Globuli von R bis S

Rhus toxicodendron Globuli

PantherMedia / Robert Byron
© PantherMedia / Robert Byron

Das homöopathische Mittel Rhus toxicodendron wird aus den frischen, beblätterten Trieben einer Pflanze mit dem deutschen Namen „behaarter Giftsumach“ gewonnen. Sie gehört zu der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae), die in den gemäßigten und subtropischen Zonen vor allem in Südafrika und dem afrikatischen Tropengebirge, in Ostasien und Nordamerika beheimatet sind.

Wichtige Inhaltsstoffe des Mittels sind das Urushiol, Fisetin, Gallussäure, Rhusgerbsäure und das Toxicodendrol. Die ölige Substanz Urushiol zählt zu den stärksten natürlich vorkommenden Kontaktallergenen: Sie verursacht eine massive Blasenbildung der Haut. Oral aufgenommene Pflanzenteile führen zu Vergiftungssymptomen wie Erbrechen und Magen-Darm-Entzündungen, blutigem Urin und neurologischen Symptomen wie Fieber, Mundtrockenheit und Wahnvorstellungen.

Die Hauptbeschwerden für die Anwendung von Rhus toxicodendron in der Homöopathie sind Beschwerden des Bewegungsapparates (insbesondere rheumaähnliche Beschwerden an den Übergängen von Knochen zu Muskeln), der Haut (Herpes zoster) und kindliche Windpocken.

Das Mittel kann zur Eigenbehandlung besonders bei Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt werden, es ist ab einer Dosierung von D4 frei verkäuflich. Nebenwirkungen von Rhus toxicodendron sind nicht bekannt, daher kann das Mittel in entsprechender Dosierung auch bei Kleinkindern und Kindern angewendet werden.[2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Rhus toxicodendron-sensible Patienten klagen häufig über rheumatische Beschwerden des Bewegungapparates. Diese treten besonders nach Beanspruchungen auf.
Ein weiteres Leitsymptom, das auf die Verwendung von Rhus toxicodendron hindeutet, ist der klein-blasige Hautausschlag, der mit starkem Juckreiz und Rötungen der entsprechenden Hautpartien einhergeht. Häufig steht hinter diesen Ausschlägen eine Infektion mit dem Herpes Zoster-Virus. 

Wo wirkt es?: Die Schmerzen können an den Ansätzen und Endpunkten der Muskeln lokalisiert werden, also an den Kontaktpunkten zwischen Muskeln und Knochen. Am häufigsten treten die Beschwerden im Rücken (besonders im unteren Rücken) sowie in den Gelenken auf, wobei die rechte Körperseite etwas mehr betroffen scheint als die linke Körperseite.
Der Hautausschlag findet sich in der Taille (so genannte „Gürtelrose“) oder im Fall von kindlichen Windpocken am ganzen Körper. Auch der Lippenherpes ist eine häufige Beschwerde. 

In welchem Alter?: Es kann in allen Lebenaltern mit Rhus toxicodendron therapiert werden. Auch eine Schwangerschaft oder die Stillzeit ist keine Gegenanzeige für die Verwendung des Mittels.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rhus toxicodendron wirkt bei Personen, die unter starken Schmerzen des Bewegungsapparates leiden, insbesondere der Muskelansätze. Häufig treten die Beschwerden nach einer Überlastung der entsprechenden Muskeln auf, sodass insbesondere Freizeit-Sportler das Mittel schätzen. Aber auch Schwangere, die auf Grund des wachsenden Kindes und der Verlagerung des eigenen Körperschwerpunktes unter Rückenschmerzen leiden, profitieren in vielen Fällen von einer Behandlung mit Rhus toxicodendron.Weitere Beschwerden, die eine Behandlung mit Rhus toxicodendron nahelegen, sind eine Infektion mit Herpes zoster (Gürtelrose) oder die kindlichen Windpocken. Diese zeigen sich als klein-blasige Hautausschläge mit Rötung und starkem Juckreiz der zu behandelnden Areale.[2][3][4]

Verbesserung: Die Beschwerden erfahren eine deutliche Linderung durch Wärme und warme Anwendungen wie zum Beispiel warme Kompressen. Bewegung und körperliche Anstrengung lindern ebenfalls die Beschwerden. Zunächst muss dabei jedoch ein Anlaufschmerz überwunden werden, sodass spezifischer die fortgesetzte Bewegung die Beschwerden lindert. 

Verschlechterung: Die Beschwerden werden verschlechtert bei nasskaltem Wetter und Zugluft. Alle Beschwerden scheinen schlimmer am Morgen, was mit dem Phänomen der „anfänglichen Bewegung“ zusammen hängt, die zunächst die Beschwerden verschlimmert. Fortgesetzte Bewegung bessert die Beschwerden, sodass im Tagesverlauf die Symptome nachlassen. 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rhus toxicodendron-sensible Patienten finden sich häufig in Situationen wieder, in denen sie sich gefangen fühlen und festzustecken scheinen. Sie verkrampfen dann unwillkürlich ihre Rückenmuskulatur, was zu körperlichen Beschwerden führt. Da diese Beschwerden durch Bewegung gelindert werden, entsteht für Außenstehende schnell der Eindruck der Rastlosigkeit. Diese treibt die Patienten aus dem Bett und hält sie ständig in Bewegung. Sie haben eine latente Angst, vergiftet zu werden. In den Abend und Nachtstunden wird diese noch durch Traurigkeit verstärkt.Häufig findet sich dieses Beschwerdebild bei Patienten, die in einer Partnerschaft leben, in der es wenig Kommunikation gibt und der Patient sich latent bedroht fühlt. Beispiel dafür wären das Zusammenleben mit einem Alkoholiker oder mit einem verhaltensauffälligen Kind. Die Patienten treten dann als Schlichter auf, sind immer sanft und freundlich und nehmen sich sehr zurück. Dieser Konflikt zwischen gefangen sein und frei sein wollen, führt zu den Rhus toxicodendron-spezifischen Beschwerden.
Eine Linderung der Beschwerden bringt Bewegung und freundliches, sonniges Wetter. Die Patienten sitzen gerne in der direkten Sonne, da die Wärme ihre Stimmung aufhellt.
Nasskaltes und nebliges Wetter verschlechtert die Symptome. Am Morgen scheinen alle Probleme unlösbar zu sein.[3][4]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen leiden unter einem Schweregefühl des Kopfes mit begleitendem Schwindel. Durch den Schwindel kommt es zu einer Fallneigung nach hinten. Ein nasser Kopf (zum Beispiel beim Schwimmbadbesuch) verursacht häufig Erkältungen.Leidet der Patient unter Kopfschmerzen, werden diese durch die Berührung der Haare schlimmer. Bettwärme verschlechtert die Beschwerden ebenfalls.
Eine Besserung der Beschwerden tritt häufig durch einen Spaziergang an der frischen Luft ein.[5]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zu den typischen Beschwerden eines Rhus toxocodendron-sensiblen Menschen zählen knackende Kiefergelenke, die besonders bei Kauen auffallen. Kieferkrämpfe und Entzündungen der Speicheldrüsen (Parotitis) treten ebenfalls leicht auch. Säuglinge leiden häufig unter Milchschorf.Diese Beschwerden bessern sich durch Wärme (zum Beispiel bei der Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe) und verschlechtert sich in nasskaltem Wetter und durch das Trinken von Eiswasser.
Der typische Rhus toxicodendron-Patient leidet im Bereich der Augen unter Augenentzündungen, besonders nach Schwimmbadbesuchen. Diese verursachen brennende, drückende Schmerzen mit nächtlichen Verklebungen der Lider. Die Augen schmerzen bei der Bewegung. Begleitend treten häufig Gerstenkörner des Unterlids auf. Auch der Verschluss eines oder beider Tränenkanäle durch Sekret kommt wiederholt vor.
Linderung dieser Beschwerden bringen warme Kompressen, die auf die geschlossenen Augenlider gelegt werden.Verschlechtert werden die Beschwerden durch Zugluft und Baden in kaltem Wasser.
Eine typischen Beschwerde im Bereich des Mundes und der Zähne ist der Herpes labialis, der Lippenherpes. Begleitend dazu kommt es häufig zu einer ausgeprägten Mundtrockenheit mit Mundgeruch. Die Zunge ist in vielen Fällen ebenfalls trocken, gelblich belegt am Zungengrund, mit einer dreieckigen, roten Spitze.
Der Lippenherpes wird durch Wärmebehandlungen deutlich gebessert, besonders durch direkte Sonneneinstrahlung oder durch die Behandlung mit einer Rotlichtlampe. Die Beschwerden verschlechtern sich durch nasskaltes Wetter. [5]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig leiden die Betroffenen unter Heiserkeit durch Überanstrengung der Stimme. Dazu begleitend tritt nächtlicher Husten auf, der den Schlaf verhindert oder den Patienten aus dem Schlaf weckt.Im Bereich der Brust kommt es zu Angina pectoris Beschwerden. Unter diesen Beschwerden versteht man eine Engegefühl der Brust mit begleitender Atmennot und Herzschmerzen, dass als lebensbedrohlich wahrgenommen wird. Häufig bessern sich die Schmerzen im Sitzen nach einiger Zeit. Diese Beschwerden sollten jedoch immer durch einen Facharzt untersucht werden, da fast immer ein Herzleiden ursächlich für sie ist. Die Patienten leiden außerdem unter nächtlichem Herzklopfen.
Stillende Mütter, die sensibel auf Rhus toxicodendron reagieren, leiden unter einem nicht ausreichenden Milcheinschuss oder auch einem plötzlich versiegendem Milchfluss.
Alle Beschwerden bessern sich durch die Behandlung mit Wärme und durch mäßige Bewegung in den beschwerdefreien Intervallen.
Eine Verschlechterung der Beschwerden zeigt sich durch Zugluft und bei kaltem Wetter. Auch das Baden in kaltem Wasser und der übermäßige Genuss von eiskalten Getränken verschlechtern die Beschwerden.[5]

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die häufigste Anwendung findet Rhus toxicodendron bei rheumatischen Beschwerden des Bewegungsapparates.Im Bereich des Rückens kommt es häufig zu Steifigkeit des Nackens, Bandscheibenvorfällen und Schleudertraumata. Ursächlich für die Beschwerden ist ein Verheben oder eine Überanstrengung, aber auch Zugluft und nasskaltes Wetter können die Beschwerden verursachen. Typisch ist die Ruhelosigkeit der Betroffenen, besonders nachts im Bett kann scheinbar keine komfortable Schlafposition gefunden werden. Auch „Kreuzschmerzen“ (Lumbalgien, Schmerzen im unteren Rücken) sind häufige Beschwerden.
Im Bereich der Gelenke kommt es zu rheumatischen Beschwerden. Meist beginnen diese mit einer Steifigkeit der Gelenke und mit anfänglichem Knacken bei Bewegung. Die Betroffenen klagen über reißende Schmerzen in Bändern und Gelenken. Schulmedizinisch finden sichSchleimbeutelentzündungen, Sehnenscheidenentzündungen, Zerrungen und Verstauchungen.
Alle Beschwerden bessern sich durch die Behandlung mit Wärme, in Form von Bestrahlung, warmen Bädern oder warmen Umschlägen. Auch fortgesetzte Bewegung bessert die Beschwerden deutlich: Bei Bewegung der betroffenen Körperpartie kommt es zunächst zu einem Anfangsschmerz (ähnlich den Schmerzen nach dem Aufstehen). Ist dieser Anfangsschmerz jedoch „überlaufen“, wird der Bewegungsapparat warm und elastischer und die Schmerzen lassen deutlich nach. Ab dieser Phase lindert Bewegung und die damit einhergehende Wärme der Muskulatur die Beschwerden.[6][7]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rhus toxicodendron-sensible Patienten leiden häufig unter Hautausschlägen. Im besonderen zu nennen sind dabei der Herpes simplex (in seiner Ausprägung als Lippenherpes) und der Herpes zoster (in seiner Ausprägung als Gürtelrose oder kindlichen Windpocken). Beide Hautausschläge zeigen den typischen, kleinblasigen Ausschlag, mit Juckreiz und Rötung der umliegenden Hautareale. Sie treten vermehrt in den Wintermonaten auf und häufig in Verbindung mit einer Erkältung des Betroffenen.Die Betroffenen leiden außerdem häufig unter Urtikaria (Nesselsucht), hervorgerufen durch Kälte, Nässe, beim Schwitzen oder während eines Fiebers. Auch hier zeigt sich der gleiche Ausschlag. Ebenfalls in die Kategorie der mit Rhus toxicodendron therapierbaren Hautausschläge gehört das Erysipel (eine durch Bakterien verursachte Entzündung eines bestimmten Hautbereiches) und blutende, nässende Warzen.
Alle Beschwerden bessern sich durch Wärmebehandlungen, besonders durch Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe. Eine Verschlechterung tritt durch Kälte und Nässe ein sowie durch Zugluft.[7][8]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Im Gesamtmittelkatalog finden sich zu jedem homöopathischen Mittel Ergänzungsmittel, Folgemittel, gegensinnig wirksame Mittel und unverträgliche Kombinationen. Ergänzungsmittel zur Behandlung mit Rhus toxicodendron sind Belladonna, Causticum, Sulphur und Pulsatilla. Diese Mittel unterstützen die Wirkung von Rhus toxicodendron und können eine größere Ähnlichkeit der Medikation zum Beschwerdebild erzeugen. Als Folgemittel kommen Arnika, Arsenicum, Chamomilla, Mercurius, Sepia, und Spigelia in Betracht. Diese Mittel können nach der Behandlung mit Rhus toxicodendron angewendet werden, um den Behandlungserfolg zu vertiefen. Gegensinnig wirksame Mittel (und damit die Wirkung von Rhus toxicodendron aufhebend) sind eine Vielzahl von Mitteln. Einige davon sind: Aconitum, Ammonium carbonicum, Anacardium, Camphora, Graphites, Guaiacum, Lachesis, Mezereum, Sanguinaria, Verbascum, Viburnum opulus. Diese Mittel sollten nicht gleichzeitig mit Rhus toxicodendron angewendet werden, da die Therapie durch sie unwirksam wird. Unverträglich mit der Einnahme von Rhus toxicodendron ist Apis.[7][9]

Bryonia albadabjola - Fotolia

Der Bryonia-Typ neigt ebenso wie der Rhus toxicodendron-Typ zu Rückenschmerzen und Gelenkschwellungen. Im Gegensatz zur Rastlosigkeit des Rhus-Patienten legt sich der Bryonia-Patient jedoch hin, um Linderung zu erfahren. Der Bryonia-Typ leidet unter den gleich Ängsten wie der Rhus-Patient, sie kommen bei ihm jedoch aus dem geschäftlichen Bereich: Die Sorge um finanzielle Dinge liegt auf ihm, wie die privaten Sorgen auf dem Rhus-Patienten. Im Resultat erzeugen jedoch beide das gleiche Beschwerdebild von Rückenschmerzen, Schwindel, Gelenkschmerzen und inneren Konflikten.

DulcamaraPantherMedia / Sue Robinson

Dulcamara-Typen zeigen als Ursache für Erkrankungen die gleiche Empfindlichkeit für nasskaltes Wetter wie Rhus toxicodendron-Typen und sie reagieren auch mit Rückenschmerzen. Auch in der Heftigkeit der Beschwerden ähneln sie dem Rhus-Typen. Dulcamara-Patienten ähneln in Beschwerden des Gemüts sehr den Rhus-Patienten, sie werden ebenfalls sehr still und ziehen sich aus Konflikten zurück. Um die beiden Konstitutionstypen zu unterscheiden, ist daher die Frage nach dem Gemüt in gesundem Zustand das wichtigste Kriterium.[10]

Hintergrundinformationen

Rhus Toxicodendron, der eichenblättrige Giftsumach, ist ein Sumachgewächs (Anacardiaceae) und ist in Nordamerika beheimatet, er findet sich jedoch auch im ostasiatischen Raum. In Deutschland ist er hauptsächlich in Botanischen Gärten zu finden. Die in Rispen angeordneten Blüten sind außen weiß oder grün mit einem roten Mittelpunkt und bilden etwa 4 – 8 mm große, gelbliche, kugelförmige Steinfrüchte.

Der eichenblättrige Giftsumach wächst als Strauch oder als Kletterpflanze. Im amerikanischen Sprachgebrauch trägt die kletternde Variante auch den Namen „Poison Ivy“ oder Giftefeu: Alle Pflanzenteile des Rhus Toxicodendron enthalten eine helle Milch, die bei Kontakt mit der Luft schwarz wird und einen unangenehmen Geruch verströmt. Durch bloßes Berühren verursacht der eichenblättrige Giftsumach juckende Hautausschläge mit Blasenbildung. Bei Verzehr führen die öligen Bestandteile der Blätter, Zweige und Früchte zu Erbrechen sowie Magen- und Darmentzündungen. Zur Herstellung des homöopathischen Mittels werden die frischen, jungen Triebe verwendet, die der Strauch im Frühjahr vor der Blüte austreibt.
Die chemische Verbindung, die die Vergiftungserscheinungen verursacht ist Uruschiol. Dieser Pflanzenwirkstoff unterbindet die Bildung von Prostaglandinen und damit den korrekten Ablauf einer Abwehrreaktion gegen das Kontaktgift vor Ort. Stattdessen kommt es zu einer Reaktion des gesamten Immunsystems, die zu starken Vergiftungserscheinungen führt.
Das Urushiol wird (in etwas abgewandelter Form) auch aus einer mit dem Rhus toxicodendron verwandten Pflanze gewonnen, dem Lackbaum (Toxicodendron vernicifluum). In dieser Formwird es schon seit Jahrhunderten im asiatischen Raum als Lack verwendet und ist namensgebend für das asiatische Kunsthandwerk derLackierer: Urushi.
In der Schulmedizin wird die Pflanze auf Grund ihrer ausgeprägten Giftigkeit nicht verwendet. [1][10][11]