Globuli von C bis C

Convallaria majalis Globuli

© panthermedia.net / Ernesto Rosé

Das homöopathische Einzelmittel Convallaria majalis wird aus den frischen oberirdischen Teilen des Maiglöckchens zur Blütezeit im Mai hergestellt. Das wohlriechende Maiglöckchen ist eine kleine Staude aus der Familie der Spargelgewächse, die vor allem in Laubwäldern Europas und Asiens wächst. Die unter Naturschutz stehende Giftpflanze erinnert mit ihren Blättern an die Gemüse- und Gewürzpflanze Bärlauch. Aufgrund ihrer herzwirksamen Inhaltsstoffe (zahlreiche Steroidglykoside) ist das Maiglöckchen in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) vor allem als Herzmittel bekannt. Auch in der Homöopathie wird Convallaria majalis bevorzugt bei Herzbeschwerden wie Herzstolpern und Aussetzen des Herzschlags, sowie bei gefäßbedingten Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödemen) verwendet.[1][6]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Die Anwendung von Convallaria majalis ist besonders geeignet für Menschen mit allgemeinenHerzbeschwerden und Herzstolpern, speziell auch für Raucher mit Herz- und Gefäßerkrankungen durch Tabakkonsum. Aufgrund der Schwere des Krankheitsbildes ist von einem Einsatz in der Selbstmedikation abzuraten. Bitte konsultieren Sie einen homöopathisch erfahrenen Therapeuten.[2]

Wo wirkt es?: Das Mittel Convallaria majalis hat einen starken Bezug zum Herzen und kann regulierend eingesetzt werden, um die Kraft der Herzaktion zu verstärken und das Herz regelmäßiger schlagen zu lassen. Es findet außerdem Einsatz bei beginnender Herzerweiterung (Dilatatio cordis) und überdehnten Herzklappen(Ventrikel), oftmals verbunden mit Wassersucht (Ödemen) undAtemnot (Dyspnoe), sowie dem Gefühl, das Herz höre auf zu schlagen.[2]

In welchem Alter?: Das homöopathische Einzelmittel Convallaria majalis kann grundsätzlich in jedem Lebensalter angewendet werden. Aufgrund der beschriebenen Symptomatik wird die Arznei häufiger auf ältere Patienten hinweisen.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, die Convallaria majalis benötigen, beschreiben häufig die charakteristische Empfindung, als ob das Herz zu schlagen aufhöre und dann plötzlich wieder einsetze. Dieses Stolpern und Aussetzen des Herzschlags wird begleitet von einem unregelmäßigem Puls.[2]

Verbesserung: Das Beschwerdebild des Convallaria-Patienten verbessert sich allgemein durch Aufenthalt im Freien.[2]

Verschlechterung: Oft verschlechtert sich die Symptomatik im warmen Zimmer.[2]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, die Convallaria-Beschwerden aufweisen, können zu Hysterie und Reizbarkeit neigen.[2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es findet sich gelegentlich eine empfindliche Kopfhaut sowie dumpfe Kopfschmerzen, die sich durch Steigen (z.B. Treppen) verschlechtern.[2]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Manche Convallaria-Patienten weisen einen wunden und schmerzhaften Bläschenausschlag an Nase und Lippen auf.[2]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, zu denen das homöopathische Einzelmittel Convallaria majalis passt, haben oft ein Gefühl, als schlüge das Herz überall in der Brust, verbunden mit großer Atemnot(Dyspnoe). Das Herz klopft von der geringsten Anstrengung. Der Puls erscheint vielfach schnell und unregelmäßig. Auch schmerzhafte Anfälle durch vorübergehende Durchblutungsstörung des Herzens (Angina pectoris) und Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) finden sich im Arzneimittelbild von Convallaria majalis. Besonders typisch ist das Empfinden, dass das Herz aufhört zu schlagen und plötzlich wieder einsetzt. Convallaria hat einen besonderen Bezug zur Anwendung bei rauchenden Herzpatienten, deren Beschwerdebild durch Zigarettenrauchen entwickelt wurde.[2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Vermehrtes häufiges Wasserlassen mit wenig Urin kann auch in der Convallaria-Symptomatik anzutreffen sein.[2]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Hier findet sich ein starkes schmerzhaftes Wundheitsgefühl im Bereich der Gebärmutter (Uterus) mit gleichzeitigem Herzklopfen und Wassersucht (Ödeme).[2][4]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzhaftigkeit im Lendenbereich kann sich ebenso finden wie ein Gefühl von Taubheit in den Füßen beim Aufstehen.[3]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sofern sich Fieber zeigt, kann dieses verbunden sein mit Kurzatmigkeit und Atemnot.[2]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei vielen Beschwerdebildern kann sich tagsüber eine ausgeprägte Schläfrigkeit einstellen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Digitalis

Der Rote Fingerhut ist die Ausgangssubstanz des homöopathischen Arzneimittels Digitalis. Es ist ähnlich wie Convallaria majalis ein großes Herzmittel mit Symptomen von heftigem Herzklopfen und unregelmäßigem Herzschlag, allerdings oft verbunden mit einem schwachen, sehr langsamen Puls. Verbesserung erfolgt durch kühle Luft und durch flaches Liegen auf dem Rücken. Die geringste Bewegung oder Anstrengung verschlechtert den Zustand des Digitalis-Patienten.[2] [5]

Crataegus

Das Einzelmittel Crataegus wird aus der Pflanze Weißdorn gewonnen und gilt sowohl in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) als auch in der Homöopathie als bevorzugtes Kräftigungsmittel des Herzens bei allgemeiner Herzschwäche, aber auch Herzbeschwerden infolge anderer Krankheiten. Als Besonderheit gilt ein Schmerz unter dem linken Schlüsselbein. Die Haut kann kalt sein und wird begleitet von blauen Verfärbungen an Finger und Zehen.[2]

Lilium tigrinum

Für das homöopathische Einzelmittel Lilium tigrinum wird die Tigerlilie als Ausgangsstoff verwendet. Es zeigt ebenfalls eine ausgeprägte Wirkung auf das Herz. Neben einem schnellen unregelmäßigen Puls, wie bei Convallaria majalis, findet sich auch Herzklopfen mit Schmerzgefühl auf der Brust, das wie eine Last empfunden wird. Ferner ist Lilium tigrinum dann angezeigt, wenn der Betroffene das Gefühl hat, sein Herz sei in einen Schraubstock gespannt. Hier verschlechtert auch ein warmes Zimmer die Symptomatik, aber es gibt eine Verbesserung durch Liegen auf der linken Seite.[2] [5]

Hintergrundinformationen

Das Maiglöckchen „Convallaria majalis“, mit ihren intensiv süßlich duftenden Blüten, ist eine Pflanze der Gattung Convallaria aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Überall in Europa, aber auch in Nordamerika und Asien zeigt die Pflanze ihre weißen Blüten zwischen April und Juni. Sie gleichen äußerlich kleinen Glocken, was zu der Namensgebung führte. 2014 wurde das Maiglöckchen zur Giftpflanze des Jahres gewählt und steht unter Naturschutz. Convallaria majalis wird als stark giftig eingestuft, wobei alle Pflanzenteile giftig sind, besonders aber Blüten und Früchte. Äußerlicher Kontakt mit der Pflanze reizt Haut und Augen. Die Blätter weisen eine große Ähnlichkeit mit der Gewürzpflanze Bärlauch (Allium ursinum) auf. Werden die Pflanzenteile verzehrt, treten starke Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Brustbeklemmung auf. Convallaria enthält Wirkstoffe (Steroidglykoside), die in der Lage sind, auf das Herz eine die Schlagkraft steigernde und die Herzfrequenz senkende Wirkung zu entfalten. So wurde die Pflanze Convallaria majalis bereits im 15. Jahrhundert als Heilpflanze erwähnt und im 19. Jahrhundert in der Volksmedizin wiederentdeckt. Allerdings ist beim Einsatz der getrockneten oberirdischen Teile der Pflanze – im Gegensatz zur Anwendung in der Homöopathie – in der Pflanzenheilkunde große Vorsicht geboten aufgrund der Gefahr einer Vergiftung (Intoxikation). Aufgrund seines süßlichen Duftes verwendet man das Öl aus der Blüte des Maiglöckchens als Zusatzstoff in Parfüms.[6]