Globuli von R bis S

Sulfur Globuli

© panthermedia.net / Antje Große

Sulfur (lat. Sulpur) ist das am besten geprüfte Arzneimittel der homöopathischen Arzneimittellehre und das im Repertorium, dem homöopathischen Nachschlagewerk, am häufigsten genannte Mittel. Bei der zu Grunde liegenden Ausgangssubstanz dieses Mittels handelt es sich um Schwefel. Dieser gelbe, nichtmetallische Feststoff tritt in der Natur sowohl gediegen­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ als auch in seiner anorganischen Verbindung, d.h. nicht in der belebten Natur vorkommend, auf, vor allem als Sulfat oder Sulfid. Schwefel ist ein wesentlicher Bestandteil des Organismus und die medizinischen Anwendungen von Schwefel reichen bis in die Anfänge der Medizingeschichte zurück. Das homöopathische Arzneimittel Sulfur (Abkürzung sulph) wird aus chemisch gereinigtem Schwefel gewonnen, der mit Zucker verrieben und pulverisiert wird, sodass er in Wasser und Alkohol löslich ist. Schwefel wirkt auf den gesamten Organismus, jedoch sind seine Wirkungen auf die Haut, den Verdauungstrakt und die Venen (venöses System) am stärksten und daher hat Sulfur auch in diesen Organsystemen seine Hauptanwendungsgebiete. Sulfur eignet sich bei akuten Beschwerden, die also noch nicht lange bestehen, zur Selbstbehandlung bei Personen aller Altersstufen. Bei chronischen Beschwerden sollte jedoch von einer Selbstbehandlung abgesehen werden und eine professionelle homöopathische Behandlung erfolgen.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Sulfur eignet sich bei Personen, bei denen folgende Erkrankungen bzw. Zustände vorliegen:

  • Allergien
  • entzündete Gelenke (Arthritis)
  • Asthma
  • Entzündungen im Bereich der Augenlider (Belpharitis)
  • Bronchitis
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • Ekzem
  • Erkrankungen der Haut und des Verdauungstraktes im Allgemeinen
  • Heuschnupfen (Pollinosis)
  • Borkenflechte (Impetigo contagiosa)
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Kopfschmerzen
  • Neurodermitis
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Rachentzündung (Pharyngitis)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)Soor (Infektion durch Pilze der Gattung Candida)
  • Tinea (Infektion durch Pilze der Gattung Dermatophyten)
  • Rachenmandelentzündung (Tonsillitis)
  • Windeldermatitis

[3][4]

Wo wirkt es?: Sulfur wirkt vor allem an folgenden Organsystemen:

  • Kreislauf
  • Verdauung
  • Haut und Schleimhäute
  • Drüsen
  • Gelenke

[3][4]

In welchem Alter?: Die Anwendung von Sulfur ist in jedem Lebensalter geeignet. [3][4]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zu den sogenannten Leitsymptomen gehören unter anderem Schwindel auf hohen Plätzen oder beim Gehen über Brücken, Erkrankungen, die nie völlig verschwinden oder immer wiederkehren (rezidivierend) sowie ein schwacher Rücken, sodass die betreffende Person nicht gerade sitzen oder lange stehen kann. Charakteristisch für dieses homöopathische Mittel sind des Weiteren rote und juckende Hautausschläge, ebenso wie Rötungen an Körperöffnungen, vor allem am After, die dort oft mit Juckreiz auftritt. Typisch sind zudem stinkender Stuhl und auch stinkende Flatulenzen. Sulfur ist chaotisch, faul und unordentlich, hat außerdem eine Abneigung gegen Waschen und Baden und ist unsauber. Darüber hinaus wird eine immens ausgeprägte Empfindlichkeit gegen schlechte Gerüche, sowie ein starker Materialismus und Besitzorientierung beschrieben. Zu den Leitsymptomen zählen zudem Schlafen auf der linken Seite, heiße Füße, sodass diese entblößt werden müssen, Heißhunger und Schwäche um 11.00 Uhr. Verlangen nach Süßem, Fett und gewürzten Speisen sowie eine Abneigung gegen Eier und Saures sind generell typisch.[3][4]

Verbesserung: Eine Verbesserung durch frische oder kühle Luft, Bewegung und Schwitzen ist charakteristisch für Sulfur. Verbessern sich die Symptome durch trockene Wärme, Liegen auf der rechten Seite und Zahnung bei Kindern, deutet dies ebenso auf Sulfur hin.[3][4]

Verschlechterung: Die Beschwerden werden durch Baden und feuchte Anwendungen verschlechtert. Aber auch Hitze und Bettwärme können zu einer Verschlechterung führen. Dies gilt auch für Zugluft, Winter und nach zu langem Schlaf. Verschlechterung um 11.00 Uhr, durch Stehen, Impfungen, Milch und Wolle sowie bei Vollmond sind ebenso typisch für Sulfur.[3][4]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sulfur ist egoistisch und materialistisch, besitzorientiert und hat seinen Sinn für Geld früh entwickelt. Zudem sammelt er alles, kann nichts wegwerfen und braucht den Kontakt mit seinem Besitz. Die betreffende Person ist stolz auf ihren Besitz, hat z. B. als Kleinkind fünf Schnuller in einer Hand und teilt oder verleiht ungern. Sie ist außerdem faul und lässt sich gern bedienen, wird oft fordernd und erwartet, dass andere sich um ihre Bedürfnisse kümmern, im Kontrast dazu wird sie jedoch mürrisch, wenn man ihn um einen Gefallen bittet. Andererseits will sie alles selber machen und weist Hilfe zurück.

Typisch ist außerdem, dass die betreffende Person keine Regeln respektiert, dominant und einschüchternd ist, gerne auf dem „Thron“ sitzt, nie schüchtern wird und einem direkt ins Gesicht schaut. Sie ist zudem arrogant und schreit, bis sie bekommt, was sie will.

Sulfur hat eine hitzige und explosive Persönlichkeit, streitet wegen jeder Kleinigkeit, beruhigt sich jedoch schnell wieder, verkraftet auch Fehlschläge gut und wendet sich sofort Neuem zu. Ihm ist egal, was andere von ihm denken, will aber dennoch der Beste sein und schätzt dabei seine eigenen Fähigkeiten oft schlecht ein. Er braucht viel Beachtung, macht Lärm, stört und muss dauernd reden. Charakteristischer weise zeigt sich ein stetes Bemühen, von anderen akzeptiert und respektiert zu werden. Er ist darüber hinaus sehr großzügig und verschenkt oft Dinge, ohne es zu bereuen, ist gastfreundlich, spontan, herzlich und humorvoll, kann aber auch ungeduldig und eilig sein.

Der Sulfur-Patient ist ein Chaot, sorglos und unbekümmert und findet seine Unordnung gemütlich, räumt nur oberflächlich auf, trägt schäbige Kleidung und ist unreinlich. Er arbeitet zudem gerne im Lärm, mitten in der Familie, macht z. B. Hausaufgaben am Küchentisch. Andererseits ist er auch sorgfältig und gewissenhaft. Sich leicht zu ekeln und empfindlich auf schlechte Gerüche, vor allem auf den Geruch von Kot zu reagieren, ist typisch für ihn. Manchmal meint er, er rieche selber nach Kot und wäscht sich dauernd die Hände. Er hat außerdem Angst vor Ansteckung und trinkt nicht vom Glas eines anderen. Des Weiteren ist er intellektuell, besitzt eine schnelle Auffassungsgabe, ist ein Philosoph, ein Besserwisser und theoretisiert ohne Zeitgefühl. Der Sulfur-Patient beschäftigt sich mit „wesentlichen Fragen“ und übersieht die wichtigen Details, will alles mitteilen, was er weiß und fragt ständig nach, kann jedoch nicht zuhören. Charakteristisch ist für ihn zudem, dass er neugierig ist, alles zerlegen und wissen will, wie es funktioniert sowie eine Sprachbegabung und ein gutes Gedächtnis besitzt. Außerdem ist er phantasievoll, macht viele Pläne, ist aber faul und unpraktisch, ist ein Träumer.
Typisch sind außerdem Höhenangst, Angst in der Dunkelheit, vor Insekten und auch Angst um andere.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Sulfur-Patient leidet häufig unter Kopfschmerzen und Mittelohrentzündungen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Entzündungen im Bereich der Augenlider (Belpharitis) und Bindehautentzündungen (Konjunktivitis) sind charakteristisch.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig bestehen Allergien, wie z. B. Heuschnupfen, Asthma, häufige Atemwegsinfektionen wie eine Bronchitis, eine Rachenentzündung, Mandelentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung oder sogar eine Lungenentzündung.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Diabetes, Durchfall, aber auch Verstopfung sind typisch für das Mittel. Der Sulfur-Patient hat ein Verlangen nach Süßem wie Schokolade, Eis, nach der Kombination von Süßem und Saurem, nach Rohkost, Fleisch, Fett, Käse, Delikatessen, exotisch und stark gewürztem Essen, nach Alkohol und Junk-Food wie Pizza, Spaghetti und Pommes. Der Heißhunger um 11.00 Uhr sowie extremer Durst auf große Mengen gehören auch zu Sulfur. Gleichzeitig besteht eine Abneigung gegen saure Speisen und Eier, vor allem gegen weiches Eidotter sowie gegen Fisch, Fleisch, kräftigen Käse,Milch, gegen Frühstück im allgemeinen, aber auch gegen Leber, Artischocken und Brot sowie Oliven.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Sulfur-Patient hat einen schwachen Rücken und kann deshalb nicht lange gerade stehen oder sitzen und leidet zudem unter Arthritis.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sulfur-Menschen leiden unter Erkrankungen der Haut wie Ekzemen, Neurodermitis und Borkenflechte, aber auch unter Pilzerkrankungen wie Soor sowie Tinea und hatten als Kind häufig eine Windeldermatitis.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Sulfur-Patient ist meist warmblütig, deckt sich nachts immer ab und läuft gerne barfuß. Er schwitzt reichlich beim Einschlafen, nachts, beim Erwachen, im Nackenbereich (Zervikalbereich), am Rücken und unter den Achseln sowie an den Füßen. Der Schweiß ist dabei übel riechend und sauer.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kurze Schläfchen tagsüber sind typisch für den Sulfur-Patienten, er ist abends munter, eher ein Nachtmensch und braucht wenig Schlaf. Kann nur bei Licht schlafen und leidet häufig unter Schlaflosigkeit oder häufigem Erwachen nach 0.00 Uhr. Oftmals ist er zwischen 03.00 und 05.00 Uhr hellwach durch Gedanken. Sprechen im Schlaf sowie Hitze und Schweiß am Kopf während des Schlafs sind charakteristisch. Er deckt die Füße ab und sucht kühle Stellen im Bett, schläft auf der linken Seite, ist oft unruhig und wechselt ständig die Position. Beim Schlafen in Rückenlage bekommt er Albträume, träumt von Feuer und von Verfolgung durch wilde Tiere. Manchmal schreit oder lacht er auch im Schlaf. Zudem ist der Sulfur-Patient ein Langschläfer.

[3][4]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Arsenicum album

Ebenso wie Sulfur wird Arsenicum album bei Allergien, Asthma, Ekzemen und Durchfall angewandt. Den beiden Mitteln ist zudem ihre Neigung zu Kopfschmerzen und Sinusitis gemeinsam. Der Arsenicum album-Patient hat genau wie der Sulfur-Patient Furcht vor Krankheit, darüber hinaus gehört zu Arsenicum album die panische Angst, wenn Symptome auftreten. Auch die Angst um andere Personen gehört sowohl zu Sulfur als auch zu Arsenicum album. Der Arsenicum album-Patient hat jedoch eine starke Abhängigkeit von anderen, ist misstrauisch und unsicher, sieht beispielsweise Diebe oder eine Verschwörung um sich herum und empfindet die Welt als bedrohlich und chaotisch. Er braucht Menschen, erhofft sich sofortige Hilfe von ihnen, misstraut ihnen aber. Genau wie der Sulfur-Patient ist ein Arsenicum album-Patient empfindlich auf Gerüche, im Gegensatz zu Sulfur aber auch gegen Geräusche. Arsenicum album ist geizig, selbstsüchtig und neidisch, ist in ängstlicher Sorge um seinen Besitz und fürchtet Räuber. Darüber hinaus verbindet die zwei Mittel die Eigenschaft, nichts wegwerfen zu können, beide sind Sammler. Der Arsenicum album-Patient ist wählerisch, pedantisch und kann nicht ruhen, wenn Dinge nicht am richtigen Platz sind. Er ist also im Gegensatz zum Sulfur-Patient zwanghaft besessen von Ordnung, Sauberkeit, einem gepflegten Äußeren und kontrolliert daher ständig seine Umgebung. Beide Personentypen sind dominant und konkurrenzorientiert, dulden niemanden neben sich und kommandieren gerne herum. Charakteristisch für das homöopathische Mittel Arsenicum album ist, dass die betreffende Person sich nur auf sich selbst verlässt, fasziniert ist von Leistung und Rekorden, ständig kritisiert, aber selber keine Kritik verträgt. Modalitäten sind Verschlechterung nach Mitternacht.[3][4]

Sepia

Dieses homöopathische Mittel ist genau wie Sulfur egoistisch, denkt nur an die eigenen Bedürfnisse, ist geizig und hat Furcht vor Verarmung, aber auch vor dem Altwerden. Beide Mittel sind bei Asthma, Bronchitis sowie Ekzemen und Tinea angebracht (indiziert) und sie werden auch beide bei Kopfschmerzen, Sinusitis und Tonsillitis angewandt. Die typische Sepia-Person ist überlastet durch alltägliche Pflichten, ist perfekt und pedantisch, opfert sich auf und fühlt sich dann aber ausgenutzt. Zudem ist sie unzufrieden und nörglerisch, reizbar und streitsüchtig. Sie sieht oft nur das Negative, empfindet Ekel, genau wie Sulfur, bekommt grundlose Wutanfälle, schreit vor Wut und wird zornig durch Widerspruch. Zu den Geist- und Gemütssymptomen zählen darüber hinaus Boshaftigkeit gegen geliebte Personen, Neid auf die Zufriedenheit oder Begabung anderer und Abneigung gegen Gesellschaft. Genauso wie Sulfur spricht der Sepia officinalis-Patient im Schlaf und wacht oft auf. Modalitäten sind Verschlechterung durch Kälte, Schnee, vor Gewitter und am Meer, sowie durch Nasswerden am Kopf, Haareschneiden, sitzen, stehen, knien und bücken. Verschlechterung am Morgen und am Abend, beim Einschlafen sowie durch fette Speisen, Milch, Berührung und Druck von Kleidung gehören ebenso wie Verschlechterung durch Trost und in Zeiten hormoneller Umstellung zu Sepia officinalis. Im Gegensatz dazu verbessern Anstrengung, heftige Bewegung, Tanzen und Beschäftigung sowie Wärme, frische Luft, Gewitter, Schneefall die Beschwerden. Verbesserung abends, durch kalte Getränke und kaltes Essen, Alleinsein sowie Beine überkreuzen sind typisch für dieses Mittel.[3][4]

Thuja occidentalis

Thuja occidentalis ist ebenso wie Sulfur indiziert bei Allergien, Asthma und Arthritis. Ekzeme, Konjunktivitis und Kopfschmerzen sind auch wie bei Sulfur typisch für Thuja occidentalis. Den beiden Mitteln ist zudem die Neigung zur Sinusitis und zur Tonsillitis gemein. Der Thuja occidentalis-Patient kann nicht vor 01.00 Uhr einschlafen, schläft mit den Armen über dem Kopf, erwacht schreiend um 03.00-04.00 Uhr und träumt zu fallen oder von Toten und hat anhaltende Angst durch Träume. Er hat ein schwaches Selbstwertgefühl, eine Identitätsstörung oder eine Kontaktstörung sowie Zwangsvorstellungen sowie eine verzerrte Wahrnehmung. Zudem begreift er die Welt nicht gefühlsmäßig, sondern ist auf analytisches Verständnis angewiesen. Ständiges Analysieren voller Zweifel ist charakteristisch für ihn. Außerdem ist der Thuja occidentalis-Patientgeprägt vom dauernden Fragen nach dem Warum, vom dauernden Überprüfen einer Handlung, ist pedantisch und pünktlich und ordnet alles bis ins letzte Detail. Modalitäten sind Verschlechterung durch Kälte und Feuchtigkeit, bei zunehmendem Mond sowie um 03.00 und um 15.00 Uhr. Verschlechterung durch Tee, Kaffee, Süßes und Fett, sowie Knoblauch und Zwiebeln deuten ebenso auf das Mittel Thuja occidentalis hin.[3][4]

Hintergrundinformationen

Schwefel ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol S, der Ordnungszahl 16 und zählt zu der sechsten Hauptgruppe des Periodensystems, den sog. Chalkogenen (Erzbildner). Es handelt sich bei Schwefel um einen gelben, nichtmetallischen Feststoff, der in der Natur sowohl gediegen als auch in Form seiner anorganischen Verbindungen vorkommt, vor allem als Sulfat oder Sulfid. Einige Aminosäuren (Grundbausteine des Organismus) und Coenzyme (Moleküle, die bei enzymatischen Reaktionen im Körper helfen), bestehen aus Schwefel und damit ist Schwefel ein essentielles Element lebender Organismen. Der für das Leben notwendige Schwefel wird über die Nahrung aufgenommen.[5][6]