Globuli von R bis S

Syphilinum Globuli

© panthermedia.net / Thomas Francois

Syphilinum als homöopathisches Einzelmittel ist ein Präparat aus dem Bereich der sogenannten Nosoden. Dabei handelt es sich um Arzneien, die aus krankhaftem Gewebe, Ausscheidungsprodukten oder sonstigen Krankheitssubstanzen hergestellt werden. Im Falle von Syphilinum um das Sekret syphilitischer Geschwüre. Ähnlich wie bei Arzneien tierischer, mineralischer oder pflanzlicher Herkunft werden auch Nosoden in der Homöopathie schrittweise verdünnt bzw. potenziert, sodass keine krankheitserregenden Inhaltsstoffe oder Keime mehr nachweisbar sind.

Bei einer akuten Syphilisinfektion wird Syphilinum nicht angewendet, aber es kann bei einer durchgemachten Infektion hilfreich sein, wenn noch Folgebeschwerden fortbestehen.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Personen mit Neigung zu Alkoholmissbrauch. Auch hier findet sich in der Familiengeschichte oft ein Hinweis auf Alkoholismus. Es besteht eine Neigung zu Entzündungen, Geschwüren und Wucherungen.[6] Meistens sind die Betroffenen infolge ihrer Leiden stark abgemagert[f1] .

Wo wirkt es?: Syphilinum hat einen besonderen Bezug zu Schleimhäuten, Nerven und auch Knochen.[1] Auch im psychischen Bereich finden sich einige auffallenden Symptome, beispielsweiseZwangsstörungen, Gedächtnisverlust, Angstzustände bis hin zuschweren Geisteskrankheiten.

In welchem Alter?: Das Mittel kann bei Kleinkindern und Kindern ebenso angewendet werden wie bei Erwachsenen. Insbesondere auch bei älteren Personen finden sich häufig krankhafte Zustände, die auf Syphilinum als Heilmittel hinweisen können. Bei Säuglingenfallen der zwergenhafte Wuchs, die schrumplige Haut und dasalt aussehende Gesicht auf. Die Zähne können bereits bei Kindern kariös werden.[2]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristisch für Krankheiten, bei denen Syphilinum angezeigt ist, ist eine nächtliche Verschlimmerung. Neben einer großen körperlichen und geistigen Unruhe sowie einer intensiven Reizbarkeit finden sich folgende Leitsymptome:

  • Die nächtliche Verschlimmerung zeigt sich insbesondere durch die Zunahme der Beschwerden von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, beispielsweise von Kopfschmerzen oder Atembeschwerden.
  • Große Schwäche, die oftmals fast das einzige Zeichen ist. Besonders morgens beim Erwachen sind die Betroffenen körperlich und geistig vollkommen erschöpft.
  • Gedächtnisverlust, insbesondere für Namen von Personen, Bücher oder Orte. Ereignisse, die sich jedoch vor Beginn der Krankheit zugetragen hatten, sind dem Betroffenen lebhaft in Erinnerung.
  • Verschiedene Schmerzzustände, insbesondere aber heftige Nervenschmerzen (Neuralgien). Die Schmerzen kommen und gehen langsam, sie können linienförmig verlaufen, springen von einer Stelle zur anderen und sind kaum zu ertragen. Die Betroffenen müssen andauernd ihre Lage wechseln, was etwas Linderung bringt.
  • Neigung zur Bildung von Eiterungen und Abszessen,insbesondere an Mund, Nase, Geschlechtsteilen oder Haut. Der Eiter hat einen fürchterlich stinkenden Geruch.
  • Geschwüre, Karies oder Verkrümmungen der Knochen, beispielsweise an der Wirbelsäule. Die Knochen sind meist schmerzhaft bei Berührung. Ein besonderer Angriffspunkt des Mittels sind die langen Röhrenknochen, beispielsweise die Oberarmknochen oder der Oberschenkelknochen.
  • Die Zähne sind schon bei Kindern schlecht entwickelt, verformt, fleckig verfärbt und werden frühzeitig hohl.

Verbesserung: Im Inland und an hochgelegenen Orten. Im Gebirge fühlen sich die Betroffenen daher oft sehr wohl. Warme Anwendungen und fortgesetzte oder langsame Bewegung.[3]

Verschlechterung: Vollmond. Extreme Temperaturen, beispielsweise im Winter und im Sommer. Am Meer.[3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Furcht vor Krankheiten und insbesondere vor Infektionen. Diese Furcht führt dazu, dass sich die Betroffenen andauernd die Hände waschen. Außerdem besteht eine große Angst, verrückt zu werden. Und teilweise beschreiben sie ein Gefühl, als wären sie geisteskrank.Tiefgehende Verzweiflung. Die Schmerzen oder sonstigen Leiden sind so unerträglich, dass die Betroffenen jede Hoffnung auf Genesung verloren haben. Wenn sie von den starken Schmerzattacken heimgesucht werden, würden sie sich am liebsten umbringen.
Die Patienten möchten keine Gesellschaft haben, sie sind gleichgültig gegenüber Freunden und Bekannten und finden an nichts mehr Freude.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ungemein heftige Kopfschmerzen, oft sind es Nervenschmerzenoder der Schmerz sitzt in den Schädelknochen. Die Schmerzen treten häufig nachts auf, sodass der Schlaf gestört wird. Die Betroffenen werden fast verrückt vor Schmerzen.Wucherungen (Exostosen) an den Schädelknochen, manchmal sind die Knochen auch schmerzhaft bei Berührung. Haarausfall.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht ist typischerweise blass und sieht insbesondere bei Kindern sehr alt aus. Halbseitige Gesichtslähmungen, wennSprechen oder Kaubewegungen erschwert sind.Die Hornhaut der Augen ist entzündet. Flecken oder Geschwüreauf der Hornhaut bilden, die Augen schmerzen. Doppeltsehenoder Flimmern vor den Augen, ausgeprägte Lichtscheu. DieLider, insbesondere die Oberlider, können so starkangeschwollen sein, dass sie nicht geöffnet werden können. In den Ohren können die winzigen Gehörknöchelchen, die für das Hören wichtig sind, angegriffen sein. Auch die Hörnerven können befallen sein, sodass es zu einer fortschreitenden Taubheit kommt.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wiederkehrende Erkältungen, insbesondere Schnupfen. Das Nasensekret ist übelriechend, dick und gelblich-grün. Die Nase kann auch geschwürig werden, die Nasenknochen werden angegriffen, schmerzen, werden kariös.Ein andauernder, scharfer Schmerz im Kehlkopf, sodass die Patienten nachts nicht ruhig im Bett liegen, sondern immer auf und ab gehen müssen. Trockener, schmerzhafter Husten mitdickem, eitrigem, grünlichen oder gelblichem Auswurf. Der Husten verschlimmert sich im Liegen auf der rechten Seite. Auf der Brust kann man ein Schleimrasseln hören.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Beschwerden an den Zähnen. Zahnschmerzen schlechter durchZusammenpressen der Zähne oder durch heiße und kalte Speisen und Getränke.Geschwüre im Mund und an der Zunge. Heftiger Speichelfluss, der Speichel läuft im Schlaf aus dem Mund. Die Zunge ist dickund zeigt an den Seiten die Eindrücke der Zähne, in der Mitte hat sie tiefe Längsfurchen.
Der Appetit ist wechselnd, über lange Zeit kann auch ein völliger Appetitverlust vorhanden sein. Sämtliche Speisen werden nicht vertragen, es kommt zu Sodbrennen, Blähungen, Übelkeit oderErbrechen. Starkes Verlangen nach Alkohol, Abneigung gegenFleisch.
Am After und Mastdarm zeigen sich Hautrisse (Fissuren), aber auch Hämorrhoiden, Knotenbildungen, Warzen und Geschwüre.Hartnäckige Verstopfung aufgrund von Lähmung des Mastdarms.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Urin wird am leichtesten im Stehen entleert. Er ist schaumig, die Harnmenge ist spärlich. Es kann zu nächtlichem Bettnässen kommen.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weiblich: Starker Weißfluss. Der Ausfluss ist so reichlich, dass er durch die Binde an den Beinen hinab läuft.[5] Er ist scharf, gelblich-grün, dünn und wässrig. Syphilinum wird empfohlen, wenn bereits junge Mädchen starken Weißfluss haben.
Die Monatsblutung hat einen Geruch wie von verfaultem Fleisch. An den Eierstöcken (Ovarien) finden sich häufig Zysten oder Wucherungen.

Männlich: An den Hoden, Samensträngen und am Hodensack der Syphilinum-Patienten bilden sich oft Knoten. Hoden und Samenstrang können verhärtet sein.[4]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rheumatische Schmerzen, die durch Wärme gebessert werden und die nachts zunehmen. Alle Gelenke können steif und geschwollen sein. Rheumatismus im Schultermuskel (Deltamuskel) mit Schmerzen beim Heben des Armes nach vorne oder seitwärts. Die Schmerzen in den Beinen können nachts so heftig sein, dass die Patienten nachts nicht einschlafen können. Sie springen vor Schmerzen aus dem Bett. Übergießen des leidenden Teils mit kaltem Wasser lindert die Beschwerden, warme Umschlägehingegen werden nicht vertragen.
Auch der Rücken kann vom Rheuma befallen, schmerzhaft und steif sein. Die Nackenlymphknoten sind oft vergrößert.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kupferfarbene Flecken an der Haut, an Rücken, Brust, Bauch und an den Gliedern, nicht jedoch an unbedeckten Körperteilen.Beißendes Gefühl wie von Ungeziefer. Die Nägel sind häufig verformt. Weißfleckenkrankheit (Vitiligo).

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Chronische Schlaflosigkeit. Die Betroffenen sind nachts sounruhig, dass sie es nicht lange in einer Stellung aushalten. Sie stehen auf aus dem Bett und gehen im Zimmer oder auf dem Flur langsam auf und ab. Teilweise erwachen sie kurz nach Mitternacht und können bis 6 Uhr nicht wieder einschlafen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Mercurius solubilis hahnemanni

Mercurius solubilis, eine Quecksilberzubereitung, hat mit Syphilinum viele Gemeinsamkeiten. Es wurde lange vor der Entdeckung von Syphilinum bei der Behandlung von Folgebeschwerden nach einer Syphilis-Infektion angewendet. Insbesondere die Neigung zu Eiterungen und Geschwürbildung, der Speichelfluss und die nächtliche Verschlimmerung finden sich bei beiden Mitteln. Auch die Knochen werden bei Mercurius ebenso wie bei Syphilinum angegriffen, es kommt zu Karies, Schmerzen und Wucherungen. Die Absonderungen riechen faulig, sie sind scharf, brennend und wässrig.

Acidum nitricum

Das homöopathische Einzelmittel Acidum nitricum wird aus der Salpetersäure zubereitet, einer stark ätzend wirkenden Säure. Auch bei Acidum nitricum besteht eine Verschlimmerung bei kaltem und auch heißem Wetter. Den Patienten geht es bei milden Temperaturen am besten. Sämtliche Ausscheidungen sind dünn, scharf und haben einen üblen Geruch, insbesondere Stuhl, Urin und Schweiß. Der Urin von Patienten, bei denen Acidum nitricum angezeigt sein kann, stinkt wie Pferdeurin. Wie bei Syphilinum besteht starker Speichelfluss mit fauligem Mundgeruch. Die Haut neigt zu Einrissen (Fissuren).

Aurum metallicum

Das Edelmetall Gold ist Ausgangssubstanz für die homöopathische Arznei Aurum metallicum. Auch hier finden wir viele Ähnlichkeiten zu Syphilinum, insbesondere die nächtliche Verschlimmerung, die Tendenz, Geschwüre und Wucherungen an verschiedenen Geweben, sowie Knochenkaries zu entwickeln. Den Patienten geht es von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang schlechter und viele Beschwerden verschlimmern sich in diesem Zeitraum. Das Mittel kann auch angezeigt sein bei den Folgebeschwerden einer Syphilis-Infektion.

Hintergrundinformationen

Die Syphilis, auch Lues oder harter Schanker genannt, zählt zu den meldepflichtigen Geschlechtskrankheiten. Die Erkrankung verläuft in verschiedenen Stadien, wobei etwa die Hälfte aller Infektionen mit dem Erreger ohne Symptome bleibt.[7] Während sich die Infektion im ersten Stadium ausschließlich durch lokale Beschwerden an der Eintrittsstelle zeigt, befällt die fortschreitende Erkrankung im weiteren Verlauf den gesamten Organismus. Es kommt zu allgemeinen Zeichen wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen mit Lymphknotenschwellung (Stadium II) und Veränderungen an Haut oder Blutgefäßen (Stadium III). Schließlich kann auch das Nervensystem befallen sein (Stadium IV), mit Schmerzen, Ausfall der Sensibilität, Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Lähmungen, Sprachstörungen sowie neurologischen und psychiatrischen Auffälligkeiten.

Seit der Entdeckung des Penicillins konnte die Syphilis zwar zurückgedrängt werden, aber sie ist noch immer weltweit anzutreffen. Bis heute zählt das Penicillin zur Mittel der Wahl bei der schulmedizinischen Behandlung.