Globuli von C bis C

Chimaphila umbellata Globuli

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Für Chimaphila umbellata liegen im Gegensatz zu vielen anderen homöopathischen Arzneien keine oder nur unzureichende homöopathische Arzneimittelprüfungen (AMP) vor. Für eine homöopathische Verordnung ist es aber eine zwingende Voraussetzung, dass die Symptome einer Arznei an mehreren gesunden Menschen geprüft wurden. Für die Informationen zur Heilwirkung dieser homöopathischen Arznei wurde die Heilwirkung der getrockneten Droge als Tee, Tinktur, Tropfen oder Aromaöl übernommen, sowie weitere Symptome aus der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie).

Es ist allerdings fraglich, ob die rein gedankliche Ableitung der Heilkraft von der Pflanzenheilkunde auf ein hoch verdünntes Mittel (homöopathisch) zuverlässig eingeschätzt werden kann. Es gibt nur wenige Informationen zur homöopathischen Wirksamkeit und Symptomatik der Arznei Chimaphila umbellata. Dieser Artikel beschränkt sich auf Informationen zur homöopathischen Anwendung, die mehrfach in der Literatur zu finden sind.

Das homöopathische Mittel Chimaphila umbellata wird aus einer seltenen Heidekrautpflanze namens „doldiges Wintergrün“ hergestellt. Sie wird bis zu 15 cm hoch und wächst vor allem in Kiefernwäldern in Mittel- und Nordeuropa sowie in Russland. In Deutschland gilt das Wintergrün in einigen Bundesländern als vom Aussterben bedroht.[1]

Chimaphila umbellata wirkt entwässernd und harntreibend und wird deshalb vor allem bei Beschwerden der Nieren und des Harntrakts eingesetzt[7], aber auch bei Beschwerden, die durch eine Vergrößerung der Prostata oder durch Tumore der Brust verursacht werden.[2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Das Mittel ist für Menschen geeignet, die Schmerzen beim Wasserlassen haben, nur wenig Urin produzieren und unter Ausfluss oder Wasseransammlungen im Körper leiden. Es kann u.U. auch die Beschwerden bei Männern mit vergrößerter Prostata lindern.

Wo wirkt es?: Das Mittel wirkt vor allem auf den Harntrakt und somit auf die Urinproduktion. Aber auch die Prostata und die weibliche Brust können zum Wirkungsbereich von Chimaphila umbellata gehören.

In welchem Alter?: Für den Einsatz dieses Mittels gibt es keine Altersbeschränkung. Die Art der Beschwerden, die mit diesem Mittel behandelt werden, sorgen aber dafür, dass es vor allem bei Erwachsenen eingesetzt wird.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Brennen beim Wasserlassen. Es muss stark gepresst werden, damit Urin fließen kann.
  • Wasseransammlungen (Ödeme)
  • Gereizte und vergrößerte Prostata
  • Schmerzhafter Tumor der weiblichen Brust oder der Brustdrüsen
  • Trübung der Augenlinse mit Veränderung der Sehfähigkeit (Grauer Star)[2]

Verbesserung: Zahnschmerzen werden durch kaltes Wasser verringert.[2] Für andere Beschwerden sind keine Modalitäten bekannt.

Verschlechterung: Feuchtes Wetter und Sitzen auf kaltem Steinboden.[3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Mittel wird bisweilen bei chronischem Alkoholismus eingesetzt, um das Verlangen nach Alkohol zu verringern, wenn die Symptomenlage eine Verordnung begründet.[3]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Chimaphila umbellata kann unter Umständen beim Auftreten eines Grauen Stars (Katarakt) unterstützend eingenommen werden. Bei dieser Erkrankung trübt sich die Augenlinse und die Betroffenen sehen einen Hof, wenn sie in eine Lichtquelle blicken. Bei denjenigen, für die dieses Mittel geeignet ist, kommen oft noch ein Jucken der Augenlider sowie ein bohrender Schmerz im tränenden linken Auge hinzu. Bei Verdacht auf Grauen Star sollte schnellstmöglich ein Augenarzt aufgesucht werden. Zahnschmerzen verschlechtern sich beim Chimaphila umbellata-Patienten nach dem Essen und nach körperlicher Anstrengung. Der Zahnschmerz fühlt sich an, als ob vorsichtig am Zahn gezogen wird.[2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Chimaphila umbellata-Patienten spüren einen Harndrang, können aber meistens nur wenig Urin ausscheiden. Dieser ist trüb, stinkt und enthält fadenziehenden oder blutigen Schleim. Das Wasserlassen brennt zumeist stark und ist überhaupt nur durch kräftiges Pressen möglich. Bei Männern kann Flüssigkeit aus der Harnröhre austreten. Ursächlich dafür können zum Beispiel eine Blasenentzündung oder eine Entzündung der Prostata sein. Auffällig ist außerdem, dass Männer oft nur dann urinieren können, wenn die Füße weit auseinander stehen und der Körper nach vorne gebeugt wird.[4]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Männern, für die Chimaphila umbellata das geeignete Mittel ist, lässt sich häufig eine Vergrößerung der Prostata feststellen. Ein Hinweis darauf könnte sein, dass der Mann, wenn er sich hinsetzt, das Gefühl hat, auf einem Ball zu sitzen.Frauen können möglicherweise von diesem Mittel profitieren, wenn sie unter entzündeten Schamlippen leiden und Schmerzen in der Vagina haben. Beides wird häufig von Hitzewallungen begleitet. Linderung kann das Mittel unter Umständen auch bei schmerzhaften Brust- oder Brustdrüsen-Tumoren bringen. Diese kommen zumeist in Verbindung mit einer starken Milchbildung und einem Abbau des Brustgewebes vor, die Brust wird also kleiner und schlaffer.[4] Bei Verdacht auf eine solche Erkrankung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wasseransammlungen (Ödeme) im Körper, zum Beispiel an den Beinen oder den Händen, können unter Umständen auf die Gabe von Chimaphila umbellata ansprechen.[8]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Cantharis

Cantharis vesicatoria ist ein Insekt aus der Familie der Ölkäfer, das auch als Spanische Fliege bezeichnet wird und im Mittelmeerraum vorkommt. Das Sekret, das der Käfer absondert, ist giftig. In der Homöopathie macht man sich die haut- und harnwegsreizenden Eigenschaften dieses Giftes zu nutze. Cantharis wird bei brennenden Ausschlägen, Sonnenbrand oder Verbrennungen eingenommen. Es ist außerdem ein Mittel gegen Entzündungen von Blase, Harnleiter und Nieren. Bei Cantharis-Patienten bessern sich die Beschwerden durch Wärme und Reibung. Eine Verschlechterung spüren sie bei Berührung, Wasserlassen oder der Aufnahme von kalten Getränken. Cantharis-Patienten empfinden die meisten Schmerzen als brennend, auch das Wasserlassen.[6] Auch wenn der Harndrang stark ist, kommen meist nur wenige Tropfen. Der Urin kann blutig sein.[9]

Apis mellefica

Apis mellefica, die Honigbiene, wird unter gewissen Voraussetzungen bei hellen Rötungen, Schwellungen und brennenden Schmerzen eingenommen. Kälte, frische Luft und Bewegung verringern die Beschwerden. Besonders stark sind sie bei Wärme, Berührung und am späten Nachmittag. Im Vergleich zu Chimaphila umbellata ist die Wirkung bei Blasenentzündungen hervorzuheben. Die Apis-Patienten verspüren häufigen Harndrang, haben aber oft das Gefühl, die Harnröhre nicht komplett leeren zu können. Beim Wasserlassen brennt es in der Harnröhre.[10]

Dulcamara

Hergestellt aus dem Bittersüßen Nachtschatten, wird dieses homöopathische Mittel vor allem bei Erkrankungen eingesetzt, die durch feuchtes, kaltes Wetter oder nasse Kleidung entstanden sind. Es wird also beispielsweise bei Erkältungen oder Blasenentzündungen eingenommen. Die Beschwerden verstärken sich bei feucht-kaltem Wetter und bessern sich bei Wärme und Bewegung.[11] Urinieren wird bei den Dulcamara-Patienten oft von schmerzhaften Krämpfen begleitet, die einige Minuten andauern können. Im Allgemeinen verspüren sie einen schmerzhaften Druck in Blase und Harnröhre. Es fließen fast immer nur wenige Tropfen Urin. Dieser ist zumeist trüb und stinkt, kann aber auch Blut enthalten oder milchig sein. Es kann auch vorkommen, dass unwillkürlich Harn abgeht.[12]

Uva ursi

Das homöopathische Mittel Uva ursi wird aus der Bärentraube, einem Heidekrautgewächs, hergestellt, das in Europa und Amerika heimisch ist. Genau wie Chimaphila umbellata wird auch dieses Mittel vor allem bei Harnwegssymptomen empfohlen. Im Vordergrund steht hier die Blasenentzündung mit blutigem Urin. Auch die chronische Blasenreizung mit Schmerzen und Krämpfen kann auf dieses Mittel ansprechen. Die Patienten müssen häufig zur Toilette, der Harndrang ist mit einem starken Zusammenziehen der Blase, Brennen und reißenden Schmerzen verbunden. Der Urin kann Blut, Eiter und viel zähen Schleim enthalten. Während der Chimaphila umbellata-Kranke stark pressen muss, um Wasser zu lassen, kommt es beim Uva ursi-Patienten oft zu unabsichtlichem Harnabgang.[5]

Hintergrundinformationen

Das doldige Wintergrün blüht von Ende Juni bis Anfang August in rosa. Wie alle Wintergrüngewächse lebt es in einer Symbiose mit einem Wurzelpilz, der die Pflanze mit Wasser und Mineralsalzen versorgt und im Gegenzug Kohlenhydrate erhält. Das doldige Wintergrün bevorzugt trockene, nährstoffarme Sandböden.[1]