und Schwindel durch Bewegung verabreicht werden. Petroleum-Patienten sind schnell reizbar und verwirrt, zudem neigen sie wie Ichthyolum-Patienten zu juckender, trockener und aufgerissener Haut. Häufig treten trockene Hautausschläge auf, die leicht eitern und nässen. Petroleum-Patienten berichten von Durchfall, der aber nur tagsüber auftritt. Durch Hunger kann ein Übelkeitsgefühl entstehen, das durch Essen gebessert wird. Die Betroffenen können in der Schwangerschaft an Magenproblemen leiden.[9]

Hintergrundinformationen

Ichthyolum wird aus einem bituminösen Gestein gewonnen. Bitumen ist ein natürlicher Stoff, der aus Kohlenwasserstoffen zusammengesetzt ist. Es entsteht bei einem Umwandlungsprozess abgestorbener Organismen und besteht somit aus Eiweiß, Pigment, Fett und Kohlehydraten. Zusätzlich werden Schwefel, Sauerstoff, Stickstoff und Spuren von Metallen chemisch gebunden. Dadurch ist Bitumen mit dem Erdöl und Erdgas verwandt. Bitumen findet unter anderem Verwendung im Straßenbau und bildet als Bindemittel mit Gesteinskörnungen den Asphalt. Im Hochbau werden Bitumenanstriche zum Schutz von Gebäuden gegen Wasser eingesetzt.[10][11]