Einzelmittel: Globuli von A bis A

Arnica Globuli

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Arnica ist eine homöopathische Arznei, die aus der echten Arnika (Arnica montana) hergestellt wird und auf das Herz-Kreislauf-System, die Haut und den Stütz- und Bewegungsapparat wirkt. Arnica wird häufig als Wundheilmittel, bei Entzündungen, Verletzungen und Blutungen aller Art verordnet, wobei zu einzelnen Indikationen deren Wirksamkeit auch mit Studien belegt werden konnte.[1][2] Eine Behandlung mit der Arznei kann bei unkomplizierten Verletzungen wie einer leichten Prellung (Kontusion) oder Muskelkater ausreichend sein, bei allen anderen, unten aufgeführten Anwendungsgebieten sollte ihr Einsatz erst mit dem Arzt abgesprochen werden, der die homöopathische Behandlung durch schulmedizinische Maßnahmen ergänzen oder ersetzen kann. Bei der Selbstmedikation sind die unter „Anwendungsmöglichkeiten“ aufgeführten Gegenanzeigen zu beachten.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Arnica ist ein wichtiges Wundheilmittel bei Verletzungen, Prellung (Kontusion), Verstauchung (Distorsion), Zerrung (Distension), Blutergüssen (Hämatome), Verbrennungen, Operationsfolgen oder nach Zahnextraktionen. Des Weiteren zählen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzenge (Angina pectoris), hoher Blutdruck (Hypertonie), Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), Hirnschlag (Apoplex), Fieber, Husten, rheumatische Beschwerden, Gicht, Muskelkater, Depression, Blutungen aller Art und verschiedene Entzündungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis), Blinddarmentzündung (Appendizitis), Venenentzündung (Phlebitis) und Entzündungen des Haarbalgs (Furunkel) zu den Heilanzeigen dieser Arznei.

Arnica wirkt besonders gut bei temperamentvollen, sanguinischen Personen mit rotem Gesicht und muskulösem Körperbau.

Gegenanzeigen: Die Urtinktur sollte nicht bei Nasenbluten, Hirnschlag oder Blutungen im Auge angewandt werden. Tiefe Potenzen bis D6/ C3 sollten nicht angewandt werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen Arnica montana oder andere Korbblütler besteht

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten werden in erster Linie das Herz-Kreislauf-System, der Stütz- und Bewegungsapparat und die Haut gezählt.

In welchem Alter?: Arnica kann bei allen Alterstufen angewandt werden.[1][3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome des Homöopathikums Arnica sinddie Abgeschlagenheit und Mattigkeit des Körpers und der Glieder bei fast jeder Erkrankung, das schreckhafte Auffahren aus dem Schlaf, das Auftreten von Beschwerden aufgrund von geistigen oder körperlichen Verletzungen oder durch Schock, die Überempfindlichkeit des ganzen Körpers vor allem gegen Schmerzen, die Furcht vor Berührung und die Hitze des Kopfes bei gleichzeitig kaltem
Körper.[3]

Verbesserung: Das Lagern des Kopfes nach unten und das Hinlegen können Linderung der Beschwerden erwirken.[1][4]

Verschlechterung: Bei geringster Berührung, in Ruhe, durch feuchte Kälte und Wein kann eine Verschlechterung der Beschwerden auftreten.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typisch für das Mittel Arnica ist die Furcht des Patienten vor jeglicher Berührung oder Annäherung, sein Zorn, wenn er zu einer Antwort gezwungen wird, seine Unfähigkeit, Schmerzen zu ertragen, sowie sein Wunsch, allein gelassen zu werden. Der Patient ist meist eigensinnig, überempfindlich, nervös, mürrisch und unfähig, anhaltend und aktiv eine Arbeit zu verrichten. Wenn er bewusst los ist, kann er auf Fragen erstaunlicherweise oft richtig antworten, um im Anschluss daran wieder in die Bewusstlosigkeit zu fallen. Der Patient ist sorgenvoll, banale Symptome werden oft übertrieben. In der Kinderheilkunde ist Arnica besonders bei mürrischen, ungehorsamen und starrköpfigen Jugendlichen indiziert.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kopf ist heiß, der Körper kalt. Die Kopfhaut fühlt sich zusammengezogen an. Typisch sind Schwindel, Verwirrtheitszustände und heftige, kneifende oder brennende Kopfschmerzen, die besonders morgens sehr unangenehm sind.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht ist eingefallen, heiß, die Nase jedoch kühl. Bei Husten, Anstrengung oder beim Waschen des Gesichtes kann es zu Nasenbluten kommen. Werden die Augen geschlossen, tritt Schwindel auf. Müdigkeit und Schwäche treten nach Überanstrengung der Augen auf.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Heftiger, krampfartiger Husten tritt vor allemnachts und anfallsweise in Folge einer Schädigung des Herzens, aufgrund einer Keuchhusten-Infektion, durch Weinen oder Jammern auf. Heiserkeit in Folge von Überanstrengung der Stimme mit einem rauhen, wunden Gefühl am Morgen. Zu den Heilanzeigen von Arnica zählt auch anfallsartige Herzenge (Angina pectoris), besonders wenn der Schmerz im Ellenbogen des linken Armes empfunden wird, am Herzen Stiche wahrgenommen werden und der Puls schwach und ungleichmäßig ist.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient hat Mundgeruch wie nach faulen Eiern, einen trockenen Mund, nimmt einen bitteren Geschmack wahr und ist durstig. Nach einer Zahnentfernung ist das Zahnfleisch sehr schmerzhaft und blutet stark. Der Patient hat Heißhunger, verlangt nach Essig und zeigt Abneigung gegen Fleisch und Milch. Während des Essens kann ein Magenschmerz auftreten, die Sättigung ist mit Ekel verbunden, das Erbrechen stinkend. Der Patient hat ein Gefühl, als würde sein Magen gegen die Wirbelsäule gedrückt. Blähungen sind übel riechend, ebenso der Stuhl, dieser kann braun, blutig und faulig sein und wie braune Hefe aussehen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typisch sind Harnverhalt (Ischurie) durch Überanstrengung, der Abgang von dunklem, ziegelrotem Sediment und die Schmerzhaftigkeit der Blasenentleerung.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Frauen wird die Arznei bei Prellungen in denGeschlechtsorganen nach der Geburt, bei wunden Brustwarzen und bei heftigen Nachwehen verordnet.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Besonders bei Herzerkrankungen sind die Extremitäten geschwollen und fühlen sich geprellt,
zerschlagen und wund an.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist schwarz und blau, kann jucken oder brennen. Treten Entzündungen auf, neigen diese zu Eiterbildung.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Fieber geht ein Schaudern über den ganzen Körper, der Kopf ist heiß, der restliche Körper
kalt, nachts treten saure Schweiße auf.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient kann trotz Übermüdung nicht schlafen, träumt vom Tod und von verstümmelten Körpern, schreckt nachts oft auf. Während des Schlafes kann es zu unwillkürlichem Stuhlabgang kommen.[3][4][5]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative homöopathische Mittel

Da die Arznei Arnica ein breites Anwendungsspektrum abdeckt, finden sich im homöopathischen Arzneischatz viele Mittel, die im Einzelfall eine Alternative zu Arnica sind. Ein paar sollen hiervon vorgestellt werden.[1]

Aconitum

Das aus dem giftigen blauen Eisenhut (Aconitum napellus) hergestellte homöopathische Mittel ist eine wichtige Alternative bei akuten Entzündungen und fieberhaften Erkrankungen, die einenplötzlichen und heftigen Beginn aufweisen, als Folge von kaltem Wind, Hitze oder Schock auftreten und mit einem schnellen Fieberanstieg mit Schüttelfrost einhergehen. Auch Herzenge (Angina pectoris) und ziehende, schießende und krampfartige Schmerzen in allen Gliedern zählen zu den Heilanzeigen von Aconitum. Der Patient zeigt eine Überempfindlichkeit gegen Berührung wie bei Arnica, typisch für das Mittel Aconitum sind hingegen die Schweißlosigkeit, der große Durst auf kaltes Wasser, die große Angst des Patienten und seine Todesahnungen. Linderung der Beschwerden kann im Freien erreicht werden, während nachts, im warmen Zimmer und bei kaltem, trockenem Wind Verschlechterungen auftreten.[6]

CalendulaPantherMedia / Liane Matrisch

Aus der Heilpflanze Calendula officinalis, der Ringelblume, wird die homöopathische Arznei Calendula gewonnen, die ebenfalls auf die Haut wirkt und als Wundheilmittel bei allen Verletzungen, schlecht heilenden Wunden und auch nach Zahnentfernung Verwendung findet. Die Symptomatik verschlimmert sich bei feuchtem oder bewölktem Wetter und am Abend, Wärme, Umhergehen oder vollkommen ruhiges Liegen können jedoch Besserungen bewirken. Calendula ist für reizbare Personen teilweise besser geeignet als Arnica.[7]

HypericumPantherMedia / Liane Matrisch

Die Arznei Hypericum wird aus der Heilpflanze Hypericum perforatum, dem echten Johanniskraut, hergestellt. Sobald bei Verletzungen auch Nervengewebe beschädigt wird, kann Hypericum eine wichtige Alternative sein. Typisch sind die stechenden, schießenden Schmerzen, die Verschlimmerung der Beschwerden durch Erschütterung, kalte Luft und Anstrengung und die Verbesserung derselben bei ruhigem Liegen. Hypericum wird bisweilen als das Arnica der Nerven bezeichnet.[8]

LachesisPantherMedia / Andrea Schall

Das aus dem Gift der Buschmeisterschlange (Lachesis muta) gewonnene homöopathische Mittel Lachesis ist eine wichtige Option bei Herzenge (Angina pectoris), akuten Gelenkbeschwerden, schweißlosem Fieber, Schwindel und Entzündungen, bei denen eine Verbreitung der Krankheitserreger über die Blutbahn (Sepsis) droht oder schon erfolgt ist. Typisch ist die Linksseitigkeit der Beschwerden. Haut und Schleimhäute zeigen sich blaurot bis schwärzlich verfärbt. Lachesis wirkt besonders gut bei leidenschaftlichen, seelisch erregten und redseligen Menschen, die teilweise auch argwöhnisch, eifersüchtig, depressiv oder hasserfüllt sein können. Verbesserung treten bei eintretender Sekretion von Körperflüssigkeiten und an der frischen Luft auf, Schlaf und Wärme bringen Verschlechterung.[9]

Hintergrundwissen

Das homöopathische Mittel Arnica wird aus den getrockneten Wurzeln der echten Arnika (Arnica montana) anhand den Vorschriften 4 a und 7 des homöopathischen Arzneibuches (HAB)hergestellt. Homöopathische Darreichungen wie zum Beispiel Dilutionen und Salben, die für den äußerlichen Gebrauch bestimmt sind, werden nach der gleichen Vorschrift, jedoch aus den frischen, oberirdischen Anteilen von Arnica montana gewonnen.[1]

Die Pflanze Arnica montana, die zu der botanischen Familie der Korbblütler (Asteraceae) gezählt wird, gedeiht in ganz Mitteleuropa auf ungedüngten, kalkarmen Böden auf trockenen Moor- und Waldwiesen, vorzugsweise in Gebirgs- und Heidegegenden. Arnica montana wächst ausdauernd und erreicht Wuchshöhen von bis zu 60 Zentimeter, in der Blütezeit von Mai bis August erscheint die typische, kräftige gelbe Blüte. Synonym gebräuchliche Bezeichnungen für die echte Arnika sind: Feuerblume, Ochsenauge, Wund-, Stich- oder Fallkraut. In Deutschland wurde sie in die rote Liste der gefährdeten Arten aufgenommen.[10]

Erste Quellen über die Verwendung der echten Arnika als Heilpflanze gehen auf das Mittelalter zurück, doch soll sie als solche zunächst nur spärlich eingesetzt worden sein. Große Bedeutung erlangte sie schließlich in der Medizin des späten 19. Jahrhunderts. Sie wurde vor allem wegen ihrer blutstillenden, entzündungshemmenden, antibakteriellen, desinfizierenden und wundheilenden Eigenschaften und ihrer Wirkung als Notfallmedikament bei jeglicher Art von Verletzungen, bei fieberhaften Erkrankungen, bei Herzenge (Angina pectoris) und Schlaganfall (Apoplex) geschätzt.[10]

Im Gegensatz zur Homöopathie, die ihre Arzneien vorwiegend aus den Wurzeln der echten Arnika gewinnt, war in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) die Verwendung der Blütenköpfe gebräuchlich. Da die in den Blüten enthaltenen Stoffe jedoch potentiell toxisch sein können, wird in der heutigen Pflanzenheilkunde Arnica montana nicht mehr innerlich angewandt. Die äußere Anwendung in Form von alkoholischen Tinkturen und Salben ist jedoch ausreichend klinisch belegt und zugelassen. Als mögliche Anwendungsfelder gelten: Prellungen (Kontusion), Verstauchungen (Distorsion), Zerrungen (Distension), Blutergüsse (Hämatome), Verbrennungen, rheumatische Beschwerden wie zum Beispiel Kniegelenkarthrose und als Mundspülung bei Mundschleimhautentzündung.[11][12]

Quellenangaben

Deutsche Homöopathie-Union (DHU): Homöopathisches Repetitorium, Verlag der DHU, 2007, S. 62 – 63
R. Lüdtke und J. Wilkens: „Klinische Wirksamkeitsstudien zu Arnica in homöopathischen Zubereitungen“, http://www.carstens-stiftung.de/wissen/hom/pdf/klin_wilkens_jb5.pdf, 10.05.2015
Vonarburg Bruno: Homöotanik. Arzneipflanzen der Homöopathie, Haug Verlag, 2009, S. 171 – 178
Vermeulen Frans: Synoptische Materia Medica, Kai Kröger Verlag für homöopathische Literatur, 2005, S. 81 – 84
Boericke William: Handbuch der homöopathischen Arzneimittellehre, Narayana Verlag, 2008, S. 84 – 85
Deutsche Homöopathie-Union (DHU): Homöopathisches Repetitorium, Verlag der DHU, 2007, S. 30 – 31
Deutsche Homöopathie-Union (DHU): Homöopathisches Repetitorium, Verlag der DHU, 2007, S. 104 – 105
Vermeulen Frans: Synoptische Materia Medica, Kai Kröger Verlag für homöopathische Literatur, 2005, S. 343 – 346
Deutsche Homöopathie-Union (DHU): Homöopathisches Repetitorium, Verlag der DHU, 2007, S. 234 – 235
Madaus Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Verlag Georg Olms, 1979, S. 585 – 596
Van Wyk, Wink, Wink: Handbuch der Arzneipflanzen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbh Stuttgart, 2. Auflage, 2004, S. 53
Knuesel O., Weber M., Suter A.: Arnica montana gel in osteoarthritis of the knee: an open, multicenter clinical trial, Advances in Therapy, September, 2002, S. 209 – 218