Globuli von C bis C

Cantharis Globuli

© PantherMedia / Rodolphe Dellsperger

Das homöopathische Mittel Cantharsis wird aus dem zermahlenen Körper der sogenannten Spanischen Fliege (Lytta vesicatoria) hergestellt, die zur Familie derMeloidea (Öl- oder Blasenkäfer) zählt und somit eigentlich ein Käfer ist.[1]

In dem vom Käfer produzierten Wehrsekret ist der Wirkstoff Cantharidin enthalten. Cantharidin ist in seiner Wirkung schon seit dem Altertum bekannt. Auf die Haut aufgebrachtes Cantharidin führt zu einer großflächigen, sehr schmerzhaften Blasenbildung der Haut, die einer Brandblase ähnlich ist. Innerlich angewendet oder lokal als Verdünnung zum Einreiben, soll Cantharidin die Erektionsfähigkeit steigern.[2]

Das homöopathische Mittel Cantharis findet seine häufigste Anwendung bei Verbrennungen 1. und 2. Grades, bei Sonnenbränden und bei Sonnenallergien. Des weiteren findet es Anwendung in der Behandlung von akuten Blasenentzündungen (Zystitis) sowie Entzündungen des Harnleiters, der Harnröhre und der Nierenbecken. Das typisch Leitsymptom für eine Therapie mit Cantharis ist der brennende Schmerz mit akuten Entzündungszeichen.

Eine Selbstbehandlung mit Cantharis ist uneingeschränkt möglich. Das Mittel ist ab einer Potenz von D6 bis D12 frei verkäuflich erhältlich. In Potenzen kleiner als D6 ist es aufgrund der Giftigkeit des Cantharidin verschreibungspflichtig und sollte nicht bei Kindern, Kleinkindern oder Säuglingen angewendet werden. In der Schwangerschaft und während der Stillzeit treten häufig vermehrt Blasenentzündungen auf. Stimmen die Beschwerden mit dem Beschwerdebild der Cantharis überein, ist eine Verwendung in der gesamten Schwangerschaft sowie in der Stillzeit möglich.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Cantharis ist ein Mittel zur Behandlung von plötzlich auftretenden, schweren Entzündungen, besonders im Bereich des Harntrakts, akuten Verbrennungen (1. und 2 Grades) sowie Reaktionen auf Sonnenlicht (allergische Reaktionen oder Sonnenbrand).

Wo wirkt es?: Das Mittel wirkt am besten auf die Haut des gesamten Körpers und den Urogenitaltrakt, also den Bereich des Nierenbeckens, des Harnleiters, der Harnblase und der Harnröhre.

In welchem Alter?: Cantharis kann in jedem Lebensalter angewendet werden, auch in der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Behandlung mit den frei verkäuflichen Potenzen gut möglich.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Hauptbeschwerden, die eine Behandlung mit dem Mittel Cantharis nahelegen, sind Beschwerden mit Entzündungszeichen und brennendem Schmerzcharakter. Die Hauptangriffspunkte des Mittel Cantharis sind der Urogenitaltrakt (als Mittel bei akuten Entzündungen) und die Haut (als Mittel bei Verbrennungen).

Die Heftigkeit und das plötzliche Auftreten der Beschwerden spiegeln sich auch im Charakter des Patienten wieder: Häufig sind Cantharis sensible Menschen, sehr leidenschaftlich, aufbrausend, mit großem Kampfgeist und haben einen starken Sinn für Erotik. In Auseinandersetzungen können sie schnell handgreiflich werden. Sie neigen zu Ungeduld und Unberechenbarkeit.[4]

Verbesserung: Im Allgemeinen werden die Beschwerden von Cantharis-sensiblen Menschen durch Reiben der betroffenen Stelle, durch ruhiges Liegen auf dem Rücken und durch kalte Anwendungen gebessert.

Verschlechterung: Deutlich verschlechtert werden die Beschwerden durch Hitze, während des Wasserlassens, durch Berührung, beim Trinken, und nachts.[1]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Cantharis-sensible Menschen sind ruhelos, nervös und reizbar. Sie neigen zu heftigen Wutausbrüchen und ängstlicher Ruhelosigkeit. Sie lehnen in Phasen mit akuten psychischen Symptomen Berührungen und Annäherungen ab, sie ekeln sich vor Essen und Trinken oder Rauchen. Sie fürchten sich in diesen Phasen vor Wasser, spiegelnden Flächen und glänzenden Gegenständen. Ein Leitsymptom ist das große sexuelle Verlangen. Die Stimmung der Betroffenen wechselt zwischen Fröhlichkeit und Traurigkeit. Die Beschwerden bessern sich deutlich durch ruhiges Liegen auf dem Rücken und durch kalte Anwendungen, wie kalten Kompressen auf der Stirn des Patienten. Die Symptome verschlechtern sich nachts und bei Berührung des Patienten.[1]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Leitsymptom zur Behandlung mit Cantharis ist ein brennender Schmerz, der an verschiedenen Stellen des Verdauungstraktes auftritt. Die Patienten leiden unter brennendem Durst, ekeln sich jedoch vor Wasser und Trinken, in manchen Fällen berichten die Patienten sogar von körperlichen Beschwerden beim Anblick von Wasser. Begleitend zum Hauptsymptom treten ein Brechdurchfall sowie Krämpfe auf, die die Patienten in eine gekrümmte Haltung zwingen. Es besteht eine schmerzhafte Magenentzündung sowie brennende Schmerzen am Anus beim Stuhlgang. Häufig tritt ein grünlicher oder blutiger Schleim zusammen mit Durchfall auf.

Eine Besserung der Symptome wird durch ruhiges Liegen auf dem Rücken erreicht. Auch eine sanfte Massage des Bauches mit Streichbewegungen kann zur Besserung der Symptome beitragen. Die Symptome verschlechtern sich nachts und durch Hitze und scharfes Essen.[5]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Hauptbeschwerde, die eine Behandlung mit Cantharis anzeigt, ist einbrennender Schmerz während des Wasserlassens und danach. Trotz eines ständigen Harndrangs geht der Urin nur tröpfchenweise ab und verursacht dabei starke Schmerzen. Die Patienten leiden unter Blasenkrämpfen und anderen brennenden und schneidenden Schmerzen im gesamten Bereich der Harnwege und Nieren. Der Urin kann blutig verfärbt sein. Als Begleitbeschwerden treten auf: Fieberschübe (besonders am Abend und nachts) und ein allgemeinen Krankheitsgefühl. Die Erkrankung beginnt meist plötzlich und sollte unverzüglich behandelt werden.

Cantharis ist das am häufigsten gebrauchte Mittel bei Blasenentzündungen. Es ist möglich, das Mittel auch als Anfangsmittel bei weniger starken Beschwerden zu nutzen, wenn der Schmerzcharakter übereinstimmt und es sich um ein wiederholt auftretendes Symptom handelt.

Die Beschwerden der Betroffenen werden durch kalte Anwendungen gelindert, im besonderen durch kalte Sitzbäder und kaltes Abbrausen der Genitals und des unteren Rückens.

Zunehmende Beschwerden zeigen sich durch Wärme und am Abend (insbesondere Fieber).[5][6]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Leitsymptom zur Verwendung von Cantharis bei Beschwerden der Geschlechtsorgane ist ein großes sexuelles Verlangen mit Ekzemen (Hautausschlag) an Hodensack und Schamlippen. Die männlich Patienten leiden begleitend dazu an schmerzhaften Erektionen, die weiblichen Patienten unter einer verfrühten Regelblutung mit dunklem bis schwarz-verfärbtem Blut.

Eine Anwendung von Cantharis als Mittel zur Potenzsteigerung ist nicht mehr zeitgemäß. Die durch Cantharis hervorgerufenen Erektionen sind häufig schmerzhaft für den Patienten und bergen das Risiko der Überdosierung der Mittels.[5]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der hauptsächliche Verwendungszweck des homöopathischen Mittels Cantharis ist die Verbrennung. Auch Sonnenbrände, Gürtelrosen und Sonnenallergienwerden mit diesem Mittel behandelt. Allen Beschwerden gemeinsam ist das Aussehen der sich bildenden Blasen: Sie sind großflächige, helle Blasen die in den meisten Fällen zusammenfließen.

Begleitend dazu tritt immer ein stark brennender Schmerz auf.

Das Mittel kann bei einer akuten Verbrennung ersten oder zweiten Gradesnoch vor der Blasenbildung genommen werden (wenn möglich), um die volle Entwicklung der Symptome zu unterbinden und so die Heilung zu beschleunigen.

Auch bei nicht giftigen Bissen von Ameisen oder Spinnen kann das Mittel zur Therapieunterstützung angewandt werden, hierbei zeigt sich das Areal um den Biss herum häufig gerötet, mit vergleichsweise kleinen Blasen und brennendem Schmerz.

Die Windeldermatitis von Babys und Kleinkindern ist ein weiteres Feld der Anwendung von Cantharis. Zeigen sich hierbei die Ausschläge rot, heiß und extrem berührungsempfindlich, kann eine Therapie mit Cantharis hilfreich sein. Da Kind ist sehr unruhig und dadurch nachts am Schlafen gehindert. Der Windelausschlag wird deutlich schlimmer durch Kontakt mit Urin, häufig zeigt sich außerdem zeitgleich eine Blasenentzündung (Zystitis) des Kindes.

Alle Beschwerdebilder werden durch Kühlung der betroffenen Fläche gelindert. Der Betroffenen sollte außerdem Ruhen.[7][8]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Es gibt zu jedem homöopathischen Mittel Ergänzungsmittel, Folgemittel, gegensinnig wirksame Mittel und unverträgliche Kombinationen. Ergänzungsmittel zur Behandlung mit Cantharis sind Apis, Camphora, Sepia und Oleum terebinthinae. Diese Mittel unterstützen die Wirkung von Cantharis und können eine größere Ähnlichkeit der Medikation zum Beschwerdebild erzeugen. Als Folgemittel kommen Belladonna, Mercurius solubilis, Posphor und Pulsatilla in Betracht. Diese Mittel können nach der Behandlung mit Cantharis angewendet werden, um den Behandlungserfolg zu vertiefen. Gegensinnig wirksame Mittel (und damit die Wirkung von Cantharis aufhebend) sind Aconitum, Kalium nitricum, Laurocerasus und Rheum. Diese Mittel sollten nicht gleichzeitig mit Cantharis angewendet werden, da die Therapie durch sie unwirksam wird.

Unverträglich mit der Einnahme von Cantharis ist Coffea.

Als Alternativen zur Verwendung von Cantharis kommen in Frage:

Apis mellifica

Apis wird ebenso wie Cantharis bei Insektenstichen angewandt, die mit brennenden und stechenden Schmerzen einhergehen. Ebenso wie Cantharis ist es ein tierisches Mittel und ein Gift, das Gift der Honigbiene. Dem entsprechend zeigen auch Apis-sensible Menschen eine gelebte Sinnlichkeit und einen aufbrausenden, kämpferischen Charakter, mit einem Hang zur körperlichen Gewalt und Dominanz. Der Apis-Typ greift aber (unähnlich dem Cantharis-Typ) auch zu seelischer und emotionaler Manipulation einer Situation oder eines Menschen, das Erzeugen von „vergifteter Stimmung“ (im Sinne von gereizter Stimmung und zwischenmenschlichen Problemen) gehört auch zu seinen Mitteln im Kampf um Dominanz. Der Cantharis-Typ tut dies nicht, er sucht eher die körperliche Auseinandersetzung.

Arsenicum album

Arsenicum album ist ebenso wie Cantharis in seiner Urform ein sehr potentes Gift. Arsenicum-Beschwerden entwickeln auch einen brennenden Schmerzcharakter. Da es jedoch eine mineralische Arznei ist, unterscheiden sich die Charakterbilder im Gesunden ansonsten sehr. Dem Arsenicum-Typ fehlt das kämpferisch-aufbrausende und körperliche Gewalt wird von ihm strikt abgelehnt.

Erst in den Auswirkungen auf das Gemüt in schweren Krankheitsfällen (wenn also der Charakter des Giftes wieder stärker betont wird), werden sich die Mittel wieder sehr ähnlich: Beide entwickeln Angstbeschwerden, die bis zu Halluzinationen führen, und Berührungen werden vom Betroffenen nicht mehr toleriert.[8][9][10][11]

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Mittel Cantharis wird aus dem zermahlenen, vollständigen Körper der Spanischen Fliege (Lytta vesicatoria) gewonnen.

Die sogenannte Spanische Fliege ist ein Insekt aus der Familie der Ölkäfer (Meoidae). Dieser Käfer ist in Südeuropa und dem nordafrikanischen Mittelmeerraum beheimatet. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Körperlänge zwischen 9 und 21 mm, sie besitzen einen metallisch-grünen Leib.

Bei drohender Gefahr sondern die Männchen der Spanischen Fliege aus verschiedenen Körperöffnungen ein übelriechendes Sekret ab, das die menschliche Haut bis zur Blasenbildung reizen kann. Eine Aufnahme über den Mund und die Verdauungsorgane führt zu Entzündungen und Nierenschäden.

Dieses Sekret enthält Cantharidin, ein Monoterpen, das als Gift wirkt. Die Wirkungsweise des Cantharidin beruht auf der Blockade eines bestimmten Proteins in der Körperzelle. Dieses Protein gibt Signale für den Zusammenbau der Einzelteile neuer Körperzellen. Wird es blockiert, kann ein korrekter Aufbau der Zellwand nicht mehr stattfinden und geschädigte Zellwände nicht mehr repariert werden. Es kommt dann zu einem Ablösen der einzelnen Hautschichten voneinander, in den Zwischenraum fließt Lymphflüssigkeit und es entstehen große, flüssigkeitsgefüllte, sehr schmerzhafte Blasen.

Diese Wirkung des Käfersekrets war bereits im antiken Griechenland bekannt. Hier wurde das Gift der sogenannten „Blasenkäfer“ zur Vollstreckung von Todesurteilen eingesetzt. Darüber hinaus fand es als äußerliche Einreibung zur Behandlung von unliebsamen Tätowierungen Verwendung. In der inneren Anwendung galten die zu Pulver zerstoßenen Körper der Spanischen Fliege als wirksames Mittel bei Harnwegserkrankungen und waren als bekanntes, aber auf Grund der Nebenwirkungen unberechenbares, Aphrodisiakum weit verbreitet. Über Livia Drusilla, die Frau des späteren römischen Kaisers Augustus, wird berichtet, dass sie die Droge dem Essen der anderen Mitglieder der kaiserlichen Familie beimischte, um sie zu sexuellen Ausschweifungen zu animieren, die dann später gegen diese verwendet werden konnten.

Heute findet Catharidin in der Schulmedizin nur noch Anwendung bei der Entfernung von Warzen, in Form eines transdermalen Pflasters (Catharidenpflaster). Es sollte jedoch nur nach Absprache mit einem Arzt angewendet werden, da die Gefahr der Überdosierung besteht.

Aufgrund der stark reizenden Wirkung auf die Haut, wird Cantharidin in der Pharmakologie experimentell beim Hautblasenversuch (Cantharidin-Test) verwendet. Dabei wird durch Cantharidin eine Hautblase hervorgerufen, in deren Flüssigkeit die Konzentration von Arzneistoffen gemessen werden kann. [2][12]