Globuli von C bis C

Castor equi Globuli

© panthermedia.net / Wilfried Martin

Das homöopathische Mittel Castor equi wird aus einem dunklen, hornigen Auswuchs hergestellt, der an der Innenseite der Sprunggelenke bei Pferden liegt. Dieser verkümmerte Ballen wird auch Kastanie genannt.

Das Mittel eignet sich zur Behandlung von Warzen und entzündeten Brustwarzen. Es wird aber auch bei chronischen Steißbeinschmerzen, andauernden Schmerzen im Schienbein und bei Fersensporn eingesetzt.[1]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Castor-Patienten fällt das Sitzen schwer, vor allem am Abend, sie bekommen davon Rücken- und Beinschmerzen. Sie klagen auch über brennende Schmerzen in und hinter den Ohren, im Gesicht und auf den Lippen. Ihre Finger- und Zehennägel sind spröde und reißen schnell.[3] Auf Stirn und Brust treten häufig Warzen auf. Die Brüste sind sehr empfindlich, teilweise auch geschwollen und jucken innerlich. Die Brustwarzen können, vor allem bei stillenden Frauen, wund und rissig sein.[2]

Wo wirkt es?: Castor equi wirkt auf rissige, verhornte Haut und kann in einigen Fällen Warzen verschwinden lassen. Es hat außerdem einen starken Bezug zur weiblichen Brust und ist möglicherweise bei wunden Brustwarzen, empfindlichen oder angeschwollenen Brüsten hilfreich. Hinzu kommt eine Wirkung auf Nägel und Knochen.[2]

In welchem Alter?: Eine Altersbeschränkung gibt es für dieses Mittel nicht. Es hat sich aber vor allem bei erwachsenen Frauen bewährt.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Rissige, wunde Brustwarzen bei stillenden Frauen. Berührungsempfindliche, stark juckende Brüste.
  • Spröde, brüchige Finger- und Fußnägel sowie aufgesprungene Hände.
  • Runde Warzen, vor allem auf Stirn und Brust.
  • Knochenschmerzen, vor allem im Schien- und Steißbein.
  • Knochenneubildung am Fuß mit Schmerzen beim Gehen (Fersensporn).

Verbesserung: Schmerzen in den Brüsten verringern sich durch Druck bzw. Festhalten.

Verschlechterung: Schmerzen im Bewegungsapparat verschlimmern sich am Abend und beim Sitzen, Schmerzen in den Brüsten bei Erschütterung, z.B. beim Treppensteigen.[1]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Castor equi kann möglicherweise bei prickelnden oder brennenden Schmerzen auf den Lippen und im Gesicht helfen. Es kann auch zur Rückbildung von rundlichen Warzen auf der Stirn beitragen.[3]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Mittel wird vor allem bei Beschwerden an der weiblichen Brust gegeben. Oft passt Castor equi gut zu stillenden Müttern. In den typischen Fällen sind die Brüste geschwollen und jucken innerlich. Die Brustwarzen sind rot, trocken und eingerissen.[3] Die Brüste sind so empfindlich, dass teilweise nicht einmal Kleidung darüber ertragen wird.[2] Vor allem das Treppensteigen löst große Schmerzen aus. Viele Patientinnen halten deshalb beim Treppensteigen die Brüste fest. Die Ursache für diese Beschwerden können unter anderem Bakterien oder ein Milchstau sein.[3]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, für die Castor equi das passende Mittel ist, haben bisweilen zusätzlich zu anderen Beschwerden auch wässrigen Durchfall. Sie produzieren nach dem Essen sehr viel Speichel und haben dann eine brennende Zunge.[3]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rheumatische Beschwerden am Bewegungsapparat beginnen meistens am Abend. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten zu sitzen, weil das Steißbein schmerzt. Die Unterarme schmerzen; zeitweise fühlen sich die Handgelenke an, als seien sie verstaucht. Brennende Schmerzen im Knie undSchmerzen im Schienbein und in beiden Fersen gehören ebenfalls zu den Symptomen von Castor equi. Hinzukommen kann ein Engegefühl am Großzeh, als ob ein Ring darüber gezogen wurde. Finger- und Fußnägel sind spröde und reißen häufig ein.[1]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hautausschläge und Ekzeme findet man vor allem an den Händen. Dort ist die Haut sehr trocken und rissig. Auf Stirn und Brust entstehen möglicherweise runde Warzen, die zum Teil nässen.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Eine Brustentzündung mit angeschwollenen, schmerzempfindlichen und zumeist heißen Brüsten wird häufig von Fieber begleitet.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, für die Castor equi geeignet ist, gehen in der Regel früh ins Bett und schlafen sehr unruhig. Sie träumen viel, strecken im Schlaf die Arme nach oben und knacken mit den Fingergelenken.[1]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Graphites

Das homöopathische Mittel Graphites wird aus Graphit, einer Form des Kohlenstoffs, hergestellt, die auch in der Metallindustrie oder als Bleistiftmine verwendet wird.[4]

Zu den typischen Beschwerden, die Castor equi möglicherweise lindern kann, gehört ein Brennen und Prickeln im Gesicht. Im Gegensatz dazu ist Graphites eher bei juckenden Pickeln im Gesicht und bei einem feuchten Ausschlag um den Mund herum angezeigt.

Auch an Graphites kann bei Schmerzen an der Brust gedacht werden. Hier sind die Brüste geschwollen und hart. Genau wie bei Castor equi sind die Brustwarzen wund und rissig, es können aber Bläschen an der Brust und eine Abneigung gegen Geschlechtsverkehr hinzukommen.

Während Castor-equi-Patienten Schmerzen am unteren Rücken haben, tritt der Schmerz bei Graphites-Kranken in der ganzen Wirbelsäule auf, vor allem aber im Nacken- und Schulterbereich.

Graphites besitzt ebenfalls einen engen Bezug zu brüchigen, spröden Fingernägeln, besonders wenn die Nägel zusätzlich dick und verformt sind.

Gut auf Graphites ansprechen können Menschen, deren Haut rau, hart und trocken ist, mit Ausschlägen und Pickeln. Die Ausschläge sind klebrig und treten vor allem in Armbeugen und Kniekehlen auf. Die Haut wirkt ungesund, und jede kleine Verletzung eitert. Graphites kommt als Arznei bei Psoriasis und Neurodermitis infrage.[5]

Belladonna

Das homöopathische Mittel Belladonna wird aus der giftigen schwarzen Tollkirsche hergestellt. Die deutsche Übersetzung heißt „schöne Frau“.

Erkrankt eine Frau an einer Brustentzündung (Mastitis), so wird sie von Belladonna am ehesten profitieren, wenn die Schmerzen in der Brust pulsierend sind, die Brüste hart erscheinen und sich schwer anfühlen. Sie sind gerötet und zeigen rötliche Streifen, die von der Brustwarze ausstrahlen. Die Beschwerden sind sehr heftig und werden häufig von Fieber begleitet.

Ähnlich wie der Castor-equi-Kranke hat auch der Belladonna-Patient Schmerzen im unteren Rücken. Hier treten die Beschwerden aber nicht am Steißbein, sondern etwas höher, im Lendenwirbelbereich auf und strahlen in die Hüfte oder bis in die Oberschenkel aus.

Hauterscheinungen sind beim Belladonna-Patienten meistens stecknadelkopfgroß und hellrot, die Haut entzündet sich und kann eitern.[6]

Phytolacca decandra

Dieses Mittel wird aus der Kermesbeere, die aus Südamerika stammt, hergestellt. Der Saft dieser Frucht wird zum Beispiel als Lebensmittelfarbe verwendet.Auch Phytolocca hat sich bei Brustentzündungen (Mastitis) als wirksames Mittel gezeigt. Es passt vor allem dann, wenn die Brust hart, schmerzhaft und purpurfarben ist. Es können sich mit Eiter gefüllte, kleine Hohlräume (Abszesse) an der Brust bilden. An den Brustwarzen findet man häufig Risse und kleine Geschwüre. Beim Stillen zieht der Schmerz von der Brustwarze aus in den ganzen Körper.

Rückenschmerzen laufen bei diesen Patienten die Wirbelsäule auf und ab und sind nicht, wie bei Castor equi, auf den unteren Rücken konzentriert. Vor allem morgens und bei feuchtem Wetter fühlt sich der Rücken steif an.

Auch Phytolacca-Patienten klagen über Schmerzen in den Fersen, vor allem beim Hochheben der Füße.

Die Haut dieser Menschen juckt, ist trocken, schrumpelig und blass. Die Hautausschläge sind schuppig. Phytolacca kann, ebenso wie Castor, unter Umständen von Warzen befreien.[7]

Hintergrundinformationen

Der Name dieses Mittels, Castor equi, bezieht sich vermutlich auf den Geruch des Ausgangsstoffs. Die Schuppen der Kastanie des Pferdes riechen ähnlich wie das in der Parfümindustrie verwendete Bibergeil, das auf Lateinisch und in der Homöopathie Castoreum heißt.[8] In der homöopathischen Anwendung besitzen die beiden Mittel jedoch keine nennenswerte Ähnlichkeit.