Globuli von T bis Z

Viscum album Globuli

© PantherMedia / Irina Borsuchenko

Das homöopathische Mittel Viscum album wird aus der weißbeerigen Mistel (Viscum album) hergestellt. Anwendung findet es typischerweise bei Kreislauferkrankungen wie hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose, bei Erkrankungen des Nervensystems wie zum Beispiel derEpilepsie oder bei rheumatischen Erkrankungen.  Sehr charakteristisch ist die Übellaunigkeit und gedrückte Stimmung des Patienten.[1] Bei den im Folgenden erwähnten Einsatzmöglichkeiten handelt es sich meist nicht um harmlose Alltagsbeschwerden. Eine homöopathische Behandlung mit Viscum album mag in Ausnahmefällen ausreichen, sollte aberimmer entweder beim Homöopathen erfolgen oder mit dem Arzt abgesprochen sein.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Viscum album ist ein wichtiges Mittel für Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen oder Erkrankungen des Nervensystems, besonders wenn diese Erkrankungen von einer gedrückten Stimmung und negativen Gedanken begleitet sind. Dasselbe gilt für Rheumatiker: Auch bei ihnen kann Mistel angezeigt sein, wenn neben dem Thema Schmerz auch Depressionen oder Ängstlichkeit eine Rolle spielen. Aufgrund der Häufigkeit der genannten Erkrankungen im hohen Alter ist Viscum album eine interessante Option für den älteren, geriatrischen Patienten.

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten zählen das Herz-Kreislaufsystem, der Bewegungsapparat und das zentrale und periphere Nervensystem. 

In welchem Alter?: Das Mittel wird seltener in der Kinderheilkunde als in der Therapie von Erwachsenen eingesetzt. Viscum album ist ein wichtiges Mittel bei älteren Patienten. Die bisweilen zu findende Anwendung bei Hypertonie während der Schwangerschaft bedarf unbedingt ärztlicher Abklärung und Zustimmung.[2]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome des Homöopathikums Viscum album sind die reißenden Schmerzen, das Taubheitsgefühl, der hohe Blutdruck und die Kreislaufschwäche, wobei sich meist ein langsamer und schwacher Puls zeigt. Typisch für das Mittel sind krankheitsbedingte oder –begleitende depressive Episoden.

Verbesserung: Die Beschwerden bessern sich im Freien.[1][2]

Verschlechterung: Im Winter, bei Kälte, im Bett, beim Liegen auf der linken Seite, bei Bewegung und bei stürmischem Wetter zeigen sich Verschlechterung der Symptome.[1][2]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typisches Mittel für Menschen mit gedrückter Stimmung und Neigung zu Depression. Sehr lebhafte Träume. Übellaunigkeit. Fehlen von Lebensfreude.[1][2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gefühl, als ob das Schädeldach angehoben würde. Summen und Verstopfungsgefühl am Ohr. Ständiger Schwindel. Doppeltsehen. Migräne. Epileptische Anfälle. Bei Auren (Wahrnehmungsstörungen, die häufig vor einem epileptischen Anfall oder vor einer Migräne auftreten).[1][2]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Gesichtsmuskeln sind dauernd in Bewegung. Taubheit im Gesicht durch kalte Luft oder durch kaltes Wasser. Blaue Ringe unter den Augen.[1][2]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Atemnot und Erstickungsgefühl, vor allem beim Liegen auf der linken Seite. Spasmischer Husten, asthmatische Anfälle, die in Verbindung mit rheumatischen Erkrankungen auftreten. Vergrößerung (Hypertrophie) des Herzens, der spürbare Puls ist klein und schwach. Herzklopfen beim Geschlechtsverkehr. Gewicht und Druck auf dem Herzen, als ob eine Hand es quetschen würde. Kitzelndes Gefühl in der Herzgegend. Wichtiges Mittel bei hohem Blutdruck (Hypertonie), ausgelöst durch Arteriosklerose oder verengte Gefäße.[1][2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Verlust von Proteinen über den Harn (Albuminurie) aufgrund von hohem Blutdruck.[1][2]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Frauen sind die Menstruationsblutungen schmerzhaft, das Blut oft in Klumpen. Neuralgien (Nervenschmerzen) der Eierstöcke, besonders links. Klimakterische Beschwerden mit Schmerzen in der Wirbelsäule. Chronische Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis).[1][2]

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzen in Knie abwechselnd mit Schulterschmerzen. Nervenschmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus ischiadicus (Ischialgien) und Kreuzschmerzen. Reißende, starke Schmerzen der Oberschenkelmuskulatur und der oberen Extremitäten. Schmerzen, die vom Kreuzbein in das Becken ausstrahlen und sich im Bett verschlimmern. Allgemeines Zittern der Muskulatur. Zusammendrückender Schmerz in den Füßen.[1][2]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Viscum album deckt ein sehr spezifisches Beschwerdespektrum ab, bei welchem jedoch bisweilen Überschneidungen mit anderen Mitteln möglich sind. Im Folgenden sollen ein paar der wichtigsten Alternativmittel vorgestellt werden.[1][2]

Aurum metallicum

Aurum metallicum, ein Mittel, das aus Goldstaub hergestellt wird, zeigt eine noch stärkere Neigung zu Depression und Suizidneigung. Ähnlich wir Viscum album gilt es als ein wichtiges Mittel bei Herz-Kreislauferkrankungen, Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Bewegungsapparates. Verbesserungen treten bei Aurum vor allem bei einem Aufenthalt im Freien auf, während Kälte, der Winter und die Nachtstunden Symptome verstärken können. Es eignet sich besonders für sehr ernsthafte Menschen, die nicht selten eine tief religiöse Überzeugung an den Tag legen.

Convallaria majalis

Convallaria, das aus dem Maiglöckchen (Convallaria majalis) gewonnen wird, zeigt sich ebenfalls als eine wichtige homöopathische Arznei bei Herzerkrankungen, besonders wenn diese nervöser Natur sind, ohne dass eine ernsthafte Erkrankung festgestellt werden kann. Der Patient glaubt, sein Herz würde ab und an still stehen. Begleitend wird Convallaria bisweilen bei Herzinsuffizienz mit Beinödemen (geschwollenen Beinen) eingesetzt. Verbesserungen treten im Freien auf, Verschlechterungen bei Aufenthalt in warmen Zimmern.

Rhododendron

Aus der gelben Alpenrose (Rhododendron chrysanthum) wird das homöopathische Mittel Rhododendron hergestellt. Dieses ist eine wichtige Option bei rheumatischen Leiden, Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Herz-Kreislaufsystems. Typischerweise zeigen sich hier Empfindlichkeiten für Wetterwechsel, besonders kennzeichnend ist die Furcht vor Gewitter. Erleichterung tritt vor allem bei Bewegung ein.

Lachesis

Lachesis aus dem Gift von Lachesis muta, einer Buschmeisterschlange, kann ebenfalls bei Herz-Kreislaufproblemen in Erwägung gezogen werden.  Dazu zählen zum Beispiel hoher oder niederer Blutdruck, Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis), Druckgefühle am Herzen und Kollapsneigung. Typischerweise wirkt Lachesis besonders gut bei leidenschaftlichen Menschen, die extrem redselig und seelisch erregt sind und zu extremen Emotionen wie Hass fähig sind. Typischerweise wird der Druck der eigenen Kleidung nicht ertragen.

Hintergrundinformationen

Für das homöopathische Mittel Viscum album werden die frischen, beblätterten Sprosse und Früchte der weißbeerigen Mistel (Viscum album) gesammelt und nach den Vorschriften 2a und 7 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) weiterverarbeitet.[1]

Zur Botanik: Viscum album ist eine auf Laubhölzern und verschiedenen Nadelhölzern parasitisch lebende Pflanze aus der botanischen Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae) mit einer Verbreitung in ganz Europa bis in das südliche Skandinavien. Dem Wirtsbaum entzieht sie vor allem Wasser und Mineralsalze und erreicht bisweilen ein sehr hohes Alter von 30 Jahren. Charakteristisch ist ihr kugelrundes Wachstum, wobei Durchmesser von rund einem Meter erreicht werden. Die Blütezeit findet im März/ April statt, die Fruchtreife im Spätherbst und Winter. Synonym gebräuchliche Bezeichnung sind zum Beispiel Hexenkraut oder Hexenbesen.[3]
Verwendung als Heilpflanze: Viscum album spielt in der antiken und germanischen Mythologie und Heilkunde eine wichtige Rolle: Nicht selten wurden ihr hierbei magische Kräfte zugeschrieben. Als Heilpflanze wurden ihre krampfstillenden Eigenschaften sehr geschätzt, weswegen sie als Arznei bei Epilepsie und anderen Krampfanfällen eingesetzt wurde. Große Verbreitung und Zuspruch fand auch ihre Verwendung bei hohem Blutdruck (Hypertonie), Schwindelanfällen, Arteriosklerose, Nervenschmerzen (Neuralgien) und bei verschiedenen Blutungen. Bis heute wird die Mistel für einige der genannten Anwendungsbereiche in der Volksmedizin vor allem als Teedroge oder als alkoholische Tinktur genutzt, wobei ihr Nutzen hierbei als noch nicht ausreichend belegt gilt.[4]
Im deutschsprachigem Raum etablierte sich die sogenannte „Misteltherapie“ als wichtiges Therapiefeld innerhalb derkomplementären Krebstherapie: Hierfür werden wässrige Extrakte aus Viscum album unter die Haut oder in die Venen injiziert, um einen Rückgang der Tumormasse, eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Aktivierung des Immunsystems zu erreichen. Die Wirkungen konnten bis heute nur teilweise mit Studien beleget werden.[5]