Globuli von T bis Z

Urea pura Globuli

© panthermedia.net / Hans-Joachim Schneider

Der reine Harnstoff (Urea Pura, chemisch CH4N2O) zählt zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen in der Herstellung von Körperpflegemittel und Kosmetika.[1] Es handelt sich dabei um einen Wirkstoff, der nicht aus menschlichem oder tierischem Urin extrahiert, sondern künstlich hergestellt wird.[2] Dazu wird Kohlendioxid bei 150° C und unter hohem Druck (50-100 bar) mit Ammoniak versetzt.[3][4]

Urea Pura wirkt gegen trockene und schuppige Haut, indem es Wasser in der Hornschicht der Haut bindet und so dafür sorgt, dass die Haut weniger Wasser verliert (Hydratisierung). Urea Pura verbessert außerdem die Elastizität und Geschmeidigkeit der Haut, trägt zur Abschuppung trockener Hautschuppen bei (keratolytische Wirkung), lindert Juckreiz und Hautirritationen und kann Bakterien abtöten (bakterizide Wirkung).[5]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung


Bei wem?:
Urea Pura wird in Abhängigkeit der Konzentration für unterschiedliche Indikationen angewandt. So wirkt es in niedriger Konzentration befeuchtend und wasserbindendund in hoher Konzentration (40 %) keratolytisch.[6]
Urea Pura ist in niedriger Konzentration bei Erkrankungen mit trockener und spröder Haut indiziert, um der Haut Feuchtigkeit zu spenden und diese weich zu halten. Zu den Erkrankungen zählen:[7][8][9]

  • Neurodermitis (Atopisches Ekzem)
  • Austrocknungsekzem (Exsikkationsekzem)
  • Trockene Haut (Xerose)

Gleichzeitig kann Urea durch seine schuppenlösende Wirkung (keratoplastische Wirkung) in hoher Konzentration bei folgenden Indikationen eingesetzt werden:[10][11][12]

  • Hautverdickung (Lichenifikation)
  • Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris)
  • Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis vulgaris)
  • Nagelpilzinfektionen (Tinea unguium)

Wo wirkt es?: Urea Pura wirkt direkt auf der Haut, indem es entweder in niedriger Konzentration die Haut feucht hält oder aber in höherer Konzentration Schuppen löst. In einer Konzentration von fünf bis zehn Prozent löst der Harnstoff Verbindungen zwischen den einzelnen Hornhautzellen (kerotoplastische Wirkung). In einer hohen Konzentration von über 40 Prozent zerstört Urea Pura die Hornhautzellen und so auch dieHornschicht (keratolytische Wirkung). Gleichzeitig wird Wasser imHornschichtgewebe gebunden (Hydratisierung).[13]

In welchem Alter?: Bei Erwachsenen sollte die Konzentration 10 Prozent, bei Kindern zwei bis maximal vier Prozent nicht überschreiten.[14] Dementsprechend kann Harnstoff bei allen Altersgruppen eingesetzt werden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Urea Pura wird besonders bei Hauterkrankungen eingesetzt. Obwohl die Indikationen vielfältige Hauterkrankungen beinhalten, lassen sich einige typische Symptome benennen:

  • Der Betroffene leidet unter trockener geröteter Haut (Xerodermie), möglicherweise begleitet von entzündeten Stellen (Ekzeme). Wenn in der Hornschicht nicht ausreichend Wasser und Fett vorhanden sind, wird die Hautoberfläche rau, schuppig und rissig. Die Haut fühlt sich gespannt an und bildet in manchen Fällen dünne Schuppen und gerötete Stellen aus. Auch ist sie empfindlicher gegenüber Krankheitserregern.[15]
  • Häufig sind verdickte Hautstellen (Hornhaut, Lichenifikation) vorzufinden. Die Hautstellen sind vergrößert und bilden tiefere Furchen.[16]
  • Es kommt zu Schuppenbildung. Sobald eine Schuppenflechte vorliegt, kann das Abkratzen der Schuppen zu Hautverletzungen führen, da mit dem Kratzen auch tiefere Hautregionen abgetragen werden. Schuppenbildung ist nicht schmerzhaft. Vielmehr können sie von Juckreiz, Brennen oder Stechen begleitet werden.[17]
  • Oft ist die Erkrankung begleitet von einem unangenehmen Juckreiz (Prurigo).Dieser wird durch vermehrtes Kratzen und mechanische Reibung verstärkt. Häufiges Kratzen führt dazu, dass die betroffenen Hautstellen gerötet werden und bluten. Sie können sich zudem leicht entzünden, da sich Bakterien (z.B. Staphylokokken) oder Viren (z.B. Herpes) ansiedeln können.[18]

Verbesserung: Zur Verbesserung der Symptome können Umweltfaktorenbeitragen. Dazu zählen unter anderem Sonne oder Salzwasser. Bei trockener Haut können die Verwendung von bestimmten fetthaltigenCremes und eine gesunde Ernährungsweise zur Besserung beitragen. VielBewegung regt die Hautdurchblutung und Schweißproduktion an, die zu einer Säuberung der Haut beiträgt.[19] Der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol wirkt sich ebenfalls positiv auf die Haut aus. Bei trockener Haut hilft die vermehrte Aufnahme von Flüssigkeit.

Auch können sich weite Kleidung und entspannungstherapeutische Interventionen positiv auf die Haut auswirken.[20]

Verschlechterung: Dermatologische Beschwerden verschlechtern sich unter anderem durch den Kontakt zu entfettenden Substanzen und zu Allergenen (wie etwa Staub und Hausstaubmilben). Auch der Konsum von Zigaretten, Alkohol oder Überernährung mit daraus resultierendem Übergewicht können verschlechternd auf die Haut wirken.[21] Kalte und trockene Luft, die vor allem im Winter vorherrscht, führt oftmals zu trockener Haut. Auch Sonnenbrände können Trockenheit und Juckreiz hervorrufen.[22] Ebenso haben psychische Faktoren, wie etwa Stress, Angst oder belastende Lebensereignissenegative Auswirkungen auf die Haut. Gleichzeitig tragen genetische Faktoren und das zunehmende Alter dazu bei, dass die Haut trockener wird (Exsikkationsekzem).[23]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hauterkrankungen können häufig psychische Symptome zur Folge haben. So leiden Betroffene mit chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechtepsychisch an den Folgen der Erkrankung. Befinden sich die entzündenden Stellen im Gesicht, kann dies den Selbstwert und die Selbstsicherheit des Betroffenen negativ beeinflussen.[24] Auch kann großer Leidensdruck durch soziale Stigmatisierungentstehen, was Isolation, Depression und Alkoholabhängigkeit zur Folge haben kann.[25] Häufig entstehen daraus Partnerschaftsprobleme. Betroffene empfinden eine subjektive Zunahme an Stress.[26]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Schuppenflechte setzt häufig am Kopf an.[27]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Neurodermitis setzt vor allem bei Säuglingen im Gesicht an und verteilt sich danach auf den gesamten Körper. Vor allem sind dabei die Bewegungsorgane betroffen.[28] Auchtrockene Haut findet sich vor allem im Gesicht, da hier die meisten Einflüsse von außen (wie etwa Sonne oder trockene Luft) auf von Kleidung ungeschützte Haut treffen.[29]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Da die Arme meist offen zugänglich sind, entwickelt sich hier oftmals Juckreiz.[30] Ebenfalls finden sich hier häufig von Schuppenflechten und Neurodermitis betroffene Stellen.[31][32] Auch bei der Fischschuppenflechte sind die Extremitäten stärker betroffen als beispielsweise der Rumpf. Dabei verdickt sich die Handlinienzeichnung und es entsteht das typische Krankheitsbild der Ichthyose-Hand. Auch setzt die Fischschuppe ebenso wie die Schuppenflechte vor allem an den großen Beugefalten(Ellenbeugen, Achseln, Leiste, Kniekehlen) an.[33]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Trockene Haut zeichnet sich dadurch aus, dass die Haut an Dicke verliert, da Flüssigkeit und Fett fehlen. Die Hornhaut kann ihre Funktion als Schutzhülle nicht mehr ausüben.[34] Neurodermitis äußert sich vor allem durch entzündete und gerötete Hautstellen, die stark jucken. Durch das Aufkratzen der Hautstellen können sich an diesen Stellen Viren und Bakterien festsetzen.[35] Die Schuppenflechte bildet silbrig-weiße Schuppen auf scharf begrenzten, stark geröteten und entzündeten Hautarealen.[36]
Die Fischschuppenkrankheit ist charakterisiert durch festhaftende, meist hellgraue, seltener auch bräunlich-schwarze Schuppung. Die Schuppen können unterschiedlich ausgeprägt sein und von kaum erkennbar bis hin zur eindeutigen Identifikation am ganzen Körper reichen.[37]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Starker Juckreiz kann die Schlafqualität vermindern und zu Schlaflosigkeit führen.[39]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Die Wirkung von Urea Pura lässt sich in zwei Wirkungsbereiche gliedern: wasserbindende Wirkung (hydratisierend) und keratolytische Wirkung. Alternative homöopathische Mittel lassen sich dementsprechend in der Gruppe der Keratolytikafinden.[40]

Schieferöl

Schieferöl (Ammoniumbituminosulfonat) Schiefer wird zunächst destilliert, danach bei hoher Hitze mit konzentrierter Schwefelsäure sulfoniert und schließlich mit Ammoniak neutralisiert. Daraufhin wird der Schiefer so lange eingedampft, bis eine Sirup-artige Flüssigkeit – das Schieferöl – entsteht. Es wird auf Grund seiner der Urea Pura ähnlichen antibakteriellen und Schuppen-lösenden Wirkung vor allem bei entzündlichen und juckenden Hauterkrankungen eingesetzt. Im Gegensatz zu Urea Pura fehlt dem Schieferöl die wasserbindende Wirkung.[41]

Milchsäure

Milchsäure Milchsäure gehört zur den alpha-Hydroxysäuren (AHA), die in vielen Hautcremes und Salben vorhanden sind. Die Milchsäure beinhaltet Urea Pura und wirkt daher ähnlich dem Harnstoff feuchtigkeitsspendend und keratolytisch. Bei der Anwendung sollte auf die korrekte Einstellung des pH-Werts geachtet werden. Zur optimalen Anwendung ist ein niedriger pH-Wert von 3 bis 4 empfohlen, der allerdings keinesfalls zu Hause eigenmächtig dosiert werden sollte. Dafür wird ein pH Wert von 5 empfohlen. Milchsäure sollte zusammen mit Natriumlaktat angewandt werden. Dessen niedrige pH-Konzentration kann Brennen und Verätzungen zur Folge haben.[42]

Allantoin

Allantoin kommt in pflanzlichen und tierischen Organismen als Endprodukt des Purin-Stoffwechsels vor und wird aus Harnsäure gebildet. Es wird vor allem bei der Wundbehandlung, zur Hautpflege und für die Narbenpflege eingesetzt. Häufig wird es auch dazu eingesetzt, die Haut aufzulockern und so die Penetration anderer Wirkstoffezu erleichtern. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus.[43]

Hintergrundinformationen

Urea Pura bildet farb- und geruchlose, salpeterartig schmeckende Kristalle, die in Wasser und Ethylalkohol leicht löslich sind. Beim Erhitzen auf etwa 140° C zersetzt sich der Stoff unter Bildung von Biuret.

Geschichtlich betrachtet ist die künstliche Herstellung von Harnstoff ein Meilenstein der Chemie. Zunächst wurde im Jahr 1729 Harnstoff von Boerhave entdeckt. Wöhler stellte dann im Jahr 1828 aus dem Salz Ammoniumcyanatzum ersten Mal künstlich Harnstoff her. Dies war besonders historisch bedeutsam, da zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt eine organische Substanz künstlich hergestellt wurde. Damit wurde die naturwissenschaftliche Überzeugung, dass ein bestimmtes mystisches Mittel („vis vitalis“) in organischen Substanzen vorhanden wäre, widerlegt. Gewissermaßen war es nun möglich, künstlich Leben herstellen. Heute wird Harnstoff vor allem durch die Umsetzung von Kohlendioxid mit Ammoniak bei 150 °C und unter hohem Druck (50 bis 100 bar) hergestellt.[44]