Globuli von C bis C

Cinnabaris Globuli

© panthermedia.net / Rainer Albiez

Cinnabaris ist ein homöopathisches Einzelmittel, das aus dem roten Quecksilbersulfid hergestellt wird. Quecksilbersulfid ist eine Verbindung aus Schwefel und Quecksilber. Dieses weiche Mineral kommt an heißen Quellen und Vulkanöffnungen vor.

Cinnabaris wird bevorzugt eingesetzt bei Patienten, die zu akuten oder ständig wiederkehrenden (chronischen) Symptomen im Bereich der oberen Atemwege neigen. Entzündungen der Nasennebenhöhlen, der Kiefer- oder Stirnhöhlen zählen zu den häufigsten Beschwerden.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Patienten, die Cinnabaris benötigen, leiden meist an Beschwerden des Nasen-Rachenraums oder der Augen. Sie haben ein Gefühl von Vollheit im Kopf durch geistige Beschäftigung und fühlen sich müde, schläfrig und erschöpft.[3][4][5]

Wo wirkt es?: Cinnabaris hat seinen Hauptangriffspunkt bei akuten, aber auch wiederkehrenden (chronischen) Entzündungen der oberen Atemwege. Im Vordergrund stehen hier die Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Stirn- und Kiefernhöhlen mit feuerroter Schleimhaut im Nasen- und Rachenbereich. Auch die Augen sind häufig betroffen.[3][4][5]

In welchem Alter?: Cinnabaris kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eingesetzt werden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Empfindlichkeit des Kopfes bei Berührung, selbst Haare schmerzen
  • Schmerzen um das Auge herum
  • Blitzartige Schmerzen in den Knochen der Augenhöhlen
  • Röte des ganzen Auges
  • Starker Druck auf der Nasenwurzel
  • Feurig rote Geschwüre der Haut oder Schleimhäute

Verbesserung: Der Zustand des Patienten bessert sich im Freien, bei Sonnenschein und nach dem Mittagessen.[1][2][3][4][5]

Verschlechterung: Die Symptome des Patienten verschlimmern sich abends und in der Nacht. Nach dem Schlafen erwacht der Patient mit Kopfschmerzen. Berührungen und Licht mag er nicht. Beim Liegen auf der rechten Seite kommt es ihm vor, als würde der ganze Inhalt des Körpers auf die Seite gezerrt werden.[1][2][3][4][5]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten zeigen sich widerwillig gegen geistige Arbeit, die ihnen das Gefühl einer Vollheit im Kopf gibt. Sie verlangen alleine zu sein, sind leicht gereizt und schnell ärgerlich. Sie vergessen die Dinge, die sie zu erledigen haben.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Morgens nach dem Aufstehen, beim Bücken, ist dem Patienten schwindlig. Aufsteigender Blutandrang rötet sein Gesicht. Der Patient kann seinen Kopf bei Schmerzen kaum vom Kissen erheben; die Kopfschmerzen werden durch äußeren Druck erleichtert.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Heftige blitzartige Schmerzen treten in den Knochen der Augenhöhlen auf oder ziehen vom Tränenkanal um das Auge herum bis zur Schläfe und vom inneren Augenwinkel über die Brauen bis hin zum Ohr. Die Augen sind stark gerötet, mit Entzündungen der Bindehaut (Konjunktivitis), der Iris (Iritis) und der Hornhaut (Keratitis).

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Nase juckt und sondert nach dem Schnäuzen dunkles Blut ab. Das Nasensekret ist ätzend, wässrig, brennend oder enthält dunkle Klumpen. Schmerzen über der Nasenwurzelwie vom Druck einer schweren Brille.Die Trockenheit im Mund und in der Kehle weckt den Patienten aus dem Schlaf. Er muss den Mund ausspülen und räuspert zähen Schleim aus dem Hals herauf. Die Schleimhaut in der Mundhöhle ist feurig rot.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kleine Pickel um den After, die brennen und jucken, können ein Hinweis auf dieses Mittel sein. Weiche, spärliche Stühle sind mit kneifendem Schmerz verbunden, der nach dem Stuhlgang wieder abklingt.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient schwitzt zwischen Hodensack und Oberschenkeln.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzen in der Achillessehne verschlimmern sich beim Gehen. Kälte in den Gelenken ist ein typisches Merkmal. Schmerzen in den Ellenbogen ziehen hinunter bis in die Hände.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Feuerrote Geschwüre auf der Haut und den Schleimhäuten zählen ebenso zum Arzneimittelbild wie Knoten an den Schienbeinen.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schweißabsonderungen treten vermehrt zur Mittagszeit auf.Der Puls ist am Vormittag langsam und zum Abend hin beschleunigt.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Schlaf ist ruhelos, mit lebhaften Träumen und vielem Sprechen. Durch stetigen Gedankenfluss kann der Patient nicht schlafen und ist dadurch tagsüber schläfrig.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Hepar sulfuris

Die Kalkschwefelleber wird aus dem Inneren der Austernschale und Ausblühungen des Schwefels hergestellt.Menschen, die Hepar sulfuris benötigen, sind häufig zart und überempfindlich. Die kleinste Ursache kann sie so verärgern, dass sie ärgerlich und jähzornig reagieren. Die Patienten sind sehr empfindlich gegen Kälte. Ihre Schmerzen sind splitterartig, stechend oder reißend und verschlimmern sich beim Liegen auf der schmerzhaften Seite. Zu den Hauptbeschwerden bei Hepar sulfuris zählen entzündete Schleimhäute der Atemwege mit einer Tendenz zur Eiterung. Betroffen sind u.a. die Augen, mit eitriger Entzündung der Hornhaut (Kornea); die Augenlider sind empfindlich und rot entzündet. Wie auch bei Cinnabaris, besteht hier einbohrender Schmerz in den oberen Knochen der Augenhöhle. Entzündungen der oberen Atemwege machen die Schleimhäute der Nase wund und lassen sie verkrusten. Die eitrigen Absonderungen sind dick und übelriechend.[7][8]

Kalium bichromicum

Kalium bichromicum (Kaliumdichromat) ist das Salz der Dichromsäure. Es wirkt gut bei Beschwerden entzündeter Schleimhäute. Die Entzündungen können in den Atemwegen, im Verdauungstrakt und in den weiblichen Geschlechtsorganen lokalisiert sein. Die Absonderungen sind gelb, klebrig und fadenziehend und hinterlassen eine wunde Oberfläche. Kalium bichromicum bewährt sich als Arznei, wenn die Beschwerden nicht richtig heilen wollen oder häufig wiederkehren. Es wird eingesetzt bei lang andauerndem Schnupfen (Sinusitis), mit drückenden Schmerzen über der Nasenwurzel und Druck unter den Augen, der sich beim Bücken verschlimmert. Mittelohrentzündungen (Otitis) bei Kindern mit scharfen, stechenden Schmerzen in den Ohren, bei denen es bis zur Perforation des Trommelfells kommt, gehören ebenfalls zu den häufigeren Anwendungsgebieten.[9][10]

Hintergrundinformationen

Zinnober ist ein hellrotes Mineral, aus dem das quecksilberhaltige Pigment Zinnober gewonnen wird. Es ist beständig gegen Laugen und Säuren und löst sich nur in Königswasser (einem Gemisch aus konzentrierter Salzsäure und konzentrierter Salpetersäure). Im Gegensatz zu den anderen Quecksilbersalzen ist Zinnober weit weniger giftig, da er nicht wasserlöslich und relativ beständig ist.

Ab dem 15. Jahrhundert setzten die europäischen Maler das Pigment in großem Umfang ein. Das leuchtende Rot war vor allem zur Darstellung von Gewändern und Umhängen beliebt. Da es jedoch nicht ganz lichtecht ist, wird es von heutigen Künstlern nur noch ungern verwendet.[6]