Globuli von M bis O

Nux vomica Globuli

PantherMedia / Willy Brüchle
© PantherMedia / Willy Brüchle

Nux vomica, auch gewöhnliche Brechnuss oder Krähenauge, genannt, gehört zu der Familie der Brechnussgewächse (Loganiaceae) und ist somit ein pflanzliches homöopathisches Arzneimittel. Es besteht aus den reifen und getrockneten Samen des Brechnuss-Baumes, Strychnus nux-vomica.

Als eine der ersten Substanzen, die Hahnemann der Arzneimittelprüfung unterzog, ist es zugleich die Substanz, die am meisten Symptome hervorgebracht hat: 1198 an der Zahl durch Hahnemann selbst beobachtet und weitere 69 durch andere Prüfer. Es ist demnach vor Pulsatilla dasumfangreichste homöopathische Mittel.
Zugleich war Nux vomica ausschlaggebend für die Einführung des Begriffes „Polychrest“. Dieser bezeichnet homöopathische Mittel, deren beobachtete Symptome sich mit den Symptomen der gängigsten und gewöhnlichsten Krankheiten der Menschen decken. Diese Mittel werden daher häufig angewendet und sind meist sehr wirksam.
Neben Nux vomica gibt es nur noch wenige andere Mittel, die diese Eigenschaft ebenfalls erfüllen – darunter Pulsatilla, Sulphur und Sepia. Nux vomica ist allerdings das größte Polychrest.
Es ist häufig das Mittel erster Wahl bei chronischen Auswirkungen einer ungesunden Lebensweise und/ oder zuintensiver Arzneimitteleinnahme.  [1][2][3][4][5]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Nux vomica ist vor allem indiziert bei modernen, überarbeiteten Menschen, die einer sitzendenden Tätigkeit sowie einer ungesunden Lebensweisenachgehen. Die Patienten sind häufig dünn bis mager, aktiv bis hektisch, nervös bis leicht reizbar. Aufgrund ihrer starken Belastung neigen sie zur – teilweisen exzessiven- Einnahme von geistig anregenden Substanzen (Stimulantien), Kaffee und Wein. In dem Versuch, sich von der Anstrengung zu erholen und den Stress abzubauen, geben sie sich gerne dem Genuss von Tabak oder Opium hin. Darüber hinaus essen sie gerne reichlich, stark gewürzt und fettig und geben häufig ihrer sexuellen Lust hin. Da sie dazu noch spät zu Bett gehen, sind sie am Tage darauf nicht nur leicht reizbar, sondern haben auch einen schweren Kopf sowie Verdauungsstörungen (Dyspepsie). Diesen Symptomen wollen sie entgegenwirken und nehmen verschiedene Substanzen, wie zum Beispiel Abführmittel (Laxantien), welche den Zustand der Nux vomica- Patienten noch verschlimmern und somit denTeufelskreis schließen.

Die Patienten leiden unter den schädlichen Folgen dieser Lebensweise. Nux vomica ist ein Mittel, das bei beiden Geschlechtern angewandt wird. Bei Frauen insbesondere bei solchen, deren Regelblutung (Menstruation) zu früh und zu stark einsetzt. [5][6][2][7]

Wo wirkt es?: Nux vomica wirkt vor allem auf die Nerven und somit zugleich auf Geist und Gemüt: beruhigend, besänftigend, krampflösend. Außerdem auf wirkt es auf den Verdauungstrakt- auf Magen, Leber und Darm.[5]

In welchem Alter?: Das Mittel kann sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen angewandt werden. Letztere stehen aber deutlich im Fokus, vor allem solche, die durch ihre Lebensweise gestresst sind.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nux vomica kann hilfreich sein bei verschiedensten langwierigen Leiden, die durch zu starken Wein-, Kaffee-, Drogen- oder Arzneimittelkonsum, sitzende Tätigkeiten, zu viel geistige Arbeit und zu wenig Aufenthalt im Freien hervorgerufen wurden. Der Organismus ist also aus dem Gleichgewicht geraten (Heterostase).

Vordergründige Symptome sind Krämpfe unterschiedlicher Intensität, nervöse Empfindlichkeit bis hin zur Hypochondrie, starke Intoleranz gegenüber Kälte. Letzteres passt zu einer starken Erkältungsneigung der Patienten. Somit ist Nux vomica auch ein häufig angewendetes Mittel bei Erkältungen.

Auch ansteckende Krankheiten und akutes Fieber unterschiedlicher Herkunft gehören zu den Haupt-Heilanzeigen (Indikationen). Eine wichtige Gruppe von Beschwerden sind Verdauungsstörungen, allen voran die Verstopfung (Obstipation). Aber auch Bauchknurren(Borborygmus), Blähungen (Flatulenzen), Übelkeit und teilweise Erbrechen sind typische Beschwerden der Patienten. Nux vomica-Patienten leiden außerdem an Schmerzen verschiedenster Art: körperliche (somatische), Nerven- (Neuralgien) und Kopfschmerzen.[8][4][2][7]

Verbesserung: Der Zustand der Patienten verbessert sich prinzipiell abends, außerdem durch kurzen ungestörten Schlaf oder durch Ruhe. Nach dem Stuhlgang – vor allem nach erfolgreichen ungestörten Stuhlgang, nach Erbrechen. Schließlich auch durch Genuss von Milch und gegebenenfalls sogar von fetten Speisen.

Verschlechterung: Die Beschwerden nehmen morgens zu, vor allem gegen neun Uhr. Auch der Genuss von Gewürzen, Stimulantien, Kaffee, Alkohol, Tabak, Drogen oder Abführmitteln (Laxantien)trägt zur Verschlechterung bei. Störung des Schlafes wirkt sich negativ aus, genauso wie Schlafmangel- aber auch zu langer Schlaf. Verschlechterung des Zustands nach dem Essen, durch überessen oder gar Völlerei; bei geistiger Anstrengung, Ärger, persönliche Kränkung, psychische Erschütterung (Trauma); durch viel Sitzen, aber auch Bewegung; durch Sinnesreize; durch Entkleidung, Kälte, trockenes Wetter, Zugluft und kalten Wind. [4][2][6][5][8][7][3] p. S. 147

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Besonders charakteristisch für Nux vomica ist Überempfindlichkeit (Hypersensibilität). Diese ist im Alltag allgegenwärtig: gegen jede Art vonSinneseindrücken und Reizen – sowohl geistiger als auch körperlicher Art- sind sie überempfindlich. Insbesondere Gesichts- (visuell), Geruchs-(olfaktorisch) und Tastsinn (taktil) sind davon betroffen. So vertragen sie beispielsweise grelles Licht, intensive Gerüche oder auch nur die leisesten Berührungen schlechtDarüber hinaus zeigen sie eine gesteigerte Kälte-Empfindlichkeit. Nux vomica-Patienten sind generell aktiv, ungeduldig und hastig. Dabei wirken sie disharmonisch und verstimmt. Sie sind nervös und leicht zu verärgern, bis hin zu aufbrausend und jähzornig. Dies kriegen häufig ihre Mitmenschen zu spüren, an denen sie ihre Gereiztheit und Ungeduld auslassen. Dabei können sie teilweise bösartig werden. Sie sind starrköpfig, eigensinnig und unnachgiebig: Wünschen von anderen widersetzen sie sich beharrlich. Während sie an anderen stets Kritik üben und ihnen ihre Fehler vorwerfen, sind sie durch die leiseste Beschwerde an ihrer eigenen Person sehr gekränkt. Nux vomica-Patienten sind geprägt von Ängsten: zum Teil haben sie eine zwanghafte Angst vor Erkrankungen (Hypochondrie) und auch vor Armut. Oftmals werden die Patienten auch von Melancholie überkommen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Besonders betroffen sind Nux vomica- Patienten von einem starken Drehschwindel, der sie zum Teil nachts aufwachen lässt. Dieser geht einher mitKopfschmerzen, Kontrollverlust über die eigenen Bewegungen, Schwarzsehen und schließlich einem plötzlich einsetzenden Verlust des Bewusstseins(Synkope).Schwindel tritt vor allem auf bei leerem Magen, aber auch nach dem Essen, am Morgen, durch Alkoholkonsum, durch zu langes Stehen, inMenschenansammlungen und bei zu starkem Lichteinfall. Der Kopf fühlt sich dabei an wie zerdrückt und zerschlagen. Z udem leiden die Patienten unter häufigen Kopfschmerzen: Schmerzen, die vor allem durch die Sonne hervorgerufen werden; Kopfschmerzen, die auf einem verstärkten Blutandrangberuhen (kongestiv), vor allem in Verbindung mit Hämorrhoiden; Stirnkopfschmerzen, die gebessert werden, indem die Patienten ihren Kopf auf den Tisch legen; bis hin zu heftigen Migräne-Attacken. Die Patienten leiden unter einer empfindlichen Kopfhaut, die vor durch Wind und Berührung gereizt wird. Nux vomica-Patienten erkälten sich leicht, vor allem bei trockener kalter Luft. Dem kann durch Einhüllen des Kopfes entgegengewirkt werden.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Generell sind die Patienten sehr geruchsempfindlich. Sind sie erkältet, so ist meist die Nase verstopft, vor allem nachts. Während die Patienten nachts und im Freien vor allem von einem sogenannten Stockschnupfen ereilt werden, leiden sie tagsüber und im Innern unter Fließschnupfen. Dabei läuft Flüssigkeit aus einem oder beiden Nasenlöchern (uni- oder bilateral). Kleinkinder leiden häufig unter chronischem Schnupfen. Sie verspüren, vor allem morgens, einen unangenehmen Geschmack im Mund: bitter, sauer, metallisch. Die gesamte Mundschleimhaut ist von kleinen aphten-ähnlichen Geschwüren (Ulcerationen) überzogen. Der Speichel ist oft blutig. m Hals, am Kehlkopf (Larynx) und Rachen verspüren die Patienten ein raues, wundes, kratziges Gefühl. Der Hals schmerzt, insbesondere dann, wenn die Patienten Speichel schlucken. Dieser stechende Schmerz kann bis zu den Ohrenreichen. Morgens nach dem Aufstehen bemerken die Patienten ein Kitzeln im Hals.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nux vomica-Patienten atmen flach und oberflächlich und haben beim Atmen ein Gefühl der Beklemmung. Die Brust und Atemwege ziehen sichkrampfartig zusammen. Durch das schmerzhafte Gefühl von Rauhig- und Kratzigkeit in Kehlkopf und Brust leiden die Patienten unter entzündlicher (katarrhalischen) Heiserkeit. Stark präsent ist bei Nux vomica-Patienten der Husten: dieser tritt anfallsartig auf und ist stets stark. Er wird begleitet von Kopfschmerzen, als ob der Schädel zerspringen würde und die Patienten sich den Kopf halten müssen. Asthma ist ein typisches Leiden der Nux vomica-Patienten, häufig auftretend bei Völlegefühl im Magen- morgens oder nach dem Essen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Verdauungsbeschwerden stehen bei Nux vomica-Patienten stark im Vordergrund. Der Magen schmerzt, vor allem nach dem Essen, fühlt sich schwer an und ist besonders druckempfindlich. Nach dem Essen verspüren sie neben Schmerzen auch Übelkeit und leiden unter einem aufgeblähten Oberbauch. Die Patienten müssen oft erbrechen. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen fetthaltige Speisen bevorzugen und diese auch gut vertragen.

Eine wichtige Beschwerde ist die Verstopfung (Obstipation), die vor allem auf die unregelmäßige und spastische Aktivität der Verdauungsorgane zurückzuführen ist. Daher verspüren die Patienten häufigen Stuhlgang, der aber vergebens ist. Bei jedem Versuch, sich zu entleeren, sondern sie nurkleine Mengen ab. Nach jedem Stuhlgang verbleiben die Patienten unbefriedigt und mit dem Gefühl, als würde Kot zurückgehalten.

Weisen Patienten keinen Stuhldrang auf, so ist Nux vomica nicht indiziert (Kontraindikation). In Zusammenhang mit dem vergeblichen Stuhldrang stehen Hämorrhoiden am Mastdarm (Rektum), die juckend und sehr schmerzhaft sind. Der Mastdarm bereitet den Patienten beständig Beschwerden.Generell werden Schmerzen durch Entleerung gelindert.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Allgemein haben die Patienten aufgrund ihrer Übererregtheit ein stark ausgeprägtes Verlangen nach sexueller Befriedigung. Kommt es zum Sexualakt, sind ihre Kräfte allerdings schnell erschöpft.

Weibliche Genitalien: Frauen, bei denen Nux vomica angezeigt ist, haben eine zu früh einsetzende Monatsblutung (Menses). Diese ist zu stark und zu lang andauernd. Der Zyklus ist stets unregelmäßig. Das abgehende Blut ist schwarz. Die Menstruation kann mit krampfartigen Schmerzen, vor allem im Kreuzbein, einhergehen (Dysmenorrhö).Die Patientinnen haben Blutungen, die außerhalb des eigentlichen Menstruationszyklus (azyklisch) auftreten (Metrorrhagie), die von einem starken Stuhldrang begleitet werden. Die Gebärmutter (Uterus) kann aus ihrer natürlichen Lage heraus absinken und in die Vagina „vorfallen“ (Prolaps uteri). Dies ist bedingt durch Versagen der haltenden Bandstrukturen.

Männliche Genitalien: Männliche Patienten werden schon durch geringste Reize erregt. Sie erleben selbst ohne sexuelle Erregung regelmäßig Samenergüsse(Pollutionen, Spermatorrhoe).Während des Beischlafs verschwindet die Erregung allerdings sehr schnell.Aufgrund der schnellen Verausgabung beim Sexualakt kommt es zu einer vorzeitiger Ejakulation (Ejaculatio Praecox) und einem verfrühten Erschlaffen des Penis.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten leiden unter Rückenschmerzen, vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule und beim Sitzen. Um sich im Bett drehen zu können, müssen sie sich typischerweise zuerst aufrichten.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Durch die teilweise (partielle) Mehrdurchblutung von Geweben (Hyperämie) ist die Haut der Patienten ist meist rötlich (erythematös) und fleckig(makulös). Der gesamte Körper und insbesondere das Gesicht sind oft stark erhitzt. Trotzdem frieren die Patienten bei Bewegung und beim Entkleiden.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Generell leiden die Patienten eher unter Kälte als Hitze. Sie frieren sehr leicht, verstärkt durch Bewegung und Trinken, und können sich nicht dazu durchringen, sich zu entkleiden. Wenn sie ihre Kleidung ablegen frösteln sie, lassen sich aber dennoch nicht zudecken. Obwohl der ganze Körper von einer trockenen brennenden Hitze befallen ist, friert der Patient bei jeder Bewegung. Bei einem frostigen Fieberschub müssen die Patienten in jeder Phasedes Anfalls zugedeckt sein. Die Patienten haben blaue (zyanotische) Fingernägel.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristisch für den Schlaf der Patienten ist Wechselhaftigkeit und Unruhe. Abends werden die Patienten frühzeitig schläfrig. Da sie aber ihre Gedanken nicht unterdrücken können- nicht zuletzt durch den Einfluss von eingenommenen Stimulantien-haben sie trotz starker Müdigkeit große Schwierigkeiten einzuschlafen. Sind sie dann doch eingeschlafen, wachen gegen drei Uhr nachts wieder auf und liegen bis zum Morgen wach im Bett. Fallen sie daraufhin wiederum in einen Schlaf, wachen sie letztlich erst spät am Vormittag auf. Dabei fühlen sie sich kümmerlich und erschöpft. Folglich sind die Patienten den ganzen Tag über schläfrig. Sie müssen oft gähnen und frieren dabei. Während des Schlafes haben die Patienten unruhige oder gar Alpträume, aber auch erotische Träume. Für Nux vomica-Patienten ist ein Mittagsschlaf sehr hilfreich. Dabei ist wichtig, dass der kurze Schlaf am Tage nicht gestört wird. [7][5][2][6]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Ignatia amara

Wie auch Nux vomica ruft Ignatia amara eine Überempfindlichkeit der Sinne sowie eine starke Krampfneigung hervor. Als Hauptmittel bei Hysterie wirkt es vor allem bei Gereiztheit, Nervosität und emotionalem Ungleichgewicht. Verdauungsbeschwerden stehen ebenfalls im Fokus. Im Gegensatz zu Nux vomica ist Ignatia amara eher ein Frauenmittel.

Sulfurpanthermedia.net /
Antje Große

Ähnlich zu Nux vomica ist Sulphur bei Hämorrhoiden, Schmerzen und Jucken der Analregion sowie häufigem vergeblichen Stuhldrang angezeigt. Auch unter morgendlichem Erbrechen ist ein wichtiges Symptom. Die Einnahme von Sulphur im Gegensatz zu Nux vomica allerdings vor allem morgens angezeigt.

Strychninum

Ist ein verwandtes Mittel zu Nux vomica und stimuliert das zentrale Nervensystem und erhöht dadurch geistige Fähigkeiten sowie die Sinnes-Wahrnehmung. Durch Anregung der Rückenmarksreflexe sind auch diese gesteigert. Als homöopathisches Mittel wird es vor allem bei Muskelspasmen und Krämpfen eingesetzt. Da es vor allem direkt auf das Rückenmark und dessen Reflexe wirkt, ist es im Vergleich zu Nux vomica weniger bei Beschwerden der inneren Organe indiziert.Ähnlich zu den Nux vomica-Patienten zeichnen sich Strychnium- Patienten durch eine erhöhte Reizbarkeit aus, leiden ebenfalls unter Verdauungsproblemen sowie Kopfschmerzen.[3, p. S. 212][5][4][8]

Hintergrundinformationen

Der Brechnuss- oder Krähenaugenbaum (Strychnos nux vomica) ist ein kleiner bis mittelgroßer Baum, der natürlicherweise in Südostasien – insbesondere Indien und Malaysia- sowie im tropischen Australien vorkommt. Die Früchte des Baumes – apfelgroße Beeren, die an Orangen erinnern – enthalten die eigentliche Brechnuss. In der Brechnuss befinden sich die Samen, welche wiederum die Wirkstoffe der Pflanze enthalten: Alkaloide – darunter Strychnin und Brucin, je nach Samen in variierenden Anteilen. Diese sind ausschlaggebend für die Eigenschaften der Brechnuss.

Beide Alkaloide haben in ihrer reinen Form starke toxische Eigenschaften: beide sorgen für eine erhöhte Reflex-Erregbarkeit und Spasmen der Muskulatur, bis hin zu einer Lähmung des zentralen sowie unbewussten (vegetativen) Nervensystems. Im schlimmsten Fall kann dies zu Tod durch Atemlähmung führen. Außerdem wird die allgemeine Sinneswahrnehmung gesteigert: insbesondere Seh-, Geruchs- und Gefühls-Sinn reagieren auf Reize besonders sensibel. Bevor Nux vomica als homöopathisches Mittel eingesetzt wurde, war das Mittel oft gefürchtet, da es in zu hohen Dosen und zu unpassenden Krankheitsfällen eingesetzt wurde und somit große Schäden anrichtete.
Zur Herstellung eines homöopathischen Arzneimittels werden die Samen aus der reifen Brechnuss entfernt, gesäubert, getrocknet und sortiert. Anschließend werden sie in einem aufwendigen Prozess zu Pulver verarbeitet. Aus dem Pulver wird Nux vomica anschließend entweder zu Tinktur (Tinctura Nucis Vomicae), mit 0,25 Prozent Strychnin, oder zu Extrakt (Extractum Nucis Vomicae), 5 Prozent Strychnin enthaltend, weiterverarbeitet. Beim homöopathischen Gebrauch von Nux vomica macht man sich vor allem die Wirkung der allgemeinen gesteigerten Erregbarkeit – ausgehend von den beiden Wirkstoffen Strychnin und Brucin- zunutze.
Während die Tinktur als Bitterstoff appetitanregend ist und für die stimulierende Wirkung auf den Verdauungstrakt angewandt wird, ist der Extrakt meistens in Pillen enthalten und wird hauptsächlich bei Anämie verabreicht. Bei unhomöopathischer Anwendung oder Verabreichung zu großer Dosen, kann der Wirkung von Nux vomica mithilfe von Wein, Branntwein oder Kampher entgegengewirkt werden.[9][10][1][11][3] p. S. [8][4][12][2]