Globuli von A bis A

Anagallis arvensis Globuli

© panthermedia.net / Carola Pohle

Für die Arznei Anagallis arvensis liegt im Gegensatz zu vielen anderen homöopathischen Arzneien keine oder nur eine ungenügende homöopathische Arzneimittelprüfung (AMP) vor. Für eine homöopathische Verordnung ist es eine unverzichtbare Voraussetzung, dass die Symptome einer Arznei an mehreren gesunden Menschen beiderlei Geschlechts geprüft wurden. Dies nennt man Arzneimittelprüfung. Für die Informationen zur Heilwirkung dieser homöopathischen Arznei wurde die Heilwirkung der getrockneten Droge als Tee, Tinktur, Tropfen, Salbe, Umschläge oder Aromaöl übernommen, sowie weitere Symptome aus der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie). Es ist allerdings fraglich, ob die rein gedankliche Ableitung der Heilkraft von Anagallis arvensis von der Pflanzenheilkunde auf ein homöopathisch potenziertes Mittel zuverlässig eingeschätzt werden kann. Es gibt keine oder nur wenig Informationen zur homöopathischen Wirksamkeit und Symptomatik der Arznei Anagallis arvensis. Dieser Artikel beschränkt sich auf Informationen zu den Heilanwendungen als Substanz, die mehrfach in der Literatur zu finden sind.

Anagallis arvensis, Ackergauchheil ist eine kleine Pflanze mit einer zinnoberroten Blüte aus der Familie der Primelgewächse ( Primulaceae). Sie ist sehr verbreitet in Europa aber wächst auch in Nordamerika und in Westasien. Aus der frischen Pflanze wird vor der Blüte die homöopathische Arznei hergestellt.[1]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Anagallis wird bei Erkrankungen der Leber wie Leberverhärtung, Leberzirrhose, Gelbsucht und Gallensteinen verordnet, ferner bei Hämorrhoiden, Analprolaps, Wassersucht (Hydrops) und chronischer Nierenentzündung. Auch bei nervösen Störungen hat es sich als schmerzlinderndes und beruhigendes Mittel bewährt, insbesondere bei Epilepsie, Nervenschwäche (Neurasthenie), Manie und Melancholie. Keuchhusten gehört ebenso zu den möglichen Einsatzbereichen.[2]

Wo wirkt es?: Hauptangriffspunkt von Anagallis ist die Haut. Die Arznei kann aber auch eine Wirkung auf den Bewegungsapparat, den Urogenitaltrakt und den Verdauungstrakt zeigen.

In welchem Alter?: Die Arznei wird keiner besonderen Altersgruppe zugeordnet.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristisch für Beschwerden die von Anagallis gelindert werden können, ist ein Gefühl von starkem Jucken und Prickeln an verschiedensten Körperstellen. Nicht nur verschiedene Organe aber vor allem die Haut kann befallen sein und stark jucken und kribbeln.[3] Mit Hilfe von Anagallis werden Splitter möglicherweise schneller heraus getrieben. Die Arznei ist eventuell in der Lage Verhärtungen der Haut zu erweichen und Warzen zu zerstören. Die Arznei könnte hilfreich sein gegen Angst vor Wasser (Hydrophobie) und Wassersucht (Hydrops).[1]

Verbesserung:

Verschlechterung:

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen können sehr ausgelassen und heiter sein.[1] Sie freuen sich über alles.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kopfschmerzen, vor allem oberhalb der Augenbrauen sind möglich. Sie können mit starker Übelkeit, Rumpeln im Darm und Aufstoßen einhergehen. Die Kopfschmerzen  verschlimmern sich durch Kaffee. Krampfartige stechende Schmerzen in den Schläfen, die sich bis zu den Augen ausbreiten können auftreten.[3]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzen in den Muskeln des Gesichts sind möglich.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Beim Husten kann ein zähflüssiger Schleim auftreten. Reißende Schmerzen in den Backenzähnen mit einer Ansammlung von Wasser im Mund werden berichtet. Es kann Nasenbluten auftreten. Heftiges Niesen mit Sekretion von reichlichem, gelbem Schleim oder Wasserlaufen aus der Nase ist möglich.[3]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Stuhlvolumen kann vermehrt sein, häufig mit stinkenden Winden und weicher Konsistenz des Stuhls einhergehend. Er kann aber auch hart und knotig, wie aus Stein sein. Es kann ein wässriger Durchfall bestehen. Der Bauch ist möglicherweise aufgetrieben und häufig  besteht ein Schwächegefühl im Bauch.[3]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Eine eventuelle Reizung der Harnröhre verursacht ein verstärktes sexuelles Verlangen. Beim Urinieren kann ein brennender Schmerz mit Verklebung der Harnröhrenmündung bestehen. Der Harnstrahl ist eventuell geteilt. Die Betroffenen müssen häufig pressen bevor der Harnstrahl kommt.[1] Der Urin ist oft dunkel und strohfarben.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rheumatische Schmerzen und Gicht können eventuell mit Anagallis gelindert werden. Vor allem Schultern und Arme sind betroffen. In den Daumen- und Fingerballen werden Krämpfe berichtet.[1] Die Gelenke können geschwollen sein. Geschwürige Veränderungen an den Gelenken sind möglich.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht ein starkes Jucken an der Haut mit einem trockenen, kleieartigen Ausschlag, besonders an den Händen und Fingern. Auch die Handflächen können stark befallen sein. Es können Ansammlungen von schmerzenden und juckenden Bläschen auftreten. Sie sind mit einer gelb-braunen Flüssigkeit gefüllt. Wenn diese Lymphe austritt, bildet sich Schorf. Bald darauf folgen neue Bläschen darunter. Die Haut ist im Allgemeinen rau.[3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Coffea cruda

Patienten die eine Linderung ihrer Beschwerden mit Anagallis empfinden, zeigen eine ähnliche Gemütsverfassung wie Menschen die von Coffea cruda profitieren können. Aus ungerösteten, trockenen Samen der Kaffeepflanze wird das homöopathische Mittel Coffea cruda hergestellt. Charakteristisch ist eine nervlich starke Erregbarkeit bis zurRuhelosigkeit. Geist und Körper sind ungewöhnlich aktiv. Es besteht eine starke Beeindruckbarkeit, besonders vor angenehmen Sinneseindrücken. In der Regel sind diese Menschen fröhlich und heiter. Auch manische Zustände sind möglich.[4]

Pulsatilla

Pulsatilla gehört zu den großen Mitteln in der Homöopathie. Die Arznei hat einen sehr starken Bezug zum hormonellen System und ist deswegen ein wichtiges Mittel in der homöopathischen Frauenheilkunde. Aber auch für Kinder ist es von unschätzbarem Wert bei einer Vielzahl von Beschwerden. Frösteln und Erkältungsneigung teilen beide Mittel. Auch bei beiden ist eine Neigung zu Schwermutund Depression möglich.[3]

Rhus toxicodendron

Rhus toxicodendron ist ein wichtiges Mittel bei Beschwerden der Knochen und Gelenke. Es bestehen häufig Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Auch schmerzhafte Schwellungen der Gelenke sind möglich. Die Patienten, die von Rhus toxicodendron profitieren sind häufig ruhelos. Bewegung bessert alle Beschwerden. An der Haut treten oftbläschenförmige Hautausschläge auf. Die Haut ist möglicherweise geschwollen und juckt sehr.[3]

Hintergrundinformationen

Ackergauchheil ist eine kleine Pflanze, sie erreicht eine Höhe von 5 bis 30 cm. Obwohl sie ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet stammt, ist sie weltweit verbreitet und so den Menschen fast überall hin gefolgt. Sie wächst, wie ihr Name schon sagt auf Äckern aber auch in Gärten und auf Schuttplätzen ist sie zu finden. Von Mai bis Oktober zeigen sich in den Blattachseln einzelne Blüten, die sich nur vormittags (ab 7 oder 9 Uhr) bis nachmittags (14 oder 15 Uhr) Uhr öffnen und sich bei nahendem Gewitter schließen. Dies ist der Grund warum die Bauern die Pflanze als Wettervorhersagerin benutzten und die Pflanze auch Nebelpflanze oder Wetterkraut genannt wird. Die Blüten sind in Mitteleuropa meist von zinnoberroten Farbe aber auch andere Blütenfarben sind möglich, zum Beispiel fleischfarben oder blau. Oft wachsen verschiedene Farbvarianten beieinander. Die ganze Pflanze ist giftig, vor allem aber die Wurzel. Wichtiger Giftstoff ist das Saponin. Vergiftungserscheinungen sind ein starker Wasserfluss (Diurese) mit breiigem bis wässrigem Stuhl und Zittern. Neben Entzündungen im Verdauungstrakt, treten auch Erscheinungen im Nervensystem, Gehirn und Rückenmark auf. Es kann ein leichtes Betäubungsgefühl auftreten, die Pflanze wirkt leicht narkotisierend. Die Berührung der Blätter kann eine Hautallergie verursachen.Im antiken Griechenland wurde die Pflanze bei Zuständen von Schwermut eingesetzt um Heiterkeit zu erzeugen. Sie fand auch Anwendung zur Behandlung von Geschwüren und Geisteskrankheiten.[2][5]