Globuli von R bis S

Ratanhia Globuli

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Ratanhia ist ein homöopathisches Einzelmittel, das aus den Wurzeln des südamerikanischen Strauchs, Krameria gewonnen wird. Die rotbraune Wurzel des Strauchs hat eine stark zusammenziehende (adstringierende) und entzündungshemmende Wirkung und einen bitteren Geschmack. Diese Eigenschaft wird daher als Inhaltsstoff in Zahncremes und Mundwasser genutzt. [1]

Das aus der Wurzel gewonnene Pulver hat seine Wirkung vor allem im Bereich der Schleimhäute. [2] Die antibakteriellen Eigenschaften der Pflanzenwirkstoffe von Ratanhia ermöglichen Erkrankungen zu behandeln, die sich im Bereich des Enddarms und des Rektums manifestieren. Das Mittel eignet sich besonders bei Erkrankungen des Rektums. [3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Dieses Mittel zeigt sich bei Patienten von schlanker, schmächtiger Statur. Für Personen die leicht reizbar und streitlustig sind. Patienten die Ratanhia benötigen haben stechende, grobe Schmerzen. Es ist angezeigt bei ängstlichen Personen mit psychischer Unruhe. Kinder mit einem zwanghaften, religiösen Verhalten oder mit Wurmleiden. [4]

Wo wirkt es?: Ratanhia hat seinen Hauptangriffspunkt bei Blutungen. Zu frühe Blutungen aus der Gebärmutter(Uterus) und rissigen Brustwarzen. Es hilft bei Beschwerden der Mundhöhle wie Zahnfleischentzündungen(Gingivitis). Blutungen die ausgelöst werden durch Analfissuren und Hämorrhoiden. Bei zarten, nervösen Frauen die zu Fehlgeburten neigen, wirkt Ratanhia kräftigend(tonisierend). [2]
Ratanhia wird Kindern gegeben bei Beschwerden durch Würmer. [5]

In welchem Alter?: Ratanhia kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eingesetzt werden. In Salbenform kann Ratanhia direkt auf die juckenden Stellen an der Afterschleimhaut eingesetzt werden um hier direkt eine schmerzlindernde und abheilende Wirkung zu erzielen.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Der Patient leidet unter Schmerzen, besonders nach dem Stuhlgang, die stechend und schneidend sind
  • Reissende Gliederschmerzen die nach dem Aufstehen bessern, wie zerschlagen
  • Hämorrhoiden
  • Einrisse (Fissuren) in der Afterschleimhaut
  • Stechende Kopfschmerzen
  • Neigung zu Fehlgeburten(Abortneigung) durch Uterusblutungen
  • heftige Zahnschmerzen während der Schwangerschaft
  • Heftiger, schmerzhafter Schluckauf
  • Wurmleiden bei Kindern, Madenwürmer oder Bandwürmer [5]

Verbesserung: Der Zustand des Patienten bessert sich durch ein kaltes Bad. Der Patient fühlt sich besser wenn er sich Freien bewegen kann.

Verschlechterung: Die Symptome des Patienten verschlimmern sich in der Nacht. Sie treiben ihn nachts aus dem Bett und zwingen ihn zum Umhergehen. Angst und psychische Unruhe, körperliche Anstrengungen verschlechtern die Symptome. Pressen beim Stuhlgang erzeugt Kopfschmerzen.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten zeigen sich reizbar, sind ärgerlich und fangen gern an zu streiten.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Spannungskopfschmerzen in der Stirn, als würde der Kopf zwischen einem Schraubstock eingespannt sein. Besonders nach dem Stuhlgang und bei nach vorn gebeugtem Kopf werden die Schmerzen schlimmer. Grobe, stechende Schmerzen in der Stirn.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zahnschmerzen, die schlimmer sind in der Nacht und zum Umhergehen zwingen. Das Zahnfleisch ist blutig und Entzündet(Gingivitis) mit pulsierenden, stechenden Schmerzen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zusammenschnürungsgefühl des Darms. Der Stuhlgang des Patienten ist fest und schwer heraus zu pressen. Die Schmerzen fühlen sich an wie durch Splitter hervorgerufen. Der After schmerzt und brennt lange nach dem Stuhlgang. Risse (Fissuren) am After brennen wie Feuer. Kinder die dieses Mittel benötigen haben Bandwürmer oderMadenwürmer.
Häufig haben Patienten einen heftigen, schmerzhaften Schluckauf.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Blutungen aus der Gebärmutter (Uterus), Risse (Fissuren) der Brustwarzen bei Stillenden. Die Menstruationsblutung setzt zu früh ein und dauert lange.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Nitri Acidum

Auch die Säure (Salpetersäure) von Nitri Acidum weist eine ausgeprägte Verwandtschaft zu den Schleimhäutenauf, im Bereich des Afters und Mund. Sie ruft Blutungen hervor die hellrot sind. Die Patienten sind sehr geschwächt, zittern und schaudern. Die Sekrete verursachen Hautrötungen, sind scharf und übelriechend. Nitri Acidum passt auf Patienten die zu wiederkehrenden (chronischen) Erkältungen und Durchfall neigen. [6]

Paeonia

Bei Paeonia (Pfingstrose) wird, wie auch bei Ratanhia, die Wurzel als Arznei benutzt. Die Verwandtschaft zu Paeonia zeigt sich durch die ausgeprägten After- und Hautsymptome. Der Patient hat quälende Schmerzennach dem Stuhlgang der lange anhält. Die Haut ist empfindlich und wird bei Druck wund. [7]

Croton Tiglium

Croton Tiglium wird aus dem Öl der Samen des Purgierbaums gewonnen. Das Mittel wird in der Schulmedizin als starkes Abführmittel benutzt. Es greift die Schleimhäute des Darmtrakts an und ruft wässrigenDurchfall (Diarrhoe) hervor. [8]

Hintergrundinformationen

Ratanhia ist eine aus den Anden Boliviens und Peru stammende Pflanzenart. Der einzigen Gattung der Krameria.

Ratanhia ist ein Strauch, der bis zu 30 cm erreicht. Die rotbraune Hauptwurzel ist kräftig reich verzweigt. In der Rinde der schwach bitter schmeckenden Wurzel finden sich bis zu 15 Prozent Gerbstoffe (Catechine). Die Äste sind niederliegend und können bis zu 1 Meter lang werden. Die wechselständig, eiförmigen Laubblätter sind klein, stachelspitzig und grau seidig behaart. Der Fruchtknoten ist bedeckt mit dichten Stacheln. Der Strauch blüht besonders reich in den Monaten Oktober und November. [9]