Globuli von T bis Z

Tuberculinum bovinum Globuli

PantherMedia / Alexander Traksel
© PantherMedia / Alexander Traksel

Tuberculinum Bovinum ist ein homöopathisches Einzelmittel, das aus tuberkulösen, organischen Bestandteilen, z.B. Lymphknoten, eines notgeschlachteten an Tuberkulose erkrankten Rindes gewonnen wird.[1] Homöopathische Mittel, die auf Grundlage von krankem Gewebe, Eiter, Krebszellen oder infektiösem Blut hergestellt werden, nennt man Nosoden. In der Regel eignen sich Nosoden nicht zur Selbstbehandlung und sollten nur unter Anleitung eines Homöopathen eingenommen werden.[2] Tuberculinum Bovinum wirkt vor allem auf Geist und Gemüt, auf die Lungen, die Atemwege, den Kopf und seltener auch auf die Lymphknoten. Das Einzelmittel eignet sich für Patienten mit unruhigem und unstetem Charakter, die geistig frühreif, aber körperlich zurückgeblieben erscheinen. Die Symptome sind zahlreich und ändern sich ständig. Mit Tuberculinum Bovinum kann zwar eine Tuberkulose im Frühstadium, nicht aber eine bereits ausgebrochene, akute Tuberkulose behandelt werden.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Da Tuberculinum Bovinum als Nosode aus hochinfektiösem Material hergestellt wird und dementsprechend nur in geringen Mengen und hohen Potenzen verabreicht werden sollte, sollte die Symptomatik vor einer Verordnung des Mittels gut geprüft werden.
Besonders für Personen, in deren Familiengeschichte bereits Tuberkulosefälle aufgetreten sind, die schon einmal unter der Erkrankung gelitten haben oder die im Verdacht stehen, eine Tuberkulose im Frühstadium zu entwickeln, eignet sich das Präparat.
Die Patienten zeichnet ein unsteter, wechselhafter Charakter aus. Sie gehen häufig auf Reisen und haben ein großes Verlangen nach frischer Luft. Obwohl sie schon in jungen Jahren eine hohe Aufnahmefähigkeit und geistige Reife zeigen, wirken die Patienten körperlich schwächlich, sind blass, meist sehr schlank und schnell ermüdet. Vor allem morgens quält sie körperliche Anstrengung; sie wirken depressiv und melancholisch und reagieren häufig gereizt auf ihre Mitmenschen. Trotz ihres Verlangens nach frischer Lufterkälten sie sich beim geringsten Anlass und brauchen meist Wochen, um den grippalen Infekt zu überwinden.
Tuberculinum Bovinum wird vor allem dann eingesetzt, wenn andere Medikamente, auch solche aus dem schulmedizinischen Bereich, keine Wirkung zeigen. Zu den Indikatoren für dieses Präparat zählen häufige Infekte, geschwollene Lymphknoten, chronische Durchfallerkrankungen (Diarrhoe), chronischer Kopfschmerz, Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe) oder juckende Ekzeme am ganzen Körper.[4]

Wo wirkt es?: Die Gabe von Tuberculinum Bovinum bei entsprechender Indikation wirkt sich häufig zunächst einmal positiv auf Geist und Gemüt aus. Weiterhin kann es die Infekthäufigkeit senken und das Immunsystem stärken, sodass auch die Lymphknoten deutlich abschwellen. Atemwegserkrankungen, starker Husten und Schmerzen in Brustkorb und Lunge sind ebenfalls Indikatoren für die Gabe von Tuberculinum Bovinum. Ferner kuriert es Beschwerden der Harnwege und der Geschlechtsorgane.

In welchem Alter?: Tuberculinum Bovinum kann prinzipiell in jedem Lebensalter verabreicht werden. Heutzutage wird es häufig bei Kindern mit ADHS-Diagnoseeingesetzt. In solchen Fällen kann das Präparat Wutausbrüche und mangelnden Respekt vor Autoritäten deutlich einschränken und den Eltern so den Umgang mit ihrem intelligenten, aber schwer erziehbaren Sprössling erleichtern.[5] Auch bei körperlich zurückgebliebenen Säuglingen und Kleinkindern kann es seine Wirksamkeit entfalten. Im Erwachsenenalter ist die Gabe von Tuberculinum Bovinum häufig eher durch Immunschwächen oder Atemwegserkrankungen angezeigt.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, bei denen die Gabe von Tuberculinum Bovinum angebracht (indiziert) ist, zeichnen sich durch einen stetigen Symptomwechsel aus. Ist beispielsweise eine Erkältung ausgeheilt, beginnt der Patient unter starken Rücken- und Gelenkschmerzen zu leiden etc.. Folgende Leitsymptome aber können benannt werden:

  • Der Patient leidet unter Schmerzen in verschiedenen Körperteilen. Besonders Rücken- und Gelenke sind betroffen. Die Schmerzen verschlimmern sich bei Kälteeinwirkung und Wetterwechsel. Nachts und in Ruhephasen werden die Gelenke steif und unbeweglich. Erst im Laufe des Tages lassen die Beschwerden nach.
  • Der Patient verspürt ein unbändiges Verlangen nach frischer Luft. Ständig treibt es ihn nach draußen; hält er sich in geschlossenen Räumen auf öffnet er Fenster und Türen.
  • Der Patient leidet unter wiederkehrenden Erkältungserkrankungen. Vor allem im Winter plagen ihn Husten und Schnupfen, aber auch bei Temperaturumschwüngen in den warmen Jahreszeiten erhöht sich seine Infektanfälligkeit.
  • Den Patienten plagt Heißhunger. Manchmal treibt es ihn nachts aus dem Bett, um zu essen.
  • Bei der geringsten Anstrengung beginnt der Patient stark zu schwitzen. Seine Schweißausbrüche färben weiße Wäsche gelb.
  • Häufig überfallen den Patienten heftige Kopfschmerzen, die ihn zwingen, die Arbeit niederzulegen und sich auszuruhen. Auf die Kopfschmerzen folgt Durchfall.
  • Frauen leiden unter Menstruationsbeschwerden und Harnwegsinfekten, Männer unter einer übermäßigen Libido.
  • Hin und wieder treten unerträglich juckende, trockene Ekzeme am ganzen Körper auf.


Verbesserung: Der Zustand des Tuberculinum-Patienten bessert sich deutlich bei kühlem, aber nicht eiskaltem Wind, im Freien, in sommerlichem Klima und bei mäßiger Bewegung. Frauen fühlen sich meist besser während der Schwangerschaft.


Verschlechterung: Eine Verschlechterung des Zustandes des Tuberculinum-Patienten bewirken geschlossene Räume, große Anstrengung, Wetterumschwünge, Zugluft, laute Geräusche, Musik, das Grübeln über die Symptome, Aufregung und Druck in der Körpermitte. Der Patient fühlt sich morgens deutlich schlechter als abends. Die Symptome kehren periodisch wieder.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Tuberculinum-Patienten zeichnen sich durch starke Reizbarkeit aus. Jede Kleinigkeit kann Wutanfälle und Stimmungsschwankungen provozieren. Die Wutanfälle sind heftig und können in Handgreiflichkeiten ausarten. Jeder Gegenstand, der den Patienten in diesem Zustand die Quere kommt, kann von ihnen als Waffe gebraucht werden, selbst wenn der Anfall scheinbar grundlos auftritt. Die Patienten sind unzufrieden mit ihrem Leben. Sie wünschen sich ständig Veränderung, räumen ihre Wohnung um, gehen auf Reisen oder verändern ihr Äußeres. Sie verabscheuen geistige Arbeit, sind lebensüberdrüssig, fahrlässig und unvorsichtig. Manchmal leiden sie unter einer unerklärlichen Furcht vor Tieren; vor allem Hunde sind ihnen nicht geheuer. Die Patienten klagen und jammern ständig und neigen dabei zu exzessivem Schimpfwortgebrauch. An manchen Tagen sind sie verwirrt und desorientiert; alles kommt ihnen falsch und unvernünftig vor. Nachts werden sie von Alpträumen geplagt, erwachen erschrocken und erleben Sinnestäuschungen in der Dunkelheit. Gerade Kinder erwachen nachts schreiend und weinend. Sobald Fieber auftritt, sind die Patienten geschwätzig und scheinbar heiter. Manien wechseln sich mit depressiven Zuständen ab, auf Schlaflosigkeit folgen lang anhaltende Dämmerzustände.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die häufig auftretenden migräneartigen Kopfschmerzen werden von den Patienten tief im Kopf lokalisiert. Sobald die Schmerzen einsetzen, beginnen die Patienten, sich die Haare zu raufen, auf verschiedene Stellen an Kopf und Stirn zu drücken, oder gar den Kopf gegen die Wand zu schlagen. Da der Kopfschmerz sich durch Bewegung verschlimmert, sind die Patienten zum Stillhalten gezwungen. Die Schmerzen treten meist auf der rechten Kopfseite über dem Auge auf und ziehen sich bis hinter das linke Ohr. Solche Anfälle kehren periodisch wieder. Die Patienten sind außerdem anfällig für Meningitis.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Augen fühlen sich, v.a. im Zusammenhang mit Kopfschmerzattacken, wund und geschwollen an. Auf den Lidrändern treten Ekzeme auf. Die Bewegung der Augäpfel ist schmerzhaft und die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.Auf und in der Nase finden sich häufig Gruppen kleiner hartnäckiger, geschwollener Furunkel; der daraus hervorbrechende Eiter ist grün und übelriechend. Bei Schweißausbrüchen rötet sich die Nase und schwitzt besonders stark.
Das Gesicht wirkt alt, geschwollen und bleich. Die Jochbeine neigen dazu, zu schmerzen. Auf den Lippen können sich schwarze Blasen bilden. Die Patienten leiden unter Mundtrockenheit; ihre Zähne sind besonders kälteempfindlich.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Da Tuberculinum-Patienten im Bereich der Atemwege auffällig infektanfällig sind, sind Nase, Rachen und Bronchien meistens wund und gereizt. Gerade nach dem Essen müssen sich die Patienten oft schleimig räuspern. Selbst unter dem Einfluss von frischer Luft plagt sie ein Erstickungsgefühl, weshalb sie geschlossene Räume meiden und immer nach noch mehr kalter Luft verlangen. Heiserkeit bessert sich durch langes Sprechen. Der mit der Erkältung auftretende Husten ist trocken und schmerzhaft, vor allem nachts. Die Atemnot wird durch das kaum zu unterdrückende Husten verschlimmert. Obwohl Ein- und Ausatmen ein rasselndes Geräusch erzeugt, ist der Husten unproduktiv, d.h. ohne Auswurf. Sobald dann aber Auswurf (Sputum) auftritt, ist das Sputum dick und gelbgrün verfärbt. Die Patienten sind besonders als Kinder häufig asthmatisch und ziehen sich als Erwachsene leicht eine Lungenentzündung zu.In Zusammenhang mit der Atemnot tritt bei manchen Tuberculinum-Patienten ein Druckgefühl in der Brust direkt über dem Herzen auf. Nachts leiden sie unter Herzklopfen. Das Herz scheint beim tiefen Einatmen zu schmerzen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sobald bei den Patienten ein Hungergefühl auftritt, fühlen sie sich genötigt, sofort zu essen. Sie verspüren ein starkes Verlangen nach kalter Milch oder Süßigkeiten, lehnen aber den Verzehr von Fleisch ab.Morgens und nach Migräneattacken treten heftige und plötzliche Durchfallanfälle auf. Die Ausscheidungen sind braun, übelriechend und wässrig. Bei Kindern kann der Durchfall wochenlang andauern; während dieser Zeit wirken die Kinder ausgezehrt und erschöpft. Auch bei manchen erwachsenen Patienten verläuft der Durchfall chronisch und wird von einer sichtbaren Schwellung der Leistenlymphknoten begleitet. Häufiger aber als ein chronischer Verlauf ist der ständige Wechsel von Durchfall und hartnäckiger Verstopfung.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Tuberkuline Kinder neigen oft bis zur Pubertät zum Bettnässen. Erwachsenen, vor allem Frauen, dagegen fällt das Wasserlassen schwer, kann schmerzhaft sein und ist nur unter starkem Druck möglich. Die betroffenen Frauen leiden außerdem unter ständig widerkehrenden Harnwegsinfekten.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Der Zyklus von tuberkulinen Frauen ist in der Regel kürzer als die üblichen 28 Tage. Die Menstruation setzt zu früh ein und hält lange an; damit verbunden sind starke Unterleibsschmerzen. Mit der Blutung verstärkt sich der Schmerz. Auch die Symptome des Prämenstruellen Syndroms sind bei diesen Patientinnen stark ausgeprägt. Schon kurz nach dem Ende ihrer fruchtbaren Phase beginnen sie, unter Stimmungsschwankungen, Hautunreinheiten und schmerzenden Brüsten zu leiden. Nach der Schwangerschaft, in der die für Tuberculinum-Patienten üblichen Beschwerden sich meist bessern, setzt die Monatsblutung vergleichsweise früh wieder ein.Männliche Genitalien: Tuberkuline Männer werden oft von einer starken, unbändigen Libido geplagt.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Vor allem bei Kälte zeigen Tuberculinum-Patienten rheumatische Symptome. Rücken- und Gelenke fühlen sich steif an. Der Nacken ist häufig verspannt und das Drehen des Kopfes dementsprechend erschwert.Hände und Arme sind kraftlos; die Patienten sind zum Teil nicht einmal in der Lage, einen Stift zu halten. In allen Extremitäten breitet sich ein Gefühl der Mattigkeit aus. Schwächeanfälle und Lähmungserscheinungen können vor allem um die Mittagszeit auftreten.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut eines tuberkulinen Patienten ist rau und trocken und dadurch extrem schmerzempfindlich. Häufig treten juckende Ekzeme auf, die sich durch Wärme und fettende Hautcremes behandeln lassen. Das Jucken kann aber auch ohne sichtbare Gründe überall am Körper auftreten. Die Patienten neigen außerdem zu Schuppen und werden im Sommer schnell braun, ohne sich zu verbrennen.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Obwohl Tuberculinum-Patienten häufig bis hin zum Schüttelfrost frieren und zittern, verlangen sie ständig nach frischer Luft. Dann wieder sind beide Wangen gerötet und die Patienten klagen über Hitzewallungen.Tuberkuline Patienten schwitzen ständig und viel. Besonders kalte Schweißausbrüche machen ihnen zu schaffen. Ihr Händedruck ist auffällig feucht und klebrig.
Egal, wie stark ein Tuberculinum-Patient fiebert, er verspürt die ganze Zeit über den Wunsch, gut zugedeckt und gewärmt zu werden.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten träumen lebhaft und viel; vor allem werden sie von wiederkehrenden Alpträumen geplagt. Ihre Nächte verlaufen unruhig; sie schreien, reden, weinen und stöhnen im Schlaf, erwachen häufig und leiden darauf hin unter Schlaflosigkeit.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Baryta Carbonica

Baryta Carbonica wird aus Bariumcarbonat hergestellt. Im Gegensatz zu Tuberculinum Bovinum, das sich für alle Lebensalter eignet, wird Baryta Carbonica aber vor allem bei Kindern und älteren Menschen zur Behandlung eingesetzt. Kinder, bei denen die Gabe indiziert ist, sind unruhig, unausgeglichen und schwer zu erziehen. Sie sind häufig müde und reizbar, körperlich geschwächt und neigen zu Erkältungen. Der Einsatz von Baryta Carbonica bei älteren Menschen dagegen ist bei beginnender Senilität angezeigt.[3] Wie Tuberculinum Bovinum entfaltet es seine Wirkung vor allem im Bereich der Atemwege, beeinflusst Geist und Gemüt und stärkt das Immunsystem. Bei älteren Menschen wirkt es sich, anders als Tuberculinum Bovinum, positiv auf die Herzgesundheit aus.

Calcium phosphoricumpanthermedia.net /
Vinod Kumar Pillai

Umgangssprachlich als saurer Kalk bezeichnet, wird Calcium phosphoricum besonders zur Behandlung von Patienten mit Immunschwächen und Atemnot eingesetzt. Die Patienten, auch Kinder, sind dünn, ausgezehrt, schwächlich und häufig klein gewachsen. Sie neigen zu wiederkehrenden Erkältungen und geschwollenen Lymphknoten, zum Teil zu Lähmungserscheinungen und Entwicklungsstörungen. Im Gegensatz zu tuberkulinen Kindern, zeichnen sich die jungen Patienten hier allerdings nicht durch besondere Intelligenz und Auffassungsgabe aus. Calcium phosphoricum wirkt vor allem bei durch Wachstum und Entwicklung verursachten Beeinträchtigungen und kann deshalb teilweise auch Tuberculinum-Patienten verabreicht werden.

PhosphorusPantherMedia / Jiri Hera

Phosphoros-Präparate werden aus Phosphor, einem chemischen Element, hergestellt. Die Patienten wachsen schnell und wirken im Kindesalter gesund und kräftig. Mit einsetzender Pubertät beginnen sie allerdings unter Schwächeanfällen, häufigen Entzündungen und Atemwegserkrankungen, Nervosität, Stimmungsschwankungen und Wetterfühligkeit zu leiden. Im Erwachsenenalter stellen sich anämische Symptome ein. Als Erwachsene und ältere Menschen zeigen sie häufig ähnliche Symptome wie tuberkuline Patienten. Phosphoros ist im wesentlichen ein Heilmittel für Schwäche, darunter fällt auch die für Tuberculinum Bovinum typische Infektanfälligkeit und Nervenschwäche, außerdem aber Erkrankungen der Knochen oder chronische, schmerzhafte Leiden aller Art.

Siliceaby-studio - Fotolia

Der einem Silicea-Präparat zugrunde liegende Wirkstoff ist Kieselerde. Vor allem das Erscheinungsbild von Silicea-Patienten gleicht dem der tuberkulinen Patieten. Diese sind blass, dürr und häufig nervös. Wie Tuberculinum-Patienten neigen sie zu hartnäckigen Entzündungen und Immunschwäche. Allerdings ziehen sie Wärme und geschlossene Räume der Kälte vor. Die typische Symptomatik entwickelt sich hier meist schon im frühen Kindesalter. Während Tuberculinum Bovinum sich vor allem auf die Atemwege, Lungen und Lymphknoten auswirkt, werden mit Silicea alle Arten von entzündlichen Erkrankungen behandelt. Beide Präparate aber entfalten ihre Wirkung gleichermaßen bei Geist und Gemüt.

Hintergrundinformationen

Da Tuberculinum Bovinum aus Gewebe von an Tuberkulose erkrankten, notgeschlachteten Rindern hergestellt wird, ist es kaum verwunderlich, dass die Symptomatik eines tuberkulinen Patienten der Symptomatik eines Tuberkulosekranken ähnelt. Tuberkulose ist eine bakteriell induzierte Krankheit, die meist die Lunge befällt, hin und wieder aber auch andere Organe und Körperteile betrifft. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist etwa ein Drittel der Weltbevölkerung Träger des Erregers. Allerdings erkrankt nur jeder Fünfte oder Zehnte nach der Ansteckung. Risikopatienten sind Kinder, ältere Menschen oder Menschen, die unter einer Immunschwäche leiden. Während Tuberkulose früher meist tödlich verlief, ist sie heute medikamentös behandelbar. Dennoch sollte der Umgang mit infiziertem Gewebe zur Herstellung homöopathischer Präparate dem Homöopathen überlassen bleiben.[6]

Tuberculinum Bovinum ist eine spezielle, von Kent entwickelte Form des Tuberculinum-Präparates. Ein solches kann auch aus tuberkulösem Gewebe oder Auswurf von menschlichen Patienten gewonnen werden. Die Leitsymptome der einzelnen Präparate unterscheiden sich allerdings kaum voneinander, zumal die Erreger der Tuberkulose, sogenannte Mykobakterien, Rinder wie Menschen gleichermaßen befallen können.