Globuli von A bis A

Abrotanum Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Das homöopathische Einzelmittel Abrotanum artemisia wird klassischerweise bei metastasierenden Beschwerden eingesetzt. Der Begriff der Metastasis bedeutet in der Homöopathie, dass ein Symptom an der einen Stelle verschwindet und dafür an einer anderen Stelle wieder auftritt. Anders als in der Schulmedizin, ist diese Bezeichnung dabei nicht den Krebserkrankungen vorbehalten. Ein typisches Beispiel im Wirkspektrum des Abrotanum sind rheumatische Beschwerden, die etwa von den Gelenken zum Herzen oder zur Wirbelsäule übergehen können. Ein weiterer typischer Einsatzbereich dieses Mittels ist eine Abmagerung (Marasmus), die an den unteren Extremitäten beginnt und sich in Richtung Kopf fortsetzt. Im Gesicht nimmt der typische Abrotanum-Patient zuletzt ab. Oftmals wechseln sich bei ihm auch Durchfall und Verstopfung ab. Abrotanum ist überdies angezeigt beiGicht, Wurmerkrankungen und depressiven Beschwerden von Kindern.

Zur Herstellung des homöopathischen Mittels werden nur frische Blätter und Stängel verwendet, die als Tinktur und in jeder Potenz erhältlich sind. In der Praxis werden am häufigsten Potenzen zwischen D1 und D12 eingesetzt.[1][2]

Gemäß der zahlreichen Bitter- und Gerbstoffe, die in dieser Pflanze enthalten sind, gilt auch der Abrotanum-Mensch als ausgesprochen mürrisch, gereizt und boshaft. Sein Verhalten kann von aufgeregter Geschwätzigkeit zu Verschlossenheit und Schweigsamkeit springen. Aufgrund seiner geistigen Schwäche und Trägheit erschöpfen ihn Gespräche schnell. Er gilt als wenig aufnahmefähig. Auch wenn er durch guten Appetit gekennzeichnet ist, ist er eher mager und nimmt nicht zu. Äußerlich zeigt er häufig blaurote Flecken und leidet unter hervortretenden Hämorrhoiden. Sein Gesicht wird als alt und runzlig beschrieben.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Dieses Mittel ist besonders bei Personen angezeigt, deren Beschwerden an der einen Stelle verschwinden, um an der nächsten wieder aufzutreten. Kennzeichnend sind auch die typischen Abmagerungserscheinungen, die auf die unteren Körperbereiche beschränkt scheinen.

Wo wirkt es?: Abrotanum wirkt besonders auf die Glieder bei rheumatischen Beschwerden oder Gicht und auf den Verdauungstrakt, wenn Verdauungsschwierigkeiten bestehen, die Gedeihstörungen bei Kindern oder Abmagerung beim Erwachsenen verursachen.

In welchem Alter?: Die Anwendung dieses Homöopathikums ist bei allen Altersklassen, sowie während Schwangerschaft und Stillzeit möglich. Babys und Kleinkinder sollten grundsätzlich vor jeder Selbstbehandlung einem Arzt vorgestellt werden.[4]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Am meisten imponiert bei Abrotanum-Patienten die Abmagerung (Marasmus) der unteren Extremitäten bei gleichzeitig bestehendem guten Appetit.
  • Bei Kindern kann Mangelernährung mit Gedeihstörung auftreten.
  • Bestehende Beschwerden und Symptome neigen zur Metastasis.
  • Der Bauch Betroffener ist aufgebläht und erweitert.
  • Im Bereich der Hand- und Fußgelenke bestehen oftmals rheumaähnliche Schmerzen.
  • Häufig findet sich im Gesicht der Abrotanum-Patienten ein Angiom, umgangssprachlich ein Blutschwämmchen.
  • Ihn zeichnen großer Appetit und Heißhunger bei gleichzeitiger Abmagerung ebenso aus wie zeitweilige Appetitlosigkeit.

Verbesserung: Eine Verbesserung erfahren Betroffene durch lockere Stühle und Bewegung.

Verschlechterung: Verschlechtert werden die Beschwerden durch kalte Luft und in der Nacht. Nebliges und kaltes Wetter wirken sich ebenso verschlimmernd aus wie unterdrückte Absonderungen, besonders im Falle von Durchfall.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Abrotanum-Menschen zeichnet geistige Schwäche und Trägheit aus. Gespräche und geistige Anstrengung erschöpfen sie rasch. Sie haben dann Schwierigkeiten beim Denken, wie wenn ihnen jegliche Kraft abhanden gekommen wäre. Sie berichten, dass es sich anfühlt, als würde das Gehirn aufweichen.Auf andere Menschen wirken sie faul, unter anderem, weil sie jegliche Art von sportlicher Aktivität ablehnen. Beschrieben werden sie als trübsinnig und verzweifelt, bösartig, leicht reizbar und auch gewalttätig. Sie können ärgerlich, ängstlich und niedergeschlagen sein. Bei Erregung werden sie geschwätzig und möchten schreien. Ansonsten sind sie eher schweigsam. Manchmal verspüren sie den Drang, etwas Brutales zu tun und wirken dadurch unmenschlich.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wie auch die Rückenmuskulatur, so wird auch die Muskulatur des Halses alsschwach beschrieben. Der Kopf kann so nur schwer gehalten werden. Gespräche und geistige Anstrengungen lassen den Abrotanum-Menschen müde werden. Im Bereich der Stirn sind manchmal erweiterte Blutgefäße zu finden. Die Kopfhaut kann sich besonders auf der linken Seite wund anfühlen und schmerzen und jucken. Um die Augen herum zeichnen sich bläuliche Augenringe ab. Sie wirken hohl und wie eingefallen. Der Patient kann von häufigem Nasenbluten oder einem Trockenheitsgefühl in der Nase berichten.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bestehen Zeichen der Abmagerung, dann wirkt die Haut im Gesicht meist trocken, schrumpelig und alt. Typisch ist auch ein Angiom im Gesicht (Blutschwamm). Betroffene leiden oft unter Akne und Mitessern. Sie wirken blass, die Augen scheinen eingefallen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bestehen Beschwerden im Bereich der Lunge, dann sind diese meist durch einrohes Gefühl und eine behinderte Atmung gekennzeichnet. Kälte kann diese Symptome auslösen. Nach Durchfall kann trockener Husten auftreten. Schmerzen im Bereich der Brust breiten sich oft quer aus, in der Herzgegend sind sie stechend und heftig. Rheumatische Beschwerden manifestieren sich auch in dieser Region. Abrotanum kann bei Pleuritis angewandt werden, wenn auf der betroffenen Seite ein drückendes Gefühl bestehen bleibt, das die Atmung behindert. Leidet der Patient unter Rheuma, dann können die Beschwerden aufs Herz übergehen. Der Puls ist eher schwach.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Geschmack im Mund kann schleimig und sauer sein. Magenschmerzen sind typisch für Abrotanum-Patienten und treten bevorzugt nachts auf. Sie werden als schneidend, nagend oder brennend beschrieben. Es soll ein Gefühl sein, als ob der Magen in kaltem Wasser schwimmt. Magenverstimmungen gehen mit Erbrechen größerer Mengen schlecht riechender Flüssigkeiten einher. Bestehen Verdauungsstörungen, dann wechseln sich meist Verstopfung (Obstipation) und Durchfall (Diarrhoe) ab. Essen scheint unverdaut wieder ausgeschieden zu werden. Plötzlich auftretender Durchfall wird oftmals von Rheumaschüben gefolgt. Beim Abklingen rheumatischer Beschwerden treten dann Hämorrhoiden auf oder verschlimmern sich. Bei Berührung werden dort brennende Schmerzen verspürt. Ebenfalls mit nachlassenden rheumatischen Beschwerden verbunden scheinen häufiger Stuhldrang und blutiger Stuhl, die sich durch die Besserung des Rheumas verschlechtern. Der Patient fühlt sich im Bereich des Abdomens (Bauch) oft aufgebläht und erweitert. Im Darm besteht ein flaues schwaches Gefühl. Wird der Bauch abgetastet, so finden sich an verschiedenen Stellen harte Knoten. Abrotanum-Menschen können ein starkes, nagendes Hungergefühl empfinden und deshalb zu Wimmern beginnen. Es gelüstet sie nach in Milch gekochtem Brot. Im Allgemeinen zeichnen sie ein großer Appetit und Heißhunger bei gleichzeitiger Abmagerung aus. Es wird auch von Phasen ausgeprägter Appetitlosigkeit berichtet. Essen wird nur schwer verdaut.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Betroffene Frauen berichten von unterdrückten Regelblutungen und einschießenden Schmerzen meist im linken Eierstock. Schmerzen im Bereich der Eierstöcke können mit einer schwachen Rückenmuskulatur einhergehen.

Bei männlichen Abrotanum-Patienten kann im Kindesalter eine Hydrozele (Wasseransammlung im Hoden) auftreten.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Extremitäten können sich steif, wund und lahm anfühlen. Bei bestehendem Rheuma fällt es dem Patienten schwer, die Glieder zu bewegen. Wenn Schmerzen bestehen, dann meist in den Schultern, den Armen, sowie in den Hand- und Fußgelenken. Zeichen der Abmagerung sind vor allem an den unteren Extremitäten auffällig. Leidet der Patient unter Koliken oder Krämpfen, dann treten meist auch schmerhafte Verkrampfungen an den Gliedmaßen auf. Er neigt zu juckenden Frostbeulen, kalten und tauben Fingern und Zehen und zu Gicht in den Hand- und Fußgelenken.Leidet der Abrotanum-Mensch unter Rückenschmerzen, dann überfällt dieser ihn meist plötzlich, wird als drückend beschrieben und verschlimmert sich in der Nacht. Besonders betroffen ist der Bereich der Lumbalregion (unterer Rücken), wobei sich die Schmerzen entlang des Samenstrangs ausbreiten können. Bei bestehenden Hämorrhoidalleiden imponiert der Schmerz im Bereich des Kreuzbeins. Wird die Rückenmuskulatur allgemein als eher schwach beschrieben, dann sind meist die Eierstöcke mit beteiligt. Beschwerden im Bereich des Rückens bessern sich durch Bewegung.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut des Abrotanum-Menschen kann schlaff und trocken sein. Häufig leidet er unter Furunkeln und Haarausfall. Bekommt er Frostbeulen, dann jucken diese.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Er neigt zu hohem Fieber (Pyrexie), besonders bei Rheuma. Fieberschübe lassen ihn hektisch werden und frösteln, sie wirken besonders bei bestehendem Marasmus schwächend.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Betroffene schlafen meist unruhig und leiden unter schrecklichen Träumen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Scrophularia nodosa

Knotige Braunwurz. Das Mittel wird aus der ganzen frischen Pflanze hergestellt. Wenn Hämorrhoiden hervortreten, schmerzen und bluten diese. Auch hier besteht häufiger Stuhldrang.

Bryonia alba

Weiße Zaunrübe. Vor der Blütezeit werden die Wurzeln der Pflanze gesammelt und zur Tinktur verarbeitet. Wird alternativ bei Pleuritis angewandt, wenn die Beschwerden mit stechenden Schmerzen und Atemnot einhergehen und sich durch Bewegung verschlechtern.

Stellaria media

Vogelmiere. Aus der ganzen frischen Pflanze wird während der Blütezeit eine Tinktur hergestellt. Als Mittel der Wahl bei chronischem Rheuma.

Acidum benzoicum

Das Mittel wird durch Destillation des Benzoeharz gewonnen. Es wird klassischerweise bei Gicht verwendet, besonders wenn der Urin heiß und dunkelbraun ist und stark riecht.

Jodum

Das Element Jod. Ein klassisches Mittel zur Anwendung bei Abmagerung (Marasmus). Jodum-Patienten verspüren stets großen Hunger und guten Appetit, essen reichlich und nehmen trotzdem ab. Im Gegensatz zu Abrotanum haben sie auch großen Durst.

Natrium muriaticum

Natriumchlorid (Kochsalz). Als alternatives Mittel bei Marasmus. Betroffene haben großen Hunger (wie bei Iodum), der mit Schwermut einhergeht. Kennzeichnend ist hier das starke Verlangen nach Salz und salzhaltigen Speisen.

Agaricus

Der Fliegenpilz. Zur Herstellung wird der getrocknete Hut verwendet. Auf dieses Mittel kann zurückgegriffen werden, wenn Nasenbluten bei älteren Menschen auftritt. Es ist auch bei Frostbeulen angezeigt, die anders als bei Abrotanum nicht jucken.

China officinalis

Chinarindenbaum. Das Mittel wird aus der getrockneten Rinde hergestellt. Das Mittel hat ein breites Wirkspektrum und ist unter anderem angezeigt bei Luft im Bauch und Blähungsschmerzen. Das Abdomen ist auch hier aufgebläht, erfährt durch Blähungsabgang aber keine Besserung. China-Betroffene leiden unter starken Blähungskoliken, besonders nach dem Verzehr von Obst.

Ledum

Wilder Rosmarin. Nach dem Beginn der Blüte werden kleine Zweige und Blätter gesammelt und zur Weiterverarbeitung getrocknet. Alternativ kann auch die ganze frische Pflanze zur Herstellung des Mittels verwendet werden. Es wird alternativ empfohlen, wenn Gichtschmerzen besonders die kleinen Gelenke befallen oder Rheuma an den Beinen beginnt und sich nach oben fortsetzt.

Nux vomica

Brechnuss. Zur Herstellung des Mittels werden die importierten Samen verwendet. Die Beschwerdebilder beider Mittel sind sich sehr ähnlich. Zu Nux vomica wird stets dann geraten, wenn die Beschwerden zusätzlich mit Übelkeit und/oder Erbrechen einhergehen.[6][7]

Hintergrundinformationen

Das Homöopathikum Abrotanum artemisia wird aus den Blättern der Eberraute (Artemisia abrotanum) der Gattung der Artemisia hergestellt. Sie gehört der Familie der Korbblütler (Asteraceae) an und wächst zu einem Halbstrauch zwischen einem halben und einem Meter Höhe heran. Ursprünglich aus dem südlichen Osteuropa stammend, wird sie heute weit verbreitet angebaut. Im heimischen Garten benötigt sie einen sonnigen und trockenen Standort. In der Zeit zwischen Spätsommer und Herbst trägt sie gelbe, körbchenartige Blüten.[8][9]

Im Bereich der Pflanzenheilkunde ist die Eberraute unter dem Namen Herba Artemisiae (auch Herba Abrotani) bekannt. Zur Herstellung von beispielsweise Tees werden die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile verwendet. Hauptinhaltsstoff ist 1,8-Cineol, ein ätherisches Öl, das in wesentlich höherer Konzentration besonders in Eukalyptusöl zu finden ist und deshalb alternativ auch als Eucalyptol bezeichnet wird. Es riecht frisch und campher ähnlich. Äußerlich angewandt wirkt Cineol antiseptisch und wird als Eutersalbe in der Veterinärmedizin verwendet. In der Humanmedizin wird es seiner schleimlösenden und antibakteriellen Wirksamkeit wegen angewandt. Es ist in Form von Kapseln, zum Inhalieren oder als Tee erhältlich.[10] In der Volksheilkunde wurde Herba Artemisiae zur Appetitanregung eingesetzt und als verdauungsförderndes Mittel verwendet. Auch bei Beschwerden während der Regelblutung oder gegen parasitischen Wurmbefall im Verdauungssystem von Kindern sollte dieses Mittel helfen können.[11]

Neueren Erkenntnissen zufolge haben die Inhaltsstoffe der Eberraute einen stimulierenden Einfluss auf  NK-Zellen (Abwehrzellen, die unter anderem Tumorzellen und durch Viren infizierte Zellen angreifen). Bei Patienten, die während einer Krebsbehandlung Eberrauten-Tee tranken, fielen die Werte der sonst oft stark verminderten weißen Blutkörperchen und Lymphozyten (zu denen auch die NK-Zellen zählen) nicht so stark ab, wie bei Patienten, die diesen Tee nicht tranken. Dadurch wurden Chemotherapie wie auch Bestrahlungen subjektiv und objektiv besser vertragen.[12]

Abseits des medizinischen Bereichs ranken sich einige Sagen aus dem englischsprachigen Raum um die Eberraute. Einer dieser Sagen zufolge soll die dort unter anderem als „maiden’s ruin“ (Jungfernverderb) bekannte Pflanze über eine aphrodisierende Wirkung verfügen. Außerdem heißt es, dass der Geruch der Pflanze ein Einschlafen verhindere und deshalb Zweige der Eberraute mit in die Kirche genommen werden können.[13] Am bekanntesten ist indes die Bezeichnung als „kiss-me-quick-and-go-plant“, denn um die Liebe eines Mädchens zu gewinnen, sollte ihr unbemerkt ein Zweig der Eberraute unter das Schürzenband gesteckt werden. Es heißt jedoch, dass diese Wirkung nur einige Jahre anhielt und anschließend ins Gegenteil umschlug.[14]