Globuli von R bis S

Selenium Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Selenium metallicum (Sel.) ist ein chemisches Element (Se) und gehört der Gruppe der Halbmetalle an. Ebenso ist es ein essentielles Spurenelement für den Körper und somit wichtiger Bestandteil der Ernährung.[3] In der Homöopathie wird ihm ein weites Wirkspektrum zugeschrieben. Sein zentrales Hauptanwendungsgebiet stellt hier die Haut als Organ dar. So greifen viele Patienten, die unter Akne, fettiger Haut, Schuppen oder Haarausfall leiden darauf zurück. Ein weiteres großes Anwendungsgebiet sind geistige Erschöpfungszustände, Gedächtnisstörungen und Verhaltensauffälligkeiten, wie sie häufig bei älteren Menschen auftreten. Diese stellen auch eine große Anwendergruppe dar. Da Hautprobleme wie oben beschrieben häufig bei Jugendlichen in der Pubertät oder jungen Erwachsenen auftreten, bilden sie die zweite große Gruppe, bei denen sich die Anwendung von Selenium empfiehlt.[2]Die Selbstmedikation mit Selenium ist üblich und erfolgt häufig in den Potenzen D6 bis D12. Vor allem bei Verhaltensauffälligkeiten sollte aber keine Selbstbehandlung stattfinden und ein Expertenrat eingeholt werden.[1]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Im Mittelpunkt bei der Verwendung von Selenium Globuli stehen Beschwerden der Haut, wie Akne, fettige Haut (Seborrhoe), Mittesser (Komedone) und Haarausfall.[1][2] Des Weiteren bietet sich bei Personen mit vermehrter Schuppenbildung der Kopfhaut eine Behandlung mit Selenium an.

Eine positive Wirkung wird Selenium auch in Bezug auf geistige Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen (ähnlich einer Demenz) sowie Verhaltensauffälligkeiten nachgesagt. Begleitend treten auch häufig Kraftlosigkeit und Schwäche (Asthenie) auf, die ebenfalls auf Selenium ansprechen.[1]

Die möglichen Einsatzgebiete sind aber sehr viel weiter gestreut. So versprechen sich viele männliche Patienten Linderung bei sexueller Frustration, sexueller Funktionsstörung im Sinne einer Impotenz oder vorzeitiger Ejakulation (Ejaculatio praecox). Ebenso können urologische Problematiken, wie sie vielen älteren Männern als Prostatismus bekannt sind, eine Heilanzeige (Indikation) darstellen.[1][2][5]

Wo wirkt es?: Besonders als Zielorgane von Selenium metallicum hervorzuheben sind die Haut, Geist und Gemüt, sowie Prostata und männliche Genitalorgane. Die Haut ist dabei Hauptthema einer Selenium-Behandlung.[1][2]

In welchem Alter?: Da gerade pubertierende Jugendliche und junge Erwachsene aufgrund ihrer zunehmenden Hormonproduktion (hier vor allem Testosteron, das männliche Sexualhormon) zu erhöhter Talgproduktion neigen, treten bei ihnen besonders häufig die oben aufgeführten Hautprobleme in Erscheinung. Sie stellen somit auch eine wichtige Patientengruppe.[1][2]

Die zweite Patientengruppe bilden ältere Menschen, welche unter Alterserscheinungen in Form körperlicher und geistiger Erschöpfung leiden, sodass sie von einer Therapie mit Selenium profitieren können.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Entsprechend dem Grundsatz der Homöopathie Gleiches mit Gleichem zu heilen (also ein Wirkstoff löst in höheren Konzentrationen die gleichen Symptome wie die behandelte Erkrankung aus), klagen Selenium-Patienten häufig über Beschwerden der Haut, des Gemütszustandes oder der Prostata.

Sie berichten von fettiger Haut, durch eine erhöhte Talgproduktion bedingt, die von Zeit zu Zeit auch von Pickeln (Acne) begleitet werden kann.[1][2]

Manchmal sind diese Personen in einem überempfindlichen Gemütszustand und haben Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten.[2][5]

Zudem besteht oft ein stärkerer, unangenehm wahrnehmbarer Körpergeruch, der seine Ursache in übel riechendem Schweiß findet.[1]

Viele männliche Patienten leiden unter Prostatismus, wie er bei einer im Alter typischen Vergrößerung der Prostata, also der Vorsteherdrüse, (Prostatahyperplasie) entsteht.[1] Symptomatisch tritt dieser durch Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger Entleerung geringer Urinmengen (Pollakisurie) hervor.

Selenium kann auch bei sexueller Frustration des Mannes eine Hilfe sein. Diese ist in der Regel durch eine sexuelle Funktionsstörung, wie Impotenz, also der Schwierigkeit eine Erektion zu bekommen oder aufrecht zu erhalten, bedingt. Allerdings ist das sexuelle Verlangen nicht reduziert. So kommt es auch häufig zu vorzeitigen, unangenehmen Ejakulationen (Ejaculatio praecox).[1][2]

Verbesserung: Eine Verbesserung der Symptome ist meist abends, wenn es kühler wird, zu beobachten. 

Verschlechterung: Eine Verschlechterung tritt hingegen nach dem Schlafen, in der Sonne, bei Wärme, bei Zugluft, nach der Ejakulation oder vor und während der Menstruationsblutung auf. Auch sollen Alkohol und Tee die Symptome negativ beeinflussen. [1][5] 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ein Hauptthema bei Selenium-Patienten ist Schwäche auf geistiger und körperlicher Ebene. Patienten werden zunehmend vergesslicher und klagen über Probleme mit Konzentration und Gedächtnis. Diese Symptome weisen durchaus Parallelen zu Demenzerkrankungen auf, wie sie aus der Schulmedizin bekannt sind. Teilweise haben diese Personen ein starkes Redebedürfnis, weisen aber auch Verhaltensauffälligkeiten, wie ein überempfindliches Gemüt auf.[5]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig werden drückende Kopfschmerzen benannt, die sich meist um das linke Auge herum lokalisieren.

Neben den oben beschriebenen Hautproblemen, wie unreine, fettige Haut mit Akne, kommt es auch zu Haarausfall (Alopezie) und teilweise zur Bildung einer Glatze. Des Weiteren ist die Kopfhaut oft sehr schuppig.[5]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Auch der Verdauungstrakt kann betroffen sein. Die Patienten sind oft appetitlos und leiden unter Verstopfungen. Der Stuhl ist dann dunkel und sehr hart. Es wird ein typisches Pulsieren empfunden, das den ganzen Köper durchwandert und besonders nach dem Essen auffällt.[5]

Gelegentlich wird ein stark zunehmendes Verlangen nach Alkohol beschrieben, der den Betroffenen aber nicht gut bekommt und die Beschwerden eher verschlimmert.[1][5]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es tritt ein vermehrter Harndrang auf, doch der Urin tröpfeln vielmehr unwillkürlich heraus. Es folgen häufige Toilettengänge, bei denen nur geringe Mengen Urin entleert werden. Bei Männern steht dies in direktem Zusammenhang zu Beschwerden der Prostata, die sich zugleich durch Schmerzen und starkes Brennen beim Wasserlassen manifestieren.[5]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Männer klagen auch über eine steigende sexuelle Frustration, da vermehrt Erektionsprobleme auftreten. Diese Männer haben aber einen meist unveränderten Wunsch nach sexuellen Kontakten, was ihre Gefühlslage sehr negativ beeinflussen kann. Es kommt von Zeit zu Zeit zu unwillkürlichen Ejakulationen (Samenergüssen) in der Nacht. Das Sperma ist dann oft dünn und wässrig.[1][5]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist sehr fettig. Neben den genannten Hautproblemen kann es auch zu nässenden Ekzemen, also Ausschlägen kommen, die durch klebrige Absonderungen und Juckreiz gekennzeichnet sind.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Auffällig ist bei den Erkrankten ein sehr unangenehmer Schweißgeruch, der ebenfalls häufiger im Alter auftritt.[1][2][5]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im Allgemeinen leiden die Selenium-Patienten unter Schlaflosigkeit. Ein Gefühl des ständigen Pulsierens, welches in der Bauchregion besonders intensiv ist, sowie gedankliche Unruhe kann sie am Einschlafen hindern.[5]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Selenium zeichnet sich durch seine spezifische Wirksamkeit bei der hier beschriebenen Symptomkonstellation aus. Es gibt kein alternatives Mittel, das Selen vollständig ersetzten kann. Betrachtet man einige Symptome aber vereinzelt, so lassen sich einige Alternativen aufführen:

Hepar sulfuris

Bei Akne und unreiner Haut, sowie eitrigen Entzündungen der Haut kann Hepar sulfuris, das Gemisch aus Schwefelblumen und Austernschalenkalk in Erwägung gezogen werden. Es legt seinen Fokus auf die Entzündung der Haut, aber auch der Atemwege oder des Ohres. Zusätzlich kann es den schlechten Schweißgeruch bekämpfen.[7]

Pulsatilla

Ist die Akne bei Mädchen in der Pubertät hingegen abhängig von der Periode, also hormonellen Schwankungen, empfiehlt sich Pulsatilla.[7]

Sulfur

Bei sehr starken Entzündungen der Haut oder Schuppenflechte (Psoriasis) und Ekzemen kann zu Sulfur gegriffen werden. Er wird eingenommen um unter anderem auch bei Herpes, Menstruations- oder Erektionsbeschwerden und Blasenentzündungen Abhilfe zu schaffen.[7]

Conium

Stehen Alterserscheinungen, wie Kräfteverlust und bei Männern Impotenz und Prostatabeschwerden im Vordergrund, kann Conium (auch Conium macalatum), der gefleckte Schierling, eine Therapie darstellen.

Agnus castus

Bei Impotenz kann auch Agnus castus, der Mönchspfeffer, in Erwägung gezogen werden. Für das Strauchgewächs wird eine positive Wirkung bei Unfruchtbarkeit, Impotenz, Menstruationsbeschwerden und depressiven Verstimmungen beschrieben.[10]

Hintergrundinformationen

Aufgrund seines silbernen, matten Glanzes wurde das Halbmetall Selenium, chemisch Selen, nach der griechischen Mondgöttin Selene benannt. Als essentielles Spurenelement, ist es für jedes Lebewesen überlebenswichtig. Ein erwachsener Mensch benötigt etwa 60 bis 70 Mikrogramm pro Tag.[9] Selen kommt meist in Verbindung mit anderen Elementen im Boden vor. Dabei ergeben sich sehr große geografische Unterschiede. So ist der Seelengehalt in Europa deutlich niedriger als beispielsweise in Nordamerika. Selen wird dem Körper über die Nahrung zugeführt. Pflanzen entziehen das wertvolle Element dem Boden und diese werden dann wiederum gegessen. Hier können beispielsweise Nüsse, im Speziellen Paranüsse, als gute Quellen genannt werden.[3]

Dabei spielt Selen eine sehr wichtige Rolle im Körper. Es ist Bestandteil der Aminosäure Selenocystein, welche Baustein einiger wichtiger Enzyme ist.

Dazu zählt die Glutathionperoxidase, die den Körper vor freien Sauerstoffradikalen schützt und die Stabilität der Membranen der einzelnen Körperzellen unterstützt. Sauerstoffradikale sind sehr reaktionsfreudige Teilchen, wie sie beispielsweise beim Abbau von Fetten oder bei Entzündungsprozessen entstehen. Wenn sie auf Proteine, Fettmoleküle (Phospholipide) oder die DNA im Zellkern treffen, reagieren sie mit ihnen und schränken ihre Funktion ein oder zerstören die DNA. Dies ist zumindest ein Mechanismus zur Entstehung von Krebs.

Selen ist aber auch essentiell für einige Enzyme, die in Zusammenhang mit der Funktion der Schilddrüse stehen (Deiodasen).[3]

Die Homöopathie hat Selen zwar lange vor der Schulmedizin entdeckt, aber auch hier gewinnt Selen zunehmend an Bedeutung und sorgt für hitzige Diskussionen. Diese beinhalten häufig die, dem Selen nachgesagte schützende Wirkung gegen Krebs. Es gibt durchaus nachvollziehbare Mechanismen, wie Selen die Entstehung von Krebs verlangsamen könnte, aber die Beweislage ist sehr mager und mittlerweile herrscht Konsens, dass Selen das Krebsrisiko nicht wesentlich minimiert.[4][8] Ebenso wurde ein positiver Effekt auf Herzerkrankungen im Grunde widerlegt.[8]

Im Gegenteil warnen einige Studien vor unbedachter Einnahme von Selen als Nahrungsergänzungsmittel, da auch immer mehr unerwünschte Nebenwirkungen bekannt werden. Hier stehen Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zucker), Unfruchtbarkeit und Gelenkentzündungen (Arthritis) im Raum.[8]

Anwendung findet Selen in Medizin und Kosmetik aber trotzdem. Kosmetisch kommt es besonders in Anti-Schuppen-Schampoos zur Anwendung.

In der Schulmedizin hat es seinen festen Platz vor allem bei der Behandlung von Selenmangel. Dieser wird, wie bereits erwähnt, maßgeblich durch den geografischen Standort entschieden. Die Symptome sind allerdings sehr unspezifisch. Selten tritt aber eine Herzerkrankung, die Keshan-Krankheit, als Folge von Selenmangel auf.[3][4]

Außerdem kommt es in den letzten Jahren auch bei der Behandlung von Schilddrüsenunterfunktionen (Hypothyreose) wie der Hashimoto-Thyreoditis zum Einsatz. Bei dieser Krankheit greift das Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüse an. Neueren Studien zufolge reduziert Selen in höheren Konzentrationen die Aktivität von Antikörpern, die gegen den eigenen Körper gerichtet sind.[6]

Und zuletzt ist Selen auch bei der Spermiogenese, also der Bildung der männlichen Samenzellen, beteiligt und könnte hier in Zukunft medizinische Anwendung zur Steigerung der Fruchtbarkeit finden.[4]