Globuli von T bis Z

Taraxacum Globuli

© PantherMedia / Rolf Pötsch

Verglichen mit dem breiten Anwendungsgebiet des gemeinen Löwenzahns (Taraxacum officinale) in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), weist das aus dieser Pflanze hergestellte homöopathische Mittel Taraxacum ein eher kleines Spektrum an Indikationen (Heilanzeigen) auf. Taraxacum wird vor allem bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und des Leber-Galle-Systems eingesetzt. Somit zählen Erkrankungen wie Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) und Appetitlosigkeit zu den klassischen Beschwerden, bei denen das Mittel häufig verordnet wird. Ein klarer Hinweis auf Taraxacum kann die typische Landkartenzunge sein: Die Zunge ist stellenweise gerötet und wund, an anderen Stellen weißlich gefärbt.[1] Bei den erwähnten Indikationen kann eine homöopathische Behandlung mit Taraxacum in der Regel gut ergänzend zur schulmedizinischen Therapie erfolgen, wenn eine genaue ärztliche Abklärung der Krankheitsursache erfolgt ist. Eine alleinige Therapie mit Taraxacum sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Taraxacum wird vor allem bei Personen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und des Leber-Galle-Systems eingesetzt. Hierzu zählen unter anderem Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Gallenblasenentzündung (Cholezystitis), Ikterus (Gelbsucht), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Gallenkolik (krampfhafte Schmerzen der Gallenblase), Appetitlosigkeit (Inappetenz), Leberleiden wie Fettleber oder Leberzirrhose. Die aufgezählten Erkrankungen können typischerweise von Kopfschmerzen, gereizter Stimmung und dem Auftreten einer Landkartenzunge begleitet sein. Daneben stellen auch rheumatische Beschwerden an Gelenken und Muskeln klassische Heilanzeigen dar, die zur Verordnung von Taraxacum führen können. Als besondere Indikation des Mittels gilt zudem der Blasenkrebs.[2]
Bei Verwendung von niederen Potenzen dieses Mittels sind folgende Hinweise zu beachten: Gegenanzeigen: Bis D6: Bekannte Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Taraxacum officinale (Löwenzahn) oder gegen andere Korbblütler.[1] 

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten werden in erster Linie der Magen-Darm Trakt, die Leber, die Galle und der Bewegungsapparat gezählt. 

In welchem Alter?: Taraxacum kann bei allen Altersgruppen eingesetzt werden.[2][3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome des Homöopathikums Taraxacum sind Wundheitsgefühl und schmerzhafte Entzündungen im Magen-Darm-Trakt oder am Bewegungsapparat. Bei Erkrankungen tritt oft einegereizte, depressive Stimmung sowie eine verstärkte Neigung zu Schweißausbrüchen auf.

Verbesserung: Im Gehen und bei Bewegung.[2][3]

Verschlechterung: Im Sitzen, in Ruhe und im Liegen.[2][3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Entweder euphorische Stimmung, bisweilen gefolgt von Depression und Reizbarkeit, oder große Trägheit und Arbeitsscheue. Große Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, besonders beim Rascheln von Papier. Bei Krankheit starkes Mitteilungsbedürfnis oder Abneigung gegen Gespräche und Wortkargheit.[1][2][3]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Starkes Hitzegefühl am Scheitel. Innerliches Jucken der Kopfhaut. Kopfschmerzen im Sitzen, die sich im Stehen bessern. Kopfschmerzen bei Magenbeschwerden.[1][2][3]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gefühl von Ausdehnen und Zusammenziehen an der Stirn. Gefühllosigkeit am Ohr links. Nasenbluten links. Hitze im Gesicht beim Erwachen. Gefleckte Zunge, sogenannte Landkartenzunge: Die Zunge ist oft rot, wund und mit weißer, sich abschälender Haut überzogen.[1][2][3]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Abneigung gegen fette Speisen, die auch nicht vertragen werden. Sodbrennen nach Tabakgenuss. Vergrößerte, druckempfindliche oder verhärtete Leber. Gallenkoliken. Appetitlosigkeit. Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Gallenblasenentzündung (Cholezystitis).[1][2][3]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna), Blasenkrebs.[1][2][3]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Rheumatische Schmerzen der Gelenke und der Muskulatur.[1][2][3]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Juckreiz am Kopf.[1][2][3]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Starke Schweißabsonderung.[1][2][3]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schwitzen beim Einschlafen. Einschlafen nach geringster Anstrengung. Einschlafen beim Zuhören eines Gesprächs.[1][2][3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Carduus marianus

Ebenfalls auf das Leber-Galle-System wirkt das homöopathische Mittel Carduus marianus, das aus der Mariendistel, Silybum marianum, hergestellt wird. So wird es bei akuten und chronischen Leber- und Gallenerkrankungen wie zum Beispiel bei der Cholezystitis (Gallenblasenentzündung), Cholelithiasis (Gallensteinleiden), Hepatitis (Leberentzündung), Ikterus (Gelbsucht) verordnet. Carduus marianus ist ebenfalls ein wichtiges Mittel bei Begleiterscheinungen, die im Rahmen einer Leberstörung auftreten können wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Würgereiz, Verstopfung (Obstipation) oder Hämorrhoiden (Gefäßwucherungen am Darmausgang). Zusätzlich zeigt sich bei Carduus marianus ein starker Bezug zum venösen System, weswegen es zum Beispiel auch bei Krampfaderleiden (Varikosis) empfohlen wird.

China officinalis

Bei Gallenkoliken oder bei träger Verdauung könnte auch das Mittel China aus dem roten Chinarindenbaum (Cinchona pubescens) eine Option sein. Typisch für das Homöopathikum China ist die nervöse Schwäche des Patienten, die Periodizität der Beschwerden (Symptome treten immer zur gleichen Stunde oder oder zum Beispiel jeden dritten Tag auf) sowie die Überempfindlichkeit gegenüber allen Sinnesempfindungen. Charakteristisch ist die Besserung der Symptomatik bei Wärme und festem Druck, während Kälte, Zugluft, nasskaltes Wetter, Mahlzeiten, die Nachtstunden und die geringste Berührung Verschlechterungen bewirken können.

Bryonia alba

Bei brennenden Schmerzen stellt das Homöopathikum Bryonia aus Bryonia dioica (rotbeerigen Zaunrübe) eine wichtige Option dar. So können brennende Gelenkschmerzen, Magenschmerzen oder Gallenkoliken auch auf das Mittel hinweisen, besonders wenn die Beschwerden sich durch Bewegung und Berührung verschlechtern, während Druck, das Liegen auf der betroffenen Seite und Ruhe Erleichterungen bringen können.

Nux vomica

Der Verdauungstrakt stellt eine Domäne für das bekannte Mittel Nux vomica aus der Brechnuss (Strychnus nux-vomica) dar. Beschwerden und Erkrankungen wie Magenschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen, Völlegefühl, Verstopfung, Blähungen, Magenschleimhautentzündung oder auch Hämorrhoiden zählen zu den klassischen Indikationen. Bei dem Mittel sind ebenfalls die Gemütssymptome zu beachten: Besonders gut wirkt es bei aktiven Menschen mit gehetzter Lebensweise und sitzender Tätigkeit, die sehr ehrgeizig und arbeitswütig, aber auch nervös, ungeduldig, reizbar und bisweilen auch jähzornig sind. Verschlimmerungen treten nach Genussmitteln wie Kaffee oder Tabak, nach dem Essen, morgens, bei Kälte, nach Ärger oder nach geistiger Anstrengung auf. Verbesserungen der Beschwerden zeigen sich hingegen typischerweise abends und durch Wärme.

Hydrastis

Aus der kanadischen Gelbwurz (Hydrastis canadensis) wird das Mittel Hydrastis gewonnen, das eine wichtige Alternative bei akuten und chronischen Erkrankungen des Leber-Galle-Systems und des Magens darstellt. Hydrastis wird bei dumpfen Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, verschiedenen Gallenblasenerkrankungen und Leberfunktionsstörungen verordnet, besonders wenn die Beschwerden sich durch Kälte verschlimmern. Kennzeichnend für Hydrastis ist die große Schwäche der Patienten, die mit Gewichtsverlust einhergehen kann.

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Mittel Taraxacum wird aus dem ganzen, frischen und zur Blütezeit geernteten gemeinen Löwenzahn (Taraxacum officinale) anhand den Vorschriften 2a und 7 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) hergestellt.[1]

Taraxacum officinale, eine 5 bis 50 Zentimeter hohe Pflanze mit oft mehrköpfigen Wurzelstock ist weit über Europa und Nordamerika verbreitet. Die Blätter sind meist typischerweise sägeblattähnlich eingeschnitten, auf den aufrechten Stängel befinden sich in der Blütezeit von April bis Mai die gold- bis hellgelben Blütenköpfe. Die Pflanze bevorzugt für ihr Wachstum meist satte, nahrhafte Böden, ist bisweilen aber auch an mageren, nährstoffärmeren Standorten anzutreffen. Besonders zahlreich kommt sie auf gut gedüngten Wiesen vor. Der gemeine Löwenzahn wird zu der botanischen Familie der Korbblütler (Asteraceae) gerechnet. Synonym verwendete Bezeichnungen sind unter anderem Kuhblume, Hundeblume, Eierblume, Milchbusch oder Schmalzblume.
Gilt die Verwendung von Taraxacum officinal in der Heilkunde der Antike heute zuweilen noch als umstritten, ist seine Beliebtheit als Heilpflanze seit dem frühen Mittelalter in zahlreichen Schriften festgehalten. Der gemeine Löwenzahn galt lange Zeit als Allheilmittel, das bei fast allen Krankheiten unterstützend eingesetzt wurde, besonders jedoch bei rheumatischen Erkrankungen und bei Leber- und Nierenerkrankungen. Dank seiner starken entgiftenden Wirkung wurde es bisweilen als „das Waschmittel für das Gewebe“ bezeichnet und war zum Beispiel für die Anwendung bei Frühjahrskuren beliebt.[2][5]
Auch in der heutigen Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)nimmt der gemeine Löwenzahn eine herausragende Stellung als Arzneidroge ein: Als Teebestandteil, als alkoholische Tinktur oder als Frischpresssaft erfreut er sich großer Beliebtheit. Meist wird hierfür, ähnlich wie in der Homöopathie, die ganze Pflanze, also das oberirdische Kraut samt Blüte und die Wurzel verarbeitet. Unter den wissenschaftlich gesicherten Wirkungen von Taraxacum officinale werden die Anregung des Gallenflusses, der Diurese (Harnausscheidung durch die Nieren) und des Appetits neben seiner Wirkung bei Verdauungsstörungen (Dyspepsie) aufgeführt. Unter den volkstümlichen Anwendungen lässt sich nach wie vor seine Anwendung als „Blutreinigungsmittel“ zum Beispiel bei Hauterkrankungen und rheumatischen Beschwerden vorfinden. Seine frischen Blätter sind im Frühjahr eine gern gegessene Salatbeilage.[6][7]