Einzelmittel: Globuli von G bis I

Hypericum Globuli

PantherMedia / Liane Matrisch
© PantherMedia / Liane Matrisch

Hypericum perforatum, das echte Johanniskraut, ist eine Heilpflanze aus der Familie der Hypericaceae (Hartheugewächse). Sie ist auf der ganzen Welt verbreitet, einzig in der Arktis und Antarktis fehlen Vertreter ihrer Gattung. Extrakte der Pflanze werden seit dem Altertum für die Behandlung von Depressionen, nervösen Störungen und Ängsten verwendet. Außerdem können Wunden und Verletzungen in nervenreichen Geweben mit Hypericum versorgt werden. Ende des 19. Jahrhunderts geriet es, wie viele traditionelle Heilmittel, in Verruf. Heutzutage ist die Wirkung von Hypericum auf die Psyche bestätigt und in der Schulmedizin anerkannt. Als homöopathisches Mittel ist Hypericum rezeptfrei erhältlich und kann in der Selbstbehandlung eingesetzt werden. Höher dosierte Präparate sind verschreibungspflichtig. Es spricht nichts gegen eine homöopathische Behandlung von Kindern, Schwangeren oder alten/geschwächten Menschen mit Hypericum. Allerdings sollte es nur angewendet werden, wenn die Symptomatik wirklich zum Mittel passt. Ob das der Fall ist, kann ein erfahrener Arzt oder Homöopath am besten beurteilen.[1][2][3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Obwohl es auf dem Gebiet der Depressionen heutzutage am bekanntesten ist, hilft Hypericum auch bei einer Vielzahl anderer Beschwerden. Das Rotöl, welches aus den Blüten isoliert wird, wirkt positiv auf das Bewegungssystem und ist besonders dann indiziert, wenn nervenreiches Gewebe verletzt ist, also zum Beispiel bei einem Hexenschuss oder bei Rheuma. Stauchungen und Prellungen (vor allem an der Wirbelsäule oder dem Kopf) fallen auch in diese Kategorie. Nach Operationen oder Schnitt- bzw. Brandwunden kann Hypericum gegen die Wund- und Narbenschmerzen helfen. Nicht traumatisch bedingte Nervenschmerzen (Zahnschmerzen, Neuritis) können ebenfalls mit Hypericum behandelt werden. Die Depressionen, welche am besten auf Hypericum ansprechen, sind leichte bis mittelschwere Verstimmungen, die meistens in den Herbst- und Wintermonaten auftreten.

Wo wirkt es?: Durch die beiden Stoffe Hypericin und Hyperforin sollen die Wirkungen von Johanniskraut hervorgerufen werden. Hypericin ist ein purpurner Farbstoff aus den Blüten und Blättern der Pflanze, der stark fluoresziert und die Haut sehr lichtempfindlich macht. Es soll ein Emzym mit dem Namen Monoamonioxidase, welches den Zellen im Körper Energie zur Verfügung stellt, hemmen. Dadurch ließe sich die beruhigende Wirkung erklären. Außerdem wird im Gehirn die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin gehemmt. Das ist ein Wirkmechanismus, den sich auch synthetische Antidepressiva zu Nutze gemacht haben. Die entzündungshemmende Wirkung muss noch weiter erforscht werden. [4]

In welchem Alter?: Für die Einnahme von Hypericum als homöopathische Arznei gibt es keine Altersbeschränkung. In der Schwangerschaft oder nach einer anstrengenden Geburt wird Hypericum sogar sehr gerne verabreicht. Trotzdem sollte man die Anwendung und Dosierung am besten mit einem erfahrenen Arzt besprechen.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Leitsymptomatik bei der Anwendung für die Psyche sind Depressionen, die durch Dunkelheit und Trauer hervorgerufen wurden. Hypericum-Menschen sind zärtlich und rücksichtsvoll, gleichzeitig aber leicht gekränkt. Sie gehen Auseinandersetzungen mit anderen aus dem Weg und isolieren sich in den Wintermonaten völlig von der Gesellschaft. [5] Unbegründete Ängste und Nervosität, eine zunehmende Hoffnungslosigkeit und Vergesslichkeit sind genauso typisch wie ein Gefühl der ständigen Erschöpfung. Psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Gliederschmerzen und Muskelzucken können auftreten. Bei Verletzungen sind die Schmerzen außergewöhnlich stark und strahlen den ganzen Nerv entlang. Die Extremitäten können sich taub anfühlen oder kribbeln. Eine Art stechender Nesselausschlag kann auf der Haut auftreten. Die verletzte Stelle oder sogar der ganze Körper fühlen sich aufgedunsen und heiß an. Bei einem Schub von Rheuma sind die Knie mit betroffen, es kommt zu Lähmungsgefühlen und die Extremitäten sind schwach und zittrig. [6]

Verbesserung: Die Symptome bessern sich, wenn man ruhig liegt; am besten mit dem Gesicht nach unten. Ebenso kann es helfen den Kopf nach hinten zu beugen oder sich rückwärts zu bewegen. Schmerzt eine bestimmte Körperregion, so kann durch sanftes Reiben über dem Gelenk oder um die Wunde Linderung verschafft werden.

Verschlechterung: Direkte Berührung hingegen verschlimmert die Schmerzen. Weitere Umstände, unter denen die Symptome zunehmen, sind Bewegung und Erschütterung sowie Kälte und Feuchtigkeit (nasskaltes Wetter).

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kopf fühlt sich manchmal schwer an und es kann zu Kopfschmerzen oder Schwindel kommen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht ist eventuell heiß mit trockener Haut und stechendem Gefühl am rechten Ohr oder Auge. Am linken Auge bildet sich häufig ein Gerstenkorn.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Puls kann einen harten, schnellen Rhythmus annehmen. Abends fühlt sich dann das ganze Herz schwer an.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nachts entwickelt sich ein starker Harndrang. Es kann bei Frauen außerdem zu Unregelmäßigkeiten in der Periode kommen.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es ist möglich, dass der Schlaf sehr unruhig ist. Die Beine zucken beim Einschlafen und in der Tiefschlafphase wird heftig geträumt und viel geredet. Tagsüber, vor allem morgens, fühlt man sich noch immer müde. [5]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

So weitreichend wie sein Anwendungsgebiet sind auch die Mittel, die alternativ eingenommen werden können. Exemplarisch sind zwei Vertreter für die Behandlung von Wunden und zwei Vertreter gegen Depressionen aufgeführt.

ArnicaPantherMedia / bluelight

Arnica kann bei vielen Verletzungen angewandt werden und hilft auch gegen den Schock, der nach einem Trauma eventuell auftritt.

LedumPantherMedia / Taina Sohlman

Ledum wird gegen stechende Schmerzen und Wundinfektion verabreicht. Außerdem können rheumatische Beschwerden mit Ledum behandelt werden.

IgnatiaPantherMedia / Heiko Eschrich

Ignatia bei stillem Kummer, der sich mit hysterischen Ausbrüchen abwechselt. Es kann zu Muskelzuckungen kommen.

Acidum phosphoricum

Acidum phosphoricum wirkt gegen Depressionen mit Teilnahmslosigkeit und Gedächtnisschwäche. Tagsüber tritt starke Müdigkeit auf während der Schlaf nachts unruhig sein kann. [7]

Hintergrundinformationen

Das echte Johanniskraut, das Hypericum perforatum, ist eine Spezies der Gattung Hypericum. Diese gehört zur Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae), welche sehr verbreitet und anpassungsfähig sind. Allein die Gattung Hypericum umfasst circa 400 einzelne Spezies. Im englischsprachigen Raum ist die Pflanze unter dem Namen St. John’s-wort bekannt, da ihre Blütezeit um den 24. Juni beginnt. Das ist in der Überlieferung der Geburtstag von Johannis dem Täufer (engl.: John the baptist). Der Name „Hypericum“ kommt aus dem Altgriechischen und kann in die Teile „hyper“ (über) und „eikon“ (Bild) geteilt werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Griechen damals Johanniskraut über die Figuren ihrer Götter gestellt haben, um diese vor Dämonen zu beschützen. Die Spezifikation „perforatum“ bezieht sich auf die durchscheinenden Tupfer auf den Blättern der Pflanze. Das Erscheinungsbild der Pflanze ist so vielfältig wie seine Verbreitung es vermuten lässt. Es gibt Stauden, Halbsträucher und selten einjährige Kräuter. Sie werden 50-100 cm hoch. Die ovalen bis spitz zulaufenden Blätter sind gegenseitig angeordnet. Durch eingebettete Öldrüsen können sie durchscheinend wirken oder von Hypericinbehältern (einer der Wirkstoffe) schwarz punktiert sein. Die Blüte besteht aus meistens 5 leuchtend gelben Kronblättern, die einen Fruchtknoten umgeben, von dem viele feine Härchen (Sog. Staubfäden) und ein dickerer Stempel ausgehen. [8] Zur Herstellung der homöopathischen Arznei wird die ganze Pflanze in voller Blüte über der Wurzel verwendet. Die Blüten werden über mehrere Wochen in Öl eingelegt, gelegentlich geschüttelt, damit sich die Wirkstoffe herauslösen. Es kann auch ein Tee aufgegossen werden, der durch eine Hemmung der Monoaminooxidase (ein Enzym in den sogenannten Mitochondrien, den „Kraftwerken“ unserer Zellen) beruhigend wirken soll. Die Wirkung ist auf die enthaltenen Gerbstoffe, ätherischen Öle und das Hypericin zurückzuführen. [9] Es gibt inzwischen zahlreiche Studien die bestätigen, dass Hypericum bei der Therapie von Depressionen fast gleichwertige Effekte erzielt wie synthetische Mittel. Dabei ist es in der Produktion wesentlich günstiger und die Nebenwirkungen sind weitaus geringer. Es gibt folglich auch schon rezeptpflichtige Kapseln aus Johanniskrautextrakt. [10]