Globuli von C bis C

Cactus Globuli

© panthermedia.net / Antje Lindert-Rottke

Das homöopathische Einzelmittel Cactus wird aus den frischen jungen Stängeln und Blüten der „Königin der Nacht“ hergestellt. Die „Königin der Nacht“ wird botanisch auch als Selenicereus grandiflorus bezeichnet und ist eine Pflanze aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Sie wächst im Südosten der Vereinigten Staaten, in Mexiko und ind der Karibik. Das Einzelmittel Cactus wirkt besonders auf die Fasern der Ringmuskulatur im menschlichen Körper. Ringmuskeln sind dort ausgebildet, wo etwas zeitweise verschlossen werden muss (After, Mund, Augenlid, Harnblase, Iris). Aber auch auf den Herzmuskel (Myokard) hat Cactus einen großen Einfluss. Alle Symptome, die nach dem Einsatz von Cactus grandiflorus verlangen, zeigen sich häufig mit einem charakteristischen Einschnürungsgefühl. Sie kehren oftmals periodisch wieder oder stellen sich als krampfartige Schmerzen dar.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Die Hauptwirkung von Cactus bezieht sich auf Patienten mit Beschwerden des Herz-/Kreislauf-Systems. Außerdem findet sich ein ausgeprägter Wirkbereich auf Fasern der Ringmuskulatur. So kommt Cactus auch bei Patienten in Betracht, die Problematiken mit Magen(Gaster), Speiseröhre (Ösophagus) oder Harnblase (Vesica urinaria) aufweisen. Die Anwendung von Cactus lässt aufgrund der schwerwiegenden Herzsymptome einen Einsatz in der Selbstmedikation selten zu. Bei akuten Beschwerden sollte der Notarzt konsultiert werden, bei chronischen Beschwerden begleitend eine homöopathisch erfahrener Therapeuten.[2]

Wo wirkt es?: Das Mittel Cactus hat einen starken Bezug zum Herzen und kann eingesetzt werden, wenn Patienten von einem starken Zusammenschnürungsgefühl im Brustkorb sprechen. Es findet außerdem Einsatz bei beginnender Herzschwäche (Herzinsuffienz), sowie bei verschiedenen Einschnürungsgefühlen in Speiseröhre(Ösophagus), Magen, Blasenhals oder auch Gebärmutter (Uterus).[2][3]

In welchem Alter?: Die Anwendung des homöopathischen Einzelmittel Cactus kann grundsätzlich in jedem Lebensalter erfolgen. Aufgrund der beschriebenen Symptomatik wird die Arznei häufiger bei älteren Patienten angezeigt sein.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, die Cactus benötigen, beschreiben vielfach ein charakteristisches Gefühl am Herzen „wie umklammert und wieder losgelassen von einer eisernen Hand“ oder von einem eisernen Band zusammengeschnürt. Die Einschnürungsgefühle werden auch beschrieben, als ob der ganze Körper in einen Käfig eingesperrt sei, bei dem jeder Draht enger gezogen wird. Betroffene Bereiche sind hierbei das Herz, sowie alle Organe mit Ringmuskeln wie zum Beispiel Speiseröhre, Magen, Harnblase.[2]

Verbesserung: Das Beschwerdebild von Cactus verbessert sich allgemein durch frische Luft und im Freien.[2][3]

Verschlechterung: Die Symptome verschlechtern sich beim Liegen auf der linken Seite oder gehäuft gegen 11 Uhr und ebenso 23 Uhr.[2]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Cactus- Symptome gehen eher mit traurig-melancholischen bis ängstlichen Gemütszuständen, z.B. durch akute Herzbeschwerden, einher.[2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der für Cactus grandiflorus typische Kopfschmerz kann wie von einem Gewicht auf dem Scheitel empfunden werden. Der Schmerz wird als pochend beschrieben und tritt bevorzugt rechtsseitig und auch wiederkehrend (periodisch) auf.[2]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Cactus findet auch Einsatz bei Gesichtsschmerzen bedingt durch eine Nervenreizung (Trigeminusneuralgie). Auch dieses Symptom hat einen Bezug zur rechten Seite und tritt meist wiederkehrend (periodisch) auf. Das Gesicht kann Röte zeigen, die Gefäße sind erweitert und pulsieren bis in die Ohren.[2][3]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, zu denen Cactus grandiflorus passt, zeigen oft einEinschnürungsgefühl des Halses mit klopfenden Halsschlagadern (Karotiden), sowie der Speiseröhre (Ösophagus) oder der Brust. Hierbei kann es begleitet werden von Atemnot (Dyspnoe) undschwachem, unregelmäßigem Puls.[2]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im Magen kann sich eine Einschnürung zeigen, sowie stellenweisesPulsieren hinter dem Magen oder allgemeine Schwere.[2][3]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Eine Einschnürung des Blasenhalses kann dazu führen, dass die Blase nicht entleert werden kann (Harnverhaltung).[2]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Krampfartige schmerzhafte Periode (Dysmenorrhoe), sowie Zusammenschnürungsgefühl in Gebärmutter(Uterus) und Eierstöcken (Ovarien) gehören zum Wirkungsbereich von Cactus.[2]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hier kann es zu einem Taubheitsgefühl im linken Arm mit Prickeln der Finger kommen, besonders bei Herzkrankheiten.[3][4]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sofern Fieber vorhanden ist, tritt es wiederkehrend täglich zur selben Stunde auf oder zeigt sich oft gegen Mittag (11 Uhr). In Zuständen von Angst kann kalter Schweiß auftreten. Cactus kann auch eingesetzt werden bei langanhaltender Untertemperatur.[2]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wegen des Pulsierens verschiedener Körperteile kann es vermehrt zu Schlaflosigkeit kommen.[2]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Crataegus

Für das Einzelmittel Crataegus wird die Pflanze Weißdorn verwendet. Es gilt in der Homöopathie als bevorzugtesKräftigungsmittel des Herzens bei allgemeiner Herzschwäche, aber auch Herzbeschwerden infolge anderer Erkrankungen. Es findet sich als Besonderheit ein umschriebener Schmerz unter dem linken Schlüsselbein. Die Haut kann kalt sein und wird begleitet von blauen Verfärbungen an Finger und Zehen.[2]

Lilium tigrinum

Das homöopathische Einzelmittel Lilium tigrinum wird aus der Tigerlilie hergestellt. Im Gegensatz zu Cactus findet sichschneller, unregelmäßiger Puls sowie Herzklopfen und Pulsieren mit Schmerzgefühl auf der Brust, das jedoch eher wie eine Last empfunden wird. Der Patient beschreibt ein Gefühl, als sei sein Herz in einen Schraubstock gespannt. Hier verbessert auch Aufenthalt im Freien, aber es gibt eine Verbesserung durch Liegen auf der linken Seite.[2][3]

Digitalis

Der Rote Fingerhut ist der Ausgangsstoff des homöopathischen Arzneimittels Digitalis. Es ist wie Cactus ein großes Herzmittel mit Symptomen von heftigem Herzklopfen und unregelmäßigem Herzschlag, allerdings weniger mit dem Einschnürungsgefühl von Cactus, sondern vielmehr mit dem Gefühl als wolle das Herz aufhören zu schlagen. Ähnlich wie bei Cactus erfährt der Digitalis-Patient Verbesserung durch kühle Luft und durch flaches Liegen auf dem Rücken.[2]

Hintergrundinformationen

Cactus grandiflorus, die „Königin der Nacht“, wurde 2009 von der Deutschen Kakteen-Gesellschaft zum „Kaktus des Jahres“ gewählt. Kakteen gelten als saftreiche Pflanzen, die an besondere Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind und als Sukkulenten (lateinisch sucus für ‚Saft‘ bzw. suculentus für ‚saftreich‘) bezeichnet werden. Der Zusatz „grandiflorus“ leitet sich von den lateinischen Worten grandis (groß) sowie florus (blühend) ab und beschreibt die großen Blüten dieser Art, die bis zu 30 Zentimeter im Durchmesser werden können. Zur Blütezeit im Frühling und im Hochsommer entfalten die prachtvollen Blüten einen angenehmen Vanilleduft. Die strahlenförmigen Blüten öffnen sich bei beginnender Dunkelheit sehr schnell, haben bis Mitternacht ihre volle Größe erreicht und sind bei Tagesanbruch bereits wieder verblüht, was dem Kaktus seinen Namen gegeben hat. Selenicereus grandiflorus ist im Südosten der Vereinigten Staaten, in Mexiko und der Karibik verbreitet und findet sowohl als Zimmerpflanze, wie auch in der pharmazeutischen Industrie aufgrund seiner herzwirksamen Inhaltsstoffe Verwendung.[5][6]