Globuli von A bis A

Ammi visnaga Globuli

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Anders als bei vielen anderen homöopathischen Arzneien liegt derzeit für Ammi visnaga noch keine homöopathische Arzneimittelprüfung (AMP) vor. Eine Prüfung der Symptome einer Arznei an mehreren gesunden Personen ist für eine homöopathische Verordnung jedoch immer eine zwingende Voraussetzung. Für diesen Beitrag wurde die Heilwirkung der homöopathischen Arznei Ammi visnaga und gesicherte Erkenntnisse aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde recherchiert und übernommen, da die Pflanze seit Jahrhunderten in der Pflanzenheilkunde bei der Behandlung verschiedener Krankheitszustände angewendet wird.

Ob eine rein gedankliche Ableitung der Heilkraft von der Pflanzenheilkunde auf eine homöopathische Wirkung nach dem homöopathischen Heilprinzip zuverlässig eingeschätzt werden kann, ist allerdings fraglich und recht spekulativ.

Ammi visnaga ist auch unter den Namen Khella und Bischofskraut bekannt. Die Pflanze gehört zur Familie der Doldenblütler und wächst in warmen Mittelmeerländern.[1] Seit jeher ist die Khella eine beliebte Heilpflanze der Ägypter. Diese schätzen die Pflanze wegen ihrer krampflösenden Eigenschaften in der Behandlung von Nierensteinleiden. Die entkrampfende Wirkung entfaltet Ammi visnaga auch auf die Muskulatur der Bronchien, die Gefäße des Herzens und den gesamten Harnapparat.
Heutzutage findet Ammi visnaga Anwendung in der Behandlung von Herzbeschwerden, die mit Brustschmerzen einhergehen (Angina pectoris) sowie krampfartige Erkrankungen der Atemwege (Asthma). Das Mittel wird vorrangig in der Zeit zwischen akuten Beschwerden eingesetzt, da es sich nicht zur Behandlung akuter Anfälle eignet. Die krampflösende Wirkung von Ammi visnaga hält sehr lange an (etwa 6 Stunden), daher eignet sich der Wirkstoff zur Vorbeugung von nächtlichen Anfällen.[2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Ammi visnaga ist besonders für Patienten geeignet, die unter Krämpfen der glatten Muskulatur leiden, wie etwa Koliken der Galle oder der Nieren. Auch bei Magenkrämpfen und Angina pectoris-Anfällen wird das Mittel eingesetzt[3].

Wo wirkt es?: Hauptangriffspunkt von Ammi visnaga ist die glatte Muskulatur[4]. Diese befindet sich vornehmlich in den Wänden der Hohlorgane wie zum Beispiel Magen, Darm, Nieren, Galle, Blase oder in den Blutgefäßen[5].

In welchem Alter?: Prinzipiell kann eine homöopathische Therapie mit Ammi visnaga in jedem Alter Anwendung finden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Koliken
  • Angina pectoris
  • Magenkrämpfe[6]
  • Asthma
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD)
  • Spastische Bronchitis
  • Menstruationskrämpfe
  • Übelkeit
  • Migräne[7]

Verbesserung:

Verschlechterung:

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ammi visnaga könnte Verwendung in der Behandlung von migräneartigen Kopfschmerzen finden, welche mit Übelkeit und Schwindel einhergehen.[8]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei akuten Asthmaanfällen, chronischem Asthma und chronischen Lungenerkrankungen sowie beispastischer Bronchitis könnte Ammi visnaga nützlich sein.[9]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ammi visnaga könnte hilfreich für Patienten mit Magenkrämpfen sowie Gallenblasen- oder Nierenkolikensein.[10]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, die unter krampfartigen Menstruationsbeschwerden leiden, könnten von Ammi visnaga profitieren.[11]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Cactus grandiflorus

Cactus grandiflorus hat eine ähnliche Wirkung wie Ammi visnaga auf das Herz. Zum Arzneibild von Cactus grandiflorus gehört ein sehr auffälliges Einschnürungsgefühl. Die Patienten berichten über ein Gefühl, als würde ein eisernes Band das Herz zusammendrücken. Die Atmung ist behindert wie durch ein schweres Gewicht auf der Brust. Cactus grandiflorus-Kranke leiden sowohl tagsüber wie auch nachts unter Herzklopfen, Herzstichen und Brustschmerzen, die in den linken Arm schießen. Auslöser der Beschwerden kann eine unglückliche Liebe sein. Die Symptome bessern sich an der frischen Luft und durch Druck auf den Scheitel. Eine Verschlimmerung kann um 11 Uhr vormittags und um 23 Uhr nachts beobachtet werden. Die Beschwerden verschlechtern sich auch durch Geräusche, Licht, im Sonnenschein, beim Spaziergehen, beim Treppensteigen und beim Liegen auf der linken Seite. Die Patienten verspüren sehr große Angst. Der ganze Körper fühlt sich an wie in einem Käfig gefangen, welcher immer enger wird. Cactus grandiflorus gilt als bewährtes homöopathisches Mittel zur Behandlung von akuter Angina pectoris.[12][13][14]

Colocynthis

Colocynthis wird in der Homöopathie ebenso wie Ammi visnaga zur Behandlung von Nierenkoliken eingesetzt. Colocynthis-Patienten verspüren äußerst starke, schneidende Schmerzen im Bauchraum. Die Schmerzen kommen und gehen in Wellen. Sie sind so heftig, dass nur Zusammenkrümmen oder fester Druck in den Bauch die Beschwerden ein wenig erleichtern. Die Patienten lehnen sich über die Kanten von Stühlen und Tischen oder drücken sich harte Gegenstände gegen den Bauch. Auslöser einer Kolik sind bei Colocynthis-Kranken sehr häufig Ärger, Kränkungen durch Beleidigungen, Wut oder Empörung. Eine Colocynthis-Kolik geht mit erhöhter Urinausscheidung einher. Die Patienten sind sehr unruhig und verspüren einen Schauer über den Wangen, welcher vom Bauchraum her aufsteigt. Wasserlassen bringt keine Erleichterung. Die Schmerzen im Bauchraum bleiben auch während des Urinierens bestehen. Es besteht häufiger Harndrang mit Jucken an der Öffnung der Harnröhre. Während des Stuhlgangs treten brennende Schmerzen entlang der Harnröhre auf. Eine erhöhte Reizbarkeit ist typisch für Colocynthis-Patienten. Sie reagieren wütend, wenn sie etwas gefragt werden. Die Beschwerden bessern sich durch harten Druck, Zusammenkrümmen, Wärme, Ruhe, Kaffee, sanfte Bewegung und im Liegen mit nach vorn gebeugtem Kopf. Ärger und Entrüstung verschlimmern die Beschwerden. Eine Verschlechterung findet auch durch Liegen auf der schmerzlosen Seite, durch Zugluft, vor und nach dem Wasserlassen, durch eine Erkältung, nach Essen und Trinken sowie nachts statt.[15][16][17]

Berberis vulgaris

Das homöopathische Mittel Berberis vulgaris findet wie Ammi visnaga und Colocynthis Anwendung in der Behandlung von Nierenkoliken. Typisch sind Schmerzen, die ihren Ausgangspunkt in der Nierenregionhaben und von dort entweder die Harnleiter herab oder in Richtung Leber, Magen und Milz ziehen. Die Schmerzen sind brennend und nehmen den Patienten regelrecht den Atem. Die Nierenregion fühlt sich wie zerschlagen an. Die Patienten verspüren häufig Harndrang. Vor dem Wasserlassen tritt ein klares Sekret aus der Harnröhre aus. Der Urin selbst ist dick, schleimig und gelb mit einem hellroten und mehligen Bodensatz. Die Patienten haben nach dem Wasserlassen das Gefühl, der Urin wäre nicht vollständig ausgeschieden. Die Schmerzen während des Wasserlassens ziehen bis in die Hüften und die Oberschenkel hinein. Die Patienten sind eher gleichgültig und teilnahmslos. Häufig werden Beschwerden der Harnorgane von rheumatischen Erkrankungen oder Gicht begleitet. Die Beschwerden verschlimmern sich durch Bewegung, Erschütterung, Stehen, Sitzen, Liegen, Müdigkeit, während des Wasserlassens, in der Abenddämmerung und sind am schlimmsten auf der linken Seite.[18][19][20]

Hintergrundinformationen

Ammi Visnaga ist eine 1-jährige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe von etwa 1 Meter. Der Pflanzenstängel ist glatt und im oberen Bereich gebogen. Die Blätter sind von grau-grüner Farbe und sehen aus wie kleine Äste. An den großen Blütendolden wachsen zahlreiche weiße Blüten. Die Äste der Dolden werden als Zahnstocher verwendet, da sie einen angenehmen Geschmack im Mund verbreiten. Die Früchte der Ammi Visnaga sind von ovaler Form und an den Seiten eingedrückt.[21]