Globuli von C bis C

Causticum Hahnemanni Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Das homöopathische Mittel Causticum Hahnemannii ist nach seinem Entwickler, dem Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, benannt. Es besteht aus frisch gebranntem Kalk, der mit Kaliumdihydrogensulfat verarbeitet wird und stellt somit eine chemische Verbindung mit ätzender Wirkung dar. Es wird sowohl bei akuten als auch konstitutionellen Beschwerden eingesetzt. Bei Menschen, deren körperlichen oder emotionalen Beschwerden sich in Richtung einer langsam fortschreitenden Verhärtung, Austrocknung oder Lähmung bewegen, sollte eine Anwendung mit Causticum in Erwägung gezogen werden. Auf körperlicher Ebene zielt das Mittel auf Nerven, Schleimhäute, Muskeln und Gelenke. Auf emotionaler Ebene liegt der Schwerpunkt bei Kummer und Leid, Mitleid und Gerechtigkeitsempfinden. Den Causticum-Patienten beschäftigen Lebensthemen wie mangelnde Abgrenzung, Aufopferung für andere, übertriebenes Pflichtgefühl und Aufbegehren gegen Ungerechtigkeiten. Er kann emotional so involviert sein, dass Narben zurück bleiben. Sinnbildlich zeigt sich das Wesen dieses Mittels hier auch in Bezug zu Verbrennungen und Verätzungen: Bei frischen und auch älteren, nicht heilenden Brandverletzungen mit einem Rohheit- und Wundheitsgefühl kann Causticum angewendet werden.[3][4]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Bei Causticum handelt es sich um eine stark ätzende chemische Verbindung, die daher nur in geringen Mengen gegeben werden sollte. Außerdem sollte die Symptomatik vor einer Verordnung des Mittels genauestens geprüft werden. Aufgrund des Beschwerdenbildes sollte Causticum als langsam wirkendes Mittel verabreicht werden.

Causticum- Patienten sind sensible und mitfühlende Menschen, die ein starker Gerechtigkeitssinn auszeichnet. Sie leiden stark unter ihren Emotionen und werden von ihnen physisch und psychisch buchstäblich gelähmt. Causticum kann hier als Nervenmittel einen Einfluss auf den Bewegungsapparat, den Rachenbereich und die Blasenfunktion haben. Die scheinbar paradoxen Befindlichkeiten von Causticum-Menschen lassen sich durch ihr melancholisches und depressives Wesen erklären. Sie haben einen großen Hang zu Perfektionismus und dem Wunsch, alles richtig zu machen, was zu vielen neu angefangenen Aktivitäten führt. Häufig werden diese aber nicht zuende geführt und es kommt im übertragenden Sinne zu Blockaden. Auch körperlich können Blockaden auftreten, beispielsweise tritt Stottern auf, die Blase oder der Darm können schlecht kontrolliert, die Augen nicht offen gehalten werden und die Patienten leiden häufig unter festsitzendem Schleim oder trockenem Husten.[1]

Causticum- Patienten sind häufig schlank und haben eine dunkle Haarfarbe, dies ist aber kein zwingendes Kriterium.

Causticum Hahnemanni wird vor allem dann eingesetzt, wenn andere Medikamente, auch solche aus dem schulmedizinischem Bereich, keine Wirkung zeigen.

Indikationen für eine Einnahme von Causticum sind unter anderem muskuläre Schwäche mit zunehmendem Kontrollverlust über die Muskulatur, Lähmung einzelner Organe oder Körperbezirke (vor allem die rechte Seite), lokale Lähmung (Paralysen) der Stimmbänder, Schluckmuskeln und der Zunge. Des Weiteren auch bei einer Ptosis (Herabhängen des Augenlides), rheumatische oder arthritische Zustände, mit Kontraktionen der Sehnen und Deformierung der Gelenke. Außerdem wird das Mittel besonders dann eingesetzt, wenn es unter diesen Symptomen zu brennenden Schmerzen und einem Gefühl von Wundsein kommt.[2]

Wo wirkt es?: Causticum wirkt vor allem auf das Nervengewebe, auf willkürliche und unwillkürliche Muskulatur und auf Bindegewebe. Weitere Angriffspunkte sind die Atmungsorgane, die Gelenke und die Haut. Außerdem unterstützt Causticum das Abheilen ätzender, sich nur langsam schließender Wunden. Zunächst wirkt es nur gegen den damit einhergehenden Schmerz, später führt es aber ebenfalls zu einer Neubildung der Haut und verhindert Narbenbildung. Da Causticum selbst ätzende Eigenschaften besitzt, entspricht diese Wirkung dem Ähnlichkeitsprinzip nach Hahnemann.[1][2]

In welchem Alter?: Causticum kann prinzipiell in jedem Lebensalter gegeben werden. Auch bei Kindern, die beispielsweise unter Stottern leiden, beim kleinsten Verdruss weinen und spät sprechen lernen, kann es unter Umständen verabreicht werden. In der späten Schwangerschaft kann es bei unwillkürlich abgehendem Urin und Blasenschwäche hilfreich sein.

Sogar Säuglingen wird das Präparat gegeben, wenn sie zum Beispiel während er Geburt eine Schlüsselbein- oder Schulterverletzung erlitten haben.

Im hohen Alter ist Causticum bei Beschwerden wie Arthrose und Gicht angezeigt.[1][2]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, bei denen die Gabe von Causticum angebracht ist, sind meist vom Auftreten einer Reihe paradoxer Symptome gezeichnet. Beispielsweise kann es zu Inkontinenz kommen, gegensätzlich aber auch zu Harnverhalt. Sie leiden häufig unter langsam fortschreitenden Lähmungen, besonders der rechten Seite. Dagegen können auch Warzen und weitere Hautbeschwerden auftreten, weiterhin kognitive Einschränkungen wie Konzentrations- und Gedächtnisschwäche sowie Zwangshandlungen.[2] Folgende Leitsymptome können benannt werden:

  • Der Patient ist häufig von einer Reihe an Gelenkproblemen betroffen, dazu gehören chronische Gelenksentzündungen (Arthritis), Gelenkschmerzen, Kontrakturen (Verkürzungen der Sehnen und Bänder), Gicht (Arthritis urica) und Gelenkverschleiß (Arthrose). Rheumatismus kann mit sich versteifenden, verkrümmten Gliedmaßen und reißenden, ziehenden Schmerzen auftreten. Die unter diesen Erkrankungen auftretenden Schmerzen verschlimmern sich bei kalter Luft und trockenem Wetter.
  • Der Patient leidet an einer Reihe von Symptomen, die durch Blockaden ausgelöst werden. Dazu können Asthma, Blasenentleerungsstörungen (Blasenatonie) und Harnverhalt, Lähmungen, Krämpfe (Spasmen) und Verstopfung (Obstipation) gezählt werden.
  • Der Patient leidet unter Heiserkeit, die am schlimmsten morgens ist und mit einem wunden, trockenem Kratzen im Hals einhergeht. Er hat das ständige Bedürfnis sich zu räuspern und einen sogenannten Kitzelhusten. Es ist ihm nicht möglich, laut zu sprechen. Häufig ist die chronische Heiserkeit Folge einer akuten Kehlkopfentzündung.
  • Der Patient klagt über unwillkürlichem Harnabgang beim Husten, Niesen oder infolge von Kummer und Aufregung. Häufig ist die Blasenschwäche Folge einer Geburt oder Operation. Es kommt zu Blasenentzündungen, häufigem Harndrang mit Harnträufeln und einem Brennen in der Harnröhre.
  • Bei Kindern kommt es zu Einnässen im Schlaf.
  • Zum Kopf hochziehende Nackenschmerzen können ebenfalls bei dem Patienten auftreten, hierbei kommt es zu einer Steifigkeit des Halses und zwischen den Schultern, der Kopf kann kaum bewegt werden. Diese Symptomatik bessert sich bei feuchtem Wetter.
  • Der Patient hat gezackte oder gestielte Warzen, die meist schon lange bestehen und hart und hornig sind. Durch mechanische Reizung fangen sie an zu bluten, entzünden sich, eitern. Außerdem sind sie schmerzhaft und berührungsempfindlich.[2][3]

Verbesserung: Der Zustand des Causticum- Patienten bessert sich deutlich bei Wärme, durch kalte Getränke, und durch feuchtes und nasses Wetter.

Verschlechterung: Die Verschlechterung des Causticum- Patienten tritt durch kalte Luft, trockenes und kaltes Wetter, durch Durchnässung und Zugluft ein.[2][3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, denen Causticum verschrieben wird, sind empfindsame und äußerst mitfühlende Patienten. Sie können andere nur schlecht leiden sehen. Ungerechtigkeit wird nicht geduldet, weder gegen sich selbst noch gegen andere. Er hat ein stark ausgebildetes Gerechtigkeitsempfinden, was sich zu religiösem Fanatismus, anarchistischer oder idealistischer Haltung entwickeln kann. Causticum-Patienten sind häufig „Weltverbesserer“.

Sie klagen unter Kummer, hoffnungsloser Traurigkeit durch Sorgen, Kummer und Leid. Sie haben Vorahnungen, dass sich etwas Schlimmes ereignen wird und weinen bei Kleinigkeiten.

Des Weiteren tritt Furcht vor der Dunkelheit und Alleinsein, besonders in der Nacht und Angst vor Hunden auf.

Weitere mentale Beschwerden sind Konzentrations- und Gedächtnisschwächen, das Gefühl, etwas vergessen zu haben sowie eventuell eine Neigung zu Zwangshandlungen. Causticum-Kinder weinen beim kleinsten Verdruss, sie lernen spät sprechen und stottern häufig. [2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Causticum kann bei Kopfschmerz und Epilepsien gegeben werden, dies sind aber keine typischen Indikationen. Hier gibt es unter Umständen passendere Mittel.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann zu einem Herabhängen des Augenlides (Ptosis) kommen. Manchmal sind auch weitere Augenmuskeln betroffen und der Causticum- Patient schielt. Häufig geschieht dies nach Kälteeinwirkung.

Weitere Hirnnerven können ebenfalls betroffen sein, beispielsweise tritt eine Faszialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs) oder eine Fazialisneuralgie (Schmerzen und Entzündung des Gesichtsnervs) auf.

Auf der Nase können sich Warzen ausbilden.

Der Patient beißt sich unter Umständen beim Kauen und Sprechen auf die Wange, es kommt zu Zarnfleischfisteln.

Das Kinn ist nach rechts gezogen, ein Schiefhals (Torticollis) stellt sich ein.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Causticum-Patient hat Schmerzen beim Husten hinter dem Brustbein.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient verspürt eine Abneigung gegen Süßigkeiten, dagegen aber ein Verlangen nach geräuchertem Fleisch und salzigen Dingen. Es kommt zu Verstopfung (Obstipation), der Stuhl geht leichter im Stehen ab. Es treten Magenschmerzen auf, die sich durch kalte Getränke bessern. Kinder zeigen das Symptom eines aufgetriebenen Bauchs.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kommt zu einem unwillkürlichen Urinabgang bei Anstrengung, Lachen, Husten und unter Erregung. Mütter klagen über Harnverhalt nach der Entbindung. Harnverhalt stellt sich ebenfalls ein nach gewaltsamer Unterdrückung des Harndrangs oder nach Operationen. In der Harnröhre stellt sich Gefühllosigkeit ein. Nächtliches Einnässen tritt bei Kindern auf, vor allem im ersten Schlaf.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Causticum- Patient leidet im Allgemeinen unter einem fehlendem sexuellen Interesse. Außerdem treten bei Frauen Dysmenorroen (schmerzhafte Monatsblutungen) auf.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In den Extremitäten kann es zu Muskelzucken, Spasmen, Konvulsionen und krampfartigen Schmerzen kommen. Arthritis der Hände und Finger stellt sich ein, außerdem Gicht und eine Verformung der Gelenke, Knochen und Sehnenkontrakturen. Rheumatische und andere Beschwerden treten ebenfalls auf, sie bessern sich unter Umständen durch warme Anwendungen. In den Muskeln des Unterarms und der Hand kommt es zu einer Unsicherheit und/oder einer Taubheit. Ein Gefühlsverlust in den Händen tritt auf. Somit ist Causticum eines der Hauptmittel bei Multipler Sklerose.

Weitere Symptome des Bewegungsapparates bei Causticum-Patienten sind Hüftschmerz beim Husten, Ruhelosigkeit der Beine nachts und im Bett, Ungeschicklichkeit der Beine und Stolpern beim Gehen. Kinder lernen spät laufen. Typisch für Causticum-Patienten ist ebenfalls das Karpaltunnelsyndrom, bei dem ein Nerv, der die Hand versorgt zwischen den Sehnen festklemmt und somit blockiert wird.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Causticum-Patienten zeigen häufig Warzen an den Fingern, nahe der Fingernägeln, auf den Augenlidern und auf der Nase. Auch Spalten und Furchen (Fissuren) und Risse (Rhagaden) an den Lippen, Augenwinkeln und der Nase. Bei Verbrennungen und Verbühungen ist Causticum ebenso indiziert, vor allem wenn Blasenbildung eintritt. Causticum-Patienten leiden häufig unter weiteren blasenbildenden Erkrankungen wie zum Beispiel der Blasensucht (Pemphigus vulgaris). Hautausschläge treten auf der Nasenspitze auf.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kommt beim Causticum-Patienten zu unruhigem Schlaf mit Aufschrecken und zu Schlaflosigkeit, die durch Mitgefühl und Sorge um andere und sich selbst bedingt ist.[2][3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Gelsemium

Gelsemium sempervirens ist eine in Nord- und Südamerika wachsende Schlingpflanze, die auf deutsch auch Falscher Jasmin genannt wird.Gelsemium hat eine ausgeprägte Wirkung auf das Nervensystem, ähnlich wie Causticum. Menschen, die unter einer Überempfindlichkeit gegenüber seelischen Erregungen wie zum Beispiel schlechten Nachrichten, Schreck, Prüfungen und ähnlichem leiden, kann mit diesem Heilmittel unter Umständen geholfen werden. Gelsemium wird ebenfalls wie Causticum bei Sensibilitätsstörungen der Extremitäten, Lähmungen und Krämpfen gegeben. Gelsemium-Patienten weisen häufig ebenfalls Blasenstörungen wie Lähmungen der Blase und unwillkürliche Harnabgänge auf. Wie auch Causticum entfaltet es seine Wirkung aber vor allem im Bereich des Geistes, des Gemüts und des Nervensystems.[2]

Phosphorus

Bei Phosphorus handelt es sich um ein Präparat aus der gelben Modifikation des elementaren Phosphors. Wie auch der Causticum- Patient verfügt der Phosphorus-Patient über ein großes Maß an Mitgefühl und setzt sich gerne schmerzhaften Erfahrungen aus. Er ist häufig durch zu große Aufgeschlossenheit für alles und jeden unkonzentriert und vergesslich, verliert leicht den Boden unter seinen Füßen. Das Gemüt ist meist ängstlich, erregbar, schreckhaft, furchtsam und empfindlich auf äußere Eindrücke. Es bestehen Angst vor der Zukunft, Furcht vor Gewitter und Verlangen nach Gesellschaft. Auf der körperlichen Ebene kann es wie bei Causticum zu Neuralgien wie der Trigeminusneuralgie sowie Blasenstörungen kommen. Wie auch bei dem Causticum-Menschen ist vieles durch ein Fehlen an Lebenswärme zu erklären.[2]

Rhus toxicodendron

Hierbei handelt es sich um den sogenannten Wurzelsumach. Diese Pflanze hat einen besonderen Bezug zum Bewegungsapparat und wirkt ähnlich wie Causticum bei rheumatischen Erkrankungen, Ruhelosigkeit der Beine im Bett, Lähmungen und Taubheitsgefühlen. Auf der Gemüts- und Körperebene ist Ruhelosigkeit typisch, wobei Bewegung bessert. Der Rhus Toxicodendron-Patient fühlt sich steif und blockiert, körperlich wie geistig. Er klagt über nächtliche Ängstlichkeit, Beschwerden infolge von Geldverlust oder Schreck und ist traurig. Es kann ebenfalls wie bei Causticum zu einer Schiefhals kommen, es bestehen ebenfalls ein verminderter Appetit und ein ruheloser, unruhiger Schlaf. Der Rhus Toxicodendron-Mensch fühlt sich ständig als seien seine Muskeln zu kurz und hat das Bedürfnis sich zu strecken. Bewegung und Anstrengung bessern die Beschwerden. Sie werden schlechter bei kaltem, feuchtem Wetter oder Wechsel von warmen zu kaltem, feuchten Wetter.[2]

Hintergrundinformationen

Samuel Hahnemann mischte einst gelöschten Marmorkalk mit dem sauren Kaliumsalz der Schwefelsäure und schuf damit eine absolute Neuheit im medizinischen Sektor. Das Mittel wurde nach ihm benannt: Causticum Hahnemannii. Eine Reihe chemischer Prozesse ist vonnöten, um an die beiden Ausgangsprodukte zu gelangen. Kalkstein wird zunächst bei einer Temperatur von mindestens 800 Grad Celsius das darin enthaltene Kohlendioxid entzogen. Bei diesem sogenannten Kalkbrennen entsteht Kalziumoxid, gebrannter Kalk. Dieser findet vor allem in der Bauindustrie Verwendung. Aus dem gebrannten Kalk wird durch das Versetzen mit Wasser gelöschter Kalk (Kalziumhydroxid). Dieser findet ebenfalls im Bauwesen Verwendung, des Weiteren auch bei der Herstellung verschiedener Laugen oder als Bestandteil von Narkotika. Wenn Schwefelsäure zur Hälfte mit Kalilauge vermischt und anschließend eingedampft wird, kristallisiert sie zu saurem Kaliumsalz (Kaliumhydrogensulfat). In Verbindung mit Kalk entsteht daraus Abflussreiniger. Hahnemann schuf nun also eine Verbindung aus Kalziumhydroxid und Kaliumhydrogensulfat, die er wegen seiner stark ätzenden Eigenschaften schätzte.[1]

Nichtsdestotrotz bestehen nur Vermutungen über die genaue Herstellung und wie sie Hahnemann vollzogen hat. Causticum ist zweifellos das umstrittenste Präparat der Materia medica(historischer Ausdruck der Lehre von Arzneimitteln). Über seine Inhaltsstoffe wurde viel spekuliert. Möglichst originalgetreue Nachvollziehungen von Hahnemanns Prozess ergaben, dass es sich wahrscheinlich um Kalilauge als geheimnisvollen Inhaltsstoff handelt. Dies stimmt auch mit Hahnemanns Beschreibung seines Causticums überein: „…riecht wie Aetz-Kalilauge und schmeckt … brennend…“

Nach dem homöopathischen Arzneibuch 2001 darf das Causticum Hahnemannii trotz seines Namens nicht die von Hahnemann beschriebenen Eigenschaften aufweisen: alkalisch reagierende Verunreinigungen, wie zum Beispiel die Kalilauge, dürfen nicht anwesend sein. Der Nachweis dessen wird durch eine Grenzwertprüfung vollzogen.[2]