Globuli von A bis A

Acidum formicicum Globuli

© panthermedia.net / Bernd Kröger

Das homöopathische Mittel Acidum formicicum wird aus Ameisensäure hergestellt. Waldameisen produzieren diese Säure in ihren Hinterleibsdrüsen und verspritzen sie, wenn Gefahr droht. Die Säure riecht stechend und verursacht beim Menschen Haut- und Schleimhautreizungen. Bereits in der Antike wurden Ameisen als Mittel gegen Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten verwendet. In alten Kräuterbüchern gibt es Hinweise darauf, dass Bergsteiger, die unter verstopfter Nase und Atemnot litten, auf Ameisenhaufen klopften, um dann die in Panik verspritzte Ameisensäure einzuatmen. Sie sollen danach beschwerdefrei gewesen sein.[3]

In der Homöopathie wird das Mittel unter anderem bei Asthma, Allergien und chronischen Gelenkentzündungeneingesetzt. [1]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Menschen, für die Acidum formicicum das geeignete Mittel ist, schwitzen nachts sehr stark. Ihr Schweiß riecht sehr unangenehm. Sie fühlen sich erschöpft und schwach und reagieren empfindlich auf Nässe und Kälte. Bei ihnen treten häufig Hautausschläge auf, auch Migräneanfälle, Gelenkschmerzen, Magenschmerzen und Übelkeit kommen nicht selten vor.

Wo wirkt es?: Die Wirkung von Acidum formicicum ist nicht nur auf einzelne Körperregionen beschränkt. Das Mittel kann unter Umständen bei allgemeinem Schwächegefühl helfen, aber auch bei genau lokalisierbaren Beschwerden an den Gelenken oder im Magen. Auffällig ist, dass die Schmerzen von links nach rechts wandern und dabei in ihrer Intensität zunehmen. Die Schmerzlinderung erfolgt in umgekehrter Richtung. [1]

In welchem Alter?: Für dieses Mittel gibt es keine Altersbeschränkung.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Asthmatischer Husten mit Atemnot
  • Allergische Reaktionen mit Atemnot, Hautausschlag oder Augenjucken (ausgelöst durch Kontakt mit Pollen, Tierhaaren, Hausstaub, Nahrungsmitteln oder Schimmelpilzen)
  • Erschöpfung und Schwäche mit mangelnder körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit [1]
  • Starker Juckreiz [2]
  • Chronische Entzündungen der Gelenke [1]

Verbesserung: Die Beschwerden verbessern sich bei Druck und Wärme.

Verschlechterung: Eine Verschlimmerung der Beschwerden tritt bei Kälte, Nässe und Bewegung ein. [1]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Acidum formicicum-Patienten fühlen sich körperlich schwach und sind auch geistig wenig leistungsfähig. Eine ständigeÜbermüdung gehört mit zum Krankheitsbild. Das Immunsystem ist geschwächt und neigt zu Infektionen. [1]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei heftigen Kopfschmerzattacken, die mit Sehstörungen und Übelkeit gemeinsam auftreten, ist Acidum formicicum möglicherweise das geeignete homöopathische Mittel. [1]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Durch die Allergie- und Infektanfälligkeit bedingt, kommt es zu Symptomen wie Augentränen und Fließschnupfen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten leiden häufig unter Erkältungssymptomen wie einer laufenden Nase oder Reizhusten. Der Husten wird bei feuchter Luft und körperlicher Anstrengung stärker. Unter Umständen treten auch Beklemmung und Atemnot auf. [1]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Acidum formicicum könnte das passende Mittel sein, wenn vor allem morgens Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Der Durchfall wechselt sich möglicherweise auch mit Verstopfung ab. Hinzukommen können ein Druckgefühl im Oberbauch, brennende Schmerzen im Magen, Übelkeit und Blähungen. [2]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zu den häufigen Beschwerden des Acidum formicicum-Kranken gehören chronische Entzündungen der Gelenke. Diese können mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergehen. [2]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht eine Neigung zu trockener juckender Haut mitHautausschlägen.[2] Diese Ausschläge können sehr plötzlich auftreten.[3] Bei kleinen Kindern findet sich Milchschorf, ein krustiger weiß bis gelblicher Schuppenbefall von Kopfhaut oder Gesicht.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Rhus toxicodendron

Dieses homöopathische Mittel wird aus dem echten Giftsumach, einer nordamerikanischen Efeupflanze, hergestellt. Rhus toxicodendron hat ein breites Wirkspektrum. Beschwerden der Augen äußern sich bei den Rhus toxicodendron-Patienten, anders als im Falle von Acidum formicicum, nicht in erster Linie durch Tränen und Jucken, sondern durch Schwellungen, Entzündungen und Schmerzen. Wenn das Auge tränt, dann sind die Tränen heiß und brennend und laufen schwallartig aus dem Auge.Menschen, für die Rhus toxicodendron das passende Mittel ist, klagen über Koliken und laute Blähungen. Sie haben heftige Schmerzen, die zurückgehen, wenn sie auf dem Bauch liegen. Bisweilen kommt es zu blutigen Durchfällen und stark stinkenden Stühlen. Auch diese Patienten haben ab und zu mit Atemnot zu kämpfen, sie können wegen stechender Schmerzen dann nicht tief einatmen. Vor allem nachts quält sie ein trockener Reizhusten.
Gelenkentzündungen gehören auch mit zu den Beschwerden, die Rhus toxicodendron unter Umständen lindern kann. Die Gelenke sind heiß, steif und schmerzhaft geschwollen. Während bei Acidum formicum Bewegung die Beschwerden verschlimmert, lindert Bewegung bei Rhus toxicodendron die Gelenkschmerzen. Hauterscheinungen jucken auch hier oft heftig, sie können aber auch brennenden Charakter haben. Rote Schwellungen, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen oder entzündete Hautflächen sind typische Erscheinungsformen. [5]

Phytolacca decandra

Die Basis für dieses homöopathische Mittel ist die amerikanische Kermesbeere. Es passt zu Menschen, die brennende, kolikartige Schmerzen im Bauch haben. Durchfälle, wie bei Acidum formicicum treten kaum auf. Auch diese Patienten haben Schwierigkeiten mit der Atmung, sie müssen häufig hüsteln und verspüren ein Kitzeln im Hals. Schmerz empfinden sie in der Mitte des Brustbeins und unter den Rippen. Genau wie die Acidum formicicum-Patienten, hat auch der Phytolacca decandra-Kranke mit rheumatischen Beschwerden, wie Gelenkentzündungen, zu tun. Betroffen sind hier vor allem die rechte Schulter und der Arm sowie die Füße und Knöchel. Hauterscheinungen treten bei Acicum formicicum plötzlich auf, bei Phytolacca decandra entwickeln sie sich langsam. Die Haut juckt, wird schrumpelig und trocken. Hautausschläge erscheinen schuppig.[6]

Nux vomica

Nux vomica ist eines der am häufigsten empfohlenen homöopathischen Mittel. Es wird aus der Brechnuss hergestellt und vor allem bei Beschwerden eingenommen haben, die mit dem modernen Leben zu tun haben. Auch dem Nux vomica-Patienten tränen die Augen. Anders als beim Acidum formicicum-Patienten liegt aber keine allergische Ursache vor. Vor allem morgens brennen die Augen und fühlen sich trocken an. Im Bereich der Verdauung kann Nux vomica bei Koliken, Verstopfung, Blähungen und Sodbrennen eingenommen werden. Wenn diese Menschen erkältet sind, sind sie meistens auch heiser und haben ein Kratzen im Hals. Sie husten stark und haben dabei das Gefühl, dass sich etwas in der Brust losreißt. Dabei bekommen sie heftige Kopfschmerzen. Sie atmen flach und leiden zeitweise unter Atemnot. Gelenkschmerzen kommen vor allem im unteren Rückenbereich vor. Arme und Beine schmerzen kaum, fühlen sich aber taub und teilweise auch gelähmt und kraftlos an. Die Kniegelenke knacken bei Bewegung. Die Haut dieser Patient kann entzündet sein, es können viele Pickel im Gesicht oder auf dem Rücken entstehen. Insgesamt ist die Haut rot und fleckig. [7]

Hintergrundinformationen

Ameisen wurden schon in der Bibel wegen ihres Fleißes erwähnt. Man glaubte früher daran, dass sie Hungersnöte und das Wetter voraussagen können. Der menschliche Körper produziert selbst auch Ameisensäure, die zur Herstellung einiger Aminosäuren benötigt wird. Ameisensäure ist auch in Brennnesseln und Bienenhonig enthalten.[3] Die Säure ist stark ätzend und gehört zu den Gefahrstoffen.

Ameisensäure kann möglicherweise in der Zukunft ein wichtiger Energieträger werden. Forscher arbeiten daran, Wasserstoff in Form von Ameisensäure zu speichern. Dieses Verfahren benötigt weniger Platz, ist günstiger und umweltfreundlicher als die herkömmlichen Verfahren. Es soll möglich werden, das elektrische Geräte, wie Laptops, mit Ameisensäure betrieben werden oder dass Autos statt Benzin Ameisensäure tanken. [4]