Globuli von R bis S

Sticta Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Das homöopathische pflanzliche Mittel Sticta pulmonaria oder auch Lobaria pulmonaria wird aus dem sogenannten Lungenmoos oder der Lungenflechte (Sticta pulmonaria) gewonnen. Die Flechte wächst in feuchten Wäldern, in denen häufiger Regenfall das Klima beherrscht, auf der Rinde von Laubbäumen oder auf Felsoberflächen. Da die Flechte äußerst empfindlich auf Luftschadstoffe reagiert, ist ihr Vorkommen ein Anzeichen für gute Luftqualität. Wächst die Flechte also vermehrt in einem Wald, ist dies ein Hinweis auf wenig Schadstoffe in der Luft.[1]

In der Homöopathie werden Sticta pulmonaria-Globuli zur Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt, insbesondere bei einem sogenannten „absteigenden Infekt“. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Nasenebenhöhlen (Sinusitis), die bis in den Hals und die Bronchien weiterwandert. Die Beschwerden beginnen schnupfenartig, im Laufe der Erkrankung kommen Halsschmerzen hinzu. Gelangt die Entzündung bis in die Bronchien, äußert sich dies durch einen schmerzhaften Husten, bei dem zäher Schleim abgehustet wird. Begleitend können Fieber, Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen auftreten.[3] Das Mittel wird auch bei rheumatischen Beschwerden eingenommen. Diese äußern sich durch Gelenkschmerzen mit oder ohne Gelenksschwellung.[50]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Die Einnahme von Sticta pulmonaria ist besonders in der Schwangerschaft und Stillzeit nur mit ärztlicher Absprache empfohlen.[4]
Üblicherweise wird Sticta pulmonaria in flüssiger Form eingenommen. Die Tropfen sind gewöhnlich in den Dosierungen D3, D6, D8, D12. Erhältlich sind aber auch Stärken von C200.[5][6] Die Dosierung, Dauer und Häufigkeit der Einnahme des Präparats in Form von Globuli unterscheidet sich nach den Symptomen.
Leitsymptome, die an Sticta pulmonaria denken lassen sind im Rahmen der Atemwegsbeschwerden: Nasenverstopfung, Husten und Atemnot. Eine Nasennebenhöhlenentzündung äußert sich durch ein dumpfes Druckgefühl im Bereich der Stirn und tiefer im Nasenbereich. Dieses ist bereits ein Hinweis auf Sticta pulmonaria. Auch bei dem Gefühl von Mattigkeit, das die einschleichende Erkältung erkennen lässt, kann an das Präparat denken lassen.[7]
Ferner wird das Mittel auch bei rheumatischen Beschwerden,[8] die sich primär durch Gelenkschmerzen äußern. Patienten berichten von Gelenkssteifigkeit und angeschwollenen Gelenken, die Bewegungen schmerzhaft werden lassen.[9]
Sticta pulmonaria wird bei bestimmten Charakterzügen von Patienten besonders empfohlen. Zum einen zeigt der Sticta-Typ eine ausgeprägte Neigung zum ständigen Reden. Die Patienten sind äußerst lebhaft, mental sowie körperlich. Sie möchten lieber aktiv sein, anstatt ruhig zu sitzen. Zum anderen leiden diese Charaktere unter mentaler Schwäche: Sie zeigen Konzentrationsunfähigkeit bis hin zu Halluzinationen und geistiger Verwirrung.[10][11]

Wo wirkt es?: Sticta pulmonaria soll im allgemeinen Wirkung bei Atemwegsbeschwerden zeigen. Als Wirkorgan wird besonders die Schleimhaut der oberen Atemwege genannt.[12] Die oberen Atemwege beginnen mit Mund oder Nase und enden definitionsgemäß am Kehlkopf, dort wo die Luftröhre beginnt.  Der Wirkungsbereich umfasst allerdings den gesamten Atemtrakt.[13] Dieser Bereich beginnt in Mund oder Nase und reicht bis in die Lunge.
Weiteres werden Sticta pulmonaria-Globuli bei rheumatischen Beschwerden in Gelenken verschrieben. Das Wirkspektrum lässt sich also diese Heilanzeige (Indikation) erweitern.
Demnach lässt sich kein spezieller Wirkungsort von Sticta pulmonaria angeben. Vielmehr werden die Therapieeffekte am ganzen Körper beschrieben.[14]

In welchem Alter?: Sticta pulmonaria-Globuli können in jedem Lebensalter eingenommen werden. Sie werden auch als homöopathische Mittel zur natürlichen Behandlung von Kinderkrankheiten erwähnt.[15]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Anwendungsgebiet des Sticta pulmonaria ist äußert vielfältig. Im Folgenden sollen einige Leitsymptome beschrieben werden:

  • Atemwegsbeschwerden: Die Symptome einer beginnenden Erkältung sind zunächst Mattigkeit und Dumpfheit. Eine Steigerung dieser Symptome sind dumpfer Kopfschmerz, Fieber und Atemwegsbeschwerden. Die Nase kann verstopft und die Nasenschleimhaut trocken sein. Auch Reizhusten, Husten nach Masern und Keuchhusten zählen zu den Atemwegsbeschwerden, die mit Sticta pulmonaria behandelt werden.
  • Rheumatischen Beschwerden: Unter diesen Oberbegriff fallen die Hauptanwendungsgebiete von Stica pulmonaria, die sich auf Gelenksbeschwerden beziehen. Diese Beschwerden sind Arthritis, Kniegelenkserguß  und Gelenkssteifigkeit.[16][17] Eine Arthritis ist die Entzündung eines Gelenkes im allgemeinen. Ein Kniegelenkserguß bleibt auf dieses Gelenk beschränkt und äußert sich hier durch schmerzhafte Schwellung.

Verbesserung: Besonders frische Luft scheint Patienten Linderung zu verschaffen. [18] 

Verschlechterung: Patienten berichten eine Verschlechterung der Symptome am späteren Abend. Langes Liegen wird ebenfalls als Grund für eine Verschlechterung genannt. Auch plötzlicher Temperaturwechsel scheint die Symptomatik zu verstärken. [19] 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Charakter von Patienten, die sich für eine Sticta pulmonaria-Therapie eignen, ist geprägt vom Rastlosigkeit. Zum einen verspüren die Patienten den Drang ständig sprechen zu müssen und sind kaum in der Lage über längere Zeit zu schweigen. Zum anderen wird von ausgeprägter Lebhaftigkeit und Herumtoben der Sticta-Patientengruppe berichtet.[20]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten berichten oft über druckartigen Kopfschmerz, der sich teilweise als Schweregefühl über den Augen äußert. Andere berichten von einem Schmerz, der vom Nasenrücken bis in die Stirnhöhlen zieht. [21]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten berichten von brennenden Augen. Besonders beim Schließen der Augen und Bewegen der Augäpfel wird der Schmerz verstärkt.[22]

Die Nasenschleimhaut der Patienten ist auffällig trocken. Das natürliche Nasensekret bildet Krusten, die nur schwer abzulösen sind. Es entsteht das Gefühl einer verstopften Nase, welches auch durch häufiges Naseputzen nicht verbessert werden kann. Auch Heuschnupfen tritt gehäuft bei dieser Patientengruppe auf. Dieser äußert sich durch häufiges Niesen bei Auftreten des individuellen Reizes.[23]

Sticta pulmonaria wird bei Trockenheit des Halses eingenommen. Diese wird durch Schluckbeschwerden deutlich. Patienten geben an, ihr Hals sei so trocken wie Leder.[24]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten berichten häufig über einen unaufhörlichen Hustenreiz. Sie husten trocken ohne Schleimauswurf. Diese Beschwerden verstärken sich noch, wenn der Patient zu husten beginnt. Als Auslöser des Hustenreizes wird von manchen Patienten ein Kitzeln oben im Hals beschrieben. Andere beschreiben eher eine Taubheit der Luftwege. Beim Einatmen verstärkt sich der Drang zu husten, ebenso mit dem Gefühl der Müdigkeit in den Abendstunden. Der Husten manifestiert sich nach Erkältungen, Masern und Keuchhusten.Zusätzlich werden Brustschmerzen beschrieben. Diese sind häufig stark hinter dem Brustbein zu spüren. Bei manchen Patienten ziehen diese Schmerzen in Richtung Bauch, bei anderen in Richtung Wirbelsäule. Der Schmerz kann anhaltend sein, als pulsierend wahrgenommen werden und bei Bewegung schlimmer werden.[29]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei saurem Aufstoßen kann Sticta pulmonaria eingenommen werden.[25]

Im Bauchbereich wird Sticta pulmonaria bei häufigen Durchfällen eingesetzt. Besonders morgens treten die wässrigen Stuhlgänge auf, die mit Blähungen einhergehen.[26]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sticta pulmonaria wird eingenommen, wenn bei häufigem Wasserlassen ein Empfindlichkeitsgefühl bis hin zu Schmerzen wahrgenommen wird.[27]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sticta pulmonaria wird bei Frauen angewendet, die unter einem spärlichem Milchfluss nach der Entbindung leiden.[28]

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In diesen Bereichen beschreiben Patienten ein Unruhegefühl. Die Beine können kaum ruhig gehalten werden oder fühlen sich ungewöhnlich leicht an. Die Patienten fühlen sich, als ob sie in der Luft schweben würden.[30]Sticta pulmonaria wird eingesetzt, wenn die Gelenke schmerzhaft entzündet sind. Das Präparat wird insbesondere eingesetzt, wenn die Schleimkapsel des Kniegelenks entzündet ist (Bursitis). Der Knieschmerz wird als plötzlich einschießend beschrieben. Ein anderer Begriff. der in Lehrbüchern häufig in diesem Zusammenhang fällt ist der des „Hausmädchenknies“. Diese Erkrankung umschreibt Schmerzen des Knies aufgrund von Überlastung. Der Begriff stammt von der Beobachtung ab, dass Hausmädchen unter Gelenkschmerzen litten, wenn sie auf Knien den Boden putzen mussten. Beschreiben Patienten einen solchen belastungsabhängigen Schmerz, kann Sticta pulmonaria verschrieben werden.[31][32][33]
Ein weiteres Beschwerdebild, bei dem Sticta pulmonaria angewendet wird, sind Gelenkschmerzen im Schulterbereich.
Bei allgemeinen Gelenkschmerzen lassen sich bei der Untersuchung eine Rötung und warme Schwellung feststellen. Die Schmerzen werden als stark und ziehend beschrieben.[34]
Verstärkt sich die Symptomatik, können Krämpfe und Zuckungen der Extremitäten auftreten. Die Hände der Betroffenen sind kalt und feucht. Teilweise beschreiben die Betroffenen regelrechte Schweißausbrüche an den Händen.[35]
Speziell sei an dieser Stelle Nackenschmerzen erwähnt. Patienten berichten besonders in der Nackengegend eine schmerzhafte Steifigkeit. Diese Schmerzen können bis in die Schulter ausstrahlen.[36]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Sticta pulmonaria-Patient leidet eher unter Schweißbildung an Händen und Füßen. Allerdings fühlen sich Arme und Beine eher kalt an. Betroffene leiden eher unter Kälteempfinden.[51]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sticta pulmonaria wird bei Patienten eingesetzt, die unter Schlaflosigkeit leiden. Dies kann zum einen an andauerndem Hustenreiz liegen. Zum anderen werden Einschlafprobleme durch Nervosität hervorgerufen.[37]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Sanguinaria canadensis

Sanguinaria ist ein beliebtes homöopathisches Präparat gegen Schleimbeutelentzündung, Husten und Bronchialasthma. Es wird aus der kanadischen Blutwurzel gewonnen. Diese Pflanze ist den Mohngewächsen zuzuordnen. Wie Sticta pulmonaria soll Sanuinaria canadensis bei Entzündungen der Atemwege helfen. Auch bei trockenem Husten werden beide Präparate verwendet. Die Betroffenen beschreiben den Husten als Kitzeln, das in der Brust beginnt und nach oben steigt. Bei Sanguinaria-Typen kann in Hustenanfällen Schleim mit aus der Lunge kommen, der sehr schwer abzuhusten ist. Ebenso ist Rheumatismus der Gelenke und Muskeln ein häufig genanntes Symptom bei der Heilanzeige (Indikation) von Sanguinaria canadensis und Sticta pulmonaria.
Sanguinaria canadensis wird hingegen eher bei Personen mit leichter Reizbarkeit eingesetzt. Sie leiden bereits bei geringen Reizen unter Geräuschen, Gerüchen und Licht. Kopfschmerzen werden bei Sanguinaria-Typen eher als migräneartig beschrieben. Betroffene empfinden eine Erleichterung bei Druck gegen den schmerzenden Kopf, zum Beispiel wird es als erleichternd empfunden, den Kopf gegen ein Kissen zu drücken.

Aconitum napellus

Die Urtinktur Aconitum napellus wird aus dem blauen Eisenhut gewonnen. Dieser zählt zur Familie der Hahnenfußgewächse. Die reine Urtinktur ist bereits in geringen Mengen äußerst giftig. In Globuli ist diese Ausganssubstanz stark verdünnt und soll sich positiv auf Leiden der Patienten auswirken. Wie Sticta pulmonaria soll es positiven Einfluss auf Atemwegserkrankungen haben. Patienten beschreiben einen trockenen Husten und eine häufig verstopfte Nase. Auch bei Nervosität und Schlaflosigkeit wird Aconitum napellus empfohlen.
Das Präparat ist hingegen eher bei Patienten angezeigt (indiziert), die unter Fieber und Schüttelfrost leiden. Es wird auch bei Nervenentzündungen empfohlen. Die Nervenschmerzen verschlimmern sich durch Kälteeinwirkung und äußern sich durch ein Kribbelgefühl in den betroffenen Bereichen. Das Gemüt der Aconitum-Typen unterscheidet sich vom Sticts pulmonaris-Typ durch starke Angstzustände. Patienten berichten über Angst vor der Zukunft, dem Tod und von Menschenmengen.

Hintergrundinformationen

Der Name der Pflanze Sticta pulmonaria kommt von den griechischen Wörtern stictos = gefleckt und pulmo = die Lunge und gehört zur botamnischen Familie der Lobariaceae. Die Flechte wurde wohl so benannt, da ihre Blätter so verzweigt wachsen wie das Lungengeflecht des Menschen.[2]

Lobaria pulmonaria  ist im deutschsprachigen Raum als „Echte Lungenflechte“ bekannt. Sie wurde 2012 zur „Flechte des Jahres“ ernannt.
Die Flechte ist nicht temperaturempfindlich und wächst  nur auf Laubbäumen und bei guter Luftqualität. Vorzufinden ist die Flechte weltweit in Gebirgen und eher in nördlicheren Gebieten.[47][48]

Eine Flechte besteht aus zwei verbundenen Organismen. Eine Alge und ein Pilz gehen eine Symbiose ein. Das bedeutet, dass für die Partner diese Verbindung einen Nutzen darstellt. Im Falle der Flechte spendet die Alge Stärke und Zucker an den Pilz. Dieser bietet der Alge wiederum Stabilität und mögliches Wachstum an Lebensräumen, an denen die Alge alleine nicht gedeihen könnte.[46]
Die Echte Lungenflechte ist leicht zu bestimmen, da ihre handgroßen Blätter charakteristisch wachsen. Sie erinnern an die Verästellungen des menschlichen Lungengeflechtes. Allerdings zählt das Gewächs in Österreich zu den gefährdeten Flechten und ist in Deutschland vom Aussterben bedroht.
Die medizinische Wirkung der Lungenflechte ist seit langer Zeit bekannt. Bereits in Schriften von 1564 wird das Lungenkraut als Heilmittel bei Atemnot und Husten beschrieben. Später wurde die Pflanze auch bei Lungenabszessen und übermäßiger Menstruation eingesetzt.
Heute ist das Lungenmoos gefährdet und geschützt. Daher wird es wohl nur noch in der Homöopathie eingesetzt.[49]