Globuli von B bis B

Bryonia alba Globuli

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Bryonia Alba, die Weiße Zaunrübe, ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisse. Sie bildet eine verdickte Wurzel, die in ihrer Form einer Rübe ähnelt. [1] Das homöopathische Einzelmittel Bryonia Alba wird aus der frischen Wurzel kurz vor der Blüte hergestellt. [2] Die Blüten der Weißen Zaunrübe sind gelbgrün und werden nur wenige Millimeter groß. Aus Ihnen bilden sich schwarze Beeren, die etwa so groß wie Erbsen sind. Sämtliche Teile der Pflanze sind hochgiftig. [3]

Das homöopathische Einzelmittel Bryonia Alba wirkt hauptsächlich auf die Schleimhäute und die von ihnen umhüllten inneren Organe mit Entzündungen und Ergussbildung. [4] Es ist ein Mittel, welches sich vor allem in der Behandlung akuter Erkrankungen sehr bewährt hat. [5] Bryonia Alba wird eingesetzt bei akuten Erkältungen, Kopfschmerzen, Verstopfung und Gelenkschmerzen. [6]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Bryonia Alba ist für Patienten mit stechenden und bewegungsabhängigen Schmerzen geeignet. Bereits die kleinste Bewegung oder Erschütterung verschlimmern die Beschwerden, unabhängig von der Art der Erkrankung. Durch festen Druck erfahren die Patienten Besserung der Schmerzen.

Erkrankungen, die mit großer Trockenheit und Entzündung der Schleimhäute einhergehen, gehören zum Krankheitsbild von Bryonia Alba. Das Mittel ist hilfreich für Patienten, die unter Verstopfung (Obstipation), Brustfellentzündung (Pleuritis), Herzbeutelentzündung (Perikarditis) oderHirnhautentzündung (Meningitis) leiden.

Wo wirkt es?: Hauptangriffspunkte von Bryonia Alba sind die Schleimhäute von Kopf, Brust, Gelenken und dem Verdauungsapparat. Dort entwickeln sich schmerzhafte Entzündungen und Ergüsse. [8]

In welchem Alter?: Bryonia Alba kann sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen eingesetzt werden. Bei Kindern ist es besonders hilfreich in der Behandlung vonScharlach oder Masern mit Beteiligung der Lunge. [9]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Alle Beschwerden verschlimmern sich durch Bewegung.
  • Großer Durst auf große Mengen, welche in großen Abständen getrunken werden.
  • Verstopfung ohne Stuhldrang. Der Stuhl ist trocken und hart.
  • Morgendlicher Durchfall, der bei Beginn der Bewegung einsetzt.
  • Ergüsse im Bereich der Hirnhäute, der Lunge und des Bauchraumes.
  • Stechende Schmerzen.
  • Trockener Husten mit stechenden Schmerzen in der Brust. Die Patienten haben das Gefühl, der Kopf würde beim Husten zerspringen.
  • Nasenbluten anstelle der Menstruationsblutung.
  • Akute Gelenkschmerzen mit Rötung und Schwellung des Gelenkes, sowie Schmerzen bei Berührung und Bewegung.[10]

Verbesserung: Liegen auf der schmerzhaften Seite, fester Druck, Ruhe und kalte Anwendungen verbessern die Beschwerden.

Verschlechterung: Bewegung, Berührung und Anstrengung verschlechtern die Beschwerden. Diese sind morgens und bei heißem Wetter am schlimmsten.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, die Bryonia Alba benötigen, sind sehr reizbar und möchten lieber alleine als in Gesellschaft sein. Sie äußern den Wunsch nach Hause zu gehen und bemerken nicht, dass sie bereits dort sind. Die Patienten sind in großer Sorge um ihre Gesundheit und zweifeln an der Genesung.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bryonia Alba ist angezeigt bei Kopfschmerzen, die von der Stirn zum Hinterkopf ziehen und durch Bewegen der Augen schlimmer werden.Den Patienten wird beim Aufstehen oder Aufrichten schwindlig oder sie fallen in Ohnmacht.
Das Mittel ist hilfreich bei sehr empfindlicher Kopfhaut. Die Patienten ertragen nicht einmal die Berührung einer weichen Bürste und haben das Gefühl, jedes einzelne Haar würde wehtun.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Dunkelrotes, heißes Gesicht und trockene, aufgesprungene Lippen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, die von Bryonia Alba profitieren, leiden unter einem trockenen und sehr schmerzhaften Husten. Sie spüren scharfe Stiche in der Brust beim Einatmen oder während des Hustens. Besonders schlimm sind die Beschwerden nachts. Die Patienten müssen sich im Bett aufsetzen, damit die Beschwerden gelindert werden.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten verspüren großen Durst auf große Mengen kalten Wassers.Bryonia Alba wird bei drückenden Magenbeschwerden eingesetzt, welche sich nach dem Essen verschlimmern. Der Bauch ist im Bereich des Magens sehr empfindlich gegenüber Berührungen.
Die Leber ist bei Menschen, die Bryonia Alba benötigen, schmerzhaft geschwollen und berührungsempfindlich.
Die Patienten leiden unter Verstopfung. Der Stuhl ist trocken und hart.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der rote oder bräunliche Urin ist heiß und fließt nur spärlich.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bryonia Alba Kranke leiden unter schmerzhaft geschwollenen Gelenken. Die Schmerzen sind stechend und verschlimmern sich bei Bewegung.Schmerzen im Bereich des Ischiasnerves (Ischialgie) sind ebenfalls typisch. Sie bessern sich wenn der Patient ruhig und auf der schmerzhaften Seite liegt.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Erkrankungen, die üblicherweise mit einem Hautausschlag einhergehen, entwickelt sich dieser nur sehr langsam. Dies ist häufig bei Masern oder Scharlach der Fall.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen, die Bryonia Alba benötigen, klagen über ein äußerliches Frösteln und gleichzeitig innere Hitze.Bei Fieber haben die Patienten einen heißen, trockenen Kopf und ein rotes Gesicht. Das Fieber steigt im warmen Zimmer an.
Der Schweiß riecht sauer oder ist fettig wie Öl.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bryonia Alba ist passend für Menschen, die viel von den Dingen träumen, die sie gerade beschäftigen. Sie neigen zum Schlafwandeln und sind tagsüber benommen und schläfrig.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Kalium CarbonicumVidady - Fotolia

Sowohl Bryonia Alba wie auch Kalium Carbonicum sind bewährte Mittel bei stechenden Schmerzen. Die Mittelwahl richtet sich nach den Modalitäten, in denen sich die beiden Mittel unterscheiden. Bei Bryonia werden die Schmerzen durch die geringste Bewegung verschlimmert, während die stechenden Schmerzen von Kalium Carbonicum unabhängig von Bewegung auftreten. Die Bryonia Schmerzen erfahren eine Besserung durch Druck, dies ist bei Kalium Carbonicum nicht der Fall. [13]

Rhus ToxicodendronPantherMedia / Robert Byron

Beide Mittel zeigen im Mittelbild bewegungsabhängige Schmerzen. Während bei Bryonia Alba der Schmerz bei jeder Bewegung auftritt, so ist es bei Rhus Toxicodendron vor allem zu Beginn einer Bewegung sehr schmerzhaft für die Patienten. Bei fortgesetzter Bewegung verringern sich die Schmerzen. [14]

Hintergrundinformationen

Bei der Weißen Zaunrübe handelt es sich um eine hochgiftige Pflanze, welche bereits seit der Antike in geringen Dosen in der Pflanzenheilkunde verwendet wurde. Von Hildegard von Bingen stammt der Name „Stichwurz“. Sie setzte die Weiße Zaunrübe gegen Seitenstechen ein und stellte aus der Wurzel einen Brei her, den sie dazu benutzte Dornen und Splitter aus der Haut heraus zu ziehen. [15]

Sowohl die Beeren, wie auch die Wurzeln enthalten das Glykosid Bryonin, welches lähmend auf das zentrale Nervensystem wirkt und Krämpfe, Delirium und sogar Atemstillstand hervorrufen kann. Weitere Vergiftungserscheinungen zeigen sich im Bereich des Verdauungstraktes. Es kommt zu Erbrechen und Durchfall. Bereits eine geringe Menge der Beeren können bei Kindern tödlich wirken. [16][17]