Globuli von A bis A

Acidum picrinicum Globuli

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Acidum Picrinicum, die Pikrinsäure, ist ein zitronengelbes, kristallines Pulver und hat einen sehr bitteren Geschmack. Pikrinsäure ist so reaktionsfreudig, dass es in der Natur sozusagen nicht vorkommt, sie verbrennt an der Luft mit starker Rauchentwicklung. Die industrielle Herstellung von Pikrinsäure erfolgt durch Nitrierung aus Phenol-2,4-disulfonsäure. Dieses Zwischenprodukt erhält man durch eine Sulfonierung des Phenols mit konzentrierter Schwefelsäure. Beim Hautkontakt und beim Einatmen von Pikrinsäure treten gesundheitliche Problemen wie Entzündungen derSchleimhäute in Nase, Rachen und den Bronchien, Bluthusten, Magenstörungen und Hautreizungen auf. Desweiteren ist die Produktion von Urin vermindert, er ist gelbrot bis braunrot gefärbt und riecht nach Ammoniak. Schleimhäute, Haut, Haare und Fingernägel sind ebenfalls gelb verfärbt. Weitere Vergiftungserscheinungen sindMattigkeit, Elendsgefühl, Brechreiz, Kopfschmerzen,Sehstörungen mit gelblicher Tönung aller gesehenen Gegenstände, erhöhte Muskelanspannung, Entzündungen von Nerven und Hirnnerven, Schmerzen im ganzen Körper,Temperatursteigerung, Verminderung der roten Blutkörperchen sowie Menstruationsstörungen. [1][7]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Acidum Picrinicum ist ein gutes Mittel für Lehrer, Studenten, Sekretärinnen oder überarbeitete Geschäftsleute. Der Acidum Picrinicum-Patient leidet unter ausgesprochen emotionalerErschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit, er istgeistig völlig erschöpft und fühlt sich total ausgebrannt (Burnout-Syndrom). Auch für Kinder, die unterSchreibkrämpfen leiden, kann es hilfreich sein. DieHauptsymptome Schwäche, Ängste, Zwänge undSchweiße stehen bei Acidum Picrinicum im Vordergrund. [2][3][5]

Wo wirkt es?: Acidum Picrinicum wirkt auf das Gehirn, das Rückenmark, den Lendenbereich der Wirbelsäule, den Hinterkopf, dieNieren und die Geschlechtsorgane. Der Acidum Picrinicum-Patient leidet unter einem großen Schwäche, Schwere- undMüdigkeitsgefühl am Körper und im Geist. [4]

In welchem Alter?: Das homöopathische Mittel kann in jedem Alter eingesetzt werden, wenn Acidum Picrinicum-Symptome vorliegen. Im Alter kann es bei Demenz bei passenden Beschwerden sinnvoll sein. [5]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Acidum Picrinicum wird hauptsächlich bei folgenden Symptomen in Betracht gezogen:

  • Gehirnmüdigkeit und Erschöpfung durch geistige Arbeit
  • Brennende Schmerzen entlang der Wirbelsäule
  • Prostatavergrößerung
  • Schmerzhafte Schwäche des Rückens
  • Muskelkrämpfe durch Überanstrengung, z.B. Schreibkrampf bei Kindern oder Sekretärinnen
  • nervliche Erschöpfung und Nervenschwäche
  • perniziöse Anämie (der Körper kann kein Vitamin B12 mehr bilden)
  • Urämie (stark fortgeschrittene Nierenschwäche mit Harnvergiftung), es wird kaum Urin ausgeschieden, die Farbe des Urins ist rotbraun
  • Kopfschmerzen (durch geistige Überarbeitung undKummer)


Verbesserung: Die Symptome werden durch Liegen, durch frische Luft und durch kaltes Wasser verbessert. Das Einbandagieren des Kopfes lindert Kopfschmerzen.


Verschlechterung: Der Zustand verschlechtert sich durch nasses oder heißes Wetter, kleinste geistige Anstrengung, Bewegen der Augen und nach dem Schlaf.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Acidum Picrinicum-Patient ist hirnmüde, fühlt sich matt und ist gegen Arbeit abgeneigt. Er hat die Wahnidee, dass seine Stirn, seine Zunge oder die Arme bis in die Wolken reichen, wenn er geistig erschöpft ist. Er leidet unter mangelnder Willenskraft, sitzt still und teilnahmslos da und möchte lieber liegen und ruhen. Es besteht Angst vor dem Versagen eines Examens oder einer Prüfung. Die Stimmung ist eher niedergeschlagen oder reizbar. [2][3][5]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht eine Schwere im Hinterkopf, die sich am Rückgrat hinunter bis in die Beine erstreckt. Der Acidum Picrinicum –Patient hat Kopfschmerzen, die durch leichteste geistige Anstrengung schlimmer werden. Festes Bandagieren des Kopfes verbessert diese Schmerzen. [3][4]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht und die Augen des Acidum Picrinicum-Patienten sind gelblich. Chronische Bindehautentzündungen mit reichlich, dicken, gelben Absonderungen können auftreten. Im äußeren Gehörgang besteht eine Neigung zu eitrigen Geschwüren. [4][5]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Acidum Picrinicum-Patient hat einen bitteren Geschmack und er hat Durst. Es besteht eine Abneigung oder ein Ekel gegen Nahrung. Es kann es ohne Vorwarnung zu plötzlichem Erbrechen kommen. Er hat aufgrund von geistiger Anstrengung Durchfall, beim Stuhlabgang verspürt er ein Brennen. Dieser kann wie eingeölt, dünn oder gelb sein. [3][4]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Urin ist dunkel und blutig, es wird zu wenigausgeschieden bis hin zur völligen Anurie (Wasser lassen von weniger als 100ml am Tag.). Die Entleerung erfolgt tröpfelnd, es besteht nächtlicher Harndrang, der Urin riecht nach Ammoniak. Der Acidum Picrinicum –Patient leidet unter Nierenentzündungen. [3][4]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Es können Schmerzen im linken Eierstock und Weißfluss vor der Menstruation auftreten, die Acidum-Picrinicum-Patientin leidet während der Menstruation unter extremer Erschöpfung. [3][4]

Männliche Genitalien: Der Acidum Picrinicum-Patienten leidet unter Prostatabeschwerden. Er hat starke Erektionen mit Schmerzen in den Hoden, die sich den Samenstrang entlang hochziehen und reichliche Samenergüsse, nach denen er völlig erschöpft ist. Es kann zu einer schmerzhaften Versteifung des Gliedes kommen, die mehr als zwei Stunden anhält (Priapismus). Der Hodensack und der Penis fühlen sich kalt an. [3][4][5]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht eine große Schwäche und ein müdes, schweres Gefühl über den ganzen Körper, besonders in den Gliedern, bis hin zu Lähmungen. Es können Symptome wie Rücken- und Kreuzschmerzen mit Kribbeln, Taubheit oder auch Ameisenlaufen (Neurasthenie) sowie Brennen am Rückgrat entlang, Rückenmarkserweichung und Schreiblähmung auftreten. [2][3]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Besonders am Nacken und im äußeren Gehörgang, könneneitrige Geschwüre (Furunkel) auftreten. Der Acidum Picrinicum-Patienten hat eine unreine Haut, die mit Pickeln übersät sind. Es besteht starker Juckreiz, der vor allem nachts auftritt, die Haut fühlt sich zu eng an. [2][5]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient leidet unter starkem Schweiß. Die Füße sind eherkalt und er wird nicht warm. [5]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Acidum Picrinicum-Patienten schlafen tief, aber nicht erholsam.Tagsüber sind sie sehr schläfrig, nachts bekommen sie dafür kein Auge zu, besonders nach geistiger Anstrengung. [4]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Acidum Phosphoricum

Acidum Phosphoricum, die Phosphorsäure, ist eine farblose, ölige Flüssigkeit und hat, wie Acidum Picrinicum, die Hauptmerkmale Schwäche und Schweiße. Auch bei Acidum Phosphoricum besteht eine Schläfrigkeit tagsüber und Schlaflosigkeit nachts und Erschöpfung von Geist und Körper, besonders nach Kummer und Säfteverlust. Anders als beiAcidum Picrinicum ist der Urin milchartig, der Acidum Phosphoricum-Patient leidet unter weißen Durchfällen und die Geschlechtsteile des Mannes sind schwach und schlaff. [4]

Gelsemium

Gelsemium sempervirens, der wilde Jasmin, gehört zu den Brechnussgewächsen. Seine Wirkung konzentriert sich auf das zentrale Nervensystem. Gelsemium hat wie Acidum PicrinicumPrüfungsängste, Lähmungserscheinungen, Muskelschwäche sowie völlige Erschlaffung und Entkräftung, Kopf- und Hinterkopfschmerzen werden durch festes Bandagieren gebessert. Die Gesichtsfarbe ist aber eher dunkelrot, der Gelsemium-Patient hat einen faulen Geschmack im Mund. [3]

Natrium carbonicum

Natrium carbonicum ist ein Salz der Kohlensäure. Natrium carbonicum-Patienten leiden, wie Acidum Picrinicum-Patienten unter großer Schwäche und Erschöpfung und bekommen durch leichteste geistige Arbeit Kopfschmerzen. Auch heißes Wetter wird nicht gut vertragen und der Geschmack im Mund ist bitter. Anders als bei Acidum Picrinicum hat Natrium carbonicum einen Bezug zu den Atemorganen, der Natrium carbonicum-Patient leidet unter einem trockenen Kitzelhusten, der schlimmer wird, wenn man aus der Kälte in die warme Stube kommt. Die Haut ist eher weiß wie Milch oder milchiges Wasser, er leidet unter Blähungen und ist reizbar. [4][5]

Hintergrundinformationen

Acidum Picrinicum, die Pikrinsäure bildet gelbe, stark bitter schmeckende Kristalle, die nur schwer in kaltem Wasser, besser löslich in siedendem Wasser und leicht löslich in Ethanol und Benzol sind. Acidum Picrinicum ist eine starke Säure. Gegenüber Metallen verhält sich die Pikrinsäure aggressiv. Pikrinsäure ist giftig, auf der Haut kann sie starke allergische Reaktionen hervorrufen. Die Substanz wurde ab 1886 als erstes hochexplosives Füllmittel für Geschosse verwendet, nachdem der Franzose Eugène Turpin die Sprengstoffeigenschaften der lange zuvor bekannten Säure entdeckt hatte. Im Ersten Weltkrieg waren Granaten mit Pikrinsäure als Explosivstoff gefüllt. Eine längere Lagerung war aber aufgrund der Pikratbildung mit dem Metall der Hülsen problematisch, da sich explosive Metallpikrate bildeten. Pikrinsäure war für die katastrophale Halifax-Explosion im Jahre 1917 verantwortlich. Die Verwendung von Pikrinsäure zur Anfärbung von Backwaren im ausgehenden 19. Jahrhundert war weit verbreitet und war als „Weltersches Bitter“‎ bekannt, nach einer Häufung von Vergiftungsfällen wurde die Anwendung unterbunden. Früher wurde die Pikrinsäure als Farbstoff zur Herstellung von gelber Tinte, zum Färben von Seide und als Beizmittel in der Textil- und Lederindustrie benötigt. Der Einsatz in kosmetischen Mitteln oder als Antiseptikum ist nicht mehr gebräuchlich. Das Kalisalz der Pikrinsäure wurde früher als Entwurmungsmittel verwendet. Heute dient Pikrinsäure in der chemischen Industrie als Zwischenprodukt zur Herstellung von Pikraminsäure und damit als Ausgangsstoff für Azofarbstoffe. In der organischen Analytik wird Pikrinsäure zum Nachweis von Alkaloiden und Kreatinin angewendet, in der Mikroskopie zum Anfärben von Präparaten. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Metallografie, dort dient die Substanz zum Ätzen metallischer Oberflächen. [1][6][7]