Globuli von A bis A

Aloe Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Schon den antiken Ärzten war die Aloe als Heilpflanze bekannt. Im Deutschen wird sie aufgrund des bitteren Geschmacks ihres Saftes auch Bitterschopf genannt. Während des Mittelalters verwendete man Aloe zur Behandlung von Hämorrhoiden, stark blutenden Wunden und Verstopfung (Obstipation). Sowohl in der Schulmedizin als auch in der Pflanzenheilkunde gilt die Pflanze noch heute als wirksames Mittel bei diversen Verdauungsstörungen, Hauterkrankungen, Entzündungen, bei Immunschwäche, Kreislauferkrankungen und Allergien. Der Homöopath zählt Aloe zu den spezifisch wirkenden Einzelmitteln bei Durchfall(Diarrhoe), unwillkürlichem Stuhlabgang (Sphincterschwäche) Nierenschwäche, Hämorrhoiden, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Kopfschmerzen und Hexenschuss (Lumbago). Die Globuli werden aus dem Saft der dickfleischigen Blätter der afrikanischen Pflanze hergestellt. Mit Aloe behandelt man insbesondere eine Stase(Blutstauung) der Pfortader (verbindet die Verdauungsorgane mit der Leber). Zu deren typischen Symptomen zählen das Herabdrängen der Verdauungsorgane und der weiblichen Geschlechtsorgane (bearing down), sowie Blutandrang (Kongestion) im Kopf. Wenn die Symptome des Kranken zur Heilwirkung passen, wird Aloe in der Regel in niedrigen Potenzen verabreicht und eignet sich gut zur Selbstbehandlung.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Der Aloe-Patient bewegt sich wenig und übt häufig eine sitzende Tätigkeit aus, bzw. ist durch Alter oder Krankheit ermüdet. Völlegefühl, Gleichgültigkeit und Ermattung bestimmen sein Lebensgefühl. Er neigt zu chronischer Schwäche des Verdauungssystems. Hypochondrie bzw. Sorge um seine Gesundheit plagen den Aloe-Patienten. Auf Schmerzen reagiert er gereizt. Gerade Männer, die Bier in großen Mengen konsumieren, entwickeln häufig die für Aloe charakteristischen Symptome. Frauen, deren Uterusblutungen mit Aloe behandelt werden sollten, sind keinesfalls temperamentvoll oder nervlich aufgewühlt, sodass psychische Ursachen für ihre Erkrankung ausgeschlossen werden können.[3] Der erste und wichtigste Anzeiger (Hauptindikation) für die Gabe von Aloe ist Durchfall (Dysenterie). Die für Aloe typischen Durchfälle nennt man Hydrantenstühle; sie gehen unwillkürlich ab, stinken, sind gallertartig und enthalten Schleimklumpen. Der Patient ist deshalb in ständiger Sorge und empfindet Schwäche in Sphincter und Rektum.[1]

Ein zweites wichtiges Aloe-Symptom sind Hämorrhoiden, die häufiger bei Männern als bei Frauen auftreten und eher ältere Patienten plagen. Jeder gesunde Mensch hat Schwellkörper zwischen Mastdarm und Enddarm, die der Stuhlabgangskontrolle dienen und bei gewolltem Stuhlgang abschlaffen. Wenn die Blutzufuhr bzw. die Blutabfuhr blockiert wird, entsteht die im Volksmund als Hämorrhoiden bekannte Erkrankung. Die Schwellkörper blockieren dann den Enddarm und erschweren den Stuhlgang. Sie jucken und brennen und treten hin und wieder sogar aus dem After aus. Treten solche Symptome bei einem Patienten auf, kann Aloe hilfreich sein.[4]Stülpt sich die Enddarmschleimhaut nach außen (Rektalprolaps), ist das ebenfalls ein charakteristisches Aloe-Symptom.

Viele Aloe-Patienten leiden unter einem Wechsel von Kopfschmerzen und Hexenschuss (Lumbago). Die Kopfschmerzen sind örtlich begrenzt und treten meist über der Augenhöhle auf, von wo aus sie tief in den Kopf hineinreichen. Sie verschlimmern sich durch Wärme und verbessern sich durch Kälte. Häufig werden sie von Durchfallsymptomen begleitet.

Ferner sind juckende Hauterkrankungen und Fieber, das sich vor allem durch Schüttelfrost und Kälteempfindungen äußert, Symptome, die eine Aloe-Gabe möglich erscheinen lassen. Viele Aloe-Patienten leiden darüber hinaus an einem stechenden Uringeruch, der auf große Mengen von Oxalsäure im Urin hindeutet. Ein hoher Oxalsäuregehalt im Urin kann auf eine Nierenschädigung hindeuten.

Wo wirkt es?: Aloe wirkt auf den Verdauungstrakt, den After, die weiblichen Geschlechtsorgane, die Nieren, ferner auf den Muskelapparat des Rückens und des Nackens, die Haut und die Temperaturwahrnehmung. Damit zählt Aloe zu den Einzelmitteln mit sehr spezifischen Symptomen.[3]

In welchem Alter?: Tendenziell wird Aloe eher bei reifen oder greisen Personen angewendet. Die Konzentration der Oxalsäure im Urin vieler Patienten ist ein typisches Alterssymptom, wie auch Hämorrhoiden und Hexenschuss häufiger im reiferen Alter auftreten. Unwillkürliche Stuhlabgänge sind ein Symptom, das Patienten aller Altersstufen betreffen kann. Früher behandelte man mit Aloe beispielsweise die Ruhr, die Kinder, Erwachsene und Greise gleichermaßen befiel. Für Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorange kann es verordnet werden, wenn folgende Symptome auftreten: die Monatsblutung setzt zu früh ein und es blutet zu stark, das Blut ist dunkel und Klumpig, die Gebärmutter drängt herab (bearing down).[1]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

After und Blase fühlen sich schwer und geschwollen an. Der After ist stark durchblutet. Beide Organe empfindet der Patient als nach unten drängend und pulsierend (bearing down). Der Patient verliert die Kontrolle über seinen Stuhlabgang(Sphincterschwäche). Er sorgt sich ständig um seinen Zustand, sodass er Urin und Flatulenzen zurückhält, um nicht versehentlich Kot abzusondern. Den unwillkürlichen Stuhlabgang kann er allerdings nicht verhindern; z.T. tritt dieser ohne vorhergehenden Stuhldrang auf. Der Drang kommt so plötzlich, dass der Patient kaum noch die Toilette erreicht. Diese Symptomatik gilt für Patienten mit flüssigem und festem Stuhl. Der Patient leidet unter kalten Füßen und Händen. Geistige Anstrengung und Arbeit ermüdet den Patienten sofort, weshalb er diese vermeidet. Die Verdauungssymptome sind von krampfartigen Schmerzen begleitet. Leidet der Patient unter Durchfall (Diarrhoe), so sind die Stühle häufig von blutigem oder durchsichtigem Schleim durchsetzt. Vor dem Stuhlgang treten vermehrt Verdauungsgeräusche auf. Wie After und Blase fühlt die Aloe-Frau auf ihrer Gebärmutter einen starken Drang nach unten (bearing down), der mit Schmerzen, vermehrtem Ausfluss und verstärkten Blutungen verbunden sein kann. Aloe wird tendenziell nicht bei Frauen mit Nervenschwächen oder nervösem Temperament angewendet, wenn beides als Ursache für die Gebärmutter-Symptome in Frage kommt.

Verbesserung: Die Symptome des Aloe-Patienten verbessern sich im Freien und in kalter Luft, außerdem ein Verlangen nach Fleisch und nach Saftigem (z.B. Obst).[5][6][7]

Verschlechterung: Im Schlaf, beim Liegen auf der rechten Seite, bei schlechten Nachrichten, nach der Nahrungsaufnahme und durch Wärme verschlechtert sich der Zustand des Patienten merklich. Wassertrinken verursacht Magenschmerzen.[3][5]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Aloe-Patient ist ruhelos und matt in schnellem Wechsel. Er ist unzufrieden, überdrüssig, überreizt und meidet menschlichen Kontakt. Er scheut geistige Arbeit und jede körperliche Anstrengung, da beides ihn ermüdet. Bei bewölktem Wetter verschlechtert sich auch seine Laune. Er erwartet seinen baldigen Tod.[8]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig klagt der Patient über Kopfweh, speziell über oder hinter den Augenhöhlen, das ihn quält und seine Stimmung verdüstert. Die Kopfschmerzen wechseln sich mit Rückenschmerzen oder Verdauungsbeschwerden ab. Der Patient empfindet einen schweren Druck auf dem Scheitel; ständig ist ihm schwindelig. Er erträgt kein helles Licht (Photophobie), weshalb er die Augen zusammenkneift oder schließt. Beim Kauen knackt es in seinen Ohren. Als Hypochonder ängstigt ihn sein Zustand.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Lippen des Patienten sind gerötet, entzündet, rau, aufgesprungen und bluten häufig. Zunge und Mundinnenraum beschreibt der Patient alstrocken. Vor allem morgens leidet er unter einem bitteren oder sauren Geschmack im Mund. Beim Kauen und Gähnen empfindet er große Schmerzen. Seine Nasenspitze ist auffällig kalt. Nach dem Erwachen kann Nasenbluten auftreten.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient klagt über einen rauen, schmerzenden und geschwollenen Hals. Räuspert er sich, so werden dicke Klumpen gelblichen Schleimes ausgeschieden. Vor allem im Winter erkrankt der Patient häufig an juckendem Reizhusten, der ihm die Tränen in die Augen treibt. Das Atmen fällt ihm schwer. In der Lebergegend empfindet er ein Druckgefühl, das den Hustenreiz und die Atemnot verstärkt.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient hat Appetit auf saftige Nahrungsmittel wie Obst, insbesondere verlangt es ihn nach Äpfeln. Saftiges nimmt er im Wechsel mit Salzigem zu sich. Gegen Fleisch allerdings verspürt er eine regelrechte Abneigung, weshalb Aloe-Patienten häufig Vegetarier sind. Er neigt zu ständigem und geräuschvollem Aufstoßen, klagt über Schmerzen in der Magengrube und ist nach dem Stuhlgang hungrig.

Seinen Unterbauch empfindet der Patient als überfüllt und geschwollen. Alles drängt nach unten, zum After hin. Schmerz zieht sich vom Nabel zum Rektum. Kurz vor dem Stuhlgang beginnt der Unterbauch des Patienten vermehrt Geräusche zu produzieren, der Patient ist verunsichert, stürzt zur Toilette und entleert dort, z.T. unter Schmerzen, wässrigen Durchfall, ohne vorher Stuhldrang verspürt zu haben. Leidet der Patient unter Blähungen, begleitet ihn die ständige Unsicherheit, dabei Kot zu verlieren. Auch beim Wasserlassen kann es zu unwillkürlichen Stuhlabgängen kommen. Der Schließmuskel des Patienten ist geschwächt, auch zwischen den Stuhlgängen sickert ihm Schleim aus dem After. Hin und wieder enthält sein Kot Unverdautes.

Ist der Patient an Hämorrhoiden erkrankt, treten diese aus dem After aus. Kaltes Wasser lindert das Jucken und die damit einhergehenden Schmerzen. Dennoch erschwert sein Leiden dem Patienten das Einschlafen. Flatulenzen und Stuhlgang gehen heiß ab, der After pulsiert, der Darm scheint zu brennen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Urin des Patienten ist heiß und brennt auf der Haut. Ein kräftiger, säuerlicher Geruch zeigt die erhöhte Oxalsäurekonzentration im Harn an. Bei älteren Menschen tritt Harninkontinenz auf, die Prostata der (männlichen) Patienten ist geschwollen. Beim Harnlassen kommt es zu unwillkürlichem Stuhlabgang.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Männliche Genitalien: Nach dem Essen und nach dem Erwachen verspürt der männliche Aloe-Patient, auch schon im Kindesalter, sexuelle Erregung. Während des Schlafes kommt es häufig zu unwillkürlichen Samenergüssen (Pollution).

Weibliche Genitalien: Wie der Darm drückt und drängt der Uterus der Aloe-Patientin nach unten. Sie verspürt wehenartige Schmerzen im Becken und in den Leisten. Im Stehen und während der Periode verschlimmern sich diese Schmerzen merklich. Die Monatsblutung der Patientin setzt zu früh ein und dauert zu lange an. Zwischen den Blutungen scheidet sie mit Blut durchsetzten Ausfluss aus. Nach der Entbindung treten bei vielen Patientinnen unkontrollierbare Durchfälle auf. Während der Wechseljahre (Menopause) kommt es weiterhin zu Blutungen.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Aloe-Patienten kommt es immer wieder zum gefürchteten Hexenschuss (Lumbago). Doch auch sonst schmerzt das Kreuz des Patienten, vor allem im Sitzen. Nur Bewegung bringt ihm etwas Erleichterung. Auch seine Gelenke fühlen sich wund und geschwollen an. Beim Gehen beschreibt der Patient ein Brennen in den Fußsohlen.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient schläft unruhig, da etwaige Symptome häufig in den frühen Morgenstunden auftreten. Er träumt immer wieder von unwillkürlichen Harn- und Stuhlabgängen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Lilium tigrinum

Aus dem Saft der Tigerlilie wird das homöopathische Mittel Lilium tigrinumhergestellt. Ebenso wie Aloe wird es zur Behandlung der Stase der Pfortader mit Bearing down verwendet. Alles drängt nach unten, drängt heraus; Patientinnen pressen die Hand gegen ihre Scham. Die Patienten empfinden außerdem Druck hinter oder über den Augenhöhlen oder auf dem Scheitel. Völlegefühl und Schwere im Unterbauch sind typische Symptome für beide Arzneimittel. Allerdings können mit Lilium tigrinumPatienten aller Altersstufen behandelt werden. Die Frauenkrankheiten, bei denen man das Mittel verabreicht, können ebenso nervlichen wie physischen Ursprunges sein. Über Kopf, Verdauungsorgane und weibliche Geschlechtsorgane hinaus wirkt es außerdem noch auf das Herz, den Blutkreislauf und die Blase.

Sepia

Sepia, hergestellt aus der Tinte des Tintenfisches wirkt auf die Geschlechtsorgane, auf den Schließmuskel und den Verdauungstrakt. Damit teilt es nahezu alle Anwendungsgebiete mit Aloe. Das Völlegefühl, der Kopfschmerz, der unwillkürliche Stuhlabgang, Schmerzen im Bereich der Eierstöcke (Ovarien) und des Uterus, all das sind Symptome, die sowohl mit Aloe als auch mit Sepia behandelt werden können. Allerdings empfiehlt sich die Gabe von Sepia in vor allem in hormonellen Umstellungsphasen, beispielsweise während der Pubertät oder der Wechseljahre.

Hintergrundinformationen

Verschiedene Pflanzen aus der Familie der Aloegewächse können zur Herstellung des gleichnamigen homöopathischen Mittels verwendet werden. Zwischen 60 cm und 2 Meter können die unterschiedlichen Gewächse in die Höhe wachsen. Sie blühen zumeist in warmen Farben im Osten und Süden Afrikas. Weil die Aloe besonders fleischige Blätter besitzt, in denen sie eine Menge Wasser speichern kann, blüht sie in der Wüste und wird deshalb auch „Wüstenlilie“ genannt. Sie gehört zu den Sukkulenten, also den saftreichen Pflanzen.[9]

Für Pflanzen und Vögel ist die Aloe in der Regel giftig, ruft aber bei Menschen, auch wenn sie schulmedizinisch verwendet wird, kaum Nebenwirkungen oder gar Vergiftungserscheinungen hervor. Bis zum 19. Jahrhundert allerdings verwendete man den Saft der Aloe in besonders hoher Konzentration, weshalb es gelegentlich zu Durchfällen, blutigem Harn oder Uterusblutungen kam.[2]