Globuli von T bis Z

Thuja occidentalis Globuli

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Thuja occidentalis, kurz Thuja, ist eine homöopathische Arznei, die aus dem abendländischen Lebensbaum (Thuja occidentalis) hergestellt wird und in erster Linie auf die Haut, die Schleimhaut und den Stütz- und Bewegungsapparat wirkt. Die Arznei wird vielfach bei Gewebewucherungen auf der Haut oder der Schleimhaut eingesetzt, so etwa bei Warzen. Die Behandlung bei Warzen erfolgt bisweilen auch mit Hilfe einer homöopathischen, alkoholischen Lösung der Arznei Thuja, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird.[1][2] Bei einer Behandlung mit Thuja sollte darauf geachtet werden, dass manche der unter Anwendungsmöglichkeiten aufgeführten Beschwerden und Erkrankungen einer ärztlichen Begleitung bedürfen. Aus diesem Grund sollte der Arzt von einer beabsichtigten homöopathischen Behandlung mit Thuja in Kenntnis gesetzt werden.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Zu den Heilanzeigen der Arznei Thuja zählen Wucherungen von Geweben, so etwa Warzen (Verrucae) auf der Haut, Feigwarzen (Kondylome) im Genitalbereich, Geschwülste (Polypen) der Schleimhaut, gutartige Tumoren der Haut (Papillome), Herpes im Genitalbereich, Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie), Gerstenkorn (Hordeolum) am Auge und Akne im Gesicht, besonders wenn diese mit Narbenbildung einhergeht. Des Weiteren wird Thuja häufig eingesetzt bei Beschwerden nach Impfungen, Einrissen (Fissuren) der Haut am Mund und am Anus, Mittelohrentzündung (Otitis media), Verstopfung (Obstipation), Asthma, Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden, chronischem Schnupfen (Rhinitis) und Erkrankungen der Nasennebenhöhlen. Auch psychische Störungen wie Depressionen und Wahnvorstellungen können unter Umständen mit Thuja behandelt werden.[1][2][3]
Gegenanzeigen: Die Urtinktur, eine homöopathische , aber nicht potenzierte alkoholische Lösung, und die Potenz D1 sollte nicht während der Schwangerschaft angewandt werden. Nebenwirkungen: Bei Potenzen bis D1 können nach der Einnahme Schleimhautreizungen im Mundbereich auftreten.[4]

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten werden in erster Linie die Haut, die Schleimhaut, der Stütz- und Bewegungsapparat gezählt.

In welchem Alter?: Thuja kann bei allen Alterstufen angewandt werden.[1][2][3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome des Homöopathikums Thuja sind das Auftreten von fixen Ideen und Warnvorstellungen, die gefühlte Zerbrechlichkeit des Körpers und der Seele, das Auftreten von Wucherungen auf der Haut, wie zum Beispiel von Warzen, das Auftreten von Schweiß an unbedeckten Körperstellen, der Schwindel beim Schließen der Augen, der süßliche Schweißgeruch – besonders an den Genitalien, lang anhaltende Beschwerden nach Impfungen und chronische Beschwerden der Harnwege und Eierstöcke (vor allem am linken Eierstock).[1][2][3]

Verbesserung: Wärme, Luft, Wind, Berührung, Reiben, Kratzen, Niesen, freie Absonderung von Körperflüssigkeiten wie Harn oder Schweiß und Bewegung.[1][2]

Verschlechterung: Verschlechterungen treten nachts, in Bettwärme, um 3 und um 15 Uhr, während der Menstruation, beim Schließen der Augen, in kalter, feuchter Luft und nach der Einnahme von Schlafmitteln auf.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typisch für die Arznei Thuja ist das Auftreten von fixen Ideen, der Patient kann Empfindungen haben, als stünde eine fremde Person neben ihm, als hätte sich seine Seele vom Körper getrennt, als wäre sein Körper dünn, spröde oder aus Glas, als wären Lebewesen in seinem Bauch, als wäre er hässlich und wertlos oder als wäre er von einer fremden Macht ergriffen. Der Patient kann hastig, missmutig, traurig und durch Kleinigkeiten übermäßig aufgeregt oder ängstlich sein. Die Nervosität kann sich auch durch undeutliches, hastiges Sprechen äußern. Weitere typische Gemütssymptome, die auf Thuja hindeuten können, sind die Angst vor der Annäherung fremder Menschen, die fehlende Duldung von Berührung, die Heimlichkeit, mit der innere Gemütssymptome bisweilen vor den Mitmenschen versteckt werden, oder der religiöse Fanatismus.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Symptome sind der Schwindel beim Schließen der Augen, die Kopfschmerzen, die sich anfühlen können, als würde ein Nagel in den Kopf geschlagen, das trockene Kopfhaar, welches leicht ausfallen kann, oder das Auftreten von weißen, abblätternden Kopfschuppen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Thuja kann bei verschiedenen Wucherung der Haut, so etwa beim Gerstenkorn (Hordeolum) am Auge oder bei Warzen, die im gesamten Gesichtsareal auftreten können, angezeigt sein. Die Augenlider können über Nacht verkleben, die sichtbare weiße Umhüllung (Sklera) des Augapfels kann blutrot verfärbt sein. Thuja ist eine Option bei chronischen Ohrenerkrankungen, die mit der Absonderung von eitrigem, faul riechendem Ausfluss oder dickem, grünem Schleim einhergehen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Für die Arznei Thuja spricht, wenn dicker, grüner Schleim geschnäuzt wird, wenn sich blutiger Schorf in der Nase bildet, ein Geruch nach Fischlake wahrgenommen wird oder wenn Nasenbluten auftritt, sobald der Patient sich überhitzt. Im Hals kann sich viel Schleim ansammeln, der nur mit Mühe ausgeräuspert werden kann.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Thuja kann bei Zysten am Mundboden (Ranula) helfen, vor allem wenn diese bläulich und von Krampfadern umgeben sind. Wenn sich Zahnverfall zeigt, dann vor allem an den Wurzeln, während die Zahnkronen intakt bleiben. Zahnschmerzen können sich durch jegliche Kälte, beim Teetrinken und beim Naseputzen verschlimmern. Auch bei schmerzhaften Geschwüren (Aphten) im Mundraum, bei sehr geräuschvollem Schlucken oder bei ranzigem Aufstoßen ist Thuja eine wichtige Option. Unter Umständen zeigt der Patient eine Abneigung gegen Kartoffeln, Zwiebeln oder frisches Fleisch und will kein Frühstück zu sich nehmen. Der Bauch kann aufgetrieben sein, es kann ein Knurren vernommen werden, als ob ein Tier schreien würde. Im Unterbauch können Bewegungen wahrgenommen werden, als ob sich dort etwas Lebendiges rühren würde. Tritt Verstopfung (Obstipation) auf, so verhindern Schmerzen im Mastdarm jede Bemühung auf der Toilette. Der Stuhl kann zurückschlüpfen, nachdem er teilweise herausgepresst worden ist. Bei Hämorrhoiden treten Schmerzen vor allem beim Sitzen auf. Durchfälle (Diarrhö) können vor allem frühmorgens auftreten, sind dann bisweilen schießend und von einem gurgelnden Geräusch begleitet.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Für Thuja sprechen ein schneidender Schmerz nach dem Harnlassen (Miktion), häufiger und starker Harndrang, das Gefühl, als würde Urin nach dem Harnlassen durch die Harnröhre tröpfeln, oder wenn der Harnstrahl geteilt und dünn ist.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Thuja ist ein wichtiges Mittel bei Feigwarzen (Kondylome) im Genitalbereich und bei Beschwerden, die nach einer Tripper-Infektion (Gonorrhoe) entstehen, wie zum Beispiel die einseitigen Kniebeschwerden (Monarthritis) oder die Prostataentzündung (Prostatitis). Der Schweiß im Genitalbereich kann nach Honig riechen, bei Frauen kann Trockenheit der Scheide oder ein brennender Schmerz an den linken Eierstöcken auftreten, der sich bei jeder Periode verschlimmert.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Folgende Empfindungen können ein Hinweis auf die Arznei Thuja sein: Der Patient hat das Gefühl, das Fleisch wird von seinen Knochen geschlagen, seine Beine wären beim Gehen aus Holz oder sein Körper sei aus Glas und könne leicht zerbrechen. Finger- und Fußnägel können verformt und spröde sein. Treten Schulterschmerzen auf, so verschlechtern sich diese beim Hochheben des Armes und beim darauf Liegen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut hat typischerweise ein schmutziges, öliges Aussehen und kann hier und dort bräunliche Flecken aufweisen. Ausschläge treten nur an bedeckten Körperstellen auf und brennen nach Kratzen. Thuja ist ein wichtiges Mittel bei Warzen, vor allem wenn diese groß und gestielt sind oder im Genitalbereich auftreten.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Tritt Schüttelfrost auf, beginnt dieser typischerweise an den Oberschenkeln. Schweiß kann entweder nur an unbedeckten Körperteilen oder überall, außer am Kopf auftreten. Während der Nacht kann reichlich Schweiß mit saurem Geruch auftreten, der beim Erwachen aufhört.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Cinnabaris

Das Mittel Cinnabaris, das aus Quecksilbersulfid hergestellt wird, wird[f8] ebenfalls bei Warzen, vor allem wenn diese im Genitalbereich auftreten, und bei Geschwüren auf der Haut und den Schleimhäuten, besonders wenn diese feuerrot sind, verordnet. Beschwerden verschlechtern sich typischerweise bei Berührung und bei Feuchtigkeit und bessern sich im Freien. Charakteristische Gemütssymptome dieser Arznei sind die Faulheit und die Berührungsempfindlichkeit des Patienten.[5]

Mercurius

Das aus einem Quecksilbergemisch gewonnene Mittel Mercurius kann ebenfalls bei Geschlechtserkrankungen und Erkrankungen der ableitenden Harnwege eingesetzt werden. Bei einer Tripper-Infektion ist Mercurius angezeigt, wenn die Vorhaut beim Manne verengt ist und es zu grünlichen Absonderungen kommt. Das Mittel kann bei heftigem Harndrang angewandt werden und, wenn die letzten Tropfen beim Urinieren ein unerträgliches Brennen in der Harnröhre hinterlassen. Zu den Heilanzeigen von Mercurius zählen auch akute und chronische Ohrenerkrankungen mit stechendem, reißendem Schmerz und blutigen, stinkenden Absonderungen. Generell bessern sich Beschwerden bei mäßigen Temperaturen, während Kälte oder Wärme, nasskaltes Wetter und die Nachtstunden Verschlechterungen der Symptomatik bewirken können.[6]

Acidum nitricum

Die aus Salpetersäure gewonnene Arznei Acidum nitricum stellt ein wichtiges Mittel bei Warzen und entzündlichen Veränderungen und Geschwüren der Schleimhäute am Übergang zur Haut dar und wird zum Beispiel bei Feigwarzen, gestielten Warzen, schmerzhaften Schleimhautschädigung im Mundraum (Apthen) und bei Einrissen (Fissuren) im Bereich des Mundes oder des Afters angewandt. Typisch sind die stechenden, splitterartigen Schmerzen, die starke Reizbarkeit und die Schwäche des Patienten. Die Feigwarzen bluten leicht. Verbesserungen können beim Fahren in einem Wagen auftreten, Verschlechterungen bei Berührung, abends, nachts, bei Temperatur- oder Wetterwechsel und während dem Schwitzen.[7]

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Mittel Thuja occidentalis wird aus den frischen, beblätterten Zweigen des abendländischen Lebensbaumes (Thuja occidentalis) anhand den Vorschriften 3a und 7 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) hergestellt.[4]

Der abendländische Lebensbaum (Thuja occidentalis) ist ursprünglich an der Nordwestküste Nordamerikas und in Sibirien beheimatet und wird vor allem in Europa als immergrüne Hecke angepflanzt. Der Gattungsname Thuja wurde wahrscheinlich vom griechischen thyein = opfern abgeleitet, da das aromatische Holz bei rituellen Opfergaben geräuchert wurde. Der bis zu 20 Meter hohe Baum von meist schlankem und pyramidalem Wuchs zählt innerhalb der Nadelbäume (Koniferen) zur botanischen Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Die Blütezeit dauert von April bis Mai. Alle Teile des Baumes enthalten das giftige ätherische Öl Thujon, weswegen der Verzehr von Teilen des Baumes zu Vergiftungserscheinungen und der bloße Kontakt mit dem Baum zu Rötung und Juckreiz führen kann. Vergiftungserscheinungen bei Einnahme von Teilen des Thujabaumes reichen von Schleimhautreizungen zu Magen-Darmbeschwerden, Übelkeit, Durchfall, Krampfanfällen und Schädigungen an Leber und Nieren und können bei ausreichender Menge zum Tod führen.
In Nordamerika wurde die Pflanze als schweiß- und harntreibendes, blutstillendes und anti-rheumatisches Mittel geschätzt. Bis in das frühe 20. Jahrhundert war der Gebrauch der Zweige des abendländischen Lebensbaumes unter dem Drogenname Ramuli Arboris Vitae auch in Europa bei infektiösen Geschlechtserkrankungen wie der Syphilis und dem Tripper (Gonorrhoe) üblich. Die Zweige wurden oft missbräuchlich als Abtreibungsmittel (Abortivum) verwendet, eine Prozedur, die nicht selten mit dem Tod der Mutter und des Kindes endete.[8]

Aufgrund der Giftigkeit spielt Thuja occidentalis in der modernen Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) keine Rolle mehr. In der Grundlagenforschung, die die Entwicklung neuer Medikamente zum Ziel hat, stößt der abendländische Lebensbaum aufgrund seiner Wirkung auf das menschliche Immunsystem, auf Krebszellen und auf eine häufige hormonelle Störung von Frauen, auf das polyzystische Ovarsyndrom[f11] , auf Interesse.[9][10][11]