Globuli von A bis A

Allium ursinum Globuli

© panthermedia.net / Willy Brüchle

Für die Arznei Allium ursinum liegt im Gegensatz zu vielen anderen homöopathischen Arzneien keine homöopathische Arzneimittelprüfung (AMP) vor. Für eine homöopathische Verordnung ist es eine unverzichtbare Voraussetzung, dass die Symptome einer Arznei an mehreren gesunden Menschen beiderlei Geschlechts geprüft wurden. Dies nennt man Arzneimittelprüfung. Für die Informationen zur Heilwirkung dieser homöopathischen Arznei wurde die Heilwirkung der Droge als Tee, Tinktur, Tropfen, Salbe, Umschläge oder Aromaöl übernommen, sowie weitere Symptome aus der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie).

Es ist allerdings fraglich, ob die rein gedankliche Ableitung der Heilkraft von Allium ursinum von der Pflanzenheilkunde auf ein homöopathisch potenziertes Mittel zuverlässig eingeschätzt werden kann. Es gibt keine oder nur wenig Informationen zur homöopathischen Wirksamkeit und Symptomatik der Arznei Allium ursinum. Dieser Artikel beschränkt sich auf Informationen zu den Heilanwendungen als Substanz, die mehrfach in der Literatur zu finden sind.

Allium ursinum, der Bärlauch, gehört zur Gattung der Lauchgewächse und ist mit der Zwiebel und dem Knoblauch verwandt. Die Pflanze enthält eine nennenswerte Menge an Magnesium, Mangan und Eisen. Zudem ist sie reich an dem Wirkstoff Adenosin, das gefäßerweiternd wirkt. Bärlauchsoll vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, kräftigende und auch verdauungsfördernde,antimikrobielle und entgiftende Wirkungen haben. Vieles davon konnte in Versuchen nachgewiesen werden. Äußerlich angewendet soll der Bärlauch die Wundheilung beschleunigen und bei chronischen Hauterkrankungen wirksam sein. In der Homöopathie verarbeitet man für die Urtinktur die gesamte Pflanze, welche zu Beginn der Blüte geerntet und verarbeitet wird.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Allium ursinum wird vorwiegend bei Menschen mit Verdauungsschwäche angewendet sowie bei Arteriosklerose-Patienten. Es kann unterstützend zur Entgiftung des Organismus wirken.[2][3]

Wo wirkt es?: Allium Ursinum wirkt auf den Darm, Blutgefäße und die Haut.

In welchem Alter?: Das homöopathische Mittel kann in jedem Alter eingesetzt werden, wenn Allium-ursinum-Symptome vorliegen. Im Alter kann es bei Arteriosklerose hilfreich sein.[3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Folgende Beschwerden können einen Hinweis auf Allium ursinum geben:

  • Blähungen, die teilweise festsitzen, eher schnell abgehen, aber unterdrückt werden
  • Durchblutungsstörungen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Hauterkrankungen, die mit Hautrötung, Bläschenbildung, Nässen, Krustenbildung und Schuppung einhergehen

Verbesserung:

Verschlechterung: Durch Stress, Aufregung und seelische Belastung.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bronchitis und erhöhter Blutdruck sind Beschwerden, die beim Allium-ursinum-Patienten auftreten können.[3]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Allium-ursinum–Patient leidet unter Blähungen sowie Durchfall oder Verstopfung, oft aufgrund von Darminfektionen. Auch Folgen einer Antibiotikabehandlung können eine Rolle spielen.[1][2][3]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Allium-ursinum-Patient kann unter trockenen Hautausschlägen sowie Ekzemen mit Hautrötung, Bläschenbildung, Nässen, Krustenbildung und Schuppung leiden. Diese Beschwerden können chronisch sein.[1]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Allium sativum

Allium sativum, der Knoblauch, ist mit Allium ursinumverwandt. Seine Wirkung konzentriert sich ebenfalls auf den Darm bei Verdauungsstörungen und auf den Blutdruck. Allium-sativum-Patienten trinken eher wenig, essen aber viel, oft Fleisch. Der Speichel kann v.a. nach dem Essen süßlich schmecken. Die Kranken neigen eher zu Verstopfung als zu Durchfall.[4][5]

Aloe socotrina

Aloe socotrina gehört wie die zuvor genannten Pflanzen zu den Liliengewächsen. Sie ist in Afrika und Indien beheimatet. Das homöopathische Mittel zeigt seine Wirkung, ähnlich wie Allium ursinum, bei Blähungen mit großer Gasansammlung, Durchfall und Verstopfung. Aloe-socotrina-Patienten haben eine Abneigung gegen Fleisch und viel Durst. Ein typischer Hinweis auf Aloe socotrina ist ein Gefühl des Nach-unten-Ziehens im Rektum und Schmerzen im Rektum nach dem Stuhlgang. Es wird zur Wiederherstellung des körperlichen Gleichgewichts nach arzneilichen Übertreibungen eingesetzt.[4][6]

Carbo vegetabilis

Carbo vegetabilis, die Holzkohle, hat einen Bezug zu den Verdauungsorganen und der Haut. Es kommt bei Blähungen, träger Verdauung mit Völlegefühl und Sodbrennen mit saurem Aufstoßen zum Einsatz. Der Carbo-vegetabilis-Patient hat eine Abneigung gegen Fleisch sowie Fett und Verlangen nach frischer Luft. Er fühlt sich schwach und neigt zur Ohnmacht.[4][7]

Flor de Piedra

Flor de Piedra, die Steinblüte, stammt aus Wäldern Südamerikas. Man zählt sie zu den schmarotzenden Pflanzen. Das Mittel richtet sich an Symptome, die durch eine gestörte Leberfunktion hervorgerufen werden. Als Beschwerden sind Juckreiz, chronische Blähungen mit Völlegefühl und Verstopfung zu beobachten. Die Haut des Patienten, für den Flor de Piedra infrage kommen könnte, kann trocken und angespannt sein und unerträglich jucken. Das Kratzen bringt keine Linderung, und auf der Haut sind blutige Kratzstriemen zu sehen. Die Symptome treten häufig nachts auf. Auch venöse Durchblutungsstörungen gehören zum Arzneimittelbild.[4][8]

Hintergrundinformationen

Allium ursinum, auch Bärlauch, Waldknoblauch oder Hexenzwiebel genannt, ist eine der ältesten Heilpflanzen Europas. Viele Mythen sind mit ihm verbunden. So sollen Bären, die bei den Germanen als Sinnbild von Kraft und Erneuerung verehrt wurden, nach dem langen Winterschlaf aus ihrer Höhle kommen sein und die frischen Blätter des Bärlauch gefressen haben, um sich für das neue Jahr zu stärken. Charakteristisch für den Bärlauch sind die dunkelgrünen lanzenförmigen Blätter, die intensiv nach Knoblauch duften und gerne zu Suppen, Saucen, Salaten oder Pesto verarbeitet werden. Der knoblauchartige Geschmack und Geruch des Bärlauchs stammen von einer Vielzahl schwefelhaltiger Inhaltsstoffe, besonders stark wahrnehmbar ist dieser Geruch bei feucht-warmer Witterung. Die Pflanze bevorzugt schattige, feuchte und humusreiche Standorte. In Auen- und Laubwäldern kommt sie daher häufig vor und kann dort große Flächen einnehmen. Ab März wachsen aus einer länglichen Zwiebel meist zwei Laubblätter. In den Monaten April und Mai erscheinen die kleinen sternförmigen weißen Blüten, die in flachen Scheindolden angeordnet sind. Durch das frühe Erscheinen gilt der Bärlauch seit jeher als Frühlingsbote. Aufgrund des Aussehens kann Bärlauch leicht mit dem giftigen Maiglöckchen oder der Herbstzeitlosen verwechselt werden.[1][2]