Einzelmittel: Globuli von A bis A

Arsenicum Album Globuli

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Arsen ist seit der Antike als das berühmteste Mördergift bekannt und konnte bis in das 19. Jahrhundert hinein nicht im Körper der Opfer nachgewiesen werden. Es tötet durch kleine Gaben über einen langen Zeitraum hinweg oder aber plötzlich und qualvoll durch die Einnahme einer großen Menge. Doch im Sinne des homöopathischen Grundsatzes, Gleiches mit Gleichem zu heilen, wird aus Arsenoxid, dem weißen Arsen, ein mächtiges Arzneimittel zur Behandlung eines komplexen Krankheitsbildes hergestellt. Arsenicum album wirkt vor allem auf denVerdauungstrakt, die Haut, die Atmung, das Blut, das Herz und die Nerven.[1] 

Niedrige Potenzen werden dabei eher zur Behandlung von latenten (unterschwelligen) Symptomen, hohe Potenzen dagegen zur Behandlung von akuten, malignen (bösartigen) Erkrankungen eingesetzt. Je nach Zustand des Patienten sollte die Erstverschlimmerung der jeweiligen Gabe die Symptome einer chronischen bzw. einer akuten Arsenvergiftung imitieren und diese schließlich abklingen lassen. Da der Homöopath Gleiches mit Gleichem heilt, also eine Krankheit mit einem Mittel kuriert, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorruft, wie die, unter denen der Kranke nun leidet, tritt nach Gabe des Medikaments, bevor die Genesung beginnt, in der Regel eine Erstverschlimmerung auf. Aufgrund seiner toxischen (giftigen) Wirkung eignet sich Arsenicum album nicht zur Selbstbehandlung und sollte immer von einem Homöopathen verordnet werden.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Auf Grundlage der Untersuchungen des Homöopathen Pichet werden drei Typen von Arsenicum album-Patienten unterschieden[2]:

  1. Der erste Typ ist mit einer ausnehmend attraktiven und gesunden äußerlichen Erscheinung gesegnet. Seine Haare glänzen, seine Haut ist glatt und eben, er ist gut genährt, möglicherweise sogar leicht übergewichtig und ist mit gesundem Appetit gesegnet.Hautkrankheiten oder Asthma sind die klassischen Erkrankungen des Patienten. Dieser Typ entspricht der Symptomatik sehr kleiner Arsengaben über einen längeren Zeitraum (chronische Arsenvergiftung) hinweg.
  2. Der zweite Typ leidet beständig an Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Der geringste Anflug eines Küchengeruches verursacht ihm Übelkeit. Der Patient ist ständig durstig, hat großes Verlangen nach kaltem Wasser, erbricht aber nach dem Trinken erneut. Er wirkt aufgeschwemmt, seine Augen sind blau umrandet und liegen tief in den Höhlen; seine Lippen sind trocken und schuppen sich weißlich. Dieses Bild entspricht den Symptomen einer chronischen Arsenvergiftung.
  3. Der dritte Typ wirkt extrem abgemagert und schwer krank. Er ist bleich und erschöpft. Überall am Körper bilden sich Ödeme (Schwellungen), speziell die Augenlider sind von diesem Symptom betroffen. Dieser Typ leidet in aller Regel an einer ernsthaften Krankheit und befindet sich in deren Endstadium. Laut Lehrmeinung können die Symptome des Todeskandidaten durch die Gabe von Arsencium album aber gelindert werden. Dieser letzte Typus entspricht symptomatisch einem akut Vergifteten.

Klassischerweise werden mit Arsenicum album diverse Krankheiten des Verdauungstraktes kuriert. Die Schmerzen, die der Patient erleidet, erinnern an glühende Kohlen. Obwohl er nach kaltem Wasser verlangt, verschlechtert dies die Symptome. Durchfall kann typischerweise Blut enthalten, auch das Erbrochene ist möglicherweise von Schleimhautanteilen durchsetzt. Alle Arten von Hauterkrankungen fallen unter die Heilanzeigen (Indikationen) von Arsenicm album, darunter schuppige Ausschläge, Ekzeme, Purpura (intensiv gerötete Hautareale), jede Form von Geschwüren und sogar Wundbrand (Gewebsnekrose). Außerdem werden Atemnot, Lähmungserscheinungen und Nervenleiden mit Arsenicum album-Gaben behandelt. Die klassischen Migräne-Kopfschmerzen, vor allem ausschließlich linksseitig auftretende, werden dabei ebenfalls als Nervenleiden betrachtet und dementsprechend therapiert. [1]

Alle Arsenicum album-Patienten kennzeichnen darüber hinaus drei Merkmale: ihre Symptome verschlimmern sich nachts zwischen 1 und 4 Uhr, sie empfinden ständige Unruhe und Todesangst, gerade dann, wenn ihre Erkrankung lähmender und auszehrender Natur ist und sie neigen zu übelriechenden Sekretionen (Stuhlgänge, Harn, Schweiß, Tränen, Speichel) in großen Mengen. Der Gestank ihrer Ausscheidungen erinnert an Kadaver-Geruch. [1]

Wo wirkt es?: So wie das Gift Arsen komplex auf den Organismus wirkt, wirkt Arsenicum album auf diverse Bereiche des Körpers. Es kuriert die Unruhe von Geist und Gemüt, Atemnot, oberflächliche Nervenleiden(Taubheit oder Kribbeln in den Extremitäten), sowie Herz- und Hauterkrankungen. Darüber hinaus verändert es das Blut, das dunkel und dickflüssig austritt. Arsenicum album beeinflusst außerdem alle denkbaren Ausscheidungsprozesse. [3]

In welchem Alter?: Die typischen Krankheitszeichen, die die Notwendigkeit einer Arsenicum-album-Gabe anzeigen, treten üblicherweise erst im Erwachsenenalter auf. Mit zunehmendem Alter verschlimmern sich alle Symptome merklich, bleiben über einen längeren Zeitraum hinweg akut und treten in regelmäßiger Periodizität (Wiederkehr) auf. So sind männliche Greise und Frauen über 45 die klassischen Arsenicum album-Patienten. Vereinzelt wird das Mittel aber auch bei deutlich jüngeren Patienten eingesetzt, wobei zu beachten ist, dass die Therapie umso wirkungsvoller ist, je früher die Symptomlage entdeckt und behandelt wird. [3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es können eine Reihe von Leitsymptomen aufgezählt und zusammengefasst werden, die die Indikation von Arsenicum album anzeigen [1]:

  • Die Symptome verschlimmern sich deutlich nachts zwischen 1 und 4 Uhr und um 14 Uhr nach dem Mittagessen.
  • Die Symptome treten periodisch auf. Je länger die Erkrankung bereits besteht, umso länger werden die akuten Phasen, bzw. die Ruhephasen zwischen zwei Verschlimmerungen.
  • Alle Ausscheidungen und Sekrete verströmen einen unverwechselbaren Kadavergeruch.
  • Vor allem nachts ist der Patient von großer Unruhe und Todesangst geplagt.
  • Der Patient ist ständig erschöpft und fühlt sich geschwächt. Er kann kaum aufrecht sitzen und muss sich immer wieder in die liegende Position begeben.
  • Erregung und Depression wechseln sich ständig ab; war der Kranke eben noch aufgewühlt und unruhig, wirkt er nun lethargisch (gleichgültig) und abwesend.
  • Die Schmerzen, die der Patient zuweilen überall im Körper empfindet, werden als heiß und brennend beschrieben, sind aber dennoch durch Wärme besser zu lindern als durch Kälte.
  • Der Patient leidet unter quälendem Durst und nimmt große Mengen kalten Wassers zu sich, obgleich Kälte seinen Zustand verschlechtert.
  • Schon der Geruch von Speisen verursacht dem Patienten Übelkeit und Brechreiz.
  • Der Patient fürchtet sich vor dem Alleinsein, ist aber gleichzeitig nicht in der Lage, eine zusammenhängende Konversation zu führen.
  • Die Schmerzen werden häufig von Ohnmacht, Angst und Verzweiflung begleitet.
  • Der Stuhlgang brennt, ist unangenehm und stinkt entsetzlich. In aller Regel muss der Patient sich mehrmals am Tag erleichtern.
  • Bei Frauen tritt die Monatsblutung zu früh auf; es blutet heftig. Das Blut ist dunkel und dickflüssig und riecht, wie alle anderen Ausscheidungen (Sekretionen), kadaverartig.
  • In aller Regel klagt der Patient über irgendeine Art von trockenerHauterkrankung.

Verbesserung: Die Symptome verbessern sich bei Wärme, frischer Luft, durch Bewegung, im Liegen mit hochgelagertem Kopf, in Gesellschaft, beim Schwitzen und im Freien.

Verschlechterung: Die Symptome verschlechtern sich merklich nachts und durch Kälte, beim Einhalten von vegetarischen Diäten, durch Alkohol, Nikotin, Infektionen, verdorbenes Essen und körperliche Anstrengung.[3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Arsenicum album-Patient zeigt alle Symptome des klassischenNeurotikers (leidet unter einer zwanghaften psychischen Störung). Er ist überempfindlich und pingelig, erträgt keine Unordnung und weist andere ohne Unterlass auf ihre Fehler hin. Unruhe treibt ihn von einem Ort zum anderen. Das gilt insbesondere für Kinder mit den entsprechenden Symptomen, die nicht still sitzen können und danach verlangen, herumgetragen zu werden. Den Patienten plagen qualvolle Ängste: die Angst vor dem eigenen Körper, vor der Krankheit, vor dem Verhungern- und Verdursten und schließlich auch Todesangst. Obwohl ihn Todesangst quält, ist er des Lebens überdrüssig; er glaubt nicht an seine Genesung. Der Patient neigt zur Autoaggression: er rauft sich die Haare oder zerbeißt Lippen und Fingernägel. Diese Autoaggressionen gepaart mit der Lebensüberdrüssigkeit führen zu suizidalen (lebensmüden)Wahnvorstellungen des Patienten. Argwohn ist eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften. Dennoch fürchtet er sich vor dem Alleinsein, sucht die Gesellschaft anderer Menschen, stößt diese dann aber im Gespräch vor den Kopf. Er agiert boshaft, geizig und selbstsüchtig. Das Misstrauen bezieht sich auch auf den Patienten selbst. Er fürchtet, jemanden umgebracht zu haben und die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Deshalb bittet er Angehörige, ihn ständig zu überwachen. Überall sieht er Gespenster, Diebe und Ungeziefer. Ältere Patienten neigen zu infantilem (kindischem) Charakter, Frauen und Kinder zur Weinerlichkeit.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Arseniker leidet häufig unter schwerer, linksseitiger Migräne, die mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einhergeht. Der Schmerz beginnt über dem linken Auge und zieht über den Wangenknochen in den Kiefer und über den Scheitel in den Nacken hinein. Erbrechen, Weinen oder Stuhlgang beenden den Migräneanfall, der in aller Regel nachts auftritt. Der Patient neigt zu Schwindel bis hin zur Ohnmacht; auch während eines Hustenfalls verliert er zeitweilig die Besinnung. Seine Kopfhaut ist überempfindlich, er ergraut früh und plagt sich mit Haarausfall. Die Kopfhaut ist trocken, schuppig und übersät von Ekzemen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient ist blass, wirkt abgemagert und eingefallen. Sein Gesicht ist von Ödemen (Schwellungen) überzogen; besonders die Augenlider sind davon betroffen. Kinder erscheinen greisenhaft, Erwachsene leiden anAkne weit über das Ende der Pubertät hinaus. Die Lippen sind bläulich und geschwollen, die Zunge trocken und mit weißem Belag überzogen. Manche Patienten berichten von einem brennenden Schmerz in der Zunge, die in diesem Zusammenhang beginnt, zu zittern und schließlich steif wird, was zu Atemnot führen kann. Der Arseniker knirscht nachts mit den Zähnen und leidet dementsprechend ständig unter wundem Zahnfleisch und empfindlichen Zahnoberflächen. Sein Atem riecht säuerlich. Sein Speichel ist von Blut durchzogen. Er spricht undeutlich und lispelt.

Die Nase des Patienten ist von Akne überzogen und wirkt aufgrund seiner Abmagerung auffallend spitz. Auch wenn der Patient an Fließschnupfen erkrankt ist, glaubt er, durch die Nase nicht atmen zu können. Häufig bilden sich auch in der Nase kleine Geschwüre, die dann zuNasenbluten führen können.

Die Augen des Patienten liegen entweder tief in ihren Höhlen oder treten ungesund hervor. Morgens und im Zusammenhang mit Migräneanfällen klagt er über Photophobie (Lichtempfindlichkeit). Die Bindehäute sind entzündet, die Augenlider rot und geschwollen. Der Patient sieht alles wie von einem grünen Film überzogen. Manche Patienten neigen unter Schmerzen zu Schwerhörigkeit und nachts zu Ohrengeräuschen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Viele Arsenicum album-Patienten leiden unter Asthma. Aber auch Patienten ohne Asthma-Diagnose sind extrem kurzatmig. Ihre Atmung geht pfeifend und abgehackt und verschlechtert sich durch intensive Gerüche, beim Lachen oder bei zu heftigen Bewegungen. Vor allem die Nase verstopft leicht; der Patient klagt über Atemnot, auch sein Hals fühlt sich geschwollen an. Seine Lunge schmerzt, er hustet abwechselnd trocken und dann wieder mit großen Mengen Auswurf, der zuweilen mit Blut versetzt ist. Durch Tabak oder kalte Luft verschlimmert sich der Husten merklich.

Im Zusammenhang mit nächtlichen Angstanfällen leidet der Patient unter Herzklopfen und glaubt, er sei Opfer eines Infarkts. Bei Patienten im Endstadium einer malignen Krankheit wird der Puls zunehmend schwächer und ist zum Teil kaum noch zu ertasten.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Viele Symptome des Arsenikers sind mit den Verdauungsorganen assoziiert. So manifestieren sich auch die Ängste, die ihn ständig plagen, in der Magengrube. Der Arsenicum-album-Patient ist appetitlos; wenn er Nahrung zu sich nimmt, isst er allerdings große Mengen weit über den Hunger hinaus. Deshalb wirkt der Arseniker entweder abgemagert oder übergewichtig, zeigt aber immer Merkmale eines Essgestörten. Ihn plagt ein unstillbarer Durst nach kaltem Wasser; die Kälte jedoch verschlimmert seinen Zustand, weshalb er sich nach dem Trinken häufig erbricht. Magenschmerzen sind für den Patienten ein alltägliches Leiden. Er verspürt eine Abneigung gegen Süßes, Butter, Fett und Fleisch und verlangt dagegen nach Saurem, Branntwein, Kaffee und Milch.

Schlimmer noch als die Magenschmerzen plagen den Patientenkrampfartige Schmerzen im Unterbauch, sodass er allen Lebensmut verliert. Reiswasserartiger (hell und körnig) oder schwarzer Durchfallgehören zu den wichtigsten Symptomen des Arsenikers. Um den After bilden sich ekzemartige Hautausschläge, die nur langsam abheilen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Assoziiert mit Angst und Unruhe kommt es beim Arseniker häufig zu unwillkürlichen Harnabgängen. Dann wieder ist er unfähig, Wasser zu lassen. Er gibt nur kleine Mengen Urin ab, der beißend riecht und Brennen verursacht, wenn er mit der Haut in Berührung kommt.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Männliche Genitalien: Die Hodensäcke des Arsenicum-Mannes sind geschwollen und zum Teil entzündet. Am Genital treten eitrige Geschwüre auf. Auch ohne Erektion leidet er an häufigen Ausflüssen.

Weibliche Genitalien: Die Arsencium-Frau leidet unter Schmerzen in der Ovarienregion (Eierstöcke), die sich bis ins Bein ziehen und beim Beugen verschlimmern; nur durch Wärme tritt Besserung ein. Ihr Ausfluss ist dick, gelblich und übelriechend. Ihre Monatsblutung bleibt entweder aus oder ist zu stark und dunkel. Während der Monatsblutung ist ihr sexuelles Verlangen gesteigert.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Vom Steißbein bis zum Genick ist der gesamte Rücken versteift, was dem Patienten jede Art von Bewegung erschwert. Seine Extremitäten zittern und zucken häufig; seine Glieder sind matt. An den Fingerkuppen und auf den Fußsohlen bilden sich Geschwüre. Die Nägel sind schwarz-bläulich verfärbt. Besonders in der linken Körperseite tretenLähmungserscheinungen der Extremitäten auf. Der Patient neigt außerdem nachts zu Wadenkrämpfen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wie die Verdauungssymptome gehören Hauterkrankungen aller Art zu den wichtigsten Indikationen für Arsenicum album. Die Haut des Patienten ist schuppig, rau, trocken und faltig. Am ganzen Körper tretenEkzeme auf. Das Hautbild ist gezeichnet von Pickeln, Bläschen und Pusteln, sowie schwarzen, blauen oder weißen Flecken. Viele Patienten leiden unter Schuppenflechte (Psoriasis). Auch Wundbrand(Gewebsnekrose) kann mit Arsenicum album behandelt werden.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Fieber eines Arsenicum-album-Patienten steigt selten über 39 °C, selbst wenn er sich im Endstadium einer malignen Krankheit befindet. Treten gegen Abend doch Fieberschübe auf, friert der Patient erbärmlich, obwohl er innerlich zu verbrennen glaubt. Er verlangt dann nach heißen Getränken und beginnt, stark und übelriechend zu schwitzen. Auch während der nächtlichen Angstattacken, die ihn häufig plagen, tretenSchweißausbrüche auf. Kälte verschlimmert seine Symptome grundsätzlich, weshalb er dazu neigt, sich wärmer anzuziehen, als nötig.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im wachen Zustand wie im Schlaf plagen den Patienten seine Ängste, die er lebhaft in seinen Träumen verarbeitet. Er redet im Schlaf, wirft sich hin und her und erwacht mit Schmerzen. Das kleinste Geräusch weckt ihn auf und führt zu weiteren Panikattacken.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Sulfuricum acidum

Obwohl Sulfuricum acidum, gemeinhin bekannt als Schwefelsäure, sich nicht zur Behandlung maligner Erkrankungen eignet, deckt es doch eine Reihe von Symptomen ab, die auch die Gabe von Arsenicum album anzeigen. Zunächst wird es bei diversen Verdauungssymptomen (Magenschmerzen, Durchfall, Appetitlosigkeit) eingesetzt. Weiterhin verändert es das Blut, das sich dunkel verfärbt. Bei Arsenikern sind Speichel, Stühle, Erbrochenes und Auswurf von Blut durchzogen, der Sulfuricum-acidum-Patient blutet aus allen Körperöffnungen. Mit Sulfuricum acidum behandelt man außerdem Patienten die zu chronischen Schmerzen und Wundbrand neigen. Allerdings wirken diese Patienten häufig ansonsten gesund, während Arseniker wie Schwerkranke auftreten.

Veratrum album

Das zuverlässigste Charakteristikum von Veratrum album, hergestellt aus Weißem Nieswurz (auch Weißer Germer), sind kalte Schweißausbrüche. Veratrum album und Arsenicum album teilen vor allem die Indikation bei Verdauungsstörungen wie Erbrechen, Durchfall und Übelkeit. Auch die häufigen Ohnmachtsanfälle der Patienten zeigen die Notwendigkeit einer Veratrum-album-Gabe an. Wie Sulfuricum acidum eignet sich dieses Arzneimittel aber nicht bei schweren, malignen Erkrankungen, sondern vielmehr zur Behandlung von leichten, vorübergehenden Ausbrüchen.

Hintergrundinformationen

Bei Arsen handelt es sich zwar um ein chemisches Element des Periodensystems, zur Herstellung des homöopathischen Mittels wird aber Arsentrioxid (As2O3) verwendet. Arsentrioxid entsteht entweder bei der Verbrennung des puren Halbmetalls Arsen, kann aber auch in Bergwerken abgebaut werden. Arsentrioxid, auch Arsenik genannt, ist hochgiftig und wirkt in der Regel tödlich bei Verzehr.[4]

Im 19. Jahrhundert allerdings entdeckte man das Gift Arsen nicht nur als eine die Leiche konservierende Mordwaffe, sondern auch als kosmetisches Produkt. Die sogenannten Arsenikesser konsumierten täglich geringe Mengen des Giftes. Nachweisbar verbessert sich durch den Konsum das Hautbild, das Körpergewicht erhöht sich und die Haare beginnen zu glänzen. Bei Arsenikessern kann eine ungewöhnlich hohe Toleranz gegen den Wirkstoff festgestellt werden, sodass die Dosis des Gifts häufig erhöhen mussten, um die gewünschte Wirkung weiterhin zu erzielen.[5]