Globuli von R bis S

Spongia Globuli

© panthermedia.net / Detlef Dittmer

Spongia tosta, der Röst-Meerschwamm oder auch Badeschwamm, ist ein homöopathisches Einzelmittel, das aus dem gerösteten Meerschwamm hergestellt wird.[1] Das Mittel gehört demnach zu den tierischen Substanzen in der Homöopathie. Zu den Besonderheiten der Schwämme gehört ihre große Regenerationsfähigkeit. In der Homöopathie wird Spongia deshalb auch benötigt, wenn der Körper nach der geringsten Anstrengung erschöpft und schwer ist und mit Blutandrang in der Brust und zum Kopf einhergeht.[2]

Spongia tosta wirkt vor allem auf das Herz, die Atemwege, Lymphe und Drüsen sowie auf die endokrinen Drüsen.[3] Endokrine Drüsen produzieren Hormone, geben diese in den Blutkreislauf ab und steuern bestimmte hormonelle Vorgänge im Körper. Die Haupteinsatzbereiche des Mittels sind Husten mit Erstickungsanfällen, Entzündung der Bronchien (Bronchitis), Pseudokrupp, Heiserkeit, Angst, Engegefühl mit Herzklopfen, Hodenentzündung und Schilddrüsenschwellung. Aufgrund seiner Symptome weist dieses Mittel eine Ähnlichkeit zur Tuberkulose auf, weshalb man auch von einer tuberkulöser Diathese spricht.[4] Die Tuberkulose (Tbc) ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die besonders in den Atemorganen lokalisiert ist und dort Symptome wie zum Beispiel anhaltenden Husten hervorrufen kann. Unter tuberkulöser Diathese versteht man die angeborene Neigung des Körpers zu einer bestimmten Krankheit wie in diesem Fall die Tuberkulose oder einem bestimmten Symptom.

Das Mittel eignet sich zur Selbstbehandlung, tritt bei Krupp- oder Pseudokruppanfällen aber keine Besserung nach kurzer Zeit ein, sollte der Arzt oder Notarzt gerufen werden.[5] Pseudokrupp bezeichnet verschiedene Krankheitsbilder, die besonders im Kleinkindesalter auftreten und mit einer akuten Einengung der Atemwege mit Atemnot einhergeht. Beim „echten“ Krupp kommt es im Säuglings- oder Kleinkindesalter zu einem Verschluss der Atemwege mit Atemnot im Bereich des Kehlkopfes durch eine Kehlkopfentzündung.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Spongia kann das richtige Mittel für Menschen sein, die an einer Herzerkrankung und zugleich an Asthma bronchiale leiden. Das Herzleiden geht mit Herzklopfen, Atemnot, ausgeprägter Angst und Todesfurcht einher. Auch Entzündungen der Atemwege sind ein typisches Beschwerdebild von Spongia. Der Husten ist hart, trocken und bellend und schwere Atemnot kann begleitend auftreten. Die Drüsen im Hals- und Rachenbereich schwellen an und sorgen für ein Erstickungsgefühl, das mit großer Todesfurcht einhergeht.Auslöser der Beschwerden können trockener und kalter Wind oder Anstrengung sein.[6]

Blasse, blauäugige, hellhaarige und feingliedrige, weibliche Personen mit eher schlaffem Bindegewebe sprechen im Allgemeinen gut auf das Mittel Spongia an. Die Beschwerden zehren stark an der Kraft der Betroffenen und sie sind sehr erschöpft und fühlen sich elend. Auch bei Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und Schwellungen der Lymphknoten oder bei Männern mit entzündeten Hoden kommt Spongia als homöopathisches Mittel in Betracht.

Die Patienten, die Spongia benötigen sind zudem sehr furchtsam. Sie leiden an Alpträumen und schlafen sich in eine Verschlimmerung hinein, weil Aufregung und Angst heftigste Hustenanfälle auslösen können. Die Hustenanfälle gehen häufig mit Atemnot und Erstickungsgefühlen einher, dass die Patienten große Angst und Todesfurcht vorm Ersticken haben. Treten Herz-Kreislauf- und Atembeschwerden gleichzeitig auf, werden sie ängstlich, unruhig und haben panische Angst zu sterben.

Wo wirkt es?: Die Gabe von Spongia tosta bei entsprechender Heilanzeige (Indikation) kann sich positiv auf die Atemwegsorgane auswirken. Das betrifft Beschwerdebilder im Kehlkopf, in der Luftröhre und den Bronchien oder in der Lunge. Spongia kommt in der Homöopathie als Hustenmittel zum Einsatz, z.B. bei Entzündungen im Rachen oder Kehlkopf, wenn die Person trocken und bellend hustet oder auch bei auftretendem Reizhusten. Auch ein trockener, chronischer Husten bei organischer Herzkrankheit kann durch Spongia verbessert werden. Herzbeschwerden wie Klappenerkrankungen mit begleitendem Husten, Lymphgefäß- und Drüsenbeschwerden wie geschwollene Halslymphknoten sind ebenfalls Heilanzeiger (Indikatoren) für die Gabe von Spongia. Weiter kann das Mittel eine positive Wirkung auf Geist und Gemüt erzielen. Die Menschen, die Spongia benötigen, werden ruhiger und sind nicht mehr so ängstlich vor der Zukunft.[7]

In welchem Alter?: Spongia kann prinzipiell in jedem Lebensalter angewendet werden. Besonders geeignet ist Spongia bei feingliedrigen Kindern und Frauen mit hellem Haar, schlaffem Gewebe und hellem Teint. Bei Kindern kann es seine Wirkung bei kruppartigem Husten entfalten, welcher tief aus den Lungen kommt und sehr schmerzhaft ist.[8]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, bei denen das homöopathische Mittel Spongia tosta angezeigt ist, zeigen folgende Leitsymptome:[9]

  • Krupp bzw. Pseudokrupp, der mit heftigem, trockenem, bellendem und krächzenden Husten und Atemnot einhergeht. Die Einatmung ist erschwert und verschlimmert sich vor Mitternacht.
  • Trockener, pfeifender Husten geht mit starker Heiserkeit und Brennen einher. Husten und Atemgeräusche werden mit Giemen oder Bellen eines Seehundes beschrieben
  • Trockenheit der Atemwege mit Brennen, Heiserkeit und Zusammenschnüren des Kehlkopfes, trockener Nase und Hals
  • Erstickungsgefühl mit Herzklopfen
  • Chronische Bronchitis mit trockenem, harten Husten und Giemen, Wundheitsgefühl, Rohheit und Schwere in der Brust
  • Herzerkrankungen, z.B. Entzündungen oder Herzklappenerkrankungen gehen mit Atemnot, Ängstlichkeit und Todesfurcht einher
  • Hoden oder Nebenhoden sind geschwollen, entzündet und sind schmerzhaft. Der Schmerz wird beschrieben wie zerdrückt oder zerquetscht
  • Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenschwellung
  • Große Unruhe und Ängstlichkeit, Angst und Furch vor dem Tod und vor dem Ersticken

Verbesserung: Durch warme Getränke und Speisen, kühler Raum, Aufsitzen und nach vorne gebeugt

Verschlechterung: Bei trockener Kälte, trockener und kalter Wind, vor Mitternacht, im Liegen, durch kalte Getränke, Aufenthalt in warmen Räumen, beim Aufwachen, Kopftieflage

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, die Spongia benötigen, haben ein unwiderstehliches Verlangen zu Singen und auf dieses ausgeprägte Verlangen folgt dann eine Traurigkeit. Sie fühlen sich sehr ängstlich und schwach und können eine so große Furcht vor der Zukunft haben, dass sie lebensmüde werde. Die Patienten leiden unter großer Angst und Todesfurcht, besonders bei Erstickungsanfällen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es bestehen berstende Kopfschmerzen beim Treppensteigen mit einem Blutandrang zum Kopf.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten haben einen erschrockenen und angstvollen Gesichtsausdruck. Die Augen scheinen hervorzutreten und die Lippen sind bläulich verfärbt.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Schleimhäute der Atemwege sind ausgetrocknet. Der Kehlkopf, die Luftröhre und Bronchien sind trocken, berührungsempfindlich und fühlen sich wie zusammengeschnürt an. Die Schilddrüse kann geschwollen sein oder es besteht ein Gefühl eines Pfropfens im Kehlkopf, was wiederum einen Erstickungsanfall auslösen kann. Auch der Hals ist trocken und wund. Die Personen, die Spongia benötigen, müssen sich ständig räuspern als stecke etwas im Halse fest und haben eine raue, krächzende Stimme und sind heiser. Häufig können sie wegen der trockenen Schleimhäute kaum mehr reden und verlieren ihre Stimme. Wenn sie jedoch viel reden, treten Hustenanfälle auf.

Es kommt zu Anfällen von Atemnot. Die Atmung ist erschwert, kurz und keuchend. Die Atemwege können wie ein Schwamm anschwellen.

Es bestehen ausgeprägte Hustensymptome. Der Husten ist trocken, bellend und geht mit pfeifender und giemender Atmung einher. Besonders beim Einschlafen ist das Einatmen geräuschvoll und pfeifend. In der Nacht treten die Hustenanfälle besonders häufig auf und gehen mit einem Erstickungsgefühl einher. Der Patient wird dadurch aus dem Schlaf gerissen und muss sich aufsetzen. Sie schnappen dabei dann ängstlich nach Luft. Der Husten und das Erstickungsgefühl verschlechtern sich bei kaltem, trockenem Wind, beim Aufenthalt in einem warmen Zimmer, vor Mitternacht oder bei der geringsten Anstrengung und seelischer Aufregung. Besser werden die Symptome an der frischen, feuchtnassen Luft, nach dem Essen und Liegen.

Die Herzbeschwerden äußern sich durch ein rasches und heftiges Herzklopfen mit Schmerzen und keuchender Atemnot (Dyspnoe). Die Patienten erwachen plötzlich und häufig um Mitternacht mit einem starken, stechenden Schmerz in der Brust und einem Erstickungsgefühl. Sie haben Todesangst, leiden unter einem Ohnmachtsgefühl und Angstschweiß. Der Brustschmerz strahlt in den linken Arm aus. Bei Herzerkrankungen besteht häufig eine Kombination aus Herzklopfen, Angstzuständen und Atemnot. Weiter leiden die Betroffenen unter einer Herzklappenschwäche (Herzklappeninsuffizienz), oder einer Herzvergrößerung (Herzhypertrophie), die eher auf der rechten Herzseite lokalisiert ist und mit asthmatischen Symptomen wie Atemnot einhergeht. Der Puls ist dabei schnell, hart, voll und schwach. Durch das viele Husten sinkt die Sauerstoffaufnahme im Körper der Betroffenen ab, wodurch das Herz schneller und stärker schlagen muss, um dies auszugleichen. Die Personen haben das Gefühl, dass ihr Herz gar nicht mehr mit dem Schlagen nachkommen würde und es kommt zu einem Engegefühl im Herzbereich (Angina pectoris).

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Menschen, die Spongia benötigen haben ein ausgeprägtes Durstgefühl und großen Hunger. Sie haben allerdings auch Probleme beim Schlucken von Nahrung. Kalte Getränke verschlimmern ihre Leiden, warme Getränke und warmes Essen hingegen verbessern sie.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Männern kommt es zu einer schmerzhaften und empfindlichen Schwellung von Samenstrang und Hoden mit einer Verhärtung. Der Schmerzcharakter ist stechend, wie zerdrückt und zerquetscht.Frauen erwachen während der Menstruation mit Erstickungsanfällen. Vor der Menstruation besteht ein ausgeprägtes Hungergefühl und es kommt zu Herzklopfen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Männern kommt es zu einer schmerzhaften und empfindlichen Schwellung von Samenstrang und Hoden mit einer Verhärtung. Der Schmerzcharakter ist stechend, wie zerdrückt und zerquetscht.Frauen erwachen während der Menstruation mit Erstickungsanfällen. Vor der Menstruation besteht ein ausgeprägtes Hungergefühl und es kommt zu Herzklopfen.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Fieber geht mit Hitzeanfällen, Angst, Hitze und Röte des Gesichts und Schweiß einher.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In der Nacht wachen die betroffenen Personen typischerweise gegen Mitternacht mit Hustenanfällen und Atemnot auf. Sie haben dann eine Todesangst, weil sie glauben zu ersticken. Wenn sie den Kopf auf ein Kissen legen, verbessert sich der Husten und die Personen bekommen besser Luft. Allgemein geht es den Menschen schlechter nach dem Schlaf oder sie schlafen sich in eine Verschlechterung hinein.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Aconitum napellus

Aconitum napellus ist der blaue Eisenhut und eine der giftigsten Pflanzen Mitteleuropas. Aconitum gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse und kommt ähnlich wie Spongia bei trockenem Erstickungshusten, ausgelöst durch kalten Wind, zum Einsatz. Die homöopathischen Mittel Aconitum und Spongia stimmen darin überein, dass es zu einer nächtlichen Verschlimmerung mit Herzklopfen und Angst kommen kann. Mit Aconitum werden hochakute (Schock-)Zustände mit stürmischem und heftigem Beginn behandelt, die von Angst, Panik und Todesangst begleitet werden. Der Puls ist ebenfalls hart und schnell, die Beschwerden verbessern dich jedoch im Vergleich zu Spongia unter Trost und Zuspruch oder beim Herumgehen im Freien. Während bei Aconitum ein starkes Durstgefühl auf kalte Getränke besteht, verschlechtern kalte Getränke bei Spongia den Zustand; warme Getränke sorgen für eine Verbesserung.

Hepar sulfuris

Hepar sulfuris ist die Kalk-Schwefelleber und besteht aus gleichen Teilen aus Austernschale (Calcium carbonicum) und Schwefelblumen (Sulfur). In der Homöopathie ist Hepar sulfuris wie auch Spongia ein wichtiges Hustenmittel. Beide Mittel finden Anwendung bei Husten, die von Erstickungsgefühlen begleitet werden können. Der Husten ist wie bei Spongia trocken und schmerzhaft mit Heiserkeit und Luftnot. Trockene und kalte Luft verschlechtern den Krupp-Husten. Im Unterschied zu Spongia besteht bei Hepar sulfuris jedoch kein pfeifendes, sondern ein rasselndes Geräusch und es kommt zu einer Absonderung von eitrigem Schleim. Beide Mittel kommen auch bei einer Schwellung und Verhärtung von Halslymphknoten in Betracht.

Drosera rotundifolia

Drosera rotundifolia ist die fleischfressende Pflanze Rundblättriger Sonnentau, die hauptsächlich in Moorgebieten vorkommt. In der Homöopathie findet Drosera ähnlich wie Spongia Anwendung bei krampfhaften Husten oder Keuchhusten, der anfallsartig auftritt. Der Husten ist wie bei Spongia trocken, bellend und tritt vor allem in der Nacht auf. Auch bezüglich Heiserkeitssymptomen und Erstickungsanfällen ähneln sich beide homöopathische Mittel. Die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale beider Mittel sind, dass bei Drosera kein pfeifendes oder giemendes Atemgeräusch auftritt wie bei Spongia und dass es auch zu keiner Verschlimmerung im Liegen kommt und zudem kein Durstgefühl besteht.

Phosphorus

Das homöopathische Mittel Phosphorus wird aus Phosphor, einem chemischen Element hergestellt. Die Atemwegserkrankungen mit Hustenanfällen, Heiserkeit und Ängsten äußern sich ähnlich wie bei Spongia. Während die Beschwerden bei Spongia häufig um Mitternacht auftreten und sich verschlimmern, verschlechtert sich der Zustand der Patienten, die Phosphor benötigen am Abend und in der Dämmerung. Schlaf verbessert die Beschwerden bei Phosphor, bei Spongia hingegen geht es den Menschen schlechter nach dem Schlaf und häufig schlafen sie sich in eine Verschlechterung hinein. Das Mittel Phosphorus ist dann angezeigt, wenn ein großer Durst auf kalte Getränke besteht und die kalten Getränke die Beschwerden verbessern. Bei Spongia besteht ebenfalls ein ausgeprägtes Durstgefühl, kalte Getränke verschlimmern aber ihre Leiden und warme Getränke oder warmes Essen führen zu einer Verbesserung.

Hintergrundinformationen

Spongia ist ein Meerschwamm, ein unbewegliches, festsitzendes Hohltier mit einem netzförmigen Skelett aus Kieselsubstanz. Es gehört zur Klasse der Hornkieselschwämme (Demospongiae) und lebt im östlichen Mittelmeer, in der Adria und Roten Meer aber auch im Atlantik und im Indischen Ozean. In erster Linie ist Spongia als Badeschwamm bekannt. Früher wurde der Schwamm aber auch als saugfähiges Material in der Chirurgie oder aufgrund seines hohen Jodgehalts zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen, wie zum Beispiel einer Schilddrüsenvergrößerung (Kropfschwamm) verwendet. Das homöopathische Mittel wird aus dem gerösteten Gerüst des Schwammes hergestellt.[12]