Globuli von T bis Z

Viburnum opulus Globuli

© PantherMedia / Robert Biedermann

Das homöopathische Mittel Viburnum opulus wird aus dem gemeinen Schneeball (Virburnum opulus) hergestellt. Es stellt ein wichtiges Mittel in der Frauenheilkunde dar, das vielfach bei Beschwerden vor – wie etwa beim prämenstruellen Syndrom (PMS) – oder während der Monatsblutung(Menses) bei Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) Anwendung findet. Zu den typischen Beschwerden werden die typischen krampfartigen und ziehenden Schmerzen, Übelkeit, Nervosität, Rückenschmerzen und Ruhelosigkeit gezählt.[1] Die Anwendung des Homöopathikums bei PMS und Dysmenorrhoe kann durchaus als alleinige Therapie versucht werden, bei Erfolglosigkeit sollte jedoch der Rat eines Homöopathen oder Arztes eingeholt werden. Der Einsatz bei Beschwerden in der Schwangerschaft sollte nicht in Eigenregie durchgeführt, sondern mit dem Frauenarzt oder der Hebamme abgesprochen werden.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Viburnum wird vor allem bei Frauen und Mädchen ab der Geschlechtsreife eingesetzt, die unter Beschwerden vor oder während der Menses leiden. Typisch ist die periodisch auftretende große Ruhelosigkeit und Nervosität des Mittels. Bei schwangeren Frauen wird es bisweilen beim drohenden Abort eingesetzt, eine Anwendung, die unbedingt ärztlicher Aufsicht bedarf.

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten können in erster Linie die weiblichen Geschlechtsorgane und das weibliche Hormonsystem gezählt werden. Daneben gelten auch die Nerven und generell die linke Körperseite als Wirkorte für das Mittel Viburnum opulus. 

In welchem Alter?: Das Mittel wird vor allem bei Frauen im geschlechtsreifen Alter bis zum Einsetzen des Klimakteriums eingesetzt.[2][3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome des Homöopathikums Viburnum sind Beschwerden vor und während der Monatsblutung (Menses). Hierzu zählen Übelkeit, Ruhelosigkeit und Nervosität sowie krampfartige, ziehende Schmerzen, die meistens nach abwärts drängen.Typisch für den Schmerz ist die Plötzlichkeit, mit der dieser kommt und geht.

Verbesserung: Durch Ruhe, durch Druck und im Freien. Die Übelkeit bessert sich durch Essen.[2][3]

Verschlechterung: Während und vor der Menses, durch Schreck, in Kälte oder Schneeluft, durch Bewegung, beim Liegen auf der linken Seite und im geschlossenen Zimmer.[2][3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ruhelosigkeit, Nervosität und Mangel an Lebenswärme während der Menses.[1][2][3]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schwindel beim Schließen der Augen. Tendenz, nach links zu fallen. Pulsieren im Kopf durch geistige Anstrengung.[1][2][3]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nasenbluten während der Menses. Die Zunge scheint zu breit zu sein.[1][2][3]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Husten in der Schwangerschaft.[1][2][3]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Übelkeit vor und Erbrechen während der Menses. Bauchschmerzen, die schnell kommen und ebenso schnell wieder gehen. Schmerzen im Oberbauch während der Menses, welche bisweilen bis in die Oberschenkel ausstrahlen. Blähungen.[1][2][3]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufiges Urinieren bei Kopfschmerzen und während der Menses. Während der Menses oft farbloser Urin mit stechendem Geruch wie nach Katzenharn.[1][2][3]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliches Genital: Schmerz der Eierstöcke (Ovarien) vor und zu Beginn der Menses, der bisweilen schlagartig kommt und ebenso wieder geht. Der Schmerz ist krampfartig, wehenartig und drängt nach unten, bisweilen bis in die Oberschenkel. Drohender Abort und schmerzhafte Nachwehen.[1][2][3]

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wadenkrämpfe während der Menses.[1][2][3]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Frösteligkeit während der Menses.[1][2][3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Viburnum opulus deckt ein spezifisches Wirkspektrum bei Frauenleiden ab, bisweilen sind jedoch Überschneidungen mit anderen Mitteln möglich. Im Folgenden sollen ein paar der wichtigsten Alternativmittel vorgestellt werden.[1][2][4]

Chamomilla

Aus der echten Kamille (Matricaria chamomilla) wird das homöopathische Mittel Chamomilla hergestellt, das ebenfalls bei Krämpfen der Gebärmutter (Uterus) während der Schwangerschaft und der Stillzeit und bei krampfhaften Menstruationsbeschwerden verwendet wird. Es wird vor allem bei empfindsamen Frauen eingesetzt, deren Beschwerden sich nachts, durch Ärger, durch Wärme oder Kaffee verschlimmern oder durch die Anwendung von lokaler Wärme verbessern.

Caulophyllum thalictroides

Bei Menstruationsbeschwerden ebenfalls häufig eingesetzt wird Caulophyllum aus der Frauenwurzel (Caulophyllum thalictroides). Neben Uteruskrämpfen ist auch der Einsatz bei drohendem Abort oder zu schwachen Wehen gebräuchlich. Typischerweise können hier Beschwerden mit Kälte gelindert werden.

Cimicifuga

Aus der bekannten Traubensilberkerze (Cimicfuga racemosa) wird das Mittel Cimicifuga gewonnen, dessen Einsatz bei Frauenleiden wie Menstruationsbeschwerden, Nachwehen, klimakterischen Beschwerden bekannt ist. Typischerweise zeigt sich bei Cimicifuga eine große Schwäche des ganzen Körpers und eine nervliche Übererregbarkeit. Beschwerdebesserung tritt bei lokaler Wärme ein, Kälte und Aufregung verschlimmern meist die Symptomatik.

Colocynthis

Ein wichtiges Mittel bei verschiedenen krampfartigen Beschwerden ist Colocynthis aus der Koloquinte (Citrullus colocynthis), das unter anderen auch bei starken Menstruationsschmerzen eingesetzt wird. Die Schmerzen setzen bei Colocynthis schnell und heftig ein und zwingen zum Zusammenkrümmen. Es wird besonders bei blonden, cholerischen Menschen mit ärgerlicher, ungeduldiger und reizbarer Stimmung verordnet. Verschlimmerung tritt bei Ärger und nach 16 Uhr auf, Verbesserung der Symptome bei Wärme, festem Druck, Kaffee und bei zusammengekrümmter Haltung.

Pulsatilla

Pulsatilla aus der Wiesen-Küchenschelle (Pusatilla pratensis) wird bei vielen verschiedenen Frauenleiden eingesetzt und vor allem bei sanften, schüchternen, gefühlsbetonten und empfindlichen Frauen verordnet. Pulsatilla wirkt regulierend auf die Menses und lindernd bei klimakterischen Beschwerden. Beschwerden bessern sich bei Trost, bei Bewegung im Freien und bei frischer Luft und verschlechtern sich durch Wärme, abends und nach fettem Essen.

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Mittel Viburnum wird aus der frischen Rinde und den frischen Zweigen des gemeinen Schneeballs (Viburnum opulus) anhand den Vorschriften 3a und 7 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) hergestellt.[1]

Viburnum opulus ist ein auf dem ganzen eurasischen Kontinent verbreiteter bis zu 6 Meter hoher Strauch aus der Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), der häufig als Ziergehölz verwendet wird. Für das Wachstum bevorzugt er feuchte Gebüsche, Laub- und Auenwälder. Charakteristisch sind die den Rand der zur Trugdolde vereinten Blüten säumenden weißen Zierblüten. Der kugelförmigen Form der von Mai bis Juni blühenden Trugdolden verdankt er den deutschen Namen Schneeball. Seine giftigen, scharlachroten Beeren werden von den Vögeln nur bei großem Hunger verspeist, sonst eher gemieden.
Synonym gebräuchliche Bezeichnungen für die Pflanze sind von Region zu Region unterschiedlich, darunter finden sich zum Beispiel die Namen Herzbeere, Geißenball, Blutbeere, Schlangenbeere oder Wasserholler.[5]
Virburnum opulus fand erst in der Neuzeit breite Anwendung als Heilpflanze, während ein solche im Mittelalter wenig bekannt gewesen zu sein scheint. Besonders in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts war er aufgrund seiner entkrampfenden (spasmolytischen) Wirkung geschätzt, welche man sich vor allem bei Menstruationsbeschwerden zu Nutze machte. Daneben wurde er bei drohendem Abort und falschen Wehen in der Schwangerschaft verordnet. Heute ist als Arzneidroge neben der Rinde von Viburnum opulus auch die seines amerikanischen Verwandten, Viburnum prunifolium, gebräuchlich und im Handel erhältlich. Beide werden als Tee oder Tinktur bei Menstruationsbeschwerden, beim prämenstruellem Syndrom und bei der Dysmenorrhoe, eingenommen.[6] Die krampflösende Wirkung seiner Inhaltsstoffe auf Hohlorgane wie die Gebärmutter konnte mittlerweile auch in Studien nachgewiesen werden.[7][8]