Globuli von A bis A

Aurum metallicum Globuli

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Aurum metallicum ist ein homöopathisches Einzelmittel, das aus zu feinem Pulver verarbeiteten Gold hergestellt wird. Gold, Aurum im Periodensystem der Elemente, ist ein in der Erdkruste vorkommendes, extrem seltenes Edelmetall. Der Begriff „Aurum“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort „aurora“ – die Morgenröte. Nicht nur aufgrund seiner Seltenheit, sondern auch wegen seiner physikalischen und chemischen Eigenschaften, wie der Resistenz gegen die meisten Säuren, wurde Gold bereits im alten Ägypten mit dem Königtum assoziiert und wird noch heute zur Herstellung von Luxusgütern verwendet. Das homöopathische Arzneimittel Aurum metallicum wirkt auf den Geist und das Gemüt, das Herz, den Blutkreislauf, die Drüsen, die Knochen und die Geschlechtsorgane. Besonders angezeigt ist seine Verwendung bei nervösen Frauenleiden und sexuell übertragbaren Krankheiten sowie den unangenehmen Folgen einer Quecksilbervergiftung. Aurum metallicum ist der Gegenspieler (Antagonist) des ebenfalls homöopathischen Einzelmittels Mercurius, da beide ähnliche Symptome hervorrufen.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?[1]: Der aureale Patient leidet unter starken Stimmungsschwankungen. Lebensüberdruss und ständig wiederkehrende Suizidphantasien wechseln sich ab mit Reizbarkeit und Ausbrücken heftigen Zorns. Der Homöopath Alphonse Teste beschreibt den Aurum-Patient als schwarzhaarigen Erwachsenen mit olivfarbenem Teint, der zu Schwermut und Verstopfung neigt, Menschen meidet und Konflikte mit sich selbst austrägt. Andere wiederum, auf die das Einzelmittel gut passt, sind lebhafte, kräftige Personen mit schwarzen Augen und schwarzen Haaren, die unruhig und argwöhnisch gegenüber ihren Mitmenschen sind. Ihnen allen gemein ist ihre ständige Sorge um die Zukunft. Der Aurum-Patient ist hypochondrisch, depressiv und nervös. Sein Gesicht ist ungewöhnlich gut durchblutet. Manche Patienten neigen zu Übergewicht und Mundgeruch. Die starke Durchblutung einzelner Organe ist ein weiteres Merkmal des aurealen Patienten. Vor etwas weniger als hundert Jahren bezeichnete man dieses Symptom noch als Blutandrang (Kongestion). Der Patient leidet an Hitzewallungen, Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen und Druckgefühlen im Kopfbereich. Sein Puls ist unter der Haut sichtbar. Er errötet leicht und beim geringsten Anlass. Nur eine vornübergebeugte Sitzhaltung bessert seinen Zustand. Im Zusammenhang mit den Druckgefühlen im Kopfbereich können Verkleinerungen des Sichtfeldes (Sichtfeldausfälle) auftreten.
 
Gegen Frost und Kälte ist der Aurum-Patient besonders empfindlich. Seine Schmerzen, Depressionen und Suizidphantasien verschlimmern sich im Winter bis zur Unerträglichkeit. Nachts plagen den Patienten Knochenschmerzen, vor allem in den Jochbeinen des Gesichts. Der Kot des aurealen Patienten ist häufig weißlich, gelblich oder sogar farblos. Er kann sowohl an Durchfall wie auch an Verstopfung leiden, wobei die Verstopfungssymptome deutlich überwiegen und die Stimmung des Patienten weiter verdüstern.
 
Während der Monatsblutung verschlimmern sich die das Gemüt betreffenden Symptome der weiblichen Aurum-Patientin merklich. Sie leiden unter starken Krämpfen und Melancholie. Der Selbstmord erscheint ihr als einziger Ausweg aus der unerträglichen Situation, die sie aber selbst kaum zu benennen vermag.

Wo wirkt es?: Generell kann Aurum metallicum bei allen sexuell übertragbaren Krankheiten angewendet werden, wirkt aber vor allem bei Syphilis. Syphilis wird bakteriell über die Schleimhäute übertagen und befällt, sofern sie nicht therapiert wird, diverse Organe, u.a. die Knochen und das Nervensystem.[5] (Früher nannte man Sexuell übertragbare Krankheiten „venerische Erkrankungen“. Der Begriff leitet sich von der römischen Liebesgöttin Venus ab.)[3] Außerdem beeinflusst Aurum Geist und Gemüt, das Herz, die Durchblutung, die Knochen, die Drüsen und ferner auch Nieren und Leber.[4]

In welchem Alter?: Grundsätzlich ist Aurum metallicum bei hysterischen, erwachsenen Frauen, jungen Mädchen, die unter der Pubertät leiden, sowie verkümmerten, sich nur spärlich entwickelnden Jungen angezeigt. Allerdings passt es auch auf lethargische, gelangweilte Kinder mit schwachem Gedächtnis und übergewichtige, suizidale Greise. Obwohl also Erwachsene und Heranwachsende die klassischen Aurum-Patienten sind, kann das Einzelmittel unter Umständen auch bei Kindern und alten Menschen Anwendung finden.[1][4]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Folgende Krankheitsbilder und Symptome sind Anzeiger (Indikatoren) für die Gabe von Aurum metallicum:

Alle Formen und Stadien der Syphilis[5] können mit Aurum metallicum ergänzend behandelt werden, auch solche, die durch die Quecksilbertherapie (die heute in der Regel nicht mehr durchgeführt wird) nicht verschwunden sind. In diesem Zusammenhang kann die Arznei auch verwendet werden, um die üblen Folgen des Quecksilbers zu lindern.Gilbert Charette zählt die Syphilis in Zusammenhang mit Skrofulose ebenfalls zu den Anwendungsgebieten von Aurum metallicum. Skrofuluse ist eine historische Diagnose, die entweder eine chronische Entzüdnungsneigung der Knochen, Haut und Lymphdrüsen mit Geschwürbildung meint, oder aber eine vor allem die Haut befallende Tuberkulose (von Mykobakterien verursachte Infektionskrankheit, die meistens die Lunge, manchmal aber auch andere Organe befällt) im Kindesalter. Die Diagnose Skrofulose wird in der modernen Medizin nicht mehr gestellt, da ihr kein einheitliches Krankheitsbild zugeordnet werden kann.[6] Aurum metallicum ist außerdem angezeigt bei die Knochen befallende Tuberkulose oder Syphilis, die zu absterbenden Gewebe (Nekrose) führt, speziell im Bereich des Gaumens und des Nasenbeins. Augendruck, Einschränkungen des Sichtfeldes, epileptische Auren (kurz vor einem epileptischen Anfall oder einer Migräne auftretende Sehstörungen oder Lichthalluzinationen) und allgemeine Überempfindlichkeit der Augenhöhlen sind Symptome von Aurum metallicum. Chronische Mittelohrentzündung (Otitis media) mit eitrigem oder blutigem Ausfluss kann mit Aurum metallicum ergänzend behandelt werden.Das Einzelmittel eignet sich außerdem bei Geschlechtskrankheiten, die die weiblichen Genitalien und die Gebärmutter (Uterus) betreffen und mit Stimmungsschwankungen und Melancholie zusammenhängen. Auch Entzündungen der Hoden (Testikel) fallen unter die für diese Arznei typischen Symtpome. Früher nannte man Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder eine chronische Entzündung und Vergrößerung des Herzmuskels (Dilatative Kardiomyopathie) ein Fettherz. Beide Krankheitsbilder erhöhen das Herzinfarktrisiko extrem und weisen immer auf die Notwendigkeit der Gabe von Aurum metallicum hin.Depressionen, Stimmungsschwankungen, Hypochondrie und Selbstmordphantasien indizieren immer die Gabe von Aurum metallicum. Schließlich verwendet man Aurum metallicum auch bei der Entzündung aller Drüsen, vornehmlich der Lymphdrüsen.

Verbesserung: Frische Luft, Wärme, die warmen Jahreszeiten, trockenes Wetter, langsame Bewegung und Mondlicht lindern die Symptome der Erkrankten.

Verschlechterung: Kälte, starke Gemütsbewegungen (Liebeskummer, Schock, Trauer), unterdrückte Emotionen, geistige Anstrengung, Dunkelheit und der Missbrauch von Quecksilber (der aber heutzutage Aufgrund des medizinischen Fortschritts nur noch selten vorkommt) und Alkohol führen zur Verschlechterung der Symptome. Auch nachts leiden die Patienten unter Schmerzempfindlichkeit, Ängsten und Hypersensibilität.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Depressionen, Stimmungsschwankungen, Lebensüberdruss, Hoffnungslosigkeit und Todessehnsucht bzw. konkrete Suizidphantasien gehören zu den wichtigsten Aurum-metallicum-Symptomen. Melancholisches Brüten wechselt sich mit Reizbarkeit und Zorn ab und geht hin und wieder auch in Heiterkeit über. Der Aurum-metallicum-Patient neigt zu Selbstvorwürfen und Selbsthass. Er glaubt, verloren zu sein, nichts wert zu sein, alles falsch zu machen und seinen Untergang zu verdienen. Er leidet unter großer Zukunftsangst, die er mit Suizidphantasien zu lindern sucht. Der Patient betet und klagt sich selbst an. Allgemein fällt seine ziellose Geschwätzigkeit seinen Freunden und Verwandten ins Auge; oft stellt er Fragen, ohne Antworten zu erwarten. Vor allem Aurum-Patienten, die unter einer Herzerkrankung leiden, neigen zu Hoffnungslosigkeit. Bei jüngeren Patienten macht sich mitunter ein schlechtes Gedächtnis bemerkbar. Die meisten der hier aufgeführten Symptome können in heftigen, hysterischen Anfällen gipfeln, bei denen der Patient sich zu Boden wirft, weint, schreit und sich die Haare rauft.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Leidet der Patient unter häufigen Kopfschmerzen, so handelt es sich meist um den sogenannten „Studentenkopfschmerz“, der nach anstrengender, geistiger Arbeit eintritt, weshalb der Patient damit zusammenhängende Tätigkeiten meidet. Während der Schmerzattacken ist der Kopf heiß und die Kopfhaut von einem Schweißfilm überzogen.

Weitere typische Kopfsymptome von Aurum metallicum sind Beulen unter der Kopfhaut, Furunkel im Kopfbereich und Haarausfall als Folge von Syphilis.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht des Patienten ist blutunterlaufen und rot-bläulich verfärbt, als litte er an Atemnot. Das Jochbein und die Kiefergelenke schmerzen und sind geschwollen. Leichte Ekzeme können an den Lippen, auf den Wangen oder auf der Stirn auftreten.

Aurum metallicum löst einige Augensymptome aus. Dazu gehören Lichtempfindlichkeit und blinde Flecken im oberen Gesichtsfeld. Die Augenhöhlen schmerzen und sind empfindlich. Bei näherer Betrachtung sind die Pupillen erweitert und verschieden groß. Wie bei epileptischen Auren leiden einige Patienten unter Lichthalluzinationen: sie sehen Flammen, Flecken und Feuerfunken, die am Rande des Gesichtsfeldes treiben.

Die Nase des Patienten ist geschwollen, vor allem die Nasenlöcher entzünden sich leicht. Charakteristisch für den Aurum-Patienten ist die gerötete Stupsnase des dauerhaft unter Schnupfen Leidenden. Das Nasensekret ist eitrig und blutdurchzogen.

Aurum-Patienten können unter partieller, nervöser Taubheit leiden, unter übel riechendem Ausfluss aus den Ohren und Überempfindlichkeit bei Geräuschen, die sich aber nicht auf Musik bezieht. Die Halslymphknoten sind chronisch geschwollen und verhärtet.
 
Gerade Mädchen in der Pubertät, auf die das Mittel gut passt, leiden unter üblem Mundgeruch. Ein fauliger, süßlicher, milchiger Geschmack im Mund plagt den Aurum-Patienten. Seine Zunge fühlt sich ledrig an, auf der Oberfläche bilden sich Warzen. Sein Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und blutet, seine Zähne sind von Karies befallen, der mitunter auch den Oberkieferknochen betrifft.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient hat Probleme beim Schlucken. Sein Hals ist rau, sticht und schmerzt. Nimmt er Flüssigkeit zu sich, tritt ihm diese zum Teil aus der Nase wieder aus. Auf der Brust empfindet der Patient ein drückendes Gewicht; dieses Symptom verschlimmert sich bei heftiger Bewegung, beim Ersteigen von Anhöhen und beim Treppensteigen. Er leidet unter Atemnot. Er ist kaum dazu im Stande, laut zu lachen. Nachts verschlimmert sich sein Leiden merklich. Ein trockenes, nervöses Husten stellt sich nach Sonnenuntergang ein, wie man es im 19. Jahrhundert bei hysterischen Frauen beobachtete.

Manchmal glaubt der Patient, sein Herz stände still, kurz darauf gerät es mit einem mächtigen ersten Schlag wieder in Bewegung. Heftiges Herzklopfen, Druckgefühle in der Herzgegend und Schmerzen im linken Arm sind typische Arum-Symptome. Der Blutdruck des Patienten ist ständig erhöht, seine Halsschlagader pulst sichtbar. Auch am Handgelenk und am Bauch kann man zu Zeiten den Puls mit bloßem Auge erkennen. Bei Bewegung verschlimmern sich die Herzsymptome und zwingen den Patienten, inne zu halten.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Teilweise in Zusammenhang mit den Herzsymptomen leidet der Patient unter Sodbrennen und muss ständig aufstoßen. Er hat Appetit auf Milch und Kaffee und verspürt unmäßigen Durst und Hunger. Nur bei Jungen in der Pubertät stellt sich Appetitlosigkeit ein.

Ein selteneres und doch nicht unwesentliches Aurum-Symptom ist die Verstopfung (Obstipation). Die Stühle des Patienten sind groß, hart und bröckelig. Sein Unterbauch gluckert und kollert ohne Unterlass. Er leidet unter Warzen im Analbereich (Kondylome). Bei Kindern können auch Leistenbrüche mit Aurum metallicum behandelt werden.

Nicht unmittelbar zu den Verdauungsorganen gehört die Leber, die jedoch bei Aurum-Patienten häufig geschädigt ist. Gelbsucht und Leberschäden durch Alkohol können die Notwendig einer Aurum-metallicum-Gabe anzeigen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Harn des Patienten ist trüb und erinnert an Buttermilch. Hin und wieder fällt ihm das Wasserlassen schwer. Der ausbleibende Harnabgang schmerzt und führt zu Krämpfen im Unterleib.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Männliche Genitalien: Schmerzende und geschwollene Hoden sind ein charakteristisches Symptom für Aurum metallicum. Die Hoden verhärten sich, zum Teil sogar chronisch. Bei Jugendlichen während der Pubertät können die Hoden auch völlig verkümmert sein.

Weibliche Genitalien: Aurum-Frauen leiden häufig unter Unfruchtbarkeit, entweder aufgrund einer Infektion mit einer sexuell übertragbaren Krankheit oder aber aus Unzufriedenheit und neurotischem Charakter. Die Gebärmutter (Uterus) ist vergrößert und schmerzt vor allem dann, wenn die Frau die Arme über den Kopf hebt. Schlimme Folgen von Abtreibungen oder Fehlgeburten können mit Aurum metallicum behandelt werden. Die Scheide ist ständig feucht, der Ausfluss verschlimmert sich beim Gehen. Kommt es zum Koitus, verengt sich die Vagina, sodass der Mann nicht in der Lage ist, in sie einzudringen (Vaginismus). Bei Geburten schmerzen die Wehen überdurchschnittlich stark. Die Monatsblutung setzt erst spät ein und dauert nicht lange an. Alle geschlechtlichen Symptome der Aurum-Frau sind begleitet von großer Verzweiflung und Traurigkeit.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Rücken des Patienten ist insgesamt verspannt und schmerzt. Der untere der Teil Wirbelsäule wirkt merkwürdig nach außen gewölbt. Die Lendenmuskeln sind verhärtet, sodass der Patient den Oberschenkel kaum zu heben vermag. Die Beine und der linke Arm schmerzen vor allem nachts. Im Zusammenhang mit Herzsymptomen werden die Schmerzen im Arm verstärkt. Der Patient empfindet eine Schwäche in den Knien, seine Füße zittern. Jede Bewegung strengt ihn an.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kleine Fettgeschwulste unter der Haut, die sich hin und her schieben lassen (Lipome), Warzen, Akne und leichte Ausschläge prägen das Hautbild des Patienten.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient ist allgemein sehr empfindlich gegen Kälte. In der kalten Jahreszeit verschlimmern sich sämtliche Symptome merklich. Nachts plagen ihn Fieberschübe mit Schüttelfrost. Er ist kalt und feucht am ganzen Körper. Besonders um die Genitalien herum zwischen den Schenkeln ist der Patient meistens schweißnass.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Schlaf des Patienten ist unruhig und verbunden mit schrecklichen, ängstlichen Alpträumen. Kurz nach dem Einschlafen und kurz vor dem Erwachen wimmert und spricht der Patient. Manche Aurum-Patienten leiden unter Schlafstörungen durch unterdrückte sexuelle Erregung.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Mercurius solubilis hahnemanni

Mercurius wird aus Quecksilber hergestellt, einem flüssigen, silbrigen Metall, das unter normalen Umständen hochgiftig ist. Mercurius teilt beinahe alle körperlichen Symptome mit Aurum metallicum. Es wirkt auf das Blut, die Knochen, die Lymphknoten, die Schleimhäute und insbesondere die Geschlechtsorgane. Bis vor wenigen Jahrzehnten behandelte man auch in der Schulmedizin sexuell übertragbare Krankheiten mit Quecksilber. Allerdings unterscheidet die beiden Einzelmittel ihre Wirkung auf Geist und Gemüt. Während der Mercurius-Patient zwar nervös und überreizt agiert, bleibt doch die tiefe Verzweiflung, Depression und Suizidneigung des Aurum-metallicum-Patienten aus. Was aber beinahe alle körperlichen Symptome betrifft, sind Aurum metallicum und Mercurius eng miteinander verwandt.[4]

Hintergrundinformationen

Mit Aurum metallicum behandelt man vor allem Patientinnen, die im 19. Jahrhundert als Hysterikerinnen diagnostiziert wären. Diese Diagnose gibt es heute in der Schulmedizin nicht mehr. Sie gilt als überkommen, unzeitgemäß, ungenau und frauenfeindlich. Die typischen Symptome sind Stimmungsschwankungen, Depressionen, unterdrückte sexuelle Erregung, nervöses Husten, Lähmungserscheinungen, Atemnot, Krampfanfälle und zum Teil sogar Herzsymptome. Die große Bandbreite von möglichen geschlechtlichen Symptomen einer Hysterikerin kann ebenfalls häufig mit Aurum metallicum behandelt werden. Obwohl das Krankheitsbild der Hysterikerin aus der Schulmedizin verschwunden ist, aber die entsprechenden Symptome noch heute sowohl bei Männern wie auch bei Frauen auftreten, lebt es in der Hömopathie in Form des Arzneimittelbildes von Aurum metallicum fort und überliefert damit die mit immenser Beobachtungsgabe gewonnenen Erkenntnisse von Ärzten des 19. Jahrhunderts in einer politisch verträglichen Form.[7]