Globuli von T bis Z

Vipera berus Globuli

© panthermedia.net / Michael Lane

Vipera berus, die Kreuzotter, gehört zur Familie der Ottern (Vipirinae) innerhalb der Schlangen. Die Kreuzotter ist eine kleine bis mittelgroße (50 bis maximal 90 cm) Giftschlange die in großen Teilen Europas und Asiens lebt. Das homöopathische Mittel Vipera berus wird aus dem frischen Sekret der Giftdrüsen hergestellt.[1]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Vipera berus kann eingesetzt werden bei Venenerkrankungen und Blutungsneigung. Die Leber kann vergrößert sein und mit einer Gelbfärbung der Haut einhergehen. Lähmungen und Nervenentzündungen sind möglich.

Wo wirkt es?: Hauptangriffspunkte von Vipera berus sind das Herz-Kreislauf-System und der Magen-Darm-Trakt.

In welchem Alter?: Beim Einsatz von Vipera berus stehen die körperlichen Symptome im Vordergrund. Das Mittel wird am ehesten bei Erwachsenen und älteren Leuten verwendet.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Erkrankungen des Blutes und der Blutgefäße (hauptsächlich der Venen) kann der Einsatz von Vipera berus erwogen werden. Die Venen können entzündet (Phlebitis) und stark geschwollen sein. Krampfadern sind möglich. Häufig ist eine Blutungsneigung vorhanden. Auch Lähmungen sind möglich. Diese können vollständig sein und alle vier Gliedmaßen betreffen (Paraplegie) oder auch von unten aufwärts hochsteigen. Bei Kinderlähmung (Poliomyelitis) kann an den Einsatz von Vipera berus gedacht werden. Die Arznei zeigt eine Wirkung auf die Nieren, häufig findet sich Blut im Urin. Eine Vergrößerung der Leber ist möglich. Mehrere Nerven können entzünden (Polyneuritis). Vipera berus kann hilfreich sein bei Wechseljahresbeschwerden. Auch eine Schilddrüsenvergrößerung (Kropf) ist möglich. Richtungsweisend für Vipera berus ist, dass bei vielen Beschwerden und Schmerzen vorrangig ein Gefühl des Berstens besteht.[2]

Verbesserung: Die Beschwerden bessern sich durch hochlagern der Gliedmaßen.

Verschlechterung: Die Beschwerden werden schlimmer wenn die betroffenen Gliedmaßen, vor allem die Beine herunterhängen. Kälte, Wetterwechsel und Berührung verschlimmern die Schmerzen. Oft werden die Beschwerden jedes Jahr um die gleiche Zeit schlimmer (Periodizität).

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht kann stark geschwollen sein, auch die Lippen und die Zunge. Eine bläuliche Verfärbung der Lippen ist möglich. Die Zunge ist meist trocken, mit einem braunen bis schwarzen Belag. Sprechen fällt schwer. Die Schilddrüse kann kropfartig vergrößert sein (Struma). Die Schleimhaut im Kehlkopf kann anschwellen (Glottisödem).[2]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nasenbluten tritt vermehrt bei stillenden Frauen auf. Das Nasenbluten kann mit Schwindel einhergehen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Eine Vergrößerung der Leber, die mit Gelbfärbung der Haut (Ikterus) und Fieber einhergeht, kann auftreten. Es besteht häufig ein heftiger Schmerz, der sich bis zur Schulter und Hüfte erstrecken kann. Der Schmerz im Oberbauch wird durch den geringsten Druck schlimmer.[2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

An Vipera berus kann gedacht werden bei Patienten die Blut im Urin haben.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Blutungen der Gebärmutter während der Wechseljahreoder in der Stillzeit kann Vipera möglicherweise heilend wirken. Das Blut ist rot und enthält dunkle Klumpen. Die Blutungen sind nicht sehr stark aber sie halten lange an und führen möglicherweise zu Kräfteverlust und Ohnmachtsgefühle.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In den Beinen und Armen besteht ein Vollheitsgefühl, als ob sie bersten könnten. Der Schmerz ist unerträglich. Der Betroffene muss die Beine hochlagern. Muskelkrämpfe in den Beinen sind möglich sowie Blaufärbung der Haut an den Beinen. Durch Lähmung des Fußes kann ein schleppender Gang bestehen. Bei Krampfadern und akuter Venenentzündung kann der Einsatz von Vipera berus erwogen werden. Starke Krämpfe in den Beinen sind möglich.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut kann bläulich verfärbt sein. Es sind Geschwüre auf der Haut möglich. Haarfollikel können in der Tiefe entzündet sein (Furunkel). Die geschwürigen Entzündungen gehen mit berstender Empfindung zusammen und die Schmerzen bessern sich durch hochlagern. Die Haut kann sich sehr stark abschälen.[1]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Elaps corallinus

Auch Elaps (Korallenotter) gehört zu den homöopathischen Schlangenmitteln, die viele Symptome im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems haben und im Allgemeinen eine starke Blutungsneigung haben. Die Korallenotter lebt in Südamerika und das getrocknete Sekret der Giftdrüsen wird homöopathisch verarbeitet. Die Blutungen die zum Einsatz vom homöopathischen Mittel Elaps passen sind meist dunkel bis schwarz. Die Monatsblutung kann mit heftigen Schmerzen und mit schwarzem Blut einhergehen. Es besteht das Gefühl, als würde in der Gebärmutter etwas zerbersten. Auch der Urin kann rot gefärbt sein und Blut enthalten. Arme und Hände können bläulich gefärbt und geschwollen sein. In den Kniegelenken besteht möglicherwiese ein Verrenkungsgefühl. Krämpfe und Lähmung sind möglich. Die Haut an Handflächen und Fingern kann sich abschälen.

Vipera redii

Auch das Gift der Aspisviper wird als homöopathisches Mittel verwendet, wenn auch weit weniger häufig als Vipera berus. Die Aspisviper lebt in Südeuropa, in Deutschland ist sie nur im Schwarzwald beheimatet. Ihr Gift ist schwächer als das Gift der Kreuzotter.[3] Im homöopathischen Beschwerdebild findet sich Ohnmacht, der Puls flattert, die Haut ist gelb. Es kann ein Schmerz am Nabel auftreten. Der Arm, die Zunge und das rechte Auge können geschwollen sein. Oft beklagen die Patienten einen Schwindel, der mit Schwäche und Übelkeit einhergeht. Es besteht häufig eine nervöse Unruhe. Eine Beklemmung in der Brust ist möglich, die Betroffenen können nicht richtig durchatmen oder tief Atem holen. Die Glieder und Gelenke können schmerzen und steif sein. Es besteht meistens ein starkes Durstgefühl.[1]

Crotalus horridus

Die Waldklapperschlange gehört zur Familie der Grubenottern (Crotalinae) und lebt in Nordamerika. Ihr Gift wirkt sehr stark blutzersetzend (hämotoxisch). In der Homöopathie kann es ein wichtiges Heilmittel bei dunklen Blutungen ohne Klumpenbildung sein. Die Blutgerinnung kann gestört sein und es kann zu inneren und äußeren Blutungen aus allen Körperöffnungen kommen. Auch eine Gelbfärbung der Haut ist möglich. Auf der Haut können sich purpurne Geschwüre zeigen.[4]

Hintergrundinformationen

Die Kreuzotter ist eine Schlange, die auch in Deutschland vorkommt. Sie ist in ihrem Fortbestand stark bedroht und steht deswegen unter Naturschutz. Ihr Körper ist relativ gedrungen. Der Kopf ist von oben betrachtet ovalförmig. Die Giftdrüsen befinden sich am Hinterkopf. Kreuzottern sind die einzigen Schlangen die auch nördlich vom Polarkreis überleben können. Sie sind in der Lage durch aktives Abspreizen ihrer Rippen ihren Körper breiter zu machen und so eine größere Fläche für warme Sonnenstrahlen zu bilden. Dadurch können sie auch geringe Sonnenwärme effektiv nutzen. Die Grundfärbung kann unterschiedlich sein und reicht von grau, orange-rot bis schwarz. Die Männchen sind eher grau-schwarz, die Weibchen rot-bräunlich gefärbt. Bei beiden Geschlechtern fällt ein dunkles Zickzack-Band auf dem Rücken auf. Die Kreuzotter ist in der Regel tagaktiv. Nur bei sehr großer Hitze wird sie auch in der Dämmerung jagen. Im Winter fällt sie über mehrere Monate in eine Kältestarre und überwintert häufig mit anderen Kreuzottern oder anderen Reptilien in einem Versteck. Sie ernährt sich hauptsächlich von Mäusen, Fröschen und Eidechsen. Die Kreuzotter injiziert ihr Gift in den Körper des Beutetiers und verfolgt dies bis es aus vollkommener Schwäche stirbt. Dann wird es vollständig verschluckt. In der Regel ist die Kreuzotter sehr scheu und bei Bedrohung wird sie fliehen. Sie beißt erst wenn sie massiv bedroht wird, wenn sie angefasst oder getreten wird. Für Erwachsenen ist das Gift meist nicht tödlich aber für Kinder und ältere Menschen kann es durchaus lebensbedrohlich sein. Nach etwa einer Stunde entsteht rundum die Bißstelle eine starke Schwellung und eine bläuliche Verfärbung. Durch das Nervengift kenn es zu Atemnot, Herzbeschwerden und Lähmungen kommen.[5]