Globuli von A bis A

Anacardium orientale Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Anacardium orientale Globuli werden aus der Orientalischen Elefantenlausnuss, auch Malakka-Nuss genannt, gewonnen. Dies ist die Frucht des Elefantenlausbaumes (Semecarpus anacardium) aus der Familie der Terebinthaceen, welcher in den Gebirgsregionen Indiens und Südostasiens beheimatet ist. Damit ist der zu Grunde liegende Wirkstoff pflanzlicher Herkunft und entfaltet seine Wirkung vor allem im Nervensystem, dem Magen-Darm-Trakt sowie in der Haut des Menschen. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ist ein bewährtes Mittel zur Selbstmedikation und wird bevorzugt bei Stress-bedingten Erschöpfungszuständen, Gedächtnisverlust durch zum Beispiel Altersschwäche, dyspeptischen Magenbeschwerden (Symptomkomplex aus Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen und Blähungen) sowie bei entzündlichen Hauterkrankungen, die mit einer Bläschenbildung einhergehen eingesetzt.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Patienten, für die Anacardium orientale Globuli besonders geeignet sind, weisen verschiedene charakterliche Eigenschaften auf. Die einen sind leicht reizbar, handeln oft unbeherrscht oder impulsiv und neigen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Darüber hinaus fluchen sie oft und unbedacht und sind häufig nicht kompromissbereit. Die anderen sind durch einen eher ängstlich-depressiven Charakter gekennzeichnet und gleichzeitig stets sorgenvoll und unentschlossen in ihren Entscheidungen und Handlungen. Hauptsächliche Heilanzeigen für die Einnahme von Anacardium orientale Globuli sind zum einen Zustände geistiger Erschöpfung mit Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und rascher Ermüdbarkeit infolge geistiger Überarbeitung. So können Anacardium orientale Präparate beispielsweise im Rahmenvon Prüfungsstress oder bei nervöser Erschöpfung im Rahmen der Examensvorbereitung eingenommen werden. Anacardium orientale Globuli können darüber hinaus auch bei Gedächtnisschwäche eingesetzt werden, die beispielsweise durch den natürlichen Alterungsprozesses des Menschen entsteht. Aber auch eine Magenverstimmung oder Magenschmerzen im Rahmen dyspeptischer
Beschwerden können die Einnahme von Anacardium orientale Globuli rechtfertigen. Eine Dyspepsie kann dabei durch eine durch den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre bedingte Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut (Refluxösophagitis), durch
eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) oder auch durch Schleimhautgeschwüre von Magen oder Zwölffingerdarm (Ulcus ventriculi oder duodeni) bedingt sein. Der Begriff dyspeptische Beschwerden beschreibt dabei einen Symptomkomplex aus Übelkeit und Erbrechen, Aufstoßen, Völlegefühl mit vorzeitigem Sättigungsgefühl sowie Schmerzen hinter dem Brustbein (retrosternale Schmerzen) und Blähungen (Meteorismus).
Bei Kindern werden Anacardium orientale Globuli bevorzugt bei Erschöpfungszuständen und nicht vollständiger Erholung nach akuten, fieberhaften Erkrankungen eingesetzt. Sie sollen unterstützend wirken bei der Überwindung von geistiger Schwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und rascher Ermüdbarkeit.
Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen können Anacardium orientale Globuli auch den Heilungsprozess bläschenbildender Hauterkrankungen fördern. Dazu zählen beispielsweise Infektionskrankheiten wie Windpocken und Masern oder auch Allergien. Daneben können aber auch vor allem mit Juckreiz, Schuppenbildung und nässenden Hautrissen anstelle von Bläscheneinhergehende Hautkrankheiten mit diesem Mittel unterstützend behandelt werden. Dazu gehören die Neurodermitis (atopisches Ekzem), eine nicht-ansteckende, chronisch verlaufende Hauterkrankung sowie die Schuppenflechte (Psoriasis), eine vermutlich autoimmun bedingte Erkrankung, bei der auch eine genetische Veranlagung (Disposition) eine verursachende Rolle spielen soll.

Wo wirkt es?: Anacardium orientale entfaltet seine Wirkung zum einen im zentralen Nervensystem, dass heißt im Gehirn und im Rückenmark und wirkt damit auf Geist und Gemüt. Entsprechend seinen weiteren Heilanzeigen (Indikationen) wirkt es zum anderen aber auch im Magen-Darm-Trakt und in der Haut.

In welchem Alter?: Sowohl bei Kindern und Erwachsenen als auch bei hochbetagten Patienten können Anacardium orientale Globuli verordnet werden. Allerdings unterscheiden sich, wie schon unter a) erwähnt, die bevorzugten Heilanzeigen (Indikationen) entsprechen der jeweiligen Altersklasse.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sehr charakteristisch für den Anacardium orientale-Patienten ist die Besserung der Beschwerden während des Essens. Sobald er zu essen beginnt, werden die Symptome augenblicklich gelindert. Nach einiger Zeit kehren sie jedoch wieder. Darüber hinaus können folgende Leitsymptome benannt werden:

  • Der Patient verspürt das Gefühl, als würde ein schwerer Pflock im Innern eines Organs sitzen und dagegen drücken, beispielsweise im Magen, im Darm oder in der unteren Partie der Wirbelsäule.
  • Leidet der Patient unter Schmerzen, so hat er das Gefühl, ein enges Band wäre um die schmerzende Stelle geschnürt.
  • Der Patient fühlt sich stets erschöpft und müde und leidet unter Kopfschmerzen. Selbst kleinste geistige Anstrengungen bereiten ihm große Schwierigkeiten und er hat Mühe, sich zu konzentrieren.
  • Der hochbetagte Patient ist verwirrt und teils auch desorientiert. Er hat Schwierigkeiten, sich an Alltägliches, jedoch nicht weit Vergangenes zu erinnern und er hört Stimmen, die ihm in sich widersprüchliche Befehle erteilen.
  • Der Patient klagt über Verstopfung (Obstipation), die durch einen häufigen, aber vergeblichen Stuhldrang gekennzeichnet ist. Selbst weicher Stuhlgang kann nicht entleert werden und der Darm erscheint wie gelähmt.
  • Ist der Patient von einer Hauterkrankung betroffen, so ist diese von entsetzlichem Juckreiz begleitet und häufig mit der Bildung kleiner, nässender Bläschen vergesellschaftet.
  • Der Patient verspürt Schmerzen hinter dem Brustbein (retrosternale Schmerzen) oder im Oberbauch, die nachlassen, sobald er beginnt zu essen. Diese sind begleitet von Aufstoßen, Völlegefühl, Übelkeit und Blähungen (Meteorismus).
  • Kinder fühlen sich nach einem akuten und fieberhaften Infekt erschöpft und müde. Sie wirken gleichzeitig melancholisch und in sich gekehrt und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Verbesserung: Der Zustand des Anacardium orientale-Patienten bessert sich deutlich während des Essens sowie zum Nachmittag und zum Abend hin.

Verschlechterung: Eine Verschlechterung des Zustandes des Anacardium orientale- Patienten wird durch jegliche Art von geistiger Arbeit, einen leeren Magen sowie durch Überanstrengung und Ärger hervorgerufen.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Anacardium orientale-Patient fühlt sich infolge geistiger Überarbeitung erschöpft und ständig müde. Er hat Schwierigkeiten, sich auf Dinge zu konzentrieren, die ihm zuvor keine große Mühe bereitet haben. Der altersschwache Anacardium orientale-Patient kann sich nur schwer an alltägliche Dinge erinnern und verliert bisweilen die Orientierung. Auch ist er oft verwirrt und vernimmt seltsame, unangenehme Gerüche. Zudem hört er Stimmen, die ihm widersprüchliche Befehle erteilen. Ein betroffenes Kind fühlt sich trotz Ausheilung einer akuten und mit Fieber einher gegangenen Erkrankung erschöpft und kraftlos. Auf Mitmenschen wirkt es regelrecht melancholisch und schwach, und es bereitet ihm große Mühe, sich zu konzentrieren, zum Beispiel auf das Spielen mit anderen Kindern.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ist der Patient geistig überarbeitet und erschöpft, so leidet er gleichzeitig oft unter Kopfschmerzen. Es erscheint ihm, als würde ein Pflock innerhalb seines Kopfes sitzen und einen drückenden Schmerz hervorrufen. Oder aber er hat das Gefühl, als würde sein Kopf von einem Band unter Schmerzen zusammengeschnürt werden.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ein Patient mit einer Magenverstimmung, einer durch Reflux der Magensäure bedingten Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre (Refluxösophagitis) oder einem Geschwür der Schleimhaut von Magen oder Zwölffingerdarm (Ulcus ventriculi oder duodeni) leidet unter Schmerzen hinter dem Brustbein (retrosternale Schmerzen) oder im Oberbauch, die ebenfalls folgende Merkmale besitzen: inneres Pflockgefühl oder Zusammenschnürungsgefühl. Charakteristisch ist, dass die Schmerzen versiegen, sobald der Patient Nahrung zu sich nimmt. Gleichzeitig ist der Patient aber auch von Übelkeit und Erbrechen, häufigem Aufstoßen, Völlegefühl und Blähungen (Meteorismus) geplagt.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ein Kind, dass nach Ausheilung eines akuten Infektes immer noch erschöpft ist, verspürt eine lähmungsartige Schwäche in den Beinen. Gehen und Laufen ist mit großer Mühe verbunden und wird vermieden.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Chelidonium

Chelidonium majus-Globuli werden aus Schöllkraut, das der Familie der Papaveraceae angehört, gewonnen und eignen sich wie auch Anacardium orientale-Globuli für einen depressiven Patienten. Anders als Anacardium orientale wirkt Chelidonium majus allerdings vorwiegend auf die Leber, die Atemwege sowie den Stütz- und Bewegungsapparat und eine Verbesserung des Zustandes des Chelidonium majus-Patienten tritt nicht durch geistige, sondern durch körperliche Arbeit, kaltes und raues Wetter sowie während der Schwangerschaft ein. Bei beiden Präparaten lässt sich eine Zustandsverbesserung durch Essen verzeichnen, bei Chelidonium majus zusätzlich noch durch Wärme sowie warme Getränke. Hauptsächliche Heilanzeigen (Indikationen) sind entsprechend seinen Angriffsorten Erkrankungen der Atemorgane wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung (Pneumonie), aber auch Gallensteine (Cholelithiasis), eine Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) sowie Muskel- und Gelenkschmerzen im Rahmen rheumatischer Erkrankungen. Der Begriff rheumatische Erkrankung ist dabei ein Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten, die allesamt durch schubweise auftretende Schmerzen und im Verlauf der Erkrankung entstehende Funktionsstörungen des Bewegungsapparates gekennzeichnet sind.

Graphites

Der einem Graphites-Präparat zugrunde liegende Wirkstoff ist das Mineral Graphit, eine natürliche Erscheinungsform des chemischen Kohlenstoffs in seiner Reinform. Graphites-Globuli eignen sich ebenfalls für Patienten mit depressiver Verstimmtheit, die zudem eine Neigung zu Übergewicht und Verstopfung (Obstipation) besitzen und häufig blass und kälteempfindlich sind. Wie auch Anacardium orientale-Globuli kann dieses Mittel bei dyspeptischen Beschwerden im Rahmen einer Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) oder eines Geschwüres der Schleimhaut von Magen oder Zwölffingerdarm (Ulcus ventriculi oder duodeni) und bei entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt werden. Es besitzt jedoch noch andere Heilanzeigen (Indikationen) wie Entzündungen am Auge wie beispielsweise eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) oder der Hornhaut (Keratitis), Verstopfung (Obstipation) und auch bei Regelbeschwerden wie einem Ausbleiben (Amenorrhö) oder einer Verstärkung der Regelblutung (Hypermenorrhö) kann es verordnet werden.

Ignatia

Ignatia wird aus der Ignazbohne (Strychnos ignatii) gewonnen und entfaltet seine Wirkung vor allem in Bezug auf das zentrale Nervensystem, also im Gehirn und im Rückenmark. Wie auch der Anacardium orientale-Partient, ist der Ignatia-Patient durch Traurigkeit und Kummer gekennzeichnet, zusätzlich aber auch durch Nervosität und psychische Labilität.
Auslöser von Beschwerden, die durch die Gabe von Ignatia-Globuli gelindert werden sollen, sind oft psychisch belastende Ereignisse. Zu diesen Beschwerden zählen eine depressive Verstimmung, Kopfschmerzen und Migräne sowie Geschwüre der Magen- und Zwölffingerdarm-Schleimhaut (Ulcus ventriculi und duodeni) und eine Entzündung der Schleimhaut des Magens (Gastritis). Darüber hinaus kann dieses Mittel auch bei Regelschmerzen (Dysmenorrhö) und Nervenschmerzen (Neuralgien) eingesetzt werden.

Nux vomica

Für die Herstellung von Nux vomica-Globuli werden die reifen, getrockneten Samen des Brechnussbaumes (Strychnos nux vomica) verwendet. Der Nux vomica-Patient ist typischerweise jähzornig, gehetzt und leicht reizbar. Obgleich sich seine Beschwerden verschlimmern, hat er ein ständiges Verlangen nach Genussmitteln wie Kaffee, Tabak und Alkohol. Eine Zustandsverschlechterung des Nux vomica-Patienten tritt außerdem Kälte, Nässe und nach dem Essen ein, während Wärme und kurzer Schlaf eine Besserung hervorrufen. Nux vomica wirkt bevorzugt auf das zentrale Nervensystem, die Leber, den Magen-Darm-Trakt sowie den Stütz- und Bewegungsapparat. Wie auch Anacardium orientale-Globuli können Nux vomica-Globuli bei einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und bei Schleimhautgeschwüren von Magen oder Zwölffingerdarm (Ulcus ventriculi oder duodeni) verordnet werden. Zudem kann es aber auch bei Kopfschmerzen und Migräne, einer Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis), einer Entzündung der Leber (Hepatitis), Regelschmerzen (Dysmenorrhö) oder auch bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises unterstützend wirken.

Rhus toxicodendron

Der Ausgangsstoff für die Herstellung von Rhus toxicodendron-Globuli sind die frischen, jungen Triebe des Giftsumachs (Tixicodendron quercifolium). Dieser entfaltet seine Wirkung sowohl im Nervensystem als auch im Stütz- und Bewegungsapparat. Der Rhus toxicodendron-Patient ist gekennzeichnet durch seine Ruhelosigkeit, seinen Bewegungsdrang sowie seine ängstliche Unruhe. Auslöser der Beschwerden, die durch dieses Mittel gelindert werden sollen, sind oft körperliche und geistige Überanstrengung oder auch Kälte und Nässe. Die Symptomatik wird charakteristischerweise durch Ruhe und durch den Nachtschlaf verstärkt, wohingegen Massagen, Wärmeanwendungen, Bewegung und Schwitzen eine Besserung hervorrufen. Dieses Mittel kann, wie auch Anacardium orientale-Globuli, bei entzündlichen Hauterkrankungen mit Bläschenbildung eingesetzt werden, wie beispielsweise bei allergischen Reaktionen. Darüber hinaus kann es aber auch bei Kopfschmerzen von berstendem Charakter, bei Infekten der Atemwege wie einer Bronchitis und ebenfalls bei rheumatisch bedingten Muskel- und Gelenkschmerzen zu einer Linderung der Symptome führen.

Hintergrundinformationen

Der Elefantenlausbaum, aus dessen Früchten die Anacardium orientale-Globuli hergestellt werden, ist ein Laubbaum mit einer Wuchshöhe von 15 bis 25 Metern. Seine Steinfrüchte selbst sind schwarz und erscheinen platt und eiförmig. Sie wachsen auf einem fleischigen, herzförmigen Fruchtstiel und werden bei Erreichen ihrer Reife geerntet, getrocknet und anschließend zu homöopathischen Zwecken weiter verarbeitet. Früher wurde der getrocknete Milchsaft mit Kreide vermischt und so zu einer Art Tinte verarbeitet, weshalb der Elefantenlausbaum volkstümlich auch „Tintenbaum“ genannt wird. Noch heute wird diese Tinte in einigen Teilen Indiens zur Herstellung von Stempelfarben, zur Kleiderbemalung und zur Termitenbekämpfung verwendet. Eine dem Elefantenlausbaum sehr ähnliche und auch verwandte Art ist der Kaschbaum, welcher in Westindien sowie Mittel- und Südamerika beheimatet ist. Dieser mag vielen unbewussterweise bekannt sein, da er die Cashew-Nüsse hervorbringt, die in aller Welt verzehrt werden. Das durch Wasserdampfdestillation der frischen Früchte gewonnene Cashewnussöl wurde früher als Mittel gegen Warzen und Hühneraugen verwendet. In homöopathischen Dilutionen findet es heutzutage Verwendung in Magenpräparaten.