Globuli von C bis C

Carduus marianus Globuli

© panthermedia.net / Rolf Pötsch

Carduus marianus, zu deutsch Mariendistel, ist eine Pflanze, die in Homöopathie, Naturheilkunde und auch in der Schulmedizin vielfältig eingesetzt wird. Dabei ist sie insbesondere als Mittel gegen alle Formen von Leber- und Gallenbeschwerden beliebt.

Als Heilpflanze gegen weitere Erkrankungen wurde Carduus marianus bereits durch den griechischen Militärarzt Pedanios Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. beschrieben und von ihm als Mittel gegen Übelkeit eingesetzt. Er versetzte dazu die Wurzel der Pflanze mit Honigmet. In Mitteleuropa wird die Mariendistel zum ersten Mal 1564 als Mittel gegen Seitenstechen erwähnt.

Erstmals als Homöopathikum getestet wurde sie 1852. In der Veröffentlichung der Ergebnisse wird insbesondere die Wirkung gegen Hämorrhoiden hervorgehoben, und es gilt auch heutzutage als Mittel mit eng begrenztem Wirkspektrum.

In der Naturheilkunde wird Carduus marianus außerdem gegen Migräne, Reisekrankheit und Trigeminusneuralgien eingesetzt.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Insbesondere bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen und daraus folgenden Beschwerden können Carduus marianus Globuli eine wirksame Ergänzung zur Schulmedizin darstellen.

Wo wirkt es?: Carduus marianus hat einen starken Bezug zur Leber. Außerdem kann Carduus marianus bei Magenbeschwerdenund bei Beschwerden der venösen Blutgefäße insbesondere an den unteren Extremitäten eingesetzt werden.[1]

In welchem Alter?: Prinzipiell eignen sich Carduus marianus Globuli zur Einnahmefür alle Altersgruppen, wenn auch ganz junge Menschen seltener an den typischen Symptomen leiden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hierbei handelt es sich um einige charakteristische Symptome, die darauf hindeuten, dass der Einsatz von Carduus marianusfür den betroffenen Patienten hilfreich sein könnte:

  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Magenschmerzen
  • Schmerzen im rechten Oberbauch mit Schwellung der Leber
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit

Verbesserung: Eine Besserung der Beschwerden kann im Liegen und bei Ruhe eintreten. Lindernd können außerdem auch warme Umschläge und das Anziehen der Beine an die Brust wirken.

Verschlechterung: Eine Verschlechterung tritt dagegen durch feucht-warmes Wetter, Husten, körperliche Aktivität und Druck auf den schmerzhaften Stellen ein. Liegen auf der linken Seite kann bei rechtsseitigem Leberschmerz ebenfalls zu einer Verschlimmerung beitragen. Insbesondere Beschwerden des Magen-Darm-Traktes und der Leberschmerz können sich durch den Genuss von Alkohol weiter verstärken.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Oftmals besteht eine starke Traurigkeit und Abgeschlagenheit aufgrund der chronischen Beschwerden.[3]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Zunge kann weißlich belegt sein, die Zungenränder sind dabei meist gerötet. Zusätzlich besteht ein bitterer Geschmack im Mund.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Insbesondere im Gesicht und an den – schmerzenden – Augen kann eine Gelbfärbung (Ikterus) gut sichtbar sein. Der Patient klagt außerdem oft über eine starke Hitzeempfindlichkeit des Gesichts.

Eine leberbedingte Gerinnungsschwäche kann zu häufigem Nasenbluten (Epistaxis) führen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Husten ist trocken, mit blutigem Sputum; er geht oft mit starken Brustschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken einher.[2]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typisch sind Leberschmerzen, oft verbunden mit Völlegefühl und begleitet von lang anhaltenden und ziehenden Schmerzen im rechten Oberbauch. Gegebenenfalls zeigt sich die Lebererkrankung an Haut und Schleimhäuten als Gelbsucht (Ikterus).

Im Rahmen von Lebererkrankungen können sich Verstopfungen und Durchfälle abwechseln. Der Stuhl kann entfärbt, hell aussehen, wenn Gallenflüssigkeit fehlt.[4] Durch zunehmende Leberschäden wird die Leber undurchlässiger für das Blut. Dann staut sich das Blut zurück, die Venen sind überlastet, und es können sich juckende und schmerzende Hämorrhoiden bilden.[5] Der gesamte Analbereich des Patienten kann sich schmerzhaft entzünden.

Auch Übelkeit und Erbrechen können gut auf eine Therapie mit Carduus marianus ansprechen. Ursächlich sind auch hier Lebererkrankungen, welche dazu führen, dass Alkohol und fettige Nahrungsmittel nicht mehr so gut verdaut werden können. Begleitend zur oft lang anhaltenden Übelkeit können Leberschmerzen mit Ausstrahlung bis in die rechte Schulter bestehen. Das Erbrochene ist meist gelb-grün verfärbt und hat einen sauren Geschmack.

Bei Gallenkoliken, welche mit den typischen kolikartigen Schmerzen im rechten Oberbauch einhergehen, kann Carduus marianus ebenfalls hilfreich sein. Der Geschmack im Mund ist dabei oft bitter, u.U. ist die Zunge weiß belegt. Begleitend bestehen auch hier Übelkeit und Erbrechen. Als Ursache kommen zum Beispiel Gallensteine infrage.

Schließlich kann Carduus marianus zur Entgiftung nach übermäßigem Alkoholkonsum oder Medikamenteneinnahme beitragen.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Carduus marianus kann bei schlecht heilenden Wunden am Unterschenkel (Ulcus cruris) eingesetzt werden. Ursächlich ist eine Venenschwäche, welche sich zuvor als Krampfadern oder Besenreiser zeigen kann. Der Patient verspürt dabei meist ein allgemeines Zerschlagenheitsgefühl in Armen und Beinen.[6]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typisches Symptom an Haut und Schleimhäuten ist eine Gelbfärbung (Ikterus). Im Rahmen von Lebererkrankungen kann es auch zu weiteren stoffwechselbedingten Hautbeschwerden kommen. Oft wird ein starker Juckreiz beschrieben, der sich z.B. auf dem Handrücken zeigt. Zusätzlich können sich nässende Bläschen bilden.[7]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Lycopodium clavatum

Lycopodium clavatum (Keulen-Bärlapp) ist ebenfalls als Mittel gegen Leberbeschwerden bekannt. Hier besteht oft ein sehr harter Stuhl mit erschwertem Stuhlgang. Saures Aufstoßen und Blähungen stehen hier deutlich stärker im Vordergrund als bei Carduus marianus. Ein Völlegefühl ist dagegen gemeinsames Symptom beider Arzneien. Auch bei Gallensteinen und dadurch bedingten Beschwerden kann Lyocpodium ein hilfreiches Homöopathikum sein.[8]

Chelidonium majus

Auch Chelidonium majus (Schöllkraut) gehört zu den typischen Arzneien gegen Leberbeschwerden, etwa bei Gelbsucht. Galliges Erbrechen und starker Druckkopfschmerz können wahlanzeigend sein. Der Patient entwickelt eine Abneigung gegen Fleisch. Außerdem möchte er nicht berührt werden.[9]

Sepia officinalis

Dieses aus der Tinte des Tintenfischs (Gewöhnlicher Tintenfisch) gewonnene Homöpathikum kann bei Magen-Darm-Beschwerden und Bluthochdruck im Pfortadersystem eine Alternative zu Carduus marianus sein. Im Gegensatz zu Carduus marianus bestehen hier oftmals zusätzlich Blähungen und Übelkeit beim bloßen Geruch von Speisen. Gemeinsames Anwendungsgebiet sind hämorrhoidale Beschwerden, Appetitlosigkeit und dauerhafte Übelkeit. Eine Gelbsucht ist dagegen kein typisches Symptom. Sepia officinalis wird außerdem bei vielen frauenspezifischen Beschwerden eingesetzt.[10]

Magnesium chloratum

Typisch für Magnesium chloratum (Magnesium muriaticum, Magnesiumchlorid) sind starke Appetitlosigkeit und ein Leberschmerz, der zwischen die Schulterblätter ausstrahlt, doch meist ohne Gelbfärbung der Haut.[11]

Hintergrundinformationen

Die Mariendistel aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) ist in Volksmund und Literatur unter verschiedenen deutschen Namen bekannt. Weitere Bezeichnungen sind Donner-, Fieber- oder Frauendistel, Christi Krone und Marien- oder Stechkorn. Der Name Mariendistel beruht auf einer Legende, nach der die weißen Streifen auf den Blättern von der Milch der Jungfrau Maria stammen sollen.

Carduus marianus ist eine bis zu 1,5 Meter hohe Pflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und zwei Jahre alt werden kann. Sie bevorzugt sonnige, steinige und trockene Standorte, insbesondere an Wegesrändern und auf Weiden. Dabei kann sie lokal gehäuft vorkommen, sodass ganze „Distelwälder“ entstehen. Der Stamm der violett blühenden Pflanze sowie die Unterseite ihrer Blätter sind mit bis zu 1cm langen Dornen besetzt.[12][13]

Der Wirkstoff der Pflanze, sogenanntes Silibinin, ist in allen Pflanzenteilen, insbesondere in den Früchten vorhanden. Silibinin wird vielfältig in der Schulmedizin eingesetzt und dient zum Beispiel als Gegengift bei der Vergiftung mit Knollenblätterpilzen. Dabei wirkt es insbesondere in den Leberzellen, wo es die Zellmembranen undurchlässig für das Gift des Pilzes macht. Auch bereits aufgetretene Schäden werden abgemildert. Zusätzlich regt Silibinin den Gallenfluss an und wirkt damit entgiftend. Die entgiftende Wirkung macht man sich vor allen in der Tierhaltung zu Nutze, wo die Mariendistel bewusst als Futterzusatz verwendet wird.