Globuli von T bis Z

Zingiber Globuli

© panthermedia.net / Lothar Hinz

Das homöopathische Einzelmittel Zingiber wird aus dem getrockneten Wurzelstock (Rhizom), dem unterirdischen Hauptspross des Ingwers hergestellt. Der botanische Name des Ingwers lautet Zingiber officinale. Ingwer wird hauptsächlich in Indien, Nigeria und China angebaut. Die Ingwerwurzel gilt mit ihren ätherischen Ölen und Inhaltsstoffen als wirkungsvolle Heilpflanze, aber auch als aromatisches Gewürz in der asiatischen Küche und hat mittlerweile auch in Europa einen festen Platz. In der Homöopathie findet der potenzierte Wurzelstock des Ingwers Anwendung bei Beschwerden des Verdauungstraktes, wie beispielsweise Durchfälle ausgelöst durch Trinken verunreinigten Wassers. Es wird ihm aber auch eine besondere Wirkung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Atemwege (Asthma) zugesprochen.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Zingiber kann bei allen Patienten zum Einsatz kommen, auf die das jeweilige Beschwerdebild zutrifft. Das Mittel kann in Betracht gezogen werden bei Asthmatikern, die auffälligerweise angstfrei reagieren. Es ist aber auch geeignet für Menschen, die eine Unverträglichkeit von Melonen aufweisen. Diese zeigt sich oft durchVerdauungsbeschwerden mit Krämpfen (Koliken) oderDurchfall (Diarrhoe). Zingiber ist allerdings nicht geeignet als Mittel bei allergischen Reaktionen (Antiallergikum) auf Melonen.[1][3]

Wo wirkt es?: Zingiber kommt besonders häufig bei Beschwerden des Magen/Darm-Traktes und Beschwerden der Atemwegezur Anwendung.[1][2]

In welchem Alter?: Das homöopathische Arzneimittel Zingiber kann grundsätzlich in jedem Lebensalter angewendet werden. Es gibt keinerlei Beschränkungen zur Anwendung.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In der Leitsymptomatik von Zingiber officinale findet man Schwächezustände vor allem des Verdauungs- undAtmungstraktes. Dabei wird ein Patient, der Zingiber benötigt, trotz eines heftigen Asthmaanfalls nicht ängstlich reagieren. Die Magenbeschwerden werden häufig durch verschmutztes Wasser oder durch Melonen ausgelöst.[1][2]

Verbesserung: Entblößen und im Freien.[2]

Verschlechterung: Kalte Luft, Bewegung und Essen von Melonen.[1][2]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Menschen mit Zingiber-Beschwerden, sind oft frohsinnig und gut gelaunt trotz der Heftigkeit ihrer Symptome.[2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann zu migräneartigen Kopfschmerzen kommen, lokalisiert an den Schläfen und über den Augenbrauen und in Kombination mit Flimmern vor den Augen.[1][2]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hier finden sich entzündliche Erkrankungen der Atemwege. Obwohl während eines Asthmaanfalls eine starke Atemnot (Dyspnoe) besteht und Erstickung (Suffokation) droht, reagiert der Patient nicht im geringsten ängstlich. Seine Beschwerden verstärken sich häufig gegen Morgen. Oftmals zeigt sich auch ein Brennen unter dem Kehlkopf.[1][2]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zur Heilanzeige (Indikation) von Zingiber gehören akute Verdauungsbeschwerden durch Trinken verunreingten Wassers. Diese zeigen sich in Form von Durchfall (Diarrhoe) und werden oft begleitet von starken Blähungen (Flatulenz). Im Magenbereich kann es zusätzlich zu einer starken Übersäuerung (Hyperazidität) mit Aufstoßen kommen. Seinen Wirkungsbereich hat Zingiber officinale aber auch bei chronischen Entzündungsprozessen des Darmes (Darmkatarrh). Vor allem aber sind Beschwerden durch Essen von Melonen ein besonderes Charakteristikum von Zingiber officinale.[1][2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann sich ein verstärkter Harndrang zeigen, mit Brennenin der Harnröhrenöffnung. Dabei tröpfelt der Urin nach dem Wasserlassen nach.[1][2]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Vor der Menstruation zeigt sich ein erschöpftes Aussehen.[3]

Männliche Genitalien: Jucken der Vorhaut mit vermehrtem sexuellen Verlangen. Es kann auch zu schmerzhaften Erektionen kommen.[1]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hier können alle Gelenke sehr schwach sein. Im Rücken ist ebenfalls ein Lahmheitsgefühl spürbar und es können sich Krämpfe in den Fußsohlen und an den Handflächen zeigen.[1][2]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Nux vomica

Das homöopathische Einzelmittel Nux vomica enthält die potenzierten Früchte des Strychninbaumes. Diese nennt man auch ‚Brechnuss‘ und im Namen wird der Bezug zum Verdauungstrakt schon sehr deutlich. Ähnlich wie bei Zingiber, kann man bei der Nux vomica-Symptomatik z.B. Blähungsprobleme und saures Aufstoßen bis Sodbrennen, vor allem nach dem Essen vorfinden. Der Auslöser ist häufig übermäßiges Essen und die Reaktion. Da Nux vomica innerhalb der Homöopathie einen sehr großen Wirkungsbereich hat, finden sich auch weitere ähnlich betroffenen Organbereiche. Einen signifikanten Unterschied zu Zingiber finden wir allerdings im Gemütszustand eines Nux vomica-Patienten, der in allen Symptomen extrem reizbar und empfindlich reagiert.[1]

Arsenicum album

Weißes Arsen dient als Ausgangsstoff für das Mittel Arsenicum album. In der Homöopathie findet es allgemein Verwendung bei Verdauungsbeschwerden infolge von Essen verdorbener Lebensmittel, aber auch, ähnlich wie Zingiber, von wässrigen Früchten wie Melonen. Das Beschwerdebild eines Patienten der Arsenicum album benötigt, stellt sich allerdings immer verbunden mit extremer Ruhelosigkeit und Furcht dar. Ebenso zeigen sich auch asthmatische Beschwerden, die sich nach Mitternacht verschlechtern. Alle Symptome von Arsenicum album werden begleitet von auffallender Schwäche und Erschöpfung.[1]

Spongia

Aus dem Meerschwamm wird das homöopathische Mittel Spongia hergestellt. Es ist ein wichtiges Mittel für die Atemwegsorgane und kommt häufig bei bellendem Husten und Entzündungen des Kehlkopfes mit Schwellung und Atembehinderung (Krupp-Husten) vor allem bei Kindern zum Einsatz. Hierbei steht im Gegensatz zu Zingiber das Erstickungsgefühl verbunden mit großer Ängstlichkeit im Vordergrund. Die Anfälle treten bevorzugt um Mitternacht auf.[1]

Hintergrundinformationen

Der Ingwer (Zingiber officinale) aus der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) wird sowohl in der Küche als Gewürz oder als Arzneipflanze verwendet. Hauptanbaugebiete des Ingwers sind tropische und subtropische Länder wie z.B. Indien, Indonesien, Vietnam, China und Japan. Aber auch in Australien, Nigeria und Südamerika wächst die krautige Pflanze, die bis zu 150 cm Wuchshöhe erreichen kann. Verwendung findet hierbei der Wurzelstock (Rhizom) der Pflanze, der mit seinem Inhaltsstoff Gingerol für den scharf-würzigen Geschmack verantwortlich ist. Außerdem enthalten die Ingwerwurzeln reichlich Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor. In der asiatischen Küche wird Ingwer bei zahlreichen Gerichten frisch oder getrocknet verwendet. In der Getränkeindustrie ist der Ingwer Hauptgeschmacksgeber bei der alkoholfreien Ingwer-Limonade Ginger Ale. In der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) wird dem Ingwer eine entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung zugesprochen und er kommt demzufolge in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) häufig bei Rheuma, Muskelschmerzen und Erkältung zum Einsatz. Im Ayurveda wird Ingwer auch vor allem als Tee getrunken. Hierbei werden geschnittene Ingwerwurzelstöcke mit heißem Wasser übergossen. Da Ingwer einen starken Bezug zum Magen/Darm-Trakt besitzt, wird er oftmals bei Übelkeit z.B. Seekrankheit, eingesetzt aufgrund seiner übelkeitshemmenden und brechreizunterdrückenden (antiemetischen) Wirkung.[4]