Globuli von R bis S

Strophanthus Globuli

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Das homöopathische Mittel Strophantus wird aus dem in Afrika heimischen Schlingstrauch Strophantus gratus hergestellt. Analog dem bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlichen Einsatz von Strophantus gratus in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und Schulmedizin wird dieses Mittel vorwiegend als Stärkungsmittel für das Herz-Kreislauf-System verordnet. So zählen Angina pectoris (Brustenge), nervöse Herzbeschwerden (Cor nervosum) und leichte Herzinsuffizienz zu den typischen Anwendungsgebieten.[1] Bei den erwähnten Indikationen (Heilanzeigen) kann eine homöopathische Behandlung mit Strophantus in der Regel nur ergänzend zur schulmedizinischen Therapie erfolgen und muss mit dem Arzt abgesprochen werden. Zusätzlich sind bei diesem Mittel Gegenanzeigen, Neben- und Wechselwirkungen zu beachten (siehe Absatz „Anwendungsmöglichkeiten). Neben Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems zählen auch Lampenfieber und Examensangst zum Kern des Mittels. Potenzen bis einschließlich D3 sind verschreibungspflichtig.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Strophantus ist ein wichtiges Mittel bei Erkrankungen des Herzens und des Herz-Kreislauf-Systems. Hierzu werden klassischerweise Angina pectoris (Brustenge), koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz (umgangssprachlich: Herzschwäche), Ödeme (Wassereinlagerungen) an den Beinen, in der Lunge oder generalisiert am ganzen Körper (Anasarka), krankhaft hoher Puls (Tachykardie), Asthma cardiale (anfallsartige Atemnot infolge Linksherzinsuffizienz), Atemnot (Dyspnoe) bei Belastung und die Herzneurose, bei der die Betroffenen unter starker Angst leiden, an einer schweren Herzerkrankung zu leiden, gezählt. Aufgrund der oft lebensbedrohlichen Komplikationen der aufgezählten Erkrankungen sollte Strophantus bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen erst nach Absprache mit dem Arzt angewendet werden.
Bei Verwendung von niederen Potenzen dieses Mittels sind folgende Hinweise zu beachten:

Gegenanzeigen: Bis D4/C2: Bei gleichzeitiger Therapie mit digitalishaltigen Arzneimitteln (Medikamente mit den herzwirksamen Wirkstoffen Digoxin oder Digitoxin, welche meist bei Bestehen einer Herzinsuffizienz verschrieben werden), bei Vorliegen eines Kaliummangelzustandes (Hypokaliämie) oder eines erhöhten Kalziumgehaltes im Blut (Hypercalcämie) darf die Anwendung nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen. 

Wechselwirkungen: Bis D4/C2: Bei gleichzeitiger Anwendung von Chinidin (Chinidin ist ein Wirkstoff, der vor allem bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird) oder Mitteln, die den Kalziumgehalt im Blut erhöhen oder den Kaliumgehalt im Blut senken (zum Beispiel harnmengesteigernde Diuretika, Abführmittel, Kortison) kann die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System auf unerwünschte Weise zunehmen. 

Nebenwirkungen: Bis D4/C2: Bei Überdosierung kann es bei Vorliegen einer eingeschränkten Nierenfunktion zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Störungen der Verdauungsfunktion kommen. Sollten Nebenwirkungen auftreten ist die Einnahme von Strophantus abzusetzen und ein Arzt zu konsultieren.[1] 

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten werden in erster Linie der Herzmuskel und das Gefäßsystem gezählt. 

In welchem Alter?: Aufgrund der Häufigkeit der aufgeführten Erkrankungen im Alter, ist Strophantus in erster Linie ein Mittel für den älteren Patienten.[2][3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome des Homöopathikums Strophantus decken sich im Wesentlichen mit den Symptomen der koronaren Herzkrankheit und der Herzinsuffizienz: Wichtigstes Symptom ist die Atemnot, welche zunächst bei Belastung auftritt (Belastungsdypnoe), daneben spielen Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen, unter der Haut oder in der Lunge, anfallsartige Brustenge (Angina pectoris) und unangenehme Empfindungen in der Herzgegend eine wichtige Rolle. Typischerweise tritt meist eine Rötung des Gesichtes auf.[1][2][3]

Verschlechterung: Bei körperlicher Anstrengung, bei Ängsten. 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Große Erschöpfung, diese kann in Verbindung mit einer Herzerkrankung, nach einer Operation oder nach starken Blutungen auftreten. Erwartungsspannung. Angst vor Ereignissen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schläfenkopfschmerz mit Doppeltsehen oder geschwächtem Sehen, Altersschwindel.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Glänzende Augen, gerötetes Gesicht.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Atemnot, besonders beim Hinaufgehen. Die Lungen sind gestaut. Lungenödem (umgangssprachlich: Wasserlunge), Bronchialasthma. Anämie (umgangssprachlich: Blutmangel) mit Herzklopfen und Atemnot.

Wichtiges Mittel für Herzerkrankungen: Typisch sind ein beschleunigter Puls und eine schwache, unregelmäßige und schnelle Herztätigkeit. Herzschmerzen, Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz. Bei Herzreizung bei Rauchern. Bei Kompensationsschwäche bei verfettetem Herz, bei der plötzliche Mehrbelastungen, etwa durch Bewegung, nur ungenügend vom Herzen durch Steigerung der Pulsfrequenz oder der Schlagkraft beantwortet werden können. Fehlender Tonus der Herzklappen, diese sind wie ausgeleiert und schließen nicht mehr richtig. Bei Herzschäden durch langen Konsum von Stimulantien, wie zum Beispiel Alkohol, Kokain oder Amphetamine. Zur Unterstützung des Herzens bei Morbus Basedow, einer Autoimmunkrankheit der Schilddrüse. Bei Herzproblemen von übergewichtigen, korpulenten Personen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Übelkeit mit besonderer Abneigung gegen Alkohol, das Mittel soll hingegen aber auch bei Trunksucht helfen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Urin oft spärlich und eiweißhaltig.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Frauen bei zu starken Monatsblutungen, bei starkem Blutandrang zum Uterus.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Frauen in den Wechseljahren drückender Schmerz in den Hüften und den Oberschenkeln. Die Extremitäten zeigen sich geschwollen und ödematös (mit Wassereinlagerungen). Neigung zu generalisiertem Ödem (Anasarka), bei dem Wassereinlagerungen überall in der Unterhaut auftreten können. Muskelschwäche.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Chronische Formen der Nesselsucht (Urtikaria).

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Neben Strophantus sind auch andere Mittel bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf—Systems gebräuchlich. Im Folgenden sollen drei der wichtigsten Alternativmittel vorgestellt werden.[1][2][4]

Digitalis purpurea

Aus dem roten Fingerhut, Digitalis purpurea, wird das homöopathische Mittel Digitalis hergestellt. Es zählt zu den wichtigsten Herzmitteln und wird bei Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen (HRST), zu schnellem Puls (Tachykardie) oder zu langsamen Puls (Brachykardie), Störungen der Reizleitung im Herzen, über welche die elektrischen Impulse weitergegeben werden, die die Herztätigkeit regulieren, und Altersherz verordnet. Auch Depressionen, Übelkeit, Ängste und Migräne zählen zu den wichtigen Anwendungsmöglichkeiten. Typischerweise bessern sich die Beschwerden im Liegen und im Freien, während beim Aufsitzen und in Bewegung Verschlechterungen auftreten können.

Crataegus

Das Homöopathikum Crataegus aus den frischen reifen Früchten des eingriffligen Weißdorns (Crataegus monogyna) ist ebenfalls ein bekanntes Mittel bei Herzkrankheiten. Es wird vor allem bei Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Angina pectoris (Brustenge), bei leichten Herzinsuffizienzen, bei niederem (Hypotonie) oder hohem Blutdruck (Hypertonie) und bei Kreislaufstörungen im Alter angewandt. Verbesserungen treten an der frischen Luft, Verschlechterungen im warmen Zimmer auf.

Convallaria majalis

Sehr ähnliche Einsatzmöglichkeiten weist auch Convallaria, eine Arznei aus Convallaria majalis, dem Maiglöckchen auf. Es wird vor allem bei nervösen Beschwerden des Herzens verordnet, bei welchen der Patient oft glaubt, er sei an einer Herzerkrankung erkrankt, ohne dass eine solche feststellbar wäre. Der Patient klagt über unruhigem Puls, Herzstolpern, Schmerzen in der Herzgegend und Angstgefühle. Daneben stellt Convallaria auch ein wichtiges Mittel bei Ödemen dar, die in Folge einer Herzerkrankung auftreten. Verbesserungen zeigen sich auch hier in frischer Luft, während bei einem Aufenthalt im warmen Zimmer sich die Symptomatik verschlechtern kann.

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Mittel Strophantus wird aus den reifen, getrockneten Samen von Strophantus gratus anhand den Vorschriften 4a und 7 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) hergestellt.[1]

Strophantus gratus ist im tropischen Asien und Afrika heimisch, es handelt sich im eine milchsaftführende Liane, die sich an anderen Pflanzen emporranken kann und weißliche, rosafarbene Blüten trägt. Die Früchte werden bis zu 35 cm lang und enthalten bis zu 200 der medizinisch relevanten Samen. Der Gattungsname Strophantus ist dem seilhaften Aussehen der Liane geschuldet, vgl. griech. Strophos = Seil.
Mitte des 19. Jahrhunderts gelangten die ersten Nachrichten über die Verwendung von verschiedenen Strophantus-Arten in Afrika als Pfeilgift nach Europa. Strophantus gratus wurde in der darauffolgenden Zeit gut erforscht und bei Herzerkrankungen eingesetzt. Da bei oraler Einnahme die meisten der herzwirksamen Inhaltsstoffe durch die Verdauungsenzyme zerstört werden, wurde der Extrakt aus dieser Heilpflanze vor allem über die Vene (intravenös) verabreicht. Da dieser vergleichsweise schneller wirkt als ein Extrakt aus dem purpurnen Sonnenhut, Digitalis purpurea, war er bis in das letzte Jahrhundert eine geschätzte Alternative in der Notfallmedizin bei akuten Komplikationen einer Herzinsuffizienz, wie zum Beispiel dem akuten Lungenödem.[5]
Eine bestimmte Gruppe von Inhaltstoffen aus Strophantus gratus, die sogenannten Strophantine, werden zu den Herzglykosiden, einer Gruppe von herzwirksamen Wirkstoffen, gezählt, die einerseits die Schlagkraft des Herzen steigern, andererseits die Herzfrequenz senken können. Das bekannteste Herzglykosid ist Digitalis, welches noch heute in der Medizin bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Bis Ende des letzten Jahrhunderts wurde synthetisches (künstlich hergestelltes) Strophantin ebenfalls von der Schulmedizin eingesetzt, heute wird auf andere Medikamente, die besser in ihrer Wirkung einzuschätzen sind, ausgewichen. Überdosierungen mit Strophantinen führen zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hitzegefühl, Doppeltsehen, beschleunigtem Puls und Herzschwäche.[2]
Aufgrund der schlechten Dosierbarkeit wird der Verwendung vonStrophantus gratus auch in der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) keine Bedeutung mehr zugeschrieben.[6]