Globuli von R bis S

Silicea Globuli

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Silicea terra ist ein homöopathisches Einzelmittel und wird auch als Kieselsäure, Kieselerde oder Siliziumdioxid bezeichnet. Es ist ein weißlich-gekörntes Mineral, das überall in der Erde vorkommt und der Ausgangsstoff der homöopathischen Arznei ist feingepulverter Bergkristall. In der klassischen Homöopathie ist Silicea ein starkes Arzneimittel mit tiefergreifender Heilungswirkung im Nervensystem und auf alle Körpergewebe. Es verhilft dem schwächelnden Patienten zu mehr Kraft und Hoffnung.[1]

Silicea ist ein wichtiges Mittel bei eitrigen Entzündungen, Abszessen und Knochenerkrankungen. Auch bei einem Mangel an Lebenswärme mit kalten Händen und Füßen, ständigem Frösteln und einer Erkältungsneigung kommt Silicea zum Einsatz. Silicea-Menschen sind meist schlank, zart und feingliedrig, empfindlich und haben häufig blondes Haar. Sie sind einerseits nervös, ängstlich und leicht erschöpft, andererseits aber auch zielstrebig, beharrlich und entschlusskräftig.[2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Silicea ist das richtige Mittel bei Menschen, die unter Beschwerden infolge von Kälte wie beispielsweise kalte Füße, keine Kopfbedeckung bei Kälte oder nach dem Schwimmunterricht leiden. Es besteht ein Mangel an Lebenswärme mit ständigem Frösteln auch bei körperlicher Tätigkeit. Silicea-Menschen erkälten sich leicht und haben kalte Hände und Füße. Schon als Kinder neigen Sie zu häufigen Erkältungen, Hals- und Mittelohrentzündungen mit der Tendenz zur Vereiterung.[3]
Patienten, die Silicea benötigen, sind ängstlich, trotzig, stur und versuchen das fixe Bild, dass sie von sich geschaffen haben, zu wahren. Die Erfüllung dieses bestimmten Bildes ist notwendig für die Akzeptanz und sie haben große Angst davor, dass dieses Image verloren gehen könnte. Sie haben große Angst vor Misserfolgen und übernehmen daher auch ungern Verantwortung. Trotzdem sind sie sehr gewissenhaft.
Ihr seelischer und geistiger Zustand lässt sich als nervös, gereizt, schwach, und verzagt beschreiben. Mal sind sie eigensinnig, dann wieder nachgiebig, unentschlossen und mutlos. Es besteht eine große Angst vor spitzen Gegenständen wie Spritzen und deshalb auch vor Blutentnahme und Injektionen.[4]

Wo wirkt es?: Silicea hat einen großen Wirkungsbereich bei chronischen Erkrankungen und eine besonders positive Wirkung auf Zellgewebe im Allgemeinen, Nervensystem,Drüsen, Haut, Schleimhäute und Knochen.
Silicea ist ein tiefgreifendes Mittel mit einer starken Wirkung auf alle Körpergewebe. Das Mittel treibt wirksam kleine Fremdkörper und Splitter aus dem Körper, weshalb auch bei größeren Fremdkörpern oder Implantaten keine Selbstbehandlung angezeigt ist. Häufige und sich langsam entwickelndeEiterungen, wiederkehrende Abszesse, Karbunkel oder auch Akne bessern sich unter Silicea und Nagelstörungen in Form von rissigen, weiß-gefleckten und verformten Nägeln gehen zurück. Nach Knochenbrüchen sorgt Silicea für ein besseres Zusammenwachsen.
Die Kopfschmerzen, die im Nackenbereich beginnen und dann zu den Augen ausstrahlen werden gelindert. Auch zur Stärkung körpereigener Abwehrkräftebei wiederkehrendem Schnupfen, Grippe oder Mittelohrentzündungen findet Silicea Anwendung.
Silicea ist ein starkes Arzneimittel mit tiefer Heilungswirkung im Nervensystem. Durch Silicea wird der schwache Patient wieder aufgebaut. Schwäche und Niedergeschlagenheit schwinden und neue Kraft und Hoffnung kehren zurück.[5]

In welchem Alter?: Silicea kann in jedem Lebensalter angewendet werden. Es ist aber auch ein wichtiges, bewährtes Kindermittel. Die Kinder sind vom Typus her fein, zart, gewissenhaft und leiden häufig unter mangelndem Selbstbewusstsein, haben Angst vorm Versagen und vor Nadeln. Silicea wird häufig eingesetzt bei Kindern mit immer wiederkehrenden Infektionen, die mit Mittelohrentzündungen und Bronchitiden einhergehen. Bei Säuglingen kommt Silicea zum Einsatz, wenn die Muttermilch nicht vertragen wird und es nach dem Trinken zu Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen oder Durchfall kommt. Silicea-Kinder haben auch eine schlechte Wundheilung. Jede kleine Schürfung beginnt zu eitern.[6]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, bei denen das homöopathische Mittel Silicea angezeigt ist, zeigen folgende Leitsymptome:

  • Häufige Entzündungen, die mit Eiterungen einhergehen und chronisch werden können. Bei den Betroffenen sind die Eiterungen und Abszesse nicht sehr schmerzhaft, der Verlauf ist langsam, hartnäckig und schleppend. Es kann zur Bildung von Verhärtungen, Fisteln, Abszessen und Geschwüren kommen. Silicea ist eines der wichtigsten Mittel bei eitrigen Prozessen.
  • Silicea treibt Splitter und Fremdkörper aller Art aus dem Gewebe. Vorsicht ist geboten bei Menschen mit Implantaten. Silicea hat die Kraft, Zahnimplantate, künstliche Gelenke, Schrauben oder Herzschrittmacher zu lockern, in solchen Fällen darf Silicea nicht gegeben werden.
  • Die Schmerzen werden als stechend beschrieben.
  • Es besteht ein Mangel an Lebenswärme. Dem Patient ist ständig kalt, auch dann, wenn er sich körperlich betätigt. Er fröstelt, hat kalte Hände und Füße und ist sehr anfällig für Infektionen. Die Erkältungsneigung geht mit wiederkehrendem Schnupfen, häufiger Grippe und Mittelohrentzündungen einher. Der Schnupfen wird begleitet von einem Geruchsverlust und trockener Verkrustung in der Nase. Die Krusten bluten, wenn sie gelöst werden.
  • Nagelstörungen zeigen sich in Form von Rillen, weißen Flecken und Verformungen. Die Zehennägel sind eingewachsen.
  • Die Kopfschmerzen beginnen im Nackenbereich und wandern über dir Stirn nach vorne, besonders zum rechten Auge. Es sind drückende Schmerzen, die sich bessern, wenn der Kopf warm eingehüllt wird.
  • Knochenerkrankungen wie Rachitis oder schlecht heilende Brüche.
  • Die Patienten leiden unter schmerzhafter Verstopfung. Der Stuhl wird mit großer Mühe herausgepresst und schlüpft dann immer wieder zurück. Während des Pressens tritt Kopfschweiß begleitend auf.
  • Charakteristisch für Silicea ist eine ausgeprägte Furcht vor spitzen Gegenständen und Nadeln.
  • Die Schweißbildung ist bei Silicea übelriechend und tritt besonders nachts am Hinterkopf auf. Es sind erschöpfende Nachtschweiße. An den Füßen ist der Schweiß zudem wundmachend zwischen den Zehen.

Verbesserung: Das warme Einhüllen des Kopfes wird immer als sehr angenehm empfunden. Überhaupt tut Wärme in jeder Form gut. Dampfbäder und feuchtwarmes Wetter verbessern die Beschwerden.

Verschlechterung: Kälte, kaltes und nasses Wetter und Luftzüge werden aufgrund des vorhandenen Mangels an Lebenswärme nicht vertragen und führen zu einer Verschlechterung. Auch das Entblößen und Ausziehen sowie nasse Haare tragen zu einer Verschlimmerung des Zustands bei. Morgens, im Liegen auf der schmerzhaften Seite und unter geistiger Arbeit wird ebenfalls alles als schlimmer empfunden. Bei Frauen kommt es zudem während der Menstruation zu einer Verschlechterung.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der geistige Zustand von Silicea ist gekennzeichnet durch Schwäche, Verwirrung, Angst, Mutlosigkeit und Nachgiebigkeit. Silicea-Menschen sind ruhelos, zappelig und schrecken bei jedem noch so kleinen Geräusch auf. Sie werden als ängstlich, nachgiebig und verzagt beschrieben. Die Schüchternheit von Silicea äußert sich in einer sehr scheuen und zurückhaltenden Art und Weise. Fremden Menschen gegenüber sind Silicea-Menschen sehr verschlossen. Kinder sind extrem scheu und verängstigt und wollen weder angesehen noch angesprochen werden und lehnen jeden Augenkontakt ab. Durch ihre große Empfindlichkeit beginnen Kinder bei dem kleinsten Anlass zu weinen, auch dann, wenn freundlich zu ihnen gesprochen wird. Es fehlt Silicea-Menschen Mangel an Selbstvertrauen und Stabilität, was sich besonders in der Furcht vor Misserfolgen äußert. Es bestehen Versagensängste bei Vorträgen, Referaten oder anderen Prüfungen, die sich aber als unbegründet erweisen, sobald die Angst überwunden wird. Nach der geistigen Anstrengung entsteht eine große Erschöpfung, die sich dann in Konzentrationsschwierigkeiten und Verwirrtheit zeigen. Silicea-Menschen haben Angst vor spitzen Gegenständen, besonders vor Spritzen und Nadeln haben sie eine panische Angst.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Chronische Kopfschmerzen sind eine häufige Beschwerde bei Silicea-Patienten. Die Schmerzen beginnen am Hinterkopf oder Nacken und breiten sich dann über den gesamten Kopf aus. Manchmal sind die Schmerzen auch über einem Auge, besonders über dem rechten Auge lokalisiert. Kälte oder Feuchtigkeit verschlimmern die Beschwerden, Druck, Wärme und Dunkelheit hingegen führen zu einer Verbesserung.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht erscheint seidenartig, blutarm, blass und wächsern. Sie haben feine Gesichtszüge mit fast durchscheinender Haut.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht eine große Neigung, sich schnell zu erkälten. Auf die geringsten Temperaturschwankungen wird empfindlich reagiert und auch Wind und Luftzug führen immer wieder zu einem Schnupfen. Es besteht ein großes Verlangen nach warmer Kleidung und nach einer Kopfbedeckung. Bei der Erkältung ist die Nase verstopft und der Schleim fließt in den Rachen. Der Schnupfen geht mit einem kompletten Geruchsverlust einher. Kinder haben immer wiederkehrende Infektionen und leiden neben Erkältungen auch an Mittelohrentzündungen mit übelriechendem Ausfluss und Gehörminderung sowie Bronchitiden und Pilzinfektionen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Säuglinge haben eine Unverträglichkeit gegen Muttermilch und die Qualität der Muttermilch spielt keinerlei Rolle. Überhaupt sind die Säuglinge keine großen Trinker, sie bekommen hinterher häufig Verdauungsprobleme indem sie nach wenigen Schlucken erbrechen oder Durchfall bekommen.Ein weiteres Symptom von Silicea sind Verstopfungen (Obstipation) mit zurückgleitendem Stuhl. Die Stuhlentleerung ist sehr mühsam und der Stuhl kann nur mit viel Anstrengung herausgepresst werden. Wenn der Stuhl teilweise ausgeschieden ist, schlüpft er aber wieder zurück. Bei Frauen besteht die Verstopfung oft vor und während der Menstruation.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Frauen haben trichterartig eingezogene Brustwarzen. In der Brust sind harte Knoten, Zysten und Fistelgänge.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nagelstörungen zeigen sich in Form von Rillen, weißen Flecken und Verformungen. Die Zehennägel sind eingewachsen. Die Finger- und Zehennägel sind gewellt, brüchig, spröde und weißfleckig.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Silicea-Menschen haben eine schlechte und langsame Wundheilung. Jede noch so kleine Verletzung beginnt zu eitern. Häufig bilden sich Abszesse und Narben können wieder aufbrechen und eitern. Bei größeren Verletzungsnarben kommt es zu Verwachsungen und zur Bildung von Narbenwulsten (Keloiden). Silicea bringt Abszesse zum Reifen oder aber führt zu einer Verminderung der Eiterung. Eine weitere Eigenschaft von Silicea ist das Herausbefördern von Fremdkörpern wie zum Beispiel Glas-, Metall- oder Holzsplitter.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es fließt leicht reichlich Schweiß, besonders am Hinterkopf, Händen und Füßen. Die Füße sind meist eiskalt und trotzdem schweißig. Der Geruch ist unangenehm und übelriechend.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Schlaf ist sehr unruhig. Schreckliche Träume wecken sofort nach dem Einschlafen auf. Manchmal kommt es zum Schlafwandeln, aber am nächsten Morgen kann sich nicht mehr daran erinnert werden. Silicea-Menschen sind klassische Morgenmuffel. Sie sind müde und schlecht gelaunt.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

PulsatillaPantherMedia / Herbert Schlemmer

Silicea ist das ergänzende und chronische Mittel zu Pulsatilla. Beide Menschentypen sind milde, nachgiebig und durch ein schüchternes Wesen charakterisiert. Besonders die Schüchternheit von Silicea ähnelt sehr der von Pulsatilla. Im Gegensatz zu Silicea ist Pulsatilla jedoch sehr wärmeempfindlich und die Beschwerden verbessern sich durch Kälte und frische Luft, was bei dem ohnehin frösteligen Silicea-Menschen zu einer Verschlimmerung führt. Bei Pulsatilla besteht zudem eine Durstlosigkeit, während bei Silicea Durst vorhanden ist.

Hepar sulfurisPantherMedia / Pauliene Wessel

Hepar sulfuris ist ein Gemisch aus gleichen Teilen Austernschalenkalk (Calcium carbonicum) und Schwefelblumen (Sulfur). Die beiden Mittel sind hervorragende Eiterungsmittel und lassen sich nur schwer voneinander unterscheiden. In manchen Fällen hat es sich bewährt, beide Mittel hintereinander zu verabreichen. Hepar sulfuris heilt Abszesse und Furunkel und unterschiedet sich von Silicea durch seine große Schmerzempfindlichkeit, die typischerweise als Splitterschmerz charakterisiert ist. Die Abszesse sind äußerst schmerzhaft, stark entzündet und sehr berührungsempfindlich. Bei Silicea besteht hingegen nur ein leichter Schmerz.

Mercurius solubilis hahnemanniPantherMedia / Allan Swart

Mercurius solubilis hahnemanni ist das einzige Schwermetall, das sich bei Zimmertemperatur verflüssigt. Ähnlich wie bei Silicea besteht eine große Empfindlichkeit gegen Zugluft und Kälte sowie eine Schweißneigung. Bei Mercurius verschlimmern sich die Beschwerden jedoch bei stärkerer Wärme und Hitze, denn Quecksilber verträgt nur gemäßigte Temperaturen gut. Auch in der Nacht kommt es zur Verschlimmerung, bei Silicea eher am Morgen. Die Schwäche und Erschöpfung geht zudem mit Zittern einher, was bei Silicea nicht der Fall ist.

Hintergrundinformationen

Silicea wird auch als Kieselsäure, Kieselerde oder Siliziumdioxid bezeichnet und ist ein weißlich-gekörntes Mineral, das überall in der Erde vorkommt. Silicea gibt es sowohl in einer reinen, kristallinen Form als auch als Quarz, Feuerstein oder Sand.

Siliziumdioxid ist neben Sauerstoff das vielfältigste Element auf unserem Planeten und beide Elemente gehen viele Verbindungen mit anderen Stoffen ein. So besteht die Erdkruste zu fast 50 Prozent aus Kieselsäure-Verbindungen. Die kieselsäurehaltige Erdkruste dient der Erde als eine Art „Haut“, ebenso verfügen Tiere, Pflanzen und Menschen über eine Haut, um sich gegen äußere Einflüsse zu schützen und einen Zusammenhalt der Gewebe zu ermöglichen.[10]
Die Salze der Kieselsäure heißen Silikate und diese werden von Pflanzen aufgenommen und hauptsächlich in den Stängeln oder im Stamm eingelagert. Sie geben den Pflanzen eine gewisse Biegsamkeit und Elastizität und sorgen für Schutz vor dem Austrocknen. Besonders Gräser, Farne, Palmen und Bambus enthalten viel Silikat.
Im menschlichen Organismus befindet sich die Kieselsäure in der Haut, in den Nägeln und Haaren, in den Organkapseln und im Bindegewebe.[11] Organkapseln sind Kapseln aus gallertartigem (kollagenem) Bindegewebe, die ein Organ umhüllen und der mechanischen Stabilität sowie der Abgrenzung der Organe untereinander dienen.[12]