Globuli von T bis Z

Zincum valerianicum Globuli

© panthermedia.net / Thomas Francois

Zincum valerinanicum wurde früher in der Medizin als wichtiges Mittel gegen Hysterie eingesetzt, einer Erkrankung, die damals auf eine Störung der Fortpflanzungsorgane zurückgeführt wurde. Und bei einer kleinen Prüfung des Mittels an Gesunden zeigte sich tatsächlich ein Bezug zu den weiblichen Geschlechtsorganen. Der New Yorker Arzt Dr. Banks, der das Mittel in die Homöopathie eingeführt hatte, berichtete darüber hinaus von großen Erfolgen bei der Behandlung von neuralgischen Kopfschmerzen.[1]

Derzeit liegen für das homöopathische Einzelmittel Zincum valerianicum allerdings noch keine ausreichenden Arzneimittelprüfungen vor. Die Erkenntnisse über die Arzneiwirkung beruhen vorwiegend auf empirischen Beobachtungen in der Praxis. Eine Anwendung nach dem homöopathischen Ähnlichkeitsgesetz ist somit nur eingeschränkt möglich.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Zincum valerianicum wird empfohlen bei Personen mitübererregbarem Nervensystem und den daraus resultierenden Beschwerden wie Schlafstörungen oderKrampfanfällen. Das Mittel kann bei Epilepsie hilfreich sein, wenn keine Aura vorhergeht. Außerdem besteht eine Neigung zu Nervenschmerzen (Neuralgien) und Angina pectoris.

Wo wirkt es?: Das Mittel wirkt vorwiegend auf die Nerven und die Wirbelsäule, sowie auf die Eierstöcke bei Frauen.[2]

In welchem Alter?: Grundsätzlich kann Zincum valerianicum sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen angewendet werden. Die Beschwerden, bei denen es in der Homöopathie verordnet wird, finden sich jedoch vorwiegend bei Erwachsenen und älteren Personen.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zincum valerianicum wird in der Homöopathie insbesondere beischmerzhaften Zuständen wie Nervenschmerzen (Neuralgien) angewendet. Diese Schmerzen können überall auftreten, beispielsweise im Gesicht, am Kopf oder in den Gliedern. Eine Charakteristik der Beschwerden ist, dass sie oft in Zusammenhang mit Störungen der weiblichen Eierstöcke stehen.


Verbesserung: Durch Reiben.[1]


Verschlechterung:

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen können unter grundlosen Ängsten leiden. Außerdem besteht eine Neigung zu Hypochondrie.[1] Völlegefühl im Kopf, sodass das Denken schwer fällt. Gequälter Gemütszustand, die Patienten sind völlig durcheinander.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Heftige, neuralgische, aussetzende Kopfschmerzen. Die Betroffenen werden vor Schmerzen fast verrückt. Die Schmerzen können auch durchbohrend und messerstichartig sein.[1] Durch die Kopfschmerzen kann es auch zu Schlaflosigkeit kommen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gesichtsneuralgie mit heftigen Schmerzen in der linken Schläfe und im Unterkiefer.[2] Kitzeln über dem linken Ohr.[1]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gefühl wie von einem schweren Gewicht auf der Brust.[5]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Würgen beim Versuch, etwas zu essen. Morgens saurer Geschmack im Mund.[1] Bauchschmerzen, die durch Blähungsabgang besser werden.[5]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

WeiblichHeftige Nervenschmerzen an den Eierstöcken, die Schmerzen ziehen bis in die Beine hinab, teilweise bis in den Fuß. Während und nach der Monatsblutung sind die Schmerzen dabei oft stärker.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Heftige Schmerzen im Nacken und in der Wirbelsäule.[2] Schmerzen den Rücken hinauf. Die Betroffenen können nicht ruhig dasitzen, sie müssen die Beine immer in Bewegung halten.[1] Das Mittel kann außerdem hilfreich sein bei Ischiasschmerzen(Ischialgien).

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Frösteln nach geistiger Erregung oder Anstrengung. Kalte Körperteile brennen beim Warmwerden.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schlaflosigkeit bei Kindern.[2]

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Alternative Homöopathische Mittel

Zincum metallicum

Das metallische Zink ist ein Ausgangsstoff von Zincum valerianicum und teilt viele Gemeinsamkeiten mit dem Mittel. Beide Arzneien haben einen starken Bezug zum Nervensystem, mit heftigen Nervenschmerzen und Neuralgien. Sowohl Zincum metallicum als auch Zincum valerianicum werden empfohlen bei Neuralgien der Eierstöcke oder Gesichtsneuralgien. Bei Zincum metallicum können diese Neuralgien insbesondere nach einer Herpes zoster-Infektion auftreten, oder aber ausgelöst durch Zugluft.[6] Bei beiden Zink-Verbindungen zeigt sich eine Unruhe in den Füße, sodass die Patienten nicht stillsitzen oder liegen können, ohne die Füße andauernd in Bewegung zu haben.[1]

Valeriana

Der echte Baldrian, Valeriana officinalis, liefert einen weiteren Inhaltsstoff in der Verbindung Zincum valerianicum. Auch bei Valeriana officinalis finden sich viele Beschwerden im Bereich des Nervensystems, mit neuralgischen Schmerzen und hysterischen Störungen. Die Gesichtsneuralgien bei Valeriana verschlimmern sich insbesondere in der Ruhe.[6] Die Patienten sind meist nervös und erregbar, mit Ohnmachtneigung.[3]

Platinum metallicum

Ein weiteres Vergleichsmittel ist das metallische Platin. Heftige neuralgische Schmerzen in verschiedenen Bereichen sind auch für Platinum charakteristisch, unter anderem auch Gesichtsneuralgien oder Neuralgien der Eierstöcke, wie bei Zincum valerianicum. Darüber hinaus ist Platinum ein Hauptmittel bei hysterischen Krankheiten, die Gemütslage der Betroffenen wechselt andauernd. Im einen Moment sind die Patienten fröhlich und ausgelassen, kurze Zeit später kommt es zu tiefer Traurigkeit und Depression. Auch bei Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsteile wird das Mittel angewendet, insbesondere wenn es zu einer ausgeprägten Empfindlichkeit in diesem Bereich kommt.

Hintergrundinformationen

Bei Zincum valerianicum handelt es sich um das Zinksalz der Isovaleriansäure. Die Substanz, auch Zinkisovalerianat genannt, wird aus Zinkoxid und Isovaleriansäure zusammen mit etwas Ethanol hergestellt. Sie besteht aus kleinen, weißen und glänzenden Kristallen, die einen leichten baldrianähnlichen Geruch haben. Und tatsächlich wird die Isovaleriansäure, ein Hauptbestandteil der Valeriansäure, aus Baldrian (Valeriana officinalis) gewonnen. In der Medizin wurde Zinkisovalerianat früher als Mittel gegen Hysterie angewendet[1], heute ist die Substanz vorwiegend noch in naturheilkundlichen Präparaten zu finden.

Zink ist ein wichtiges Spurenelement, das bei vielen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt ist. Insbesondere aufgrund ihrer antibakteriellen Eigenschaften kommen in der Medizin verschiedene Zinksalze zum Einsatz. Als Inhaltsstoff in Zahnpasta sollen sie zudem der Bildung von Zahnstein vorbilden.[7] Zinkoxid ist Hauptbestandteil der bekannten Zinksalbe, die zur Unterstützung der Wundheilung bei Verletzungen angewendet wird.
In der Homöopathie werden ebenfalls verschiedene Zinkverbindungen angewendet. Am bekanntesten und in seiner Wirkung auf Gesunden am besten geprüft davon ist Zincum metallicum, das metallische Zink. Zincum valerianicum ist wie die meisten anderen Zinksalze hingegen bislang nur unzureichend erforscht und wird daher nur bei einem sehr begrenzten Spektrum an Beschwerden verordnet.