Globuli von A bis A

Acidum nitricum Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Acidum nitricum ist ein homöopathisches Präparat, das aus Salpetersäure (HNO3) hergestellt wird. Es wird bei Hautgeschwüren und -entzündungen eingesetzt, besonders an Stellen, an denen Haut in Schleimhaut übergeht. Acidum nitricum passt gut zu Menschen, die schnell ärgerlich oder wütend werden, viel schimpfen und fluchen, sich leicht erkälten und schnell geschwächt sind. Es kann Menschen gegeben werden, die mit sich selbst nicht zufrieden sind, aber trotzdem gerne im Mittelpunkt stehen, nachtragend und schnell reizbar sind und sich viele Gedanken und Sorgen über längst Vergangenes machen.

Acidum nitricum wird auch bei Blutungen aller Art gegeben, bei Wunden, Erkrankungen der Körperdrüsen (Leber, Prostata etc.) sowie auch bei Erschöpfungszuständen und Schmerzempfindlichkeit.[5]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Der Acidum nitricum- Patient kämpft hartnäckig und ausdauernd gegen permanent empfundene Gefahr. Hierbei ist er unnachgiebig, hartherzig, boshaftig und gewalttätig. Im Angesicht einer kritischen Situation findet sich eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft, er ist stets bereit zurückzuschlagen. Ungeheures Misstrauen zeichnet ihn aus und er sieht überall Gefahren. Kalter Zorn überkommt ihn, ebenso wie Heftigkeit und Ungeduld. Wenn der Patient dies nicht mehr selbst ausgleichen kann und von den Symptomen überfordert ist, schlägt dieses Bild um in Entmutigung, Enttäuschung, Mangel an Selbstbewusstsein, Verzweiflung und Unzufriedenheit mit sich selbst. Dem Patienten fällt es schwer, sich bei seiner Arbeit zu engagieren, ihn plagen Heimweh und schlechte Laune.[1] Acidum nitricum wird auch in der Schwangerschaft gegeben, um vaginale Beschwerden wie Ausfluss (Fluor vaginalis), Juckreiz, anhaltende Trockenheit und Vaginalschmerzen zu behandeln. Es kann auch nach der Entbindung gegeben werden, wenn unregelmäßige Gebärmutterblutungen auftreten.[4]

In welchem Alter?: Acidum nitricum wird vorwiegend für Personen jenseits der Lebensmitte empfohlen. Das Mittel wird jedoch auch in jedem anderen Alter gegeben.Kinder, denen das Mittel hilft, sind häufig sehr frostig, neigen zu immer wieder auftretenden Entzündungen von Schleimhäuten (Katarrhen), Hauteinrissen (Rhagaden), Mundschleimhautentzündungen (Aphthen) und Ohrentzündungen, die schlecht ausheilen und einen übelriechenden, ätzenden Ausfluss produzieren.[3] Älteren Menschen wird das Mittel gerne bei Durchfallerkrankungen gegeben.[4]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Acidum nitricum hat seinen Wirkort besonders dort, wo Schleimhaut und Haut aneinander grenzen. Es besteht also vor allem an der Haut und Schleimhaut von Hals, Mund und Anus eine Neigung zu Einrissen (Fissuren) und Geschwüren (Ulzerationen). Blutungen und stinkende, ätzende Absonderungen (Sekretionen) treten auf. Schmerzen sind splitterartig, erscheinen plötzlich und verschwinden genauso schnell wieder. Es besteht eine starke körperliche Schwäche mit Zittern und Frösteln. Absonderungen des Körpers riechen unangenehm. Der Harn wird beim Urinieren als kalt empfunden, der Stuhlgang ist unregelmäßig und teilweise schmerzhaft. Kopfschmerzen sind bandförmig um den Kopf herum verteilt, es besteht großer Durst und häufig Übelkeit nach dem Essen. Der Patient bevorzugt fettes und schwer verdauliches Essen, verträgt Milch schlecht und ist im Allgemeinen sehr unzufrieden [2].
Weitere typische Symptomatiken sind:

  • Der Patient klagt über entzündliche Fissuren und Rhagaden sowie unnatürlich entstandene Kanäle zwischen zwei Organen oder einem Organ und der Hautoberfläche (Fisteln). Hierbei sind besonders die Ränder von Körperöffnungen wie Hals, Mund und After (Anus) besonders betroffen.
  • Erkrankungen der Körperdrüsen wie Leber, Prostata und Speicheldrüsen treten auf.
  • Der Patient hat eine verstärkte Blutungsneigung (Hämorrhagische Diathese), seine Blutungen sind hellrot wie Wasser, es kommt zu Blutungen nach Ausschabungen (Kürettage).
  • Den Patienten plagen starke Erschöpfungszustände, Frost, Zittern, Gewichtsverlust (Kachexie) und eine hohe Schmerzempfindlichkeit.
  • Es kommt zu Wunden mit zusammenschnürenden Schmerzen. Diese Beschwerden werden auch oft als wund und steif beschrieben.Es fühlt sich hierbei an, als ob das Fleisch von den Knochen geschabt würde.
  • Die Absonderungen des Körpers sind sauer, dünn, schmutzig-braun und ätzend.
  • Die Zähne sind von Karies befallen, es zeigt sich eine krankhafte Zunahme von Knochensubstanz (Exostosen).
  • Patienten zeigen häufig maligne Erkrankungen, zum Beispiel bösartige Tumoren.
  • Beim Zubettgehen uns nachts kommt es zu Muskelkrämpfen (epileptoforme Konvulsionen) und tagsüber zu Schwindel(besonders bei Fahren in Fahrzeugen).
  • Der Patient zeigt eine starke Empfindlichkeit gegenüber homöopathischen Mitteln mit Hochpotenzen, also stark verdünnte Arzneimittel, die vor allem eine Wirkung auf den geistigen und seelischen Bereich haben.[1]

Verbesserung: Verbesserung tritt beim Fahren und Gefahren werden auf, bei mildem Wetter und durch Druck [1].

Verschlechterung: Symptome, bei welchen Acidum nitricum eingesetzt wird, verschlechtern sich durch geringfügige Ursachen. Sie werden des Abends und des Nachts schlimmer, außerdem bei Wetterwechsel, Kälte sowie durch Berührungen und Erschütterungen. Geräusche, Bewegung, Milch und Fettes, sowie Essen bewirken ebenfalls eine Verschlechterung. Ebenso auch Bettwärme, geistige Anstrengung, Schock, Quecksilbervergiftung und Schlafmangel.[1]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kommt zu einer Gedächtnisschwäche mit Abneigung gegen geistige Arbeit, einem Mangel an Ideen und einer Verstandes- und Willensschwäche. Der Patient ist wortkarg, launisch und zornig. Er ist despotisch, hartherzig, leicht verletzlich und erbarmungslos. Er neigt leicht zu Tränen, ist häufig traurig und verzweifelt und zeigt einen Lebensüberdruss. Trotzdem hat er starke Angst vor dem Tod. Hoffnungslose Verzweiflung kennzeichnet ihn. Bei Schlafmangel überkommt ihn Angst, er ist nervös und reizbar. Außerdem ist er schreckhaft, er schreckt häufig aus dem Schlaf auf.[1]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Schädel fühlt sich voll und schmerzhaft an, es kommt zu drückenden und pressenden Kopfschmerzen. Diese treten besonders beim Tragen einer Kopfbedeckung, bei Lärm und bei Erschütterungen auf. Es fühlt sich an, als ob ein Band um den Kopf gebunden ist. Schädelschmerzen treten auf, die sich wund anfühlen. Die Kopfhaare werden durch Schorf und juckenden Hautausschlag zerstört. Bei Berührung kommt es zu splitterartigen Schmerzen. Die Kopfhaut ist entzündlich geschwollen, dies entsteht durch Druck bei der Lagerung.[1]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht zeigt eine gelbliche Farbe und wirkt kränklich. Die Lippen sind angeschwollen, rau und jucken. Die Mundwinkel sind ebenfalls rau und eingerissen. Beim Kauen kommt es zu Knacken im Kiefergelenk.Im Liegen oder beim Zurückbeugen des Kopfes kommt es zu einer Empfindung, als ob Wasser über die Augen läuft.Doppelbilder treten auf, außerdem Bindehautentzündungen (Konjunktivitis), Entzündungen der Regenbogenhaut (Iritis) und Auswärtskippung des Augenlides (Ektropium). Die Augenwimpern des rechten Auges sind medial gerichtet und das Oberlid kann herabhängen (Oberlidptose). Durch eine Vergrößerung der Mandeln (Tonsillenhypertrophie) kann es zu einer Taubheit kommen, die durch Fahren in einem Wagen besser wird. Die Ohrtrompete (Eustachische Tube), die das Mittelohr mit dem Nasenrachen verbindet, ist verlegt. Dadurch ist der Druckausgleich eingeschränkt und es kommt zu einem krachenden Geräusch in den Ohren beim Kauen. Außerdem ist das Echo der eigenen Stimme im Ohr zu hören. Es kommt zu reichlich Ausfluss aus dem Ohr, der dunkel und übelriechend ist. Häufig sind mit Hohlräumen versetzte Geschwüre (zystische Tumoren) in den Ohrläppchen.Im Hals kommt es ebenfalls zu stechenden, splitterartigen Schmerzen, die sich beim Schlucken bis in die Ohren erstrecken. Die Mandeln (Tonsillen) sind rot, geschwollen, verhärtet und geschwürig. Die Aufnahme von Nahrung und Getränken ist sehr schmerzhaft. Die Nase nimmt einen unangenehmen Geruch wahr, besonders abends beim Hinlegen. Häufiges Nasenbluten (Epistaxis) tritt auf, vermehrt morgens, nachts und beim Weinen. Das Blut ist dunkelrot und klumpig. Niesen kommt häufig vor, allerdings ohne Schnupfen und während des Schlafes. Das Niesen scheint erfolglos zu sein, da kaum Sekret dabei entweicht. Wenn doch Schnupfen auftritt, dann gemeinsam mit einer Trockenheit der Nase und einem Verstopfungsgefühl. Hierbei tritt Atemnot auf. Mögliche Absonderungen sind wässrig, gelb, übelriechend und zerfressend mit Schwellung der Oberlippe. Die Nase juckt, brennt und sticht, besonders in der Nasenwurzel und beim Husten oder Niesen. Morgens ist die Nase grün überkrustet, die Krusten hinterlassen beim Entfernen eine wunde, empfindliche Schleimhaut. Die Nasenspitze ist meist rot und wund.[1]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Durch eine trockene Stelle in der Luftröhre (Trachea) kommt es zu einem erschütternden Husten, besonders nachts, aber auch tags beim Liegen, im Winter und durch Kälte. Dabei treten stechende Schmerzen im Lendenbereich des Rückens auf. Der Auswurf beim Husten kann kaum hochgebracht werden. Er ist zäh, klebrig wie Klebstoff, schmutzig und gelb-grün. Morgens nach dem Aufstehen kommt es zu reichlichem Auswurf, der gelblich, grünlich, bräunlich, sauer, bitter, salzig und übelriechend, vermischt mit blutigen Klumpen, ist. Beim Treppensteigen tritt Atemnot auf. In der Brust besteht ein Engegefühl mit stechenden, krampfartigen Schmerzen. Das untere Drittel des Brustbeins (Sternum) ist wund. Die Lunge kann überbläht sein (Emphysem) und ist häufig entzündet (Pneumonie). Schwindsucht (Tuberkulose) mit Organschwund, also eine allgemeine Abnahme der Organe (Phthise) tritt auf. Durch kleinste Erregung und körperliche Anstrengung kommt es zu nervösem Herzrasen und Angst, ebenfalls zu unregelmäßigen Herzschlägen, bei denen jeweils der vierte Pulsschlag aussetzt.[1]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient hat ein starkes Verlangen nach Fett- und Salzhaltigem, unverdaulichen Dingen wie Erde, Kreide etc. Milchunverträglichkeit kommt vor, genauso wie Übelkeit mit gelegentlichem Erbrechen, besonders bei Fahren mit einem Wagen. Es besteht eine Abneigung gegen Fleisch und gesüßte Sachen. Übelkeit mit Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Schmerzen des Magens und ein Klumpengefühl im Magen nach dem Essen treten auf. Die Leber entzündet sich (Hepatitis), was zu stechenden Schmerzen im rechten Oberbauch führt. Bei Malaria kommt es zu einer chronischen Hepatitis. Bei Gelbfieber, einer tropischen Infektionskrankheit ausgelöst durch das Gelbfiebervirus, vergrößert sich die Milz. Der Bauch ist aufgetrieben, zeigt Völlegefühl und Bauchgeräusche mit allgemeinem Frost und Empfindlichkeit gegenüber Berührung. Im Bauch (Abdomen) kommt es zu schneidenden, krampfartigen, brennenden Schmerzen, besonders morgens und abends und beim Umhergehen.Die Schleimhäute des Darms sind chronisch entzündet. Es kommt zu Austritt von Baucheingeweiden aus der Bauchhöhle, die eingeklemmt sein können (inkarzerierte Hernie), vor allem im Leistenbereich. Der Stuhl ist blutig, schleimig, dünnflüssig, teilweise auch verstopft. Der Stuhlgang ist unbefriedigend, als ob Stuhl im Mastdarm (Rektum) zurückbleibt. Es kommt, auch bei Durchfällen, zu schneidenden, splitterartigen Schmerzen im Rektum, die sehr erschöpfen und bis lange nach dem Stuhlgang (Defäkation) anhalten. Schmerzhafte, leicht blutende, heraustretende (prolabierende)Hämorrhoiden treten auf, vor allem wenn harter, klumpiger Stuhl abgesetzt wird. Auf bakteriell bedingte Entzündungen des Darmes folgt eine Geschwürbildung. Es treten Fissuren, Fisteln, Polypen und Tumore im Rektum auf. Der After brennt und juckt. Nach Hämorrhoiden-Operationen kommt es zu Blutungen, die Nähte sind feucht und wund. Am Anus können Ausschläge auftreten.[1]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Urin stinkt nach Pferdeurin und färbt die Wäsche braun. Die Menge ist abwechselnd spärlich und reichlich. Es muss auf den Urin gewartet werden, bis er später dann in einem Strahl fließt. Der Urin enthält Oxalsäure, Harnsäure und Phosphate. Er enthält Spuren von Blut. Ein Frösteln zieht sich entlang der Wirbelsäule, als ob ein heißer Draht in der Harnröhre steckt. Diese brennt und es besteht starker Harndrang. Der Urin ist kalt. Nach Entleeren wird der Brennschmerz besser. Auf der Eichel (Glans Penis) befinden sich rötlich raue Flecken. Die Niere kann entzündet sein (Nephritis mit Albuminurie), die Füße sind morgens geschwollen.[1]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Männern ist das Sexualverlangen gesteigert, nächtliche Erektionen kommen vor, begleitet von Schmerzen. Impotenz kann auftreten. Die Hoden können empfindlich geschwollen sein. Unterdrückte Gonorrhoe, eine Geschlechtserkrankung, kann zu einer Entzündung der Prostata führen (Prostatitis). Die Vorhaut kann jucken und brennen und weitere Hautausschläge und -beschwerden können am männlichen Genitale auftreten. Die Schambehaarung kann, bedingt durch Haarausfall, zurückgehen.Bei Frauen kommt es zu vielen, linsengroßen Feigwarzen (Kondylome) an der Vagina. Nach dem Koitus tritt Juckreiz der Vaginalschleimhäute auf. Nach körperlicher Anstrengung kann es zu vaginalen Blutungen kommen. Die Menstruation kommt zu früh und ist zu stark. Das Blut ist dunkelrot und dick, manchmal aber auch spärlich und sieht aus wie faules Wasser. Diverse weitere Symptome treten am weiblichen Genitale auf, ebenso wie Beschwerden am unteren Bewegungsapparat durch Verlagerung der Gebärmutter.[1]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist trocken und gelblich verfärbt. Sie zeigt eine braunrote, kupferfarbene oder violette Fleckbildung. Eiternde, hartnäckige Geschwüre plagen den Patienten. Warzen kommen vor, sie sind groß und bluten leicht beim Waschen. Alte Narben schmerzen bei kaltem Wetter, Frostbeulen jucken. Die Haut kann tiefe, blutende Risse zeigen.[1]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Fußsohlen sind eiskalt und es besteht starker Frost. Der Patient schwitzt leicht und erkältet sich dann. Der Schweiß ist erschöpfend, reichlich und tritt meist morgens auf. Die Achselhöhlen, Füße und Hände schwitzen besonders. Nachts schwitzen die Körperteile, auf denen gelegen wird.[1]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Beim Einschlafen kommt es zu ängstlichem Aufschrecken, tagsüber besteht Schläfrigkeit. Während des Schlafes kommt es zu Schmerzen und ängstlichem Jammern. Die Träume sind ebenfalls ängstlich, häufig sind esAlbträume. Nach zwei Uhr morgens kann der Patient nicht weiterschlafen, daher fühlt er sich morgens unausgeschlafen.[1]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Petroleum rectificatum

Petroleum wird aus Erdöl gewonnen. Als homöopathisches Präparat ist es das Mittel zur Wahl bei Schuppenflechte (Psoriasis). Es sollte immer in Betracht gezogen werden, wenn der Patient angibt, dass seine Haut sehr trocken ist. Bei Hauteinrissen (Rhagaden) und Fissuren, die sich besonders im Winter verschlimmern kann Petroleum rectificatum alternativ zu Acidum nitricum eingesetzt werden. Es kann auch bei tiefen und blutigen Hauteinrissen helfen, zum Beispiel bei Patienten mit verstärkter Blutungsneigung.[7]

Phosphorus

Bei Phosphorus handelt es sich um eine besonders angeordnete Kristallstruktur (Modifikation) des chemischen Elements Phosphors. Es nimmt Einfluss auf diverse Körpersysteme wie Atemwege, Niere, Verdauuungstrakt, Blut, Nervensystem und auf die Haut. Dementsprechend kann das Mittel alternativ zu Acidum nitricum bei beispielsweise stark blutenden Wunden, Hepatitis, Gelbsucht (Ikterus), trockener Haut und Nasenbluten gegeben werden. Der Phosphorus-Patient unterscheidet sich in seiner Persönlichkeit allerdings stark von dem Acidum nitricum-Patienten. Er strahlt Liebenswürdigkeit und Liebe aus, ist dabei aber zu stark involviert und verfällt der Situation mit „Haut und Haaren“. Er neigt aber auch zu häufigen Verletzungen mit Blutungen, Blutergüssen und blauen Flecken.[7]

Acidum sulfuricum

Bei Acidum sulfuricum handelt es sich ebenfalls um eine Säure und zwar um die stärkere Salzsäure. Sie wird als homöopathisches Präparat häufig bei Blutungen aller Art eingesetzt, besonders bei Blutergüssen unter der Haut und bei Menschen, die zu verstärkter Blutung neigen (hämorrhagische Diathese). Schwefelsäure verätzt die Haut und somit wird sie bei ähnlichen Beschwerden gegeben, dazu gehören Bläschen und Geschwüre, Mundschleimhautentzündungen (Aphthen), aber auch Sodbrennen.[8]

Hintergrundinformationen

Bei Salpetersäure (Acidum nitricum) handelt es sich um die bekannteste und stabilste Sauerstoffsäure des Stickstoffs. Sie wird aus Salpeter mittels Zugabe einer stärkeren Säure (Salzsäure, Schwefelsäure) gewonnen. Sie zählt zu den Mineralsäuren.

Der Name Salpetersäure leitet sich von einem mittlerweile als veraltet geltendem Herstellungsverfahren ab. Salpeter ist ein Felsensalz. Es existieren zwei Theorien, die die natürliche Entstehung von Salpeter in der Natur erklären könnten. Zum einen wird vermutet, dass sich das Felsensalz in heiß-trockenen Gebieten durch biochemische Zersetzung von organischen Abfällen wie z. B. Exkrementen von Vögeln und anderer Tiere bildet. Eine andere Theorie besagt, dass es durch Stickstoffverbindungen aus der Luft in Verbindung mit der zersetzenden Wirkung von Salpetersäure auf Wüstengestein entsteht. Unter Zugabe von Schwefelsäure wird aus dem Salpeter die Salpetersäure gewonnen. Seit 1908 wird die Säure allerdings mittels eines anderen Verfahren (nach Oswald hergestellt, bei der Ammoniak oxidiert wird und dadurch Salpetersäure entsteht. Sie spielt eine große Rolle in der chemischen Industrie, als Rohstoff für Dünge- und Heilmittel, für Farb- und Sprengstoffe sowie bei der Metallbearbeitung.[6][9] Die Säure löst bei Auftragen auf die Haut Entzündungen, Geschwüre und Blasenbildung aus, da sie in ihrer Eigenschaft brandfördernd und ätzend ist. Nach dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie wird das Mittel demnach genau bei diesen Indikationen eingesetzt. Ebenso bei Menschen, die in ihrem Wesen leicht „säuerlich“ und „ätzend“ sind.[4]