Globuli von R bis S

Spigelia Globuli

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Der vollständige Name der den Wirkstoff enthaltenden Pflanze ist Spigelia anthelmia und sie gehört zu der Familie der Brechnussgewächse (Loganiaceae). Das homöopathische Mittel Spigelia wird aus den getrockneten, oberirdische Pflanzenteilen gewonnen. Im deutschen Sprachraum wird die Pflanze „Wurmkraut“ genannt.

Ursprünglich ist Spigelia im tropischen Südamerika beheimatet, wo ihre Wirkung gegen als Parasiten des Menschen lebende Würmer schon seit Jahrhunderten bekannt ist.
Im frisch geschnittenen Zustand enthält die Pflanze das giftige Spigeliin, ein sehr flüchtiges Alkaloid. In größeren Dosen genossen verursacht Spigeliin Erbrechen, erweiterte Pupillen, Atemschwierigkeiten und Krampfanfälle (die typischen Anzeichen einer Vergiftung durch ein Brechnussgewächs) [1].
In der Homöopathie macht man sich dieseVerbindung zum Nervensystem zu Nutze, indem man das Mittel unter anderem bei an Nerven hervorgerufenen Schmerzen nutzt [3].

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Spigelia anthelmia eignet sich im Besonderen für die Behandlung von auffällig blassen, blutarm wirkenden Menschen, die unter den Beschwerden wie vorzeitig gealtert wirken. Sie machen auf den Beobachter einen zerbrechlichen Eindruck, leiden häufig unterRheuma-ähnlichen schmerzhaften Beschwerden und scheinen unter Berührungen am ganzen Körper zu erzittern. Die Patienten die Spigelia benötigen, klagen über stechende Schmerzen in der betroffenen Körperregion (häufig Herz-, Kopf-, oder Augenschmerzen), die bei Bewegung und Erschütterungen stark zunehmen.
In den meisten Fällen betreffen die Beschwerden des Spigelia Patienten die linke Seite des Körpers oder sind dort stärker ausgeprägt.
Diese typischen körperlichen Befindlichkeiten finden sich auch im Gemüt der Patienten wieder: Ein Patient mit Spigelia Symptomen ist in vielen Fällen ängstlich und leidet unter schlimmen Vorahnungen(er ist „leicht zu erschüttern“) , so dass er nur schwer zur Ruhe finden kann.
Kinder die Spigelia benötigen geben häufig die Region um den Nabel (periumbilical) als die schmerzhafteste Stelle des Körpers an [3,5].

Wo wirkt es?: Die Hauptansatzpunkte zur Nutzung des Mittels Spigela sindNervenschmerzen im Bereich des Gesichts (Trigeminusneuralgien) und Schmerzen des linken Auges. Außerdem findet es Verwendung bei akuten sowie andauernde (chronische) Herzbeschwerden.
Spigelia findet auch Verwendung bei schmerzhaften Entzündungen des Augenhintergrundes und der Augennerven. Dabei tritt als Symptom jedoch nicht ein Sichtverlust oder eine Veränderung des Sichtfeldes auf.
Auch gegen Beschwerden des Verdauungtrakts die in ihrer Symptomatik einem Wurmbefall des Darms ähneln findet es Verwendung. [5].

In welchem Alter?: Spigelia kann in jedem Lebensalter angewendet werden. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Behandlung mit dem Mittel gut möglich.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Spiglia typische Beschwerden sind häufig auf der linken Seitelokalisiert, oder treten dort in heftigerer Form auf. Alle schmerzhaften Zustände verschlimmern sich durch die kleinste Bewegung, Berührung oder das Auftreten. Die Beschwerden sind stechend, reißend oder brennend-drückend und hindern den Patienten am Einschlafen.

Ein Schwerpunkt der Behandlung mit Spigelia liegt bei aus dem Nacken aufziehenden Kopfschmerzen, die sich über einem Auge (oft links) festsetzen und sich mit dem Verlauf der Sonne verschlechtern und bessern.

Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt sind generalisierte Schmerzen eines Gesichtsnervs, die sogenannte „Trigeminusneuralgie“. Hierbei kommt es zu zeitgleich auftretenden Schmerzen der gesamten linken Gesichtshälfte, insbesondere der Augen, der Nasennebenhöhlen und der Zähne.

Stürmisches Herzklopfen und stechende Herzschmerzen die in den linken Arm ausstrahlen können sind ebenfalls Beschwerden, die eine Verwendung von Spigelia nahelegen. Häufig sind diese Beschwerden mit starker Angst und Atemnot verbunden. Durch die geringste Bewegung oder Erschütterung verschlechtern sich die Herzschmerzen. Auch bei der Behandlung von Herzbeutelentzündungen (Perikarditis ) oder Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) kann diese Arznei- von Fachleuten eingesetzt -unter Kontrolle eines Arztes und als begleitende Maßnahme eingesetzt werden [3][4].

Verbesserung: Ruhe und liegen auf dem Rücken oder mit erhöhtem Kopf, alle Reize auf die Sinne vermeiden [3][5].

Verschlechterung: Erschütterungen, Erregung des Gemüts, Lärm, Bewegung, leichte Berührung, Sonnenlicht, Tabakqualm.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Spigelia Kranke ist aufgeregt und voller Furcht, er leidet unterschlimmen Vorahnungen und körperlicher Unruhe. Wegen der ständigen Angst findet er kaum Ruhe oder Schlaf. Außerdem ist eine auffällige Angst vor scharfen und spitzen Dingen zu finden, wie Spritzen oder Stecknadeln [3][6].

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kopfschmerzen sind linksseitig und aus der Region des Nackens oder Hinterkopfs aufsteigend und wie ein Band, das den Kopf zusammen schnürt. Nackensteifigkeit kann auftreten. Am häufigsten setzen sich die typischen Schmerzen in der linken Schläfe, dem linken Stirnhöcker oder hinter dem linken Auge an einer kleinen Stelle fest. In den beschriebenen Regionen ist die Haut schmerzhaft (nadelstichartig) und berührungsempfindlich. Schwindel kann sich dazu gesellen und tritt beim nach unten sehen und beim Gehen auf. Gefühl, als würde der Kranke nach vorne fallen [3][5].

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Spigelia wirkt besonders auf Beschwerden des Auges, die die äußere Umhüllung des Auges (Sklera) und die Nerven der Augenmuskulatur betrifft. Das linke Auge ist wesentlich stärker von den Symptomen betroffen als das rechte Auge. Die Augenschmerzen drückend bei jeder Änderung der Blickrichtung, dabei scheinen sie dem Patienten zu groß für die Augenhöhlen zu sein. Sie ziehen von der Augenhöhle bis zum Jochbein.

Nach dem Abklingen der akuten Schmerzphase hinterlassen die Beschwerden eine schmerzhaft geschwollene Haut um das Auge herum, die berührungsempfindlich ist [5][3].

Im Bereich der Nase zeigt sich bei Spigelia Kranken häufig ein bleibender Fließschnupfen. Fließschnupfen, der nicht aus den Nasenlöchern, sondern hinten im Rachen herunterläuft. Dies führt zu einem Hustenreiz mit übelriechenden Auswurf.

Die Zähne eines Spigelia Kranken schmerzen plötzlich, einschießend mit ziehendem oder stechendem Charakter [5]. Treten diese drei Beschwerden (Augen, Nase, Zähne) gleichzeitig auf, so entspricht das dem Symptombild einer „Trigeminusnervenneuralgie“. Das Mittel Spigelia hat einen engen Bezug zu diesem Nerv [3].

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Hauptbeschwerden im Bereich der Atmung liegen bei einer erschwerten Atmung durch stechende Schmerzen im Brustkorb. Diese Schmerzen treten unabhängig von den Atembewegungen auf, werden aber durch sie verstärkt. Der begleitende Husten wird durch einen tief in der Luftröhre sitzenden kitzelnden Reiz ausgelöst und ist trocken und krampfartig. Er klingt hohl.

Die Beschwerden der Herzens, die mit Spigelia behandelt werden, können in zwei Symptomkomplexe unterteilt werden [5]:

  • Die betroffene Person leidet unter wesentlich verstärktem Herzschlag, den sie selbst hören kann und der auch von außen durch Erschütterungen der linken Brust bemerkbar ist. Schmerzhafte Stiche treten synchron mit dem Puls auf und scheinen sich von Innen nach Aussen auszubreiten. Diese Beschwerde beginnt am Morgen. Selbst durch kleine Bewegungen oder die geringste Berührung verschlimmert sich das Symptom. Die Betroffenen berichten außerdem von dem Gefühl einer großen Last auf dem linken Brustkorb oberhalb des Herzens, die drückende Schmerzen verursacht und die Atmung erschwert. Die Beschwerden rufen im Kranken große Unruhe und Angst hervor. Der Betroffene muss auf der rechten Seite liegen und den Kopf etwas höher lagern, da sonst die Atmung stark erschwert ist. Klingen die Beschwerden durch ruhiges Liegen mit erhöhtem Kopf ab, so empfindet der Betroffenen seine linke Körperseite als wie von einem generalisierten Muskelkater befallen [3][4][5].

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Folgende Beschwerden erinnern an Wurmbefall des Darms und sind Spiegelia Symptome:

  • Es kommt zu einem üblen, fauligen Geschmack im Mund, der den Geschmack der Speisen nicht beeinflusst.
  • Der Appetit ist sehr wechselhaft zwischen Heißhunger und völliger Appetitlosigkeit
  • Der Betroffene hat das Gefühl, einen halbflüssigen Körper im Schlund zu spüren.
  • Es treten heftiges Aufstoßen und Übelkeit oder ein Druckgefühl im Magen wie nach langem Hungern auf.
  • Es kommt zu Verstopfung mit viel Schleimabgang oder Stuhlgang nur mit Schleim.
  • Der Kranke hat großen Durst oder gar keinen Durst [3][4][5].

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Spigelia typischen Beschwerden in den Armen und Beinen sindRheuma ähnliche stechende oder drückende Schmerzen in den Muskeln, Knochenschmerzen wie durch ein Zusammendrücken der Knochen in einer Zange, sowie schneidende und reißende Schmerzen in den Gelenken.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Betroffene ist häufig durstlos und wird von Schaudern durchrieselt. Morgens empfindet der Kranke innere Kälte und Frostigkeit. Sie betrifft nicht den gesamten Körper sondern tritt partiell und wandernd auf. Typischerweise beginnt sie im Oberbauch und zieht von dort in die oberen Extremitäten und in den Kopf. In den Phasen der inneren Hitze verlangt es den Betroffenen auch nach äußerer Wärme.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Aconitum napellus

Charakteristisch für das Mittel Aconitum ist ein bleibendes Gefühl der Angst und der Ängstlichkeit, die körperliche und seelische Unruhe auslösen. Akut auftretende Beschwerden mit Fieber und plötzlichen Abfall aller Kräfte sind ebenfalls typisch. Die Kranken wollen nicht berührt werden. Es liegt eine generelle Spannung vor, die sowohl das Gemüt des Kranken betrifft, als auch viele typische Symptome erklären kann wie zum Beispiel den häufigen Abgang von kleinen Mengen an Stuhl, oder die plötzlich auftretenden zusammenziehenden Schmerzen in der Verdauungsorganen (Koliken).

Cactus grandifolius

Das Mittel Cactus wirkt auf alle kreis- oder rohrförmig angeordneten Muskeln, so zum Beispiel auf den Darm, das Herz, die Arterien oder die Schließmuskel und den Uterus. Dort ruft Cactus ein Zusammenziehen des Rings hervor, so dass es charakteristische Verschlüsse oder Verengungen erzeugt. Dies macht man sich in der Behandlung von Herzerkrankungen auf Grund von Nikotinvergiftungen zu nutze. Aber auch die Verwendung bei Herzmuskelschwäche und Myo- sowie Perikarditis ist gängig. Die Abgrenzung zur Verwendung von Spigelia findet sich darin, dass Spigelia auf die umliegenden Stütz- und Hüllgewebe wirkt, ohne das eine Funktionseinschränkung auftritt. Bei einer Verwendung von Cactus dagegen liegt eine organische Funktionseinschränkung vor.

Cina maritima

Cina ist hauptsächlich ein Kindermittel, wirkt aber auf viele Beschwerden, die Irritationen des Verdauungstraktes mit sich bringen. Es wirkt unter anderem bei Wurmbefall und den begleitenden Symptome. Diese Symptome sind ein zusammenziehender Schmerz rund um den Nabel, sowie ein geschwollener und harter Bauch. Cina ist ein gutes Alternativmittel bei Wurmbeschwerden im Kindesalter, da es dort (im gegnsatz zu Spigelia) seinen Hauptansatzpunkt hat.

Ignatia

Bei diesem Mittel liegen die Beschwerden des Patienten (ähnlich wie bei Spigelia) in den meisten Fällen zwischen Mundhöhle und Oberbauch. Ignatia ist allerdings eine „Kummerarznei“, emotionale Probleme werden als der auslösende Faktor für körperliche Beschwerden gesehen. Spigelia dagegen wird bei ursächlich organischen Beschwerden gewählt.

Cinnabaris mercurius sulphurus ruber

Cinnabaris findet seine Hauptanwendung bei Schmerzen in und um das Auge. Die typischen Beschwerden sind einschießende, spitze Schmerzen, die am Ausgang der Tränendrüse anfangen und von dort aus um das Auge kreisen. Sie ziehen zu den Schläfen, und vom Augeninnenwinkel über die Braue bis zum Ohr. Die Schmerzen sind auch in der knöchernen Augenhöhle zu fühlen, wo sie vom Augeninnenwinkel zum Augenaußenwinkel ziehen. Das gesamte Auge ist rot und das Lid ist aufgeraut.

Hintergrundinformationen

Den Ureinwohnern Südamerikas war die Wirksamkeit der Pflanze als Antiwurmmittel bekannt, in dieser Funktion wurde sie im 18. Jahrhundert auch in Europa populär. Nicht nur das Wissen um die Wirksamkeit der Pflanze auf Würmer wurde verbreitet, auch die hochgiftige Wirkung der Spigelie auf Menschen war bekannt. Im deutschen Sprachraum gibt es das sogenannte „Erbschaftspulver“. Auch diese Wortschöpfung bezieht sich auf die Verwendung von Spigeliin als tödliches Gift.

Die berühmteste Nutznießerin dieses Wissens war die Französin Marquise de Brinvilliere . Sie soll sich am Hofe von Ludwig dem XIV. der giftigen Wirkung der Pflanze bedient haben, um unliebsame Rivalen aus dem Weg zu räumen und den Weg zu Gewinn bringen Erbschaften zu ebnen. Noch heute trägt die Pflanze daher in Frankreich den Namen „Brinvilliere“ [7].