Globuli von T bis Z

Tabacum Globuli

© panthermedia.net / Jürgen Bramsiepe

Die Tabakpflanze Nicotiana Tabacum stammt ursprünglich aus Südamerika und wird inzwischen überall auf der Welt angebaut.[1] Aus ihren Blättern wird das homöopathische Einzelmittel Tabacum hergestellt. Üblicherweise wird Tabak als Genussmittel konsumiert. Er wird geraucht, geschnupft oder gekaut. Sein Konsum macht sehr schnell abhängig. Das hängt damit zusammen, dass in den Blättern der Tabakpflanze mehrere Alkaloide enthalten sind, unter anderem das Nervengift Nikotin. In kleinen Dosen wirkt Nikotin entspannend, regt den Kreislauf an und beruhigt bei Nervosität, vermindert Hungergefühle und steigert das Selbstbewusstsein. Gleichzeitig verengen sich die Blutgefäße und Puls und Blutdruck steigen an. Eine Überdosis Nikotin führt zu einer Nikotinvergiftung, die mit Kopfschmerzen, kaltem Schweiß, Blässe und Krämpfen verbunden sein kann, bzw. im schlimmsten Falle sogar zum Tod führt. Die giftige Wirkung von Nikotin wird schon beim Genuss der ersten Zigarette spürbar; im Laufe der Zeit gewöhnt sich der Körper allerdings an das Nervengift.[2][3] Weil Nikotin Vergiftungserscheinungen hervorruft, wird es lediglich in der Homöopathie als Heilpflanze verwendet. Verabreicht als homöopathisches Einzelmittel wirkt Tabacum auf den Nervus vagus, den Sympathikus, das Herz, die Muskulatur, die Verdauungsorgane und die Augen. Seine Symptomatik ist äußerst markant.[4][5][6]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Tabacum passt zu abgemagerten, blassen Patienten mit hohlen Wangen, die extrem entkräftet sind und sich maßlos elend fühlen. Erbrechen, Schwindel, kalte Schweißausbrüche und Krämpfe sind charakteristisch für das Einzelmittel. Besonders wirksam ist es bei See- und Reisekrankheit. Auch periodisch wiederkehrende Leiden wie Migräne, die mit starker Übelkeit zusammenfällt oder Asthma können mit Tabacum behandelt werden. Tabacum passt darüber hinaus zu einem schmerzhaften Engegefühl in der Brust (Angina pectoris).[4][5][6][7]

Wo wirkt es?: Tabacum wirkt auf den Kreislauf bei Kreislaufschwächen und Unregelmäßigkeiten, das Verdauungssystem bei Durchfall, Schmerzen und Erbrechen, auf das Herz bei Herzklopfen und Angina pectoris, auf die Atmung, die Augen, den Kopf und das Gemüt.[4][5][6]

In welchem Alter?: Tabacum kann, wenn es zu den Symptomen passt, bei Patienten jeden Alters angewendet werden. Die Arzneimittelbilder weisen allerdings auf einige hauptsächlich Kinder betreffende Symptome hin, wie beispielsweise Durchfall bei Kindern im Sommer oder aber mangelndes Wachstum und Appetitlosigkeit bei Kindern von Rauchern.[5][6]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Der Patient leidet unter Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Schweißausbrüchen, er friert und ist blass.
  • Der Patient leidet unter Magen- und Darmschmerzen und Durchfall oder leichterVerstopfung, verlangt aber, obwohl er friert, dass ein Bauch unbedeckt bleibt.
  • Der Patient leidet unter See- oder Reisekrankheit.
  • Der Patient leidet unter Schmerzen und Engegefühl in der Brust- und Herzgegend (Angina pectoris).
  • Hals, Blase, Brust und Rektum des Patienten fühlen sich verengt an bzw. schnüren sich zusammen.
  • Der Patient fühlt sich elend. Er ist entkräftet bis zur Ohnmacht.
  • Der Patient leidet unter Schwindel, der sich verschlimmert, sobald er die Augen öffnet.
  • Der Patient leidet unter Migräne, die mehrere Tage anhält, periodisch auftritt und mit starker Übelkeit verbunden ist.
  • Die Absonderungen des Patienten sind reichlich: er schwitzt stark, erbricht sich, es fließen Tränen, Schweiß und Speichel.

Verbesserung: Bei aufgedecktem Unterbauch, in frischer Luft, bei Kälte, durch Weinen und Erbrechen und während der Dämmerung verbessern sich häufig die Symptome.

Verschlechterung: Beim Liegen auf der linken Seite verstärkt sich die Herzsymptomatik. Abends, bei extremer Hitze oder Kälte und bei passiver Bewegung (Fahren mit dem Schiff oder anderen Fahrzeugen; beim Reiten) verschlechtert sich der Zustand des Patienten.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient ist häufig niedergeschlagen, vergesslich undunzufrieden. Er fühlt sich elend und erbärmlich. Er neigt dazu, zu weinen und empfindet schreckliche Angst undUnruhe; beides verschlimmert sich nachmittags. Seine Verzweiflung geht mit Magenverstimmung, Herzklopfen und unregelmäßigem Puls einher. Er leidet unterKonzentrationsschwächen und einer schlechten Auffassungsgabe; er ist nicht in der Lage, seine Gedanken zu sammeln. Die ständige Furcht, jemand wolle ihn einsperren oder ermorden, verfolgt ihn. Dann wieder ist er wie berauscht. Er singt, tanzt und ist geschwätzig. Seine Hände und Füße zittern und er redet Unsinn.[4][5][6]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Tabacum passt zu Migränepatienten, deren Anfälleperiodisch wiederkehren und mit starker Übelkeitverbunden sind. Die Anfälle, die ein bis zwei Tage anhalten, beginnen morgens und werden gegen Mittag unerträglich. Lärm und Licht verschlimmern die Symptome. Leidet der Patient unter Kopfschmerzen, so treten diese rechtseitig in Form plötzlicher Schmerzen wie von einem Hammerschlag auf. Der Tabacum-Patient neigt außerdem häufig zuSchwindelgefühlen, die mit kalten Schweißausbrüchenund Blässe einhergehen und sich beim Öffnen der Augen verschlimmern. Es schwindelt ihn bis zur Bewusstlosigkeit. Er hat das Gefühl, sich nicht aufrecht halten zu können. Bei frischer Luft oder nach dem Erbrechen bessert sich der Schwindel.[4][5][6]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht des Patienten ist blass, bläulich, spitz, abgemagert und wirkt eingesunken. Häufig ist es von kaltem Schweiß bedeckt. Der Unterkiefer krampft oder aber der Patient empfindet beim Lachen Schmerzen im Kiefergelenk. Die Lippen sind zurückgezogen, sodass die Zähne sichtbar werden. Augen, Nase und Mund sondern vermehrt Sekrete ab. Das Sprechen fällt ihm schwer. AuchSommersprossen sind ein Charakteristikum des Tabacum-Patienten.[4][5][6]

Sein Blick ist getrübt und verschwommen, er sieht wie durch einen Schleier oder ist vollständig erblindet(Amaurose). Der Patient neigt zum Schielen (Strabismus). Sieht er ins Licht, erkennt er sogenannte Mouches volantes, kleine Trübungen des Glaskörpers seines Auges, die sich mit der Blickrichtung verändern. Auch blinde Flecken im Zentrum des Sichtfeldes (Zentralskotome) oder Nachbilder bei geschlossenen Augen bzw. beim Sehen auf eine weiße Fläche können auftreten.

Manche Patienten entwickeln eine Störung des Innenohrs, die mit dem Verlust der Hörfähigkeit, Ohrgeräuschen (Tinnitus), Schwindel oder Benommenheit einhergeht (Menière-Syndrom).[8][4][5][6]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hals und Brust fühlen sich eng und zusammengeschnürt an. Das Atmen fällt ihm schwer. Der Patient leidet hin und wieder unter trockenem Reizhusten bis zum Erbrechen, vor allem morgens, sodass er kaltes Wasser trinken muss. Im Zusammenhang mit dem Husten stellt sich Schluckauf ein. Nase und Rachen oder aber die Luftröhre können entzündet sein (Nasopharyngitis oder Tracheitis). Der Patient muss sich häufig räuspern. Tabacum passt auch zu Heiserkeit von Personen in Sprechberufen.[4][5][6]

Der Patient leidet unter starkem Herzklopfen, das sich verschlimmert, sobald er sich auf die linke Seite legt, aber aufhört, wenn er sich auf die rechte Seite umdreht.Schmerzen und Engegefühl in der Brust weisen aufAngina pectoris hin, die mit Übelkeit, kaltem Schweiß und Kollaps verbunden ist. Treten diese Symptome auf, sollte die Erkrankung schulmedizinisch begleitet werden. Der Herzschlag des Patienten ist ungleichmäßig. Der Puls setzt hin und wieder aus, ist fadenförmig oder peitschenschnurartig und zu Zeiten nicht tastbar, dann aber wieder voll, schnell und groß. In Folge eines Schocks oder von physischer Überanstrengung vergrößert sich mitunter das Herz des Patienten (Dilatation).[4][5][6]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Dem Patienten ist unablässig übel, wobei sich die Übelkeit durch den Geruch von Tabakrauch verschlimmert. Bei der geringsten Bewegung muss er sich übergeben und erbricht hin und wieder sogar Kot. Auch Schwangere erbrechen sich heftig und mit viel Speichel. Leidet der Patient unterSeekrankheit geht diese mit einem matten, schwachen, elenden Gefühl in der Magengrube einher. Die Symptome werden aber durch frische Luft gebessert. TretenMagenschmerzen auf, so erstreckt sich der Schmerz zu Zeiten bis zum linken Arm. Der Patient fühlt sich, als erschlaffe sein Magen.

Der Unterbauch des Patienten ist kalt und schmerzhaft aufgetrieben; dennoch verlangt es ihn danach, ihn unbedeckt zu halten. Der Unterbauch krampft und schmerzt (Kolik) so sehr, dass der Patient laut schreit. Tabacum passt auch zu Hernien, d. h. zu kleinen Brüchen der Bauchdecke mit eingeklemmtem Gewebe.

Der Patient leidet unter Verstopfung (Obstipation); sein Rektum ist wie gelähmt oder aber nach außen gestülpt (prolabiert). Die Verstopfung kann durch Bewegung gebessert werden. Dann wieder tritt plötzlicher, äußerst wässriger Durchfall auf, der mit Übelkeit, Erbrechen, kaltem Schweiß und Erschöpfung verbunden ist. Die Absonderungen erinnern an geronnene, saure Milch, sind gelblich oder grünlich und schleimig. Beim Stuhlgang schmerzt das Rektum (Tenesmus).[4][5][6]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Tabacum-Patient kann unter (vor allem linksseitigen)Nierenkoliken, d. h. heftigen, krampfhaften Schmerzen in der Lendengegend leiden, die mit kaltem Schweiß und Übelkeit verbunden sind. Er kann seinen Harn nicht halten, ständig tröpfelt dieser aus der Blase. Hin und wieder nässt der Patient sich ein.[4][5][6]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Männliche Geschlechtsorgane: Der Patient neigt zu nächtlichem, unwillkürlichem Samenerguss (Pollution) oder Impotenz. Der Penis ist mitunter berührungsempfindlich (Hyperästhesie) oder schmerzt.

Weibliche Geschlechtsorgane: Während der Schwangerschaft leidet die Patientin unter Morgenübelkeit. Manchmal tritt auch ein starkes Jucken am ganzen Körper auf. Kommt sie in die Wechseljahre oder setzt ihre Monatsblutung ein, fühlt sie sich extrem elend.[4][5][6]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Hals des Patienten ist versteift, die Rückenmuskulatur abgemagert. Er leidet unter Schmerzen im Kreuz, die sich im Liegen verschlimmern und beim Gehen nachlassen. Während der Körper des Patienten warm ist, sind die Hände eiskalt. Auch die Beine vom Knie abwärts fühlen sich kalt an. Die Gliedmaßen zittern. Der Gang des Patienten ist schlurfend und unsicher. Er leidet an einem Schwächegefühl in den Armen. Tabacum passt auch zu einer Lähmung (Paralyse), die in Folge eines Schlaganfalls (Apoplexie) auftritt.[4][5][6]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut des Patienten ist eiskalt und von kaltem Schweiß bedeckt. Hin und wieder, gerade während einer Schwangerschaft, juckt es den Patienten am ganzen Körper.[4][5][6]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Körperoberfläche des Patienten zeichnet sich durcheisige Kälte aus. Zuweilen ist eine Wange erhitzt und gerötet, die andere aber blass. Ein Hitzegefühl zieht sich aus dem Nacken das Rückgrat hinunter. Im Zusammenhang mit diversen anderen Symptomen (Fieber, Angina pectoris, Nierenkolik, Seekrankheit, Durchfall etc.) tritt kalter Schweiß auf. Bei Fieber fröstelt der Patient stark.[4][5][6]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wenn das Herz in Folge eines Schocks oder durch physische Überanstrengung vergrößert (dilatiert) ist, leidet der Patient unter Schlaflosigkeit, kaltem Schweiß und Ängsten. Ihn plagen Alpträume. Sein Nachtschlaf istbetäubend, aber nicht erholsam.[4][5][6]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Camphora

Camphora wird aus dem Holz des Kampferbaumesgewonnen. Wie Tabacum ist es ein bewährtes Mittel beiHerzschwächen. Der Körper des Camphora-Patienten fühlt sich eiskalt an; der Patient lehnt es aber ab, zugedeckt zu werden Er ist extrem empfindlich gegen Kälte und Berührungen. Diese Charakteristika teilen beide Mittel. Außerdem haben Camphora und Tabacum dieZerfahrenheit, Schwäche und Unruhe des Patienten gemeinsam, der unter Konzentrationsschwächen leidet und unzusammenhängend redet.[4][5][6]

Veratrum album

Weißer Nießwurz, auch Brechwurz genannt, ist die Grundlage des homöopathischen Einzelmittels Veratrum album. Diese Mittel wird bei postoperativen Schocks oder bei Kollaps-Patienten eingesetzt. Es teilt die meisten charakteristischen Symptome mit Tabacum: extreme Kälte, Blaufärbung der Haut, Schwäche, kalter Schweiß, Erbrechen, reichliche Ausscheidungen und Durchfall.Veratrum album passt außerdem zu Krämpfen in den Armen und Beinen und heftiger Manie, die sich mit Depression abwechselt. Es ist ein Mittel der sehr jungen und alten Menschen, ein Mittel der Extreme des Lebens.[4][5][6]

Hintergrundinformationen

Dass die Tabakpflanze heute in Europa angebaut wird, haben wir einem französischen Diplomaten namens Jean Nicot zu verdanken, der sie 1560 aus Amerika mitbrachte.[1] Von Jean Nicot bekam die Tabakpflanze auch ihren Namen. Lange vor ihrem Import verwendeten in ihrem Verbreitungsgebiet ansässige Indianerstämme die Blätter zum Rauchen bei religiösen Ritualen.

In Europa schnupfte man den Tabak zunächst. Erst im 18. und 19. Jahrhundert verbreitete sich die Zigarette als häufigste Konsumform des Tabaks. 1867 wurde bei der Pariser Weltausstellung die erste maschinelle Möglichkeit zur Zigarettenherstellung vorgestellt. Im Zuge dessen wurden Zigaretten, die vorher ein Privileg der Reichen gewesen waren, auch für die Bevölkerung erschwinglich.

Nikotin wirkt schnell. Bereits 7 Sekunden nach dem ersten Zug an einer Zigarette, gelangt es zum Hirn, wo es zur Ausschüttung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin kommt, die dann Glücksgefühle verursachen. Nikotin macht extrem süchtig. Andere, im Tabak enthaltene Stoffe sind dafür verantwortlich, dass 85 % der Lungenkrebserkrankungen bei Rauchern auftreten.[9]