Globuli von R bis S

Scilla Globuli

© panthermedia.net / Hubert Schäffler

Scilla maritima, zu Deutsch rote Meerzwiebel, ist eine giftige Pflanze innerhalb der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Sie findet sich an den westlichen Küstengebieten im Mittelmeerraum.[1] Scilla maritima enthält zahlreiche Wirkstoffe, wie z.B. Schleimstoffe, Einfachzucker, Fruchtzucker, Öle, Coffein und verschiedene Herzglykoside (Steroidglykoside) aus der Gruppe der Bufadienolide (Scillirosid, Scillaren A, Scilliglaucosid und Proscillaridin A).[2] Diese wirken sich positiv auf das Herz- Kreislauf- System aus, weisen aber eine toxische Wirkung auf, weshalb sie nur sehr verdünnt zur Behandlung eingesetzt werden. Einfachzucker und Coffein stimulieren den Kreislauf und fördern die Konzentration.

Hauptsächlich wird Scilla als Hustenmittel eingesetzt, vor allem bei chronischer Bronchitis mit reichlich Schleimansammlung. Der Husten ist trocken und heftig, die Betroffenen fühlen sich schwach. Typisch ist ein unwillkürlicher Abgang von Urin während des Hustens. Begleitet wird der Husten meistens von heftigem Schnupfen mit wundmachendem Sekretfluss und Niesattacken.[3] 

Scilla maritima kann bei Erwachsenen und älteren Menschen zur Behandlung eingesetzt werden. Allerdings eignet sich das homöopathische Einzelmittel aufgrund seiner Giftigkeit nicht zur Selbstbehandlung und ist daher nur in Rücksprache mit einem homöopathisch fachkundigen Arzt therapeutisch einzusetzen. Bei Patienten mit den entsprechenden chronischen Symptomen kann die homöopathische Behandlung mit Scilla maritima unterstützend wirken und wird vom Arzt verordnet.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Scilla maritima wird eingesetzt bei:

  • Körperlich schwachen Personen
  • Entzündungen der Schleimhäute mit einer vermehrten Absonderung wässrigen oder schleimigen Sekretes, wie Entzündungen der Bronchien (Bronchitis), der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), Asthma bronchiale, starkem Heuschnupfen, Keuchhusten (Pertussis) und Mukoviszidose (zystische Fibrose)
  • Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) oder Geschwüre der  Magengenschleimhaut (Ulcus ventriculi)
  • Schäden des Herzmuskelgewebes (Myokardschädigungen)
  • Herzinsuffizienz
  • Herzklappenfehler: Schlussunfähigkeit einer Herzklappe (Mitral- oder Aorteninsuffizienz), Einengung einer Herzklappe bei der Öffnung (Mitral- oder Aortenstenose),
  • chronischen Erkrankungen der Harnwege, z.B. mangelhafte Urinausscheidung (Anurie), Nierengries (kleine auskristallisierte unlösliche Salzansammlungen in der Niere), Gicht (Hyperurikämie) oder pathologisch vermehrtes Auftreten von Flüssigkeit im Körpergewebe (Ödeme, Hydrops)

[4]

Wo wirkt es?: Scilla maritima wirkt an den Schleimhäuten der Atmungsorgan und des Magen-Darm-Traktes. An den Atmungsorganen regt das Einzelmittel die Produktion von dünnflüssigem Schleim an (Sekretolytika), damit dieser besser abgehustet werden kann, lockert zähen festsitzenden Schleim (Mukolytika) und verstärkt den Abtransport des Bronchialschleimes (Sekretomotorika).

Eine zentralnervöse und reflektorische Wirkung als Brechmittel (Emetikum) ist bekannt. In kleinen Dosen erweitert Scilla die Gefäße, wodurch der Blutdruck gesenkt wird, besonders wünschenswert ist dieser Effekt bei Patienten mit Bluthochdruck (Hypertonie). In höheren Dosen verengt Scilla die Gefäße, was zu einer Erhöhung des Blutdruckes führt, Personen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) profitieren von dieser Wirkung.

Scilla wirkt auf das Herz, indem es dort zu einer Kraftsteigerung führt (positiv inotrope Wikrung). Patienten, die unter einer Herzinsuffizienz leiden, einer krankhaften Unfähigkeit des Herzens, das vom Körper benötigte Blutvolumen in ausreichender Menge zu pumpen, können es schaffen durch die positiv inotrope Wikrung von Scilla wieder mehr Blutvolumen aus dem Herzen auszuwerfen. Außerdem kann Scilla die Schlagfrequenz des Herzens senken (negativ chronotrope Wirkung). In Verbindung mit der Herzkraftsteigerung kann das Herz nun in kürzerer Zeit und mit weniger Schlägen, mehr Blut pumpen, was insbesondere Patienten mit einer Herzinsuffizienz zugutekommt. Das Herz arbeitet dadurch effizienter.

Auf die Harnorgane wirkt das Einzelmittel stimulierend, sodass es zu einer vermehrten Ausscheidung von Wasser kommt (diuretische Wirkung). Besonders von Nutzen ist dieser Effekt bei starker Wasseransammlung im Gewebe der Extremitäten oder des Abdomens (Ödeme), hier wirkt Scilla als Diuretikum.[5]

In welchem Alter?: Scilla maritima sollte aufgrund ihrer Giftigkeit erst im erwachsenen Alter eingesetzt werden. Ausnahmen sind mit einem homöopathisch fachkundigen Arzt zu besprechen. Scilla maritima sollte generell nur in Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden, da es sich um ein homöopathisches Einzelmittel handelt, das bei schwereren Erkrankungen zum Einsatz kommt. Es kann bei schwere chronische Erkrankungen unterstützend helfen, wird aber nicht als Einzeltherapie verordnet.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die oberen Atemwege (Mund, Nase, Rachen und Kehlkopf) sind wund, gereizt und schmerzhaft. Die Betroffenen klagen über stechende Schmerzen in der Brust, besonders bei der Einatmung von kühler Luft. Um die Schmerzen während der Einatmung zu lindern, atmen die Personen oberflächliche und schnell. Ständiger, anstrengender Husten plagt sie, es reicht schon aus, dass sie aus einem warmen Zimmer an die kühlere Außenluft kommen, um einen Hustenanfall auszulösen. Der Anfall kann unter Umständen so heftig sein, dass die betroffenen in Atemnot (Dyspnoe) geraten. Auch die Muskulatur der Bauchpresse schmerzt und ist überanstrengt.

Hauptindikation:

  • chronischer Husten (mit unfreiwilligem Urinabgang)
  • sehr starker trockener Husten
  • Patienten sind schwächlich
  • trockener, heftiger, chronischen Husten, bis hin zur Atemnot, Asthma bronchiale, chronische Bronchitis
  • seröse, schleimige Brust- und Halsbeschwerden (Schleim kann nur schwer abgehustet werden)
  • heftiger Schnupfen mit wundmachendem Sekretabfluss
  • Schleim hinterlässt salzigen Geschmack im Mund
  • stechende Schmerzen beim Einatmen in der Brust
  • juckende, brennende Augen
  • die oberen Atemwege fühlen sich wund an
  • Rechts- oder Linksherzinsuffizienz
  • Ödeme, Pleuraergüsse
  • Rheuma und Gicht mit dumpfen Schmerzen
  • Nierenentzündung
  • Brechmittelt
  • rockene Haut, nicht selten mit Rötungen und wunden Stellen
  • Dermatopathien (Brandwunden, Gewebsverhärtungen)

Verbesserung: Eine Besserung der Beschwerden wird erreicht durch viel Ruhe, Liegen und Schlafen. Warmes Einhüllen und Trinken von kaltem Wasser wirken sich positiv aus.

Verschlechterung: Die Symptome verschlimmern sich generell morgens. Aber auch durch Kälte, z.B. durch das tiefe Einatmen von kühler Luft. Langes Stehen, Sitzen und Bewegung verschlechtern den Zustand.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Scilla- Patienten zeichnen sich durch große Ängstlichkeit und Furcht vor dem Tod aus. Vom Charakter her werden sie als nervös, reizbar, hartherzig, unerbittlich, gleichgültig und hochmütig beschrieben. Wegen kleinsten Unannehmlichkeiten geraten sie in große Wut. Die Patienten meiden geistige und körperliche Arbeit, sitzen gerne und sind direkt nach dem Aufwachen verwirrt. Nach Blutverlust geraten sie ins Delirium.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Erkrankten leiden an Asthma bronchiale und/oder chronische Bronchitis mit starken, schmerzenden Husten. Heuschnupfen mit geschwollen und juckenden Augen kommt hinzu. Typisch für Scilla ist, dass die Personen ständig ihre Augen reiben. Regelmäßige Niesanfällemit wundmachendem Fließschnupfen plagen sie. Oft niesen sie auch während des Hustens. Der Rachen ist wund, vor allem morgens, mit stechendem Schmerz. Kaltes Trinken verschlimmert den Schmerz.Scilla- Patienten haben einen konstanten quälenden Husten, der anfallsartig aufkommt, die Bronchien sind sehr verschleimt. Dem Hustenkrampf gehen Rasselgeräusche in der Lunge voraus. Der Anfall selbst ist kurz, heftig und erschöpfend. Er kann so stark sein, dass die Betroffenen kurzzeitig Atemnot bekommen, gefolgt von Niesen und dem Drang sich zu Schnäuzen. Morgens  ist der Husten locker und wird als schlimm empfunden, der abendliche trockene Husten hingegen ist für die Kranken weniger belastend. Während des Hustens tränen die Augen, es kommt zum unabsichtlichen Urinabgang. Der Husten ist mit Schmerzen verbunden, die sich von der Milzregion bis zum Hals erstrecken.
Scilla maritima kann unterstützend helfen bei einer Entzündung der Pleura (Pleuritis) mit hohem Fieber (Pyrexie) und Erschöpfungszustand. Die Pleuritis wird von stechenden Schmerzen in der linken Brust und Husten begleitet. Außerdem ist das Einzelmittel angezeigt bei Herzinsuffizienz und Herzleiden, weil es die Herzkraft stimuliert.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Zähne von Scilla- Patienten haben schwarze Flecken, sie leiden oft an faulig riechenden Zahnfleischentzündungen. Sie berichten von dumpfen Schmerzen im oberen Magen, im restlichen Bauch plagt sie ein stechender Schmerz. Liegen auf der linken Seite lindert die Schmerzen. Das Vorhandensein eines Wasserbauches (Aszites) mit spärlichem Harnabgang ist beschrieben.Sollten die Personen Durchfall (Diarrhoe) haben, ist dieser in der Regel schmerzlos. Der Stuhl ist braun bis schwarz, schleimig und übel riechend. Während des Hustens oder Niesens kann es zur Unwillkürlichen Stuhlentleerung kommen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Scilla-Patienten leiden an einer Blasenschwäche. Entweder haben sie einen hellen klaren Urin und scheiden täglich große Mengen aus oder sie haben eine Nierenerkrankung bei der sie sehr wenig, stark konzentrierten Harn ausscheiden, beispielsweise bei einem Steinleiden, einer Anurie, Nierengries oder Gicht. Hier hilft Scilla, weil die Pflanze eine wasserausschwemmende Wirkung besitzt.Husten wird oft mit einem unfreiwilligen Urinabgang begleitet.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen klagen über Nackensteifigkeit. Oberhalb des linken Schulterblattes sind schmerzhafte Zuckungen typisch. Im Schulterblatt selber wird ein schmerzloses Ziehen verspürt, unterhalb der Scapula eine brennende Empfindung. Die Hände und Füße von Scilla- Patienten sind kalt, der Rest des Körpers ist warm. Die unteren Extremitäten schlafen oft ein, z.B. beim Überkreuzen der Beine. Die Hände werden schnell taub, wenn der Kopf auf sie abgelegt wird. Ihre Nägel sind brüchig und spröde. Oft leiden die Patienten an Ödemen in den Beinen, seltener in den Armen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist trocken, Rötungen und wunde Stellen können vorkommen.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Fieber (Pyrexie) kommt vor allem nachts auf. Dann leiden Scilla- Patienten an innerer Kälte mit äußerlicher Hitze. Zudecken ist angenehm, sobald sie sich abdecken, kommen sofort Kälte und Schmerzen auf. Am meisten schwitzen die Erkrankten aus den Achselhöhlen.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Scilla- Patienten haben einen unruhigen Schlaf und träumen viel. Die Träume sind so lebhaft, dass sie sich bei Erwachen anfühlen, als wären sie tatsächlich geschehen. Auch erotische Träume kommen vor.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Digitalis

Digitalis wird aus der Pflanze „roter Fingerhut“ gewonnen. Digitalis enthält unterschiedliche Gifte (z.B. Herzglykoside wie Sapogenine, Digitalin, Digitoxin und Gitoxin). Das homöopathische Einzelmittel wirkt sich positiv auf das Herz aus. Anders als Scilla ist Digitalis angezeigt bei Herzrhythmusstörungen, wie bei einem zu niedrigen Ruhepuls (Bradykardie), unter 60 Schläge pro Minute oder einem zu hohen Ruhepuls (Tachykardie), über 100 Schläge pro Minute. Es kann auch bei einer Herzinsuffizienz eingesetzt werden, um eine Verschlimmerung der Symptome (Bein- oder Lungenödeme, körperliche Leitungsminderung oder vermehrtes Wasserlassen in der Nacht) entgegen zu wirken.

Die Betroffenen sind sehr ängstlich, nervös und schwach. Ähnlich wie Scilla, kann Digitalis bei einer verminderten Harnausscheidung helfen. Daher ist Digitalis auch indiziert bei Gicht oderNierenentzündungen. Digitalis-Patienten beschreiben eine Verschlimmerung der Symptome beim aufrechten Sitzen und durch Bewegung.[9]

Bryonia alba

Bekannt ist Bryonia alba auch unter dem Namen „Teufelsrübe“ oder „Gichtrübe“. Hergestellt wird sie aus der Wurzel der weißen Zaunrübe. Wie auch Scilla maritima ist Bryonia gut geeignet, um schmerzhaften, trockenen Husten mit Schmerzen im ganzen Brustbereich zu lindern. Der Husten ist so heftig, dass die Patienten sich beim Husten den Brustkorb halten, dadurch verspüren sie eine Linderung der Schmerzen. Generell beschreiben Bryonia- Patienten eine Besserung der Symptome durch Ruhe, Liegen (vor allem auf der erkrankten Seite) und im Unterschied zu Scilla- Patienten durch Kälte. Eine Verschlimmerung tritt bei Bewegung, aufrechtem Sitzen und Berührung auf. Angezeigt ist Bryonia, wie auch Scilla, bei Nierenkoliken, Gicht, Rheuma und Herzbeutelentzündung (Perikarditis).[10]

Aconitum napellus

Aconitum, im Volksmund auch als Sturmhut bekannt, produziert eines der stärksten Gifte im Pflanzenreich. In der Homöopathie wird Aconitum zur Behandlung vonHerzerkrankungen, wie Herzrhythmusstörungen, und bei akuten Entzündungen, z.B. der Harnorgane, des Respirationstraktes (akute Bronchitis, Lungenentzündung), von Asthma, Fieber und starkem, trockenem, hackendem Husten eingesetzt. Aconitum ist vor allem dann angezeigt, wenn Beschwerden plötzlich, stürmisch und heftig beginnen. Begleitet werden die Beschwerden von Angstzuständen, nächtlicher Ruhelosigkeit und Nervosität. Anders als Scilla- Patienten verspüren Aconitum- Patienten eine Besserung der Symptome durch frische Luft, allerdings wird der Husten durch Kälte verschlimmert. Liegen, vor allem auf der erkrankten Seite, wirkt sich ebenfalls negativ auf den Zustand aus.[11]

Carbo vegetabilis

Das homöopathische Einzelmittel wird aus der getrockneten Kohle von Rotbuchen- und Birkenholz gewonnen. Carbo vegetabilis ist ebenso wie Scilla indiziert bei Erkrankungen der Atemorgane, wie Bronchitis mit reichlich Schleimansammlung und heftigem Husten,Keuchhusten (Pertussis), Atemnot (Dynspnoe) und Heiserkeit. Aber auch bei Personen mit einer Herzinsuffizienz wirkt sich Carbo vegetabilis positiv aus. Die Patienten wirken körperlich erschöpft, sind reizbar und empfindlich. Eine Verschlechterung der Beschwerden verspüren die Betroffenen durch feuchtwarmes Wetter und Bewegung, vor allem im Freien. Eine Besserung wird durch das Hochlegen der Füße erreicht.[12]

Hintergrundinformationen

Die Stammpflanze der Meerzwiebel ist Urginea maritima innerhalb der Familie der Hyazinthengewächse (Hyacinthaceae??). Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Mittelmeerraum. Zu unterscheiden ist die weiße Meerzwiebel von der roten. Die rote Meerzwiebel enthält ein Pflanzenfarbstoff, der ihre Blüte rot färbt (Anthocyane) und ist im westlichen Mittelmeerraum verbreitet, während die weiße Meerzwiebel im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet ist. Die Zwiebel kann bis zu 2 Kg schwer werden und ragt aus der Erde heraus. Die Blüten entwickeln sich im Herbst, haben eine krautähnliche Gestalt und können bis zu 1,50 m hoch wachsen. Extrakte aus der Zwiebel werden pharmazeutisch verwendet, um Arzneimittel in Form von Trockenextrakten, Tinkturen, Dragees oder Tropfen herzustellen. Nur die rote Meerzwiebel weist Toxizität auf, welche von dem Inhaltsstoff Scillirosid ausgeht. Eingesetzt wird Scilla maritima daher auch zur Bekämpfung von Ratten und anderen Nagern.[13][14]

Mögliche Nebenwirkungen: Das homöopathische Einzelmittel kann in manchen Fällen Magenreizungen wie Erbrechen (Emesis) und Durchfall (Diarrhoe), Gliederschmerzen, sensible Störungen der Nerven, Augenentzündungen, Niesanfälle oder Fieber (Pyrexie) hervorrufen.[15]