Globuli von A bis A

Acidum salicylicum Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Die Salicylsäure oder Spirsäure wird aus der Rinde von Weidengewächsen (Saliaceae) gewonnen und spielt eine wichtige Rolle in der Naturheilkunde und auch in der Schulmedizin, wie man an der verbreiteten Anwendung von ihrem Verwandten Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin, ASS etc.) sehen kann.
Das homöopathische Einzelmittel ist eine wichtige Arznei bei Fieber, rheumatischen Schmerzen und Blutungen. Auch bei einigen Hauterkrankungen kommt es zum Einsatz. Manische Erregtheit und rauschhafte Benommenheit sind charakteristische Zustände, die durch einen erhöhten Blutfluss zum Gehirn bei Patienten entstehen, denen Acidum salicylicum helfen könnte.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Acidum salicylicum wirkt stark auf den Temperaturhaushalt, sowie entzündliche Reaktionen und die Blutgerinnung ein. Durch erhöhten Blutandrang können viele Organe betroffen sein, beispielsweise das Gehirn durch Hirnhautreizung, die Augen durch Netzhauteinblutung, Blutungen im Verdauungstrakt oder in den Nieren. Patienten, für die Acidum salicylicum geeignet ist, sind warm oder hitzig, mit feuchter, roter Haut durch hohen Blutandrang (Kongestion). Schwindel und Sehstörungen können ebenfalls als Folge des Blutandranges zum Kopf entstehen[1]. Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist die Menière-Krankheit (Symptomtrias aus Schwindel (Vertigo), Hörverlust und Phantomgeräuschen (Tinnitus)). Erregtheit bis zu Verwirrung mit Halluzinationen bei Blutungsneigung und starken Schweißausbrüchen oder depressive Zustände im Wechsel mit manischen, übererregtem Verhalten können eine Anwendung von Acidum salicylicum anzeigen.[2] Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen, die durch Bewegung ausgelöst oder verschlechtert werden. Typische Hautbeschwerden sind Nesselsucht (Urtikaria) Quaddeln und Unterhautblutungen (Petechien).[1]

In welchem Alter?: Es gibt kein bestimmtes Alter, für das Acidum salicylicum besonders geeignet ist. Wichtige Voraussetzung für die Anwendung ist das Vorliegen der entsprechenden Symptome in ihrer charakteristischen Ausprägung. Da dies bei Kindern seltener der Fall ist, wird das Mittel bei ihnen kaum angewendet.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hohes Fieber mit starken Hitzewallungen, Schüttelfrösten und Schweißausbrüchen stehen im Vordergrund bei der Symptomatik, die eine Gabe von Acidum salicylicum anzeigt. Weiterhin finden sich Blutungen von Haut und Schleimhäuten verschiedener Organe; Muskeln und Gelenke sind Angriffspunkt wandernder, pulsierender rheumatischer Schmerzen. Heftige reißende Kopfschmerzen mit Sehstörungen, Schwindel und Ohrensausen sowie Herzschwäche mit Gefahr eines Kreislaufzusammenbruchs plagen den Patienten. An inneren Organen entstehen Geschwüre, an der Haut gerötete, erhabene Ausschläge, erhöhte Harnsäure führt zu Gicht, besonders in der Großzehe (Podagra).

Verbesserung: Schweiße bessern Gelenkbeschwerden.

Verschlechterung: Eine Verschlimmerung der Symptome wird nachts beobachtet, Schweiße verursachen Schwäche aber bessern Gelenkbeschwerden.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Acidum Salicylicum hat stark anregende Eigenschaften. Man erlebt eine manische Erregung, die Stimmung ist heiter und lustig. Die Eingebungen kommen so schnell, dass der Patient sich nicht mehr konzentrieren kann, er ist regelrecht berauscht, besinnungslos. Starke Hitze führt zu Schwitzen. Schwindel mit Ohrensausen und Nasenbluten treten auf mit Benommenheit, zunehmender Übelkeit bis zum Brechreiz. Nun sinkt die Stimmung, Verdrossenheit und Verzagtheit treten in den Vordergrund, weinerliche Rührseligkeit macht sich breit mit Erschöpfung und Pessimismus, Depression.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Starke Kopfschmerzen, die als drückend, reißend, bohrend oder klopfend empfunden werden, gehen einher mit erhöhtem Blutandrang zum Kopf. Dadurch kommt es zu Hitze und Schweißausbrüchen, Augenflimmern erschwert die Sicht. Schwindel mit Übelkeit und Ohrensausen verschlimmert sich bei Bewegung, schwächt den Patienten bis zur Körperneigung, Linksfallen tritt auf. Nervenschmerzen (Neuralgie) und Nervenentzündungen (Neuritiden) befallen auch Hirnnerven wie den Trigeminus (Drillingsnerv, der unter anderem die Sensibilität des Gesichts vermittelt).

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gesichtsfeldeinschränkungen und Funkensehen behindern das Sehvermögen, verursacht etwa durch Netzhautblutungen.
Schwindel, Übelkeit und Ohrensausen gehen einher mit Gehörsturz oder Gehörschwund und Schwerhörigkeit bis zur Taubheit.
Das Gesicht ist rot und hitzig, mit manisch erregten Zügen wie nach einem Rausch, dadurch benommen und unkonzentriert, so dass ein depressiver Eindruck entsteht.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es finden sich eine Herzschwäche mit Kollapsneigung, starkes Herzklopfen mit schnellem Puls (Tachykardie) und Hochdruckkrisen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Den Acidum salicylicum-Patienten bedrängen Übelkeit und Erbrechen, er klagt über übel schmeckendes und riechendes Aufstoßen mit Sodbrennen, Druck auf dem Magen, leidet an Ulcus ventriculi (Magengeschwür) und Appetitverlust.
Durch Hitzegefühl kommt es zu vermehrtem Durst. Verstopfungen und kolikartige Schmerzen machen sich bemerkbar. Es finden sich Völlegefühl und Blähungen, sowie schmerzhafte Auftreibungen des Verdauungstraktes.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es wird vermehrt Harn abgesondert, der hohe Harnsäure- und Eiweißanteile aufweist.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Besonders in den Gliedern finden sich wandernde Schmerzen mit Rucken, Zuckungen, zitternden Krämpfen und Schwäche der Muskeln. Ebenso wandern pulsierende Schmerzen von einem Gelenk zum anderen. Auch Gichtanfälle sind typisch für Acidum salicylicum.
Die Wirbelsäule ist geschwächt und versteift, daher treten chronischer Rückenschmerz, Hexenschuss(Lumbago) und Ischiasschmerzen auf.
Die Knochen fühlen sich zerschlagen an, bleierne Schwere und Müdigkeit befällt vor allem die langen Röhrenknochen der Arme und Beine. An den Beinen schmerzt auch die Haut.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Verschiedene Ausschläge zeichnen die Haut, wie Nesselsucht (Urtikaria) mit starkem Juckreiz und mückenstichartigen Irritationen, Papeln als kleine Verdickungen, eitergefüllte Pusteln, wässrig gefüllte Bläschen oder Quaddeln. Es zeigen sich Rötungen (Erytheme) ähnlich denen bei Masern oder Scharlach, blasenbildende Hauterkrankungen wie Dermatitis bullosa oder Pemphigus vulgaris.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hohes Fieber und Hitzeschübe mit heftigen Schweißausbrüchen und Schüttelfrösten sind typisch für Acidum salicylicum.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Durch die Schweißausbrüche und nachts sich verschlimmernden Hitzeattacken wird der Schlaf erschwert, so ist der Patient wenig erholt, tagsüber benommen und schläfrig.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Acidum sulfuricum

Die Schwefelsäure als Substanz ist eine starke Säure und ist in der Lage, schwere Verätzungen hervorzurufen. So ist sie in nicht-homöopathischen Dosen für die Anwendung am Menschen nicht geeignet und wird für chemisch industrielle Zwecke eingesetzt, beispielsweise bei der Düngerherstellung. Als potenziertes Präparat hat sie starke Wirkung auf Hautausschläge, Geschwüre und juckende Ekzeme. Es wird ähnlich wie Acidum salicylicum sowohl bei Sodbrennen und Ulcus ventriculi angewandt, als auch bei klimakterischen Hitzewallungen oder rheumatischen Gelenkbeschwerden. Zudem wirkt es auf das Gleichgewicht einiger Hormonregelkreise (endokrinologisch) und deren Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Morbus Basedow. Acidum sulfuricum-Patienten sind hastig, ungeduldig und launisch, vor lauter Eile verwahrlost und heruntergekommen, leiden an Alkohol- oder Drogensucht.

Arnica

Bergwohlverleih enthält chemische Substanzen wie Flavonoide und Lactone, die entzündungs- und gerinnungshemmend wirken.[3] Es wird äußerlich auch zum Beispiel als Gel zur Behandlung nach Verletzungen eingesetzt.[4] In der Homöopathie ist Arnica das Mittel bei Verletzungen aller Art, von der Verstauchung über die Quetschung bis zu blutenden Wunden oder Operationsnarben. Mit Acidum salicylicum teilt es etwa die Anwendung bei Menière, Gelenkrheumatismus und Blutungen.

Aconitum napellus

Auch Sturmhut oder Eisenhut genannt, wurde Aconitum schon lange Zeit in Substanz als Mittel zur Bekämpfung von Neuralgie, Gicht und Rheumatismus oder in höheren Dosen als tödliches Gift eingesetzt.[5] Die homöopathische Zubereitung ist ein wichtiges Fiebermittel und wird zum Beispiel wie Arnica nach Folge von Furcht, Schreck oder Schock wie z.B. bei Verletzung oder bei Blutung und Erkältung angewendet. Vergleichbar mit Acidum salicylicum ist der Einsatz bei neuralgischen Schmerzen, bei Dermatitis mit Papeln oder Pusteln oder bei rheumatischen Gelenkbeschwerden.

Belladonna

Die Tollkirsche und ihre Inhaltsstoffe wie Atropin oder Scopolamin vermitteln verschiedene Wirkungen über das vegetative Nervensystem, besonders den Parasympathikus. Krampflösende und Pupillenerweiternde Wirkungen etwa werden auch in der Schulmedizin eingesetzt. Als homöopathisches Präparat wird Belladonna als Fiebermittel, bei Blutandrang, Hitzegefühl und dampfenden Schweißausbrüchen eingesetzt, ähnlich der Salicylsäure auch bei Neuralgien, Nasenbluten oder Magengeschwür.

Colchicum

Das Gift der Herbstzeitlosen Colchicin verhindert die Teilung der Zellen und führt in entsprechenden Dosen zum Tod. Es findet schulmedizinisch Anwendung bei akuter Gicht. Dies ist auch eine Indikation für das homöopathische Präparat, neben anderen Beschwerden, die mit nassem, kalten Herbstwetter auftreten, wie Haut- und Schleimhautirritationen, Muskel- und Gelenkrheumatismus, Erkältungen mit Schnupfen, Niesen, Ohrenschmerzen und Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Der Colchicum-Patient kann ähnlich benommen und unkonzentriert sein wie bei Acidum salicylicum, von neuralgischem Kopfschmerz und Schwindel geplagt sein.

Hintergrundinformationen

Die Weidenrinde zur Herstellung der homöopathischen Präparate von Acidum salicylicum wird im Frühjahr gesammelt und getrocknet. Obwohl die verschiedenen Weidenarten stark unterschiedliche Anteile Salicylsäure enthalten, ist im Arzneibuch keine bestimmte Art definiert. Der Stoff und seine Verwandten kommen auch in anderen Gewächsen vor, wie etwa dem Stiefmütterchen, dem Mädesüß (Filipendula) oder den Pappeln. Auszüge aus Weiden sind in der Volksmedizin verschiedener Kulturen bekannt, schon in den alten Hochkulturen der Babylonier und Ägypter ist ihre Anwendung gegen Entzündungen beschrieben.[6] Salicylsäure wird in der Schulmedizin heute als Keratolytikum (hornhautlösend) gegen Akne und harte Warzen (Verucca vulgaris) eingesetzt, die innere Anwendung ist wegen Nebenwirkungen wie Schwindel, Erbrechen und Schleimhautreizung nicht mehr angezeigt, die schmerzlindernde, entzündungs- und gerinnungshemmende Wirkung wird durch den Einsatz der Acetylsalicylsäure erreicht.[7] Die Salicylsäure wurde außerhalb medizinischer Anwendungen auch als Konservierungsmittel verwendet, was aber ein veraltetes Verfahren ist. Heute wird sie bei der Herstellung von Farb- und Riechstoffen eingesetzt.