Globuli von T bis Z

Xerophyllum Globuli

© PantherMedia / Jason Yoder

Xerophyllum tenax ist ein kleines und weniger oft verwendetes Einzelmittel, das aus dem lilienartigen Gewächs namens Bärengras hergestellt wird. Es ist sowohl als Tinktur wie auch als Globuli jeglicher Potenz erhältlich. Am häufigsten werden die Potenzen zwischen D6 und D12 verabreicht.[1]

In der Homöopathie wird es als Heilmittel für ekzematöse (Ekzem, entzündliche Hautveränderung) Hautbeschwerden, Beschwerden durch Giftsumach der Gattung Rhus und im frühen Fleckfieberstadium verwendet. In jüngerer Zeit fand es Einzug in die Heilbehandlung von Kindern mit Lernschwierigkeiten wie einer Leseschwäche (Legasthenie).[2] Es soll besonders dann helfen, wenn Konzentrationsstörungen durch eine verstopfte Nase bestehen. Diese Art der Anwendung passt gut zu dem typischen Gemüt des Xerophyllum-Patienten, der meist benommen wirkt und Konzentrationsschwierigkeiten hat. Es fällt auf, dass er beim Schreiben die letzten Buchstaben der Wörter zuerst schreibt.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Xerophyllum kann besonders bei Personen mit Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und Ekzemen verwendet werden. Bei Kindern mit Legasthenie kann sich die Anwendung der Potenz LM6 als hilfreich erweisen. Die Therapie sollte jedoch von einem Arzt oder einem Homöopathen geleitet werden. Menschen, die Xerophyllum benötigen, wirken meist benommen und unkonzentriert.

Wo wirkt es?: Dieses Einzelmittel wirkt besonders auf das Gemüt, wenn Benommenheit, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen bestehen. Zudem affiziert (einwirken) es die Haut, den Kopf und den Rücken, weshalb es auch zur Behandlung von Kopf- und Rückenschmerzen sowie bei ekzematösen Hautbeschwerden empfohlen wird.

In welchem Alter?: Eine Altersbeschränkung für dieses Einzelmittel ist nicht bekannt. Schulkinder mit Legasthenie können von einer Anwendung ebenso profitieren wie Erwachsene, die unter Konzentrationsstörungen leiden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Leitsymptom dieses Einzelmittels ist die unter Xerophyllum-Patienten verbreitete Angewohnheit, beim Schreiben den letzten Buchstaben von Wörtern zuerst zu schreiben. Die Gründe hierfür liegen vermutlich in einer Konzentrations- und Leseschwäche.

Verbesserung: Eine Verbesserung erfahren Betroffene durch Anwendung von heißem Wasser, früh am Morgen und durch Bewegung des betroffenen Körperteils.

Verschlechterung: Verschlechtert werden die Beschwerden durch Anwendungen mit kaltem Wasser sowie nachmittags und abends.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Xerophyllum-Patienten wirken meist benommen oder verwirrt und können sich nicht konzentrieren. Sie vergessen häufig Namen und neigen dazu das Bewusstsein zu verlieren. Sie zeichnet die Besonderheit aus beim Schreiben die letzten Buchstaben von Wörtern zuerst zu notieren. Sie leiden unter einer Leseschwäche und buchstabieren auch bekannte und gebräuchliche Wörter falsch.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sie beschreiben den Kopf wie voll oder verstopft und berichten von Schmerzen über Stirn und Augen. An der Nasenwurzel kann ein unangenehmes Druckgefühl bestehen. Kopfschmerzen äußern sich meist durch pulsierende Schmerzen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht wirkt besonders am Morgen angeschwollen. Auch die Augenerscheinen aufgedunsen und es fühlt sich an, als wäre Sand hineingeraten. Es brennt und schmerzt. Das Fokussieren fällt besonders bei Arbeiten schwer, die nah an den Augen ausgeführt werden.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Betroffene leiden öfter unter einer verstopften Nase, vermehrtem Niesen oder einem akuten Schnupfen (Rhinitis, Nasenkatarrh). Das Nasensekret ist dann dick und gelblich. Die Nasennebenhöhlen können im Verlauf schmerzen. Oftmals berichten sie auch von einem Engegefühl am Nasensattel.

Die Lunge wird von Xerophyllum weniger affiziert. Es kann jedoch angewendet werden, wenn ein Gefühl der Einschnürung über den Lungen besteht oder sich die Luftröhre (Trachea) wund anfühlt. Es kann auch bei stechenden Halsschmerzen beim Schlucken helfen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Xerophyllum-Menschen leiden oft unter Blähungen (Meteorismus) und besonders morgens unter vermehrtem Stuhldrang. Im Bauch rumort es dann vernehmlich.

Etwa eine Stunde nach dem Mittag- und Abendessen kann sich ein saures und übelriechendes Aufstoßen einstellen, das von einem schweren Völlegefühl des Magens begleitet wird. Gegen 14 Uhr kann es zum Erbrechen kommen.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Männliche Geschlechtsorgane werden von Xerophxllum nicht affiziert. Frauen jedoch empfinden oftmals ein herabdrängendes Gefühl im Unterleib, das durch dieses Mittel gelindert werden kann. Die äußere Scheide (Vulva) kann entzündet sein und stark jucken. Ein gesteigertes Sexualverlangen geht mit Schmerzen in den Eierstöcken und in der Gebärmutter (Uterus) einher.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im Bereich des Rückens kann sich ein Hitzegefühl vom Steißbein (Sakrum) bis zu den Schulterblättern hochziehen. Dabei fühlt es sich an, als säße die Hitze tief in der Wirbelsäule. Die Schmerzen können sich außerdem über die Nieren oder ausbreiten oder hinunter in die Beine ziehen. Diese fühlen sich, wie auch die Arme, oft steif und lahm an und können zittern. Es wird von Schmerzen in den Knien berichtet.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Betroffene können eine Haut wie Leder haben, rau und rissig und mit Entzündungen ähnlich denen, die von Gifteiche ausgelöst werden. Besonders um die Knie herum finden sich Zeichen eines Ekzems. Hautrötungen (Erytheme) gehen mit Bläschen, starkem Juckreiz, Stechen und Brennen einher.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Rhus toxicodendron

Rhus toxicodendron: Der Giftsumach. Das Mittel wird aus den zum Ende des Sommers gesammelten jungen Trieben gefertigt. Kann statt Xerophyllum bei steifen Gliedern angewandt und zur Behandlung von mit Rötung einhergehenden Hautentzündungen, die zu Bläschenbildung neigen, herangezogen werden.[6] In der Potenz D200 kann es helfen überdrehten Kinder abends das Zubettgehen zu erleichtern.[7]

Anacardium orientale

Anacardium orientale: Dieses Mittel wird aus dem Markfruchtbaum aus der Familie der Sumachgewächse hergestellt. Zur Herstellung wird das milchartige, bittere Öl seiner Steinfrucht verwendet. Es ist bei flechtenartigen Hautausschlägen indiziert, die mit Bläschen und Juckreiz einhergehen.[8]

Hintergrundinformationen

Das Bärengras (Xerophyllum tenax) gehört zur Gattung Xerophyllum. Entgegen der Bezeichnung handelt es sich bei dieser Pflanze jedoch um kein Gras, sondern um ein Gewächs aus der Familie der Germergewächse (Melianthiaceae). Der botanische Name des Bärengrases setzt sich aus den griechischen Wörtern xeros (trocken) und phyllon (Blatt) zusammen. Dieses krautartige Gewächs kann bis zu 1,80m hoch werden und wächst in offenen Nadelwäldern und an trockenen Hängen Nordamerikas.

Die Fasern der Pflanzenblätter wurden von den Ureinwohnern Amerikas zur Fertigung von Kleidung und wasserdichten Körben verwendet. Die unter der Erde befindlichen Rhizome (Sprossachsen) werden von ihnen nach mehrtägiger Röstung verzehrt. Heute werden die Laubblätter noch als Beiwerk in der Floristik verwendet.[9]