Globuli von C bis C

Carbo animalis Globuli

© panthermedia.net / Vinod Kumar Pillai

Das homöopathische Arzneimittel Carbo animalis (Tierkohle) wird aus verkohlter Rinderhaut hergestellt.[1] Zur Zubereitung legte Hahnemann ein Stück Rindsleder zwischen glühende Kohlen, ließ es abbrennen und löschte die Glut, indem er es zwischen zwei Steinplatten presste.[5]

Wie bei allen Mitteln aus der Gruppe der Carbone sind faulige, stinkende Absonderungen ein Charakteristikum dieser Arznei. Carbo animalis wirkt insbesondere auf die Drüsengewebe, aber auch auf die Haut und die kleinen Blutgefäße.[2] Darüber hinaus können die Verhärtungen auch geschwürig werden und die Zellen können entarten, sodass sich ein Krebsgeschwür bilden kann. Bitte beachten: Die homöopathische Behandlung von Tumoren und Geschwüren kann nur begleitend zu einer schulmedizinischen Therapie erfolgen, daher sollte immer ein fachärztlicher Rat eingeholt werden

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung


Bei wem?:
Carbo animalis ist besonders angezeigt bei älteren Personen mit schlechter Durchblutung. Aufgrund dieser schlechten venösen Durchblutung können sich einzelne Hautstellen wie beispielsweise die Lippen, Wangen oder erkrankte Körperteile bläulich verfärben. Darüber hinaus kann das Mittel auch bei älteren Personen angewendet werden, die nach einer ernsthaften oder langwierigen Krankheit sehr geschwächt sind und die deshalb seither nicht wieder richtig auf die Beine gekommen sind. Oder wenn es nach großen Flüssigkeitsverlusten, beispielsweise durch starkes Schwitzen, nach heftigen Durchfällen oder Erbrechen zu Beschwerden gekommen ist, die seitdem andauern. Die Schwäche kann bei den betroffenen Patienten mit Herzklopfen, Angst und unregelmäßigem Pulseinhergehen.[4]

Wo wirkt es?: Ein Hauptangriffspunkt von Carbo animalis ist die Haut, und hier zeigen sich bei dieser Arznei viele Symptome wie Hautausschläge, Warzen, Verhärtungen usw. Daneben sind Drüsen und Lymphknoten oft angegriffen, es kommt zu Entzündungen und Verhärtungen, die oftmals sehr lange andauern. Besonders betroffen sind die Achsellymphknoten, aber auch die weiblichen Brustdrüsen.
Des Weiteren zeigen sich im Bereich der Verdauung bei Patienten, die Carbo animalis benötigen, häufig Beschwerden.

In welchem Alter?: Carbo animalis kann sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen eingesetzt werden, besonders aber ist es angezeigt bei älteren, durch langwierige Krankheiten sehr geschwächte Personen mit schlechter Durchblutung.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Beschwerden bei Carbo animalis sind gekennzeichnet durch einen langsamen Verlauf, sie entstehen schleichend und zeigen eine schlechte Heilungstendenz. Darin zeigt sich der insgesamt geschwächte Zustand des Patienten, mit seiner trägen Durchblutung und unheilsamem Gewebe. Ein vitaler Organismus kann Entzündungen rasch hervorbringen und auch schnell wieder zum Ausheilen bringen. Bei Carbo animalis-Patienten jedoch sind diese Vorgänge verlangsamt, die Entzündungen kommen nicht richtig heraus, die Durchblutung stockt, das umliegende Gewebe verhärtet sich und es bilden sich Geschwüre, aus denen ein stinkender, scharfer Eiter herausläuft. Die träge Durchblutung kann sich darüber hinaus auch in einer Erkältungsanfälligkeit zeigen, bei der es zu ständig wiederkehrenden Infektionen der Atemwege kommt.Folgende Leitsymptome sind für das Mittel zudem charakteristisch:

  • Bei Überanstrengung und Verheben kommt es zu einer übermäßigen Schwäche der Patienten, teilweise sind sie zu schwach um zu sprechen. Im Bereich der Gelenke kommt es zudem zu einem leichten Verrenken, wie z. B. an den Sprunggelenken.
  • Übelriechende, faulige, jauchige Absonderungen sind ein herausragendes Merkmal der Arznei. Der üble Geruch weist dabei auf die Zersetzung von Geweben hin, für die Carbo animalis ein wichtiges Mittel ist.
  • Eine weitere Eigenschaft der Ausscheidungen ist ihre Schärfe. Sie reizen die Haut, über die sie fließen, und machen sie wund.
  • Durch die verminderte Durchblutung und die Zersetzung von Geweben kommt es leicht zu Eiterungen, die überall auftreten können und die nur schwer ausheilen. Dabei hat der Eiter den charakteristischen fauligen Geruch.
  • Es besteht eine große Empfindlichkeit gegen kalte, trockene Luft, besonders gegen die Kälte im Winter. Auch frische Luft wird von Patienten, bei denen Carbo animalis angezeigt ist, schlecht vertragen.

Verbesserung: Die Symptome von Carbo animalis bessern sich im warmen Zimmer oder durch das Auflegen der Hand auf den betroffenen Körperteil, beispielsweise bei Kopf- oder Bauchschmerzen.

Verschlechterung: Dem Patienten, der Carbo animalis benötigt, geht es beim Essen schlechter. Außerdem treten Beschwerden nach dem Rasieren auf. Patientinnen, bei denen das Mittel angezeigt ist, haben Beschwerden während oder nach der Monatsblutung. Manche Symptome verschlimmern sich durch Berührung. Flüssigkeitsverluste wie Blutungen, starkes Schwitzen usw. können Beschwerden hervorrufen oder verstärken, danach kommt es oft zu der für Carbo animalis typischen Schwäche.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, die Carbo animalis benötigen, haben eine Abneigung gegen Gesellschaft, sie möchten lieber alleine sein und möchten sich mit niemandem unterhalten. Es kann zu Stimmungsschwankungen mit Wechsel von Übererregbarkeit und Traurigkeit kommen. Neben anderen Mitteln ist Carbo animalis auch bei Heimweh angezeigt, mit Weinerlichkeit und Verlassenheitsgefühl. Insgesamt sind Gemütsveränderungen bei Carbo animalis jedoch nicht im Zentrum des Krankheitsgeschehens, und meistens richtet sich die Verordnung nach den körperlichen Zeichen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Kopfschmerzen können bei Carbo animalis sehr heftig sein und sie gehen mit dem Gefühl einher als würde der Schädel sich spalten oder als würde der Kopf platzen, sodass der Patient sich den Kopf mit beiden Händen halten muss.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Oft ist das Gesicht des Carbo animalis-Patienten kupferartig verfärbt. Es kommt aber auch häufig zu bläulichen Verfärbungen, daneben auch zu Hautausschlägen oder einer Wundrose (Erysipel). Dabei handelt es sich um eine akute Entzündung durch Eintritt von Erregern über Verletzungen der Haut, die mit Fieber, Schüttelfrost und einer flammend roten Schwellung im betroffenen Bereich einhergeht.Die Lippen des Carbo animalis-Patienten haben eine bläuliche Farbe und sind rissig.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann ein Husten auftreten mit Erstickungsgefühl. Beim Husten hat der Patient dabei das Gefühl, als wäre das Gehirn im Kopf locker und würde herumschütteln. Der Husten bessert sich dabei im Liegen auf der rechten Seite.Herzklopfen tritt bei Carbo animalis-Patienten charakteristischerweise morgens beim Erwachen, aber auch beim Singen in der Kirche auf.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Verdauung ist bei Carbo animalis-Patienten insgesamt geschwächt, mit Aufstoßen, Sodbrennen oder Aufblähung des Bauches. Alles, was die Patienten zu sich nehmen, bereitet ihnen Unbehagen, und nach dem Essen fühlen sie sich völlig erschöpft. Teilweise besteht ein Schwäche- oder Leeregefühl im Magen, das aber durch Essen nicht gebessert wird. Vom Bauch aus kann sich ein Kältegefühl bis nach oben in den Hals ausbreiten.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Frauen, die das Mittel benötigen, zeigen sich typischerweise brennende Schmerzen in der Vagina. Teilweise kann sogar der gesamte Muttermund entzündet und bläulich verfärbt sein. Die Monatsblutung setzt häufig zu früh ein und dauert lange an, das Blut ist dunkel, klumpig und riecht faulig. Nach der Blutung sind die Frauen oft sehr erschöpft, sodass sie kaum sprechen oder etwas essen können. Es kann Weißfluss auftreten, der erschöpfend ist und die Wäsche gelb färbt. Außerdem kann sich die Erschöpfung auch bei stillenden Frauen zeigen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Neigung zur Bildung von Verhärtungen, die für diese Arznei charakteristisch ist, zeigt sich auch an der Haut. Nach Hautausschlägen, die meist sehr langwierig sind, können unschöne, harte Narben zurückbleiben. Die Narben können schmerzhaft sein und brechen teilweise wieder auf. Hier zeigt sich die schlechte Heilungstendenz des Mittels. Sogar nach Erfrierungen, wenn die Durchblutung vermindert ist und sich die Haut bläulich verfärbt, kann es zu diesen Verhärtungen kommen.Aufgrund dieser schlechten venösen Durchblutung können sich einzelne Hautstellen wie beispielsweise die Lippen, Wangen oder erkrankte Teile bläulich verfärben. Auch die Extremitäten können wegen der Durchblutungsstörung bläulich verfärbt sein. Auch die sogenannten Kupferfinnen (Rosacea), ein chronischer Ausschlag im Gesicht mit stellenweise auftretender Rötung, Abschuppung und Pustelbildung [3] fällt unter den Anwendungsbereich des Mittels.
Die Bildung von Warzen ist bei dem Mittel ebenfalls typisch, insbesondere zeigen sich die Warzen an den Händen und im Gesicht. Davon betroffen sind meist ältere Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Carbo animalis-Patienten sind eher kaltblütig und frieren schnell. Dennoch schwitzen sie auch leicht, schon bei der geringsten Anstrengung und sogar beim Essen brechen sie in Schweiß aus. Der Schweiß erschöpft sie und er hat den für das Mittel typischen fauligen Geruch. Außerdem färbt er die Wäsche gelb.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Carbo vegetabilis

Carbo animalis, die Tierkohle, ist eng verwandt mit anderen Arzneien der Kohlenstoffe (Carbone), insbesondere mit Carbo vegetabilis, einem Mittel, das aus Holzkohle hergestellt wird. Bei allen Kohlenstoffen finden sich die fauligen Absonderungen, sie haben einen Organbezug zur Haut und zu den Drüsen.[6]Auch bei Carbo vegetabilis kommt es aufgrund von Durchblutungsstörungen zu einer Blaufärbung der Haut. Der Patient ist eiskalt, kann schon fast leblos erscheinen, mit kaltem Atem, kaum tastbarem Puls, dennoch hat er einen heißen Kopf und er möchte ständig Luft zugefächelt bekommen.

Graphites

Ein weiteres Mittel aus der Gruppe der Kohlenstoffe, das Carbo animalis nahe steht, ist Graphites (Graphit oder auch Reißblei). Hier zeigt sich die Neigung zu Verhärtungen besonders an den Finger- und Fußnägeln. Die Nägel werden hart, dick, sind verformt und brechen ab oder wachsen ein. Die Verhärtung der Haut führt bei Graphites auch zu Einrissen, insbesondere am Übergangsbereich zwischen Haut und Schleimhaut, aber auch in Hautfalten, hinter den Ohren, an den Fingerspitzen oder am After. Aus den Rissen wird eine klebrige Flüssigkeit abgesondert. Ansonsten können die Absonderungen bei Graphites ebenfalls faulig und scharf sein, wie bei Carbo animalis. Verhärtung von Narbengewebe, Neigung zu Geschwürbildung und Wundrose sind weitere Gemeinsamkeiten dieser beiden Mittel.

Hintergrundinformationen

Beim Verkohlen organischer Substanzen bleibt zum überwiegenden Teil Kohlenstoff zurück, je nach Temperatur und Druck bei der Produktion über 95%. Daneben enthält die Kohle jedoch auch flüchtige Substanzen, entsprechend der Ausgangssubstanz und den Bedingungen, unter denen die Kohle hergestellt wurde. Dadurch variiert die Zusammensetzung des Endprodukts, sodass man nicht von einem „Kohlemolekül“ spricht, vielmehr handelt es sich um ein Gemisch unterschiedlicher Stoffe. Während die Holzkohle außer als Brennmaterial noch in verschiedenen anderen Bereichen angewendet wird, beispielsweise als Farbstoff in der Lebensmittelindustrie, als „medizinische Kohle“ gegen Durchfälle oder zum Färben von Kosmetika, findet die Tierkohle kaum mehr Verwendung.[7]

Unterschieden wird die Tierkohle in ihre verschiedenen Ausgangsmaterialien, wie Knochenkohle, Blutkohle, Fettkohle oder Lederkohle. Knochenkohle war früher lange Zeit Inhaltsstoff der bekannten Schuhwichse, ehe diese von der Schuhcreme abgelöst wurde. Sie wird aber teilweise noch in der medizinischen Kohle verwendet. Kohle, die aus Tierleder hergestellt wird, findet ihren Einsatz heutzutage nur noch am Rande in der Bearbeitung von Metallen. Bei einem Verfahren, das als Bunthärten bezeichnet wird, gibt die Lederkohle während des Härteprozesses verschiedene Gerbstoffe an das Metall ab, wodurch es nach dem Abkühlen zu schillernden Farbgebungen kommt. Das Bunthärten ist ein traditionelles Verfahren, das bereits im alten China beschrieben wurde. Heutzutage wird es vorwiegend in Familienbetrieben eingesetzt, insbesondere zur Herstellung von Waffen.
Obwohl Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, mit der Holzkohle (Carbo vegetabilis) bereits ein Kohleprodukt in seinen Arzneibestand aufgenommen hatte, fügte er nach eingehender Prüfung der Substanz an gesunden Personen noch die Tierkohle, nämlich Carbo animalis hinzu. In seinen Untersuchungen hatte er festgestellt, dass beide Mittel auf der einen Seite ähnliche Beschwerden im Organismus hervorrufen, andererseits aber deutliche Unterschiede aufweisen. Weshalb er die Tierhaut, nicht aber eine andere Ausgangssubstanz für die Zubereitung der homöopathischen Arznei Carbo animalis gewählt hat, ist nicht erwähnt. Tatsache ist jedoch, dass manche Hersteller homöopathischer Mittel versuchen, Tierhäute zu verwenden, die nach Verfahren gegerbt wurden, wie sie zu Zeiten Hahnemanns im 19. Jahrhundert angewendet wurden. Dadurch soll die Verlässlichkeit der Arzneiwirkung erhöht werden.